BRAUSER trifft: Astrid und Grischa von „Schmackes“ ▶️▶️▶️ Das Kollektiv im Schillerviertel

  „Ein gut sortierter Einkaufsladen mit ökologisch produzierten Lebensmitteln zu fairen Preisen – das ist die Grundidee hinter unserem Ladenkonzept“ – so lädt die Website des Mitgliederladens in der Erzbergerstraße seine Besucher/innen ein. Wir trafen die Köpfe der Idee: Astrid und Grischa. Wir sprachen mit ihnen über Corona-Zeitvertreib, von wo sie ihre Lebensmittel beziehen und ganz viel über unsere schöne Stadt.

Wie hat bei euch mit Schmackes alles angefangen?

Ein starkes Team: Astrid und Grischa freuen sich auf jede/n Besucher/in.

Astrid: Den Laden haben wir 2005 eröffnet, ich bin im Herbst 2004 zu der Gruppe gestoßen, wir waren damals zu sechst. Unser Plan war, den Laden als Kollektiv zu betreiben. Ich bin allerdings die Einzige, die von der Anfangscrew übrig ist. Grischa kam 2007 dazu. Es waren ziemlich harte Anfangsjahre, wir hatten ja zu Beginn nur wenige Mitglieder/innen, und die Schwierigkeiten an unserem Standort leider total unterschätzt. Dazu kam, dass sich die Biobranche genau zu der Zeit radikal verändert hat, plötzlich wollten auch Lebensmittelriesen und Drogerieketten mit Bio-Gewinne machen. Kleine Läden haben es schwer, sich dagegen zu behaupten. Wir haben uns aber durchgebissen und es geschafft, den Laden so zu gestalten, wie wir uns einen Laden wünschen: mit den leckersten Biolebensmitteln und netter Atmosphäre, mit vielen Produkten von regionalen Produzent/innen und von Projekten, die für Nachhaltigkeit und faire Arbeitsbedingungen auch auf den Äckern dieses Planeten kämpfen. Grischa: Mittlerweile freuen wir uns über eine stabile Finanzierung durch Mitgliedsbeiträge und viel Zuspruch von unserer Kundschaft. Übrigens die netteste Kundschaft von Kassel!

Eure Aufgaben im Laden?

A: Im Laden trefft ihr mich gerade nur montags, an den anderen Tagen mache ich Homeoffice und beschule meine Kinder. Also erledige ich für Schmackes die Hintergrundarbeit, wie Rechnungen bezahlen, am Ladenkonzept feilen und das Email-Postfach in Schach halten. In normaleren Zeiten bin ich auch sehr gern im Verkauf, das fehlt mir jetzt. G: Ich verbringe meinen Tag mit Bestellungen, Sortimentspflege, den obligatorischen IT-Problemen und natürlich unseren Kund/innen. A: Gemeinsam sind wir das Schmackes-Kollektiv. Wir waren mal mehr, das wollen wir auch wieder werden! Wir haben aber tolle Mitarbeiter/innen, ohne die würden wir den Laden nicht stemmen können.

Gab’s ein Vorbild?

A: Wir haben uns viel Rat bei Onkel Emma (Einkaufsgemeinschaft in Marburg, Anm. d. Red.) geholt, das war superhilfreich. Wir durften sogar einen Tag hospitieren. Allerdings war zu unserer Anfangszeit die Lage auf dem Biomarkt ja eine ganz andere, als beiden Emmas. So ganz ging das Konzept dann also doch nicht auf.

Was macht Schmackes aus?

Zum reinbeißen, oder?

A: Wir wollten einen Laden aufmachen, der gegenüber allen Beteiligten fair ist, also gute Arbeitsbedingungen für uns, faire Preise für die Produzenten/innen und tolle Produkte besonders günstig für unsere Mitglieder/innen. Uns ist nicht egal, woher ein Produkt kommt, wir achten beim Einkauf darauf, möglichst nachhaltig und fair produzierte Ware zu bestellen. Wir geben kleinen Betrieben den Vorzug, Verbandsware sowieso und am liebsten bieten wir Produkte von Kooperativen, Kollektivbetrieben und Projekten an. Davon gibt es im Kasseler Umland eine Menge! Projekte wie Café Libertad und Banafair gehören aber genauso in unser Sortiment wie die von Röstrausch, Knofi&so, K&K-Stauden und der Losseküche… G: Wir tolerieren kein rassistisches, sexistisches oder sonst wie diskriminierendes Verhalten! Wer diese Grundregeln für ein okayes Miteinander nicht drauf hat, kann bei uns nicht einkaufen. Diese Positionierung ist uns wichtig!

Wie funktioniert dieses Mitglied-Sein?

Es grünt so grün… und man kann quasi zuseh’n…. ;-)…

G: Ganz einfach: Ihr zahlt einen Monatsbeitrag und kauft günstig ein. A: Wir empfehlen allen Interessierten einen Probemonat, der kostet 18 Euro und endet automatisch. In einem Monat findet man gut heraus, ob wir der neue Lieblingsladen sind und sich die Mitgliedschaft auch rechnet.

Kann man bei euch auch einkaufen, ohne Mitglied zu sein?

A: Klar, dann zahlt man eben den Preis, den die Produkte in anderen Läden auch kosten müssen. Es gibt viele Leute, die regelmäßig bei uns einkaufen, sich aber nicht binden wollen.

Drei gute Gründe mal bei euch vorbeizuschauen?

Manches gibt’s auch unverpackt….

G: Vielleicht, um ein paar leckere Zutaten für ein distanziertes Picknick an der Fulda zu besorgen: ein Stück Käse und ein halbes Baguette, ein paar Cocktailtomaten dazu, Weinbergpfirsiche und eine kühle KolleMate… A: Oder um bienenfreundliche Stauden und Gemüsepflanzen für den Balkon und Garten zu finden! G: um die WG-Kaffeedose bei uns aufzutanken, den leckeren Kaffee von Röstrausch bieten wir lose an. Und dann natürlich, um Mitglied zu werden!
A: Sowieso!

Wie übersteht ihr die aktuelle Lage?

G: Der Laden hat finanziell bis jetzt keine Probleme, wir haben ja wie alle anderen Betriebe in der Lebensmittelbranche gute Umsätze, weil die Menschen viel mehr selbst kochen. A: Wie es in den nächsten Monaten weitergeht, weiß niemand. Ein mulmiges Gefühl haben wir allemal, aber eher, was die Folgen für unsere Gesellschaft betrifft. Diese „Hygienedemos“ und die ganzen Verschwörungstheorien im Internet sind gruselig!

Und privat?

A: Auch, wenn es ziemlich anstrengend ist, ich genieße die viele Zeit mit meiner Familie auch. Aber ich vermisse meinen Alltag sehr: mit meinen Freund/innen im Chor singen, bei einem Bier zusammensitzen, sich zur Begrüßung umarmen, tanzen gehen… G: Privat vermisse ich natürlich die sozialen Kontakte. Eine anständige Umarmung von guten Freund/innen lässt sich einfach nicht ins Internet verlegen.

Drei Tipps für den privaten Zeitvertreib, aktuell?

A: 1. ein Baumhaus bauen, 2. Jemanden mit einer Schnitzeljagd überraschen, 3. woz.ch lesen.
G: 1. eine Serie, die man in der Jugend geliebt hat, gucken. Buffy in meinem Fall. 2. Einen neuen Podcast suchen. 3. Sich mit einer Schnitzeljagd überraschen lassen.

Kommt ihr aus Kassel?

G: Nein. Ich komme aus Köln und bin 2010 zum Studieren nach Kassel gekommen und entgegen aller Erwartungen immer noch hier (lacht).
A: Ich bin im Rhein-Main-Gebiet aufgewachsen, die Kunsthochschule hat mich
nach Kassel gelockt.

Was hält euch in Kassel?

G: Der Laden, der Freunden/innenkreis und mittlerweile auch Kassel an sich. Eine kleinere Stadt mit viel Grün drum herum hat eben auch ihre Vorzüge! A: Das, was mein Leben ausmacht, ist fest mit Kassel verbunden.

Lieblingsplatz in Kassel?

A: Im Sommer an der Fulda.
G: Im Allgemeinen: Ich mag die Nordstadt sehr. Der Mix aus Studenten- und Arbeiter-Milieu macht den Stadtteil einfach zu etwas Besonderem (mal abgesehen von der gar nicht mehr so schleichenden Gentrifizierung). Im Speziellen: Der Hauptfriedhof!

Wie ist das Verhältnis zu dem Mitarbeiter/innen?

A: Sehr entspannt, würde ich behaupten.
G: Wir können uns auf unser Team verlassen! Gerade ist das sehr spürbar: Alle denken mit und stellen sich immer wieder neu auf die Situation ein, es ist ein sehr konstruktives Miteinander.

Was habt ihr zu Hause immer im Kühlschrank?

A: Ein Stück Butter, Chicoree, Leinöl.
G: Ein Gläschen Aioli, ein Stück Käse und einen guten Weißwein.

Wenn ihr spontan drei Tage frei hättet, was würdet ihr machen?

A: Ohne Corona? Meine Freunde in der Schweiz besuchen!
G: Wenn Geld keine Rolle spielt, dann definitiv auf die ISS. Ansonsten bin ich mit einem guten Buch an einem einsamen Strand mehr als zufrieden. Wobei drei Tage ein bisschen wenig sind.

Eine Frage, die ihr beide mit „Ja“ beantworten würdet?

Beide: Glaubt ihr fest daran, dass Bio-Pizza die Welt retten kann?

Was macht ihr, wenn ihr nicht im Laden steht?

G: Zur Zeit fahre ich viel Fahrrad und entdecke das Kasseler Umland.
A: Mit meinen Kindern am Lagerfeuer kokeln… und viel Spazierengehen, um Leute zu treffen.

Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

A: Ich wünsche uns, dass diese Pandemie bald endet und wir auf die nächste besser vorbereitet sind. Und dass die großen Probleme Klimawandel und rechter Terror in unserer Gesellschaft angegangen werden!

G: Ein stabiles Klima, eine stabile Biobranche und einen Impfstoff. Und für Schmackes mehr Mitglieder/innen.

Was macht ihr als Nächstes „nach unserem Treffen“?

A: Ich schaue gerade nach Open-Source-Seeds. Es gibt tolle Tomatensorten
fürs Freiland, die möchte ich ins Sortiment nehmen!
G: Aioli, Käse und Wein aus dem Kühlschrank holen.

https://www.schmackeskassel.de

https://www.woz.ch

https://www.opensourceseeds.org/über-uns

FB: https://www.facebook.com/schmackes.mitgliederladen/

BU: Ein starkes Team: Astrid und Grischa freuen sich auf jede/n Besucher/in.

Vorbeischauen lohnt sich!

Foto: Benne Weyhmann, privat, alle n.h.