Jetzt mal Klartext: Acht Dinge, die der Kasseler Radentscheid wirklich will

Radentscheid – Was ist das denn eigentlich genau? Wir greifen das turbulente Thema rund um’s Fahrradfahren auf und klären die wichtigsten Fragen! Maik steht uns mit Rat(d) und Tat zur Seite. Der 29-Jährige (Foto) ist seit dem zweiten Treffen ehrenamtlich dabei! Los geht’s!

Die ursprüngliche Idee des Radentscheids – also einem Bürgerentscheid zur Förderung des Radverkehrs – kommt aus Berlin. Dort hat der Radentscheid dazu geführt, dass die Stadt viel Geld in den Rad- und Fußverkehr gesteckt und das erste Mobilitätsgesetz in Deutschland geschrieben hat, startet Maik unser Gespräch. Die Kasseler Initiative folgt den hessischen Vorreitern aus Darmstadt und will kurz gesagt: Das Fahrradfahren für jede/n von uns besser machen! „Anfangs waren viele von uns aus dem direkten Umfeld der Critical Mass (durchgeführte große Fahrradtour, um Aufmerksamkeit für’s Radfahren zu schaffen, Anm. d. Red.) später ist eine ganz bunte Mischung von Leuten dazugekommen, was für unsere Kampagne wirklich sehr gut war, damit wir auch weite Teile der Stadt erreichen konnten.“

Wer sein Rad liebt, der schiebt?!

Durch die Verbesserung der Fahrrad-Infrastruktur wird nicht nur den Radlern/innen geholfen, erfahren wir von dem Pressesprecher. Maik betont, dass es auch darum gehe, die Stadt für die schwächeren Verkehrsteilnehmer/innen, wie Kinder, Senioren/innen oder Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, attraktiver zu machen. Also das von A nach B kommen zu erleichtern. „Deswegen war für uns eine Prämisse, dass sich Rad- und Fußverkehr nicht gegenseitig im Wege stehen dürfen“, lässt der Ehrenamtliche uns wissen. Doch auch Autoliebhaber/innen sollten jetzt nicht anfangen zu schimpfen: Wer regt sich denn nicht über die ständig vor einem hergurkenden Zweiräder auf? Eben! Auch das Autofahren wird entspannter und wer weiß, vielleicht steigt die eine oder der andere ja um?

Umsatteln!

Radfahren ist natürlich nicht nur für die eigene Fitness von Bedeutung, sondern auch unumstritten grün! Maik betont: „Die Stadt hat jetzt die Chance, eine neue Richtung in ihrer Verkehrspolitik einzuschlagen. Es gab vorher noch nie so eine starke Notwendigkeit für die Mobilitätswende und vor allem noch nie so viel Rückhalt dafür. Wenn Klimaziele erreicht werden sollen, ist die Förderung des Radverkehrs gerade genau richtig, denn Radwege lassen sich schnell und günstig bauen.“

Der falsche Weg?

Welche Kontroversen dabei zutage kommen, wird deutlich, wenn man einmal in den Vorderen Westen blickt. Hier soll die Goethestraße zur Fahrradstraße werden. Doch die Vorstellungen des Radentscheids und die wirklichen Maßnahmen der Entscheider/innen driften anscheinend auseinander. Wir bekommen erklärt, dass die geplante senkrechte Anordnung der Parkplätze erhöhe das Unfallrisiko für Radler/innen und vor allen Dingen Kinder. Und das obwohl mehrere Schulen in unmittelbarer Nähe stehen! Längsparken wäre sicherer und würde den Verkehrsfluss weniger beeinträchtigen.

Vorfahrt: Auto

Die Radaktivisten bemängeln, dass das Radfahren vonseiten der Stadt noch nicht ausreichend berücksichtigt werde. Dass jede/r Anwohner/in einen Stellplatz für den PKW bekommt, werde aber beachtet, obwohl viele Menschen sicher umsteigen würden, wenn das Rad-Nehmen bequemer gemacht würde. Doch auch Erfolge – und zwar nicht wenige – haben die Entscheider/innen zu verzeichnen: Eine große Anzahl geplanter Fahrradabstellmöglichkeiten sowie eine verbesserte Kreuzungsführung Richtung Kirchweg, sollen das Radeln entlang der Goethestraße verbessern.

Volle Kraft voraus!

Dass Maik mit Herzblut bei der Sache ist, merkt man sofort: „Es ist natürlich immer wieder schön zu merken, dass in den letzten Jahren immer mehr Leute in Kassel mit dem Rad unterwegs sind. Ich freue mich immer sehr darüber, wenn ich in der Stadt Fahrräder mit Radentscheid-Sticker sehe“, gibt der Pressesprecher zu. Unsere Arbeit ist noch lange nicht beendet, weiß Maik. Über neue Gesichter freuen sich die Kasseler/innen immer! Ansonsten könne jede/r die Situation für Radfahrende verbessern, wenn er/sie Vorschläge und Beschwerden an die Stadt, die Politik und die Ortsbeiräte weitergibt. Maik ergänzt: „Und was immer hilft: Je mehr Menschen Rad fahren, desto sichtbarer und sicherer werden die Radfahrenden in Kassel unterwegs sein!“

Die Ziele des Radentscheids im Überblick:

  1. Das Radfahren in künftigen Stadtplanungen verstärkt berücksichtigen
  2. Fahrradrouten mit weniger Unterbrechungen
  3. Mehr Platz für Radverkehr in Hauptverkehrsstraßen
  4. Gut erkennbare Fahrradrouten in Nebenstraßen
  5. Bessere Fahrradanbindungen für Schulen und Kindergärten
  6. Sichere Kreuzungen
  7. Mehr Abstellanlagen für Fahrräder
  8. Menschen ermutigen, das Rad zu nutzen

Wer mehr erfahren möchte: https://www.radentscheid-kassel.de
und https://criticalmass.in

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Fotos: ©Radentscheid, alle n.h.