BRAUSER trifft ▶️▶️▶️ Tiertrainer und Rudelberater Arne Winkler

Rudelberater, nennt sich Arne Winkler Tiertrainer mit dem Schwerpunkt Hunde und Pferde selbst. Da wir auf Rudelbildung aktuell verzichten und zu Einzelgänger mutieren, trafen wir den Experten. Der Familienvater mit zwei Vollzeitjobs ist auf Mensch und Tiergruppen spezialisiert und arbeitet sonst noch in der Produktionsleitung für Veranstaltungen. Sonst nimmt er Hund und Herrchen an die Leine, heute erzählt er uns alles über Verhaltensbiologie und warum Hunde unsere Freunde sind.

Wie wird man Tiertrainer?

Arnes Herz schlägt nicht nur für Vierbeiner!

Tiertrainer war eigentlich schon immer mein Wunsch. Als ich klein war, hatte ich einen Kinderfilm gesehen, bei dem wurde gesagt, dass Tiere einmal in Ihrem Leben versuchen zu sprechen und weil wir Menschen das nie beachten, sind sie so traurig, dass sie es nie wieder probieren. Das war so einprägsam für mich, dass ich seitdem versuche mit Tieren zu „sprechen“. Da Tiertrainer kein Ausbildungsberuf ist und es zu der Zeit meiner ersten Berufswahl auch den Tierpfleger noch nicht als Ausbildungsberuf gab, habe ich erst andere berufliche Wege eingeschlagen.

Und wie lief das?

Nicht nur Hunde hören auf sein Kommando

Vor circa 13 Jahren zog dann Buzz – unser zweiter Hund – bei uns ein. Im Gegensatz zu Baby, unserem ersten Hund, klappte es mit der Verständigung nicht so wirklich … genau genommen mal so gar nicht. Daraufhin haben wir uns dann an „selbst ernannte“

Hundetrainer gewandt, deren Trainingsansätze alle suboptimal waren und von Alphaschwurbelei über Führungsdominaz bis hin zu telepathischer Kommunikation reichten. Die meisten Trainingsansätze lehnte ich ab, weil sie in erster Linie auf Gewalt und Angst gegen den Hund beruhten und weil sich mir deren „Wirkungsweise“ nicht erschloss. Die gängigste Antwort auf Nachfragen war: „Das ist bei Wölfen und Hunden eben so“.

Und damit gabst Du Dich nicht zufrieden?

Kuscheln gehört eben auch dazu!

Da mir diese Aussage nicht weiterhalf und sich das Verhalten von Buzz immer weiter verschlechterte, beschloss ich schließlich mich selber mit Verhaltensbiologie bei Hunden auseinanderzusetzen. Das öffnete mir dann sozusagen die Augen und ich habe die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, wie viele meiner gängigen Annahmen und Praktiken im Umgang mit Tieren falsch waren. Diese Erkenntnisse ließen mich letztendlich den Entschluss fassen, professioneller Hundetrainer werden zu wollen, um so den vielen, vielen Missverständnissen und falschen Annahmen vorzubeugen und Hunden und Haltern ein stressfreies, artgerechtes und harmonischeres Zusammenleben zu ermöglichen.

Und wo ist der Unterschied zwischen Trainer und Verhaltensberater?

Das große Gelände muss gepflegt werden, auch das kostet Kraft

Beim Hundetraining geht es in erster Linie um das „Erschaffen“ von Verhalten, wie „Sitz“, „Bleib“, „Komm“ oder das gehen an lockerer Leine. In der Verhaltensberatung geht es um das „verändern“ von bereits bestehenden Verhaltensweisen, wie zum Beispiel Aggressionen an der Leine oder ängstlichem Verhalten gegenüber Menschen.

Kommst Du aus Kassel?

Ich bin in Kassel geboren und lebe in Habichtswald.

Was hält Dich in Kassel?

Süß nicht wahr? Aber ein Hundekauf sollte gut überlegt sein

Ich war und bin auch immer noch oft im In- und Ausland unterwegs aber Kassel beziehungsweise Habichtswald war immer meine „Homebase“. Mir hat sich nie die Frage gestellt, woanders hinzuziehen. Ich habe hier alles was ich brauche und was mich glücklich macht. Kassel liegt super zentral, bietet alle Vorzüge einer modernen Großstadt und das mit einer unglaublichen Naturnähe in einer wunderschönen Landschaft. Gibt nichts Besseres – My home is my Kassel!

Mit Hunden aufgewachsen?

Meine Eltern waren keinen großen Hundeliebhaber, das hat erst Baby geändert. Daher gab es keinen Hund in unserer Familie, als ich ein Kind war. Das heißt aber nicht, dass ich nicht trotzdem mit Hunden aufgewachsen bin. Mit drei Jahren bin ich das erste Mal in einen Hundezwinger geklettert und ab diesem Moment war kein Hund mehr sicher vor mir (lacht). Wenn ich einen Hund gesehen habe, MUSSTE ich hin. Oft sehr zum Entsetzen meiner Eltern und der Besitzer. Unglaublicher und glücklicherweise ist mir nie etwas passiert. Das war echt Glück und ich bin den Hunden bis heute noch dankbar, wie nachsichtig sie mit mir waren. Diese Erfahrungen haben sicherlich zu meiner „Tierambition“ beigetragen.

Ein typischer Tagesablauf von Dir?

Nach dem Aufstehen werden Kind und Tiere versorgt. Danach meistens Büroarbeit. Ab Mittag finden dann Einzeltrainings und Verhaltensberatungen statt oder der Trainingsplatz wird gepflegt. Da unser Trainingsplatz mit knapp zwei Hektar ziemlich groß ist, ist das recht zeitaufwändig. Nachmittags wird der Platz für die Gruppentrainingseinheiten vorbereitet und unter der Woche finden dann abends einige Gruppenkurse statt. Samstag und Sonntag bin ich meist von morgens bis zum Nachmittag auf dem Trainingsgelände, da dort die meisten Gruppeneinheiten stattfinden. Zwischendrin kümmere ich mich dann um die Familien-Vierbeiner Buzz und Snooze und die Familienzweibeiner dürfen ja auch nicht zu kurz kommen. Ein Tag in der Woche ist immer ausschließlich für die Familie reserviert.

Was ist das Wichtigste bei der Hundeerziehung?

Artgerechte und gewaltfrei Kommunikation und das Verständnis dafür, dass jeder Hund ganz individuelle Bedürfnisse hat, die man erkennen und im Umgang mit dem Hund berücksichtigen muss.

Sehen Hund und Halter sich oft ähnlich?

Vom Aussehen weniger aber die Verhaltensweisen ähneln sich oft. Auf Rudelbildung wird ja aktuell verzichtet – Warum ist der Mensch Deiner Meinung nach ein Herdentier? Ich glaube, dass ist evolutionsbiologisch einfach sinnvoll und hat unser Überleben gesichert. Allerdings bin ich kein Experte auf dem Gebiet der menschlichen Verhaltensbiologie.

Was hat Dich die letzte Zeit über Menschen gelehrt?

Gelehrt nicht viel aber bestätigt, dass Angst, die älteste Emotion bei Säugetieren ist und maßgeblich die Verhältnismäßigkeit von Handlungen beeinflusst … das ist übrigens auch eine extrem wichtige Erkenntnis im Tiertraining (grinst).

Sind Herrchen und Frauchen immer das Problem? Und warum?

Sie sind nicht immer das Problem, aber maßgeblich für das Verhalten ihres Hundes verantwortlich. Das liegt daran, dass unsere „Haushunde“ in einem menschlichen Gesellschaftssystem leben, deren Regeln für sie vollkommen fremd sind, teilweise sogar nicht mal artgerecht. Es liegt somit am Halter, dem Hund diese Regeln artgerecht zu vermitteln und das gewünschte Verhalten zu formen. Wenn das nicht funktioniert, können wir nicht den Hunden die Verantwortung für etwas in die Schuhe schieben, von denen sie gar nicht wissen, dass es existiert.

Die tollste Eigenschaft an Hunden?

Dass sie uns Menschen als adäquate Sozialpartner anerkennen, obwohl sie wissen, dass wir keine Hunde sind.

Deine Lieblingsrasse?

Habe ich nicht wirklich. Allerdings habe ich eine leichte Tendenz zu Mischlingen nordischer- und urtypischer Rassen.

Wie bist Du durch die Corona-Zeit gekommen?

Seit dem 4. Mai dürfen wir ja zum Glück wieder trainieren. Bis dahin habe ich Onlinetraining angeboten und die „gewonnene“ Zeit mit der Familie und den eigenen Tieren verbracht.

Drei Do’s und Dont’s wenn man sich einen Hund holt?

Do’s:

    • Infomier’ dich über die Rasse
    • Werde dir über den Kosten- und Zeitaufwand bewusst
    • Lass dich beraten BEVOR du dir einen Hund anschaffst

Dont’s:

    • Keine Billigwelpen aus dem Internet, sondern nur vom seriösen Züchter oder von seriösen Tierschutzorgas.
    • Keine Zeit? Keinen Hund!
    • Vor lauter Emotionen nie das Hirn ausschalten, auch wenn es verdammt schwer ist. 

Die coolsten Hundenamen die Dir untergekommen sind?

Es gibt viele tolle Hundenamen. Spontan fallen mir da: Ghost, Keks, Berti, Happy oder Günni ein.

Was machst Du als Nächstes nach unserem „Treffen“?

Auf den Trainingsplatz und den Gruppenunterricht vorbereiten.

http://www.die-rudelberater.de

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Fotos: privat, alle n.h.