Ich und mein… Blindenführhund ▶️▶️▶️ Petra und Monkey sind ein Gespann der besonderen Art

An Hindernissen vorbei, über die Straße, Sitzgelegenheiten, Zebrastreifen und Türen finden … Das und viel mehr kann Monkey, der Blindenführhund von Petra. Die 54-jährige Sozialpädagogin berichtet uns von Monkey und ihrem Alltag, wie es in der Hundeschule abläuft und was die Hunde von der Arbeit ablenkt.

„Ein Blindenführhund führt zunächst einmal gradlinig auf Gehwegen. Dabei umgeht er Hindernisse, wie Mülltonnen, abgestellte Autos oder Baustellen. Dafür muss das Gespann gelegentlich die Fahrbahn betreten. Das zeigt der Hund durch Stehenbleiben an und geht dann möglichst dicht am Hindernis vorbei“, erklärt uns Petra. Ein gut ausgebildeter Führhund kann auch Bushaltestellen, Ampeln, Zebrastreifen, Sitzgelegenheiten oder Türen auf ein Hörzeichen hin aufsuchen und anzeigen.

Wann Blindenführhunde nicht gehorchen

Eine besondere Herausforderung ist das Überqueren von Straßen. Dafür zeigt der Hund durch Stehenbleiben oder Hinsetzen den Bordstein an. Die Straße überquert er erst, wenn sein Herrchen oder Frauchen ein Zeichen gibt. Allerdings wird hier der Hund auf eine besondere Probe gestellt, denn er muss entscheiden, ob er gehorchen darf und überqueren darf – oder ob ein Auto kommt.

Petra ist ein Profi, wenn’s um Führhunde geht, wie wir im Gespräch erfahren: Sie hat nicht nur selbst seit ihrem 18. Lebensjahr Blindenführhunde, sondern an die Sozialpädagogin, die bei einer EUTB (Ergänzende unabhängige Beratungsstelle – einem Beratungsangebot für Menschen mit Behinderungen) arbeitet, kann man sich auch bei Fragen rund um Führhunde wenden. Ein Gespann mit Monkey bildet Petra, die auch Mitglied in einem Ruderverein ist, seit Sommer 2018.

Wo aus dem Hund ein Führhund wird

„Die Blindenführhundeschulen suchen sorgfältig Welpen aus, die dann ein Jahr lang von sogenannten Patenfamilien aufgezogen und an Umwelteindrücke gewöhnt werden“, weiß die Theatergängerin. Wenn der Hund älter ist, werden Gelenke – besonders die Hüfte – und das Wesen des Tieres gecheckt. Die Ausbildung an sich dauert etwa acht Monate. Hier lernen sich auch die Duos schon kennen. Die dreifache Mutter erinnert sich: „In einem mehrwöchigen Lehrgang lernt der/die neue Halter/in die Zeichen des Hundes zu interpretieren, dem Hund die richtigen Hörzeichen zu geben und dem Hund zu vertrauen. Dann erfolgt eine Prüfung durch geschulte Prüfer, wozu Orientierungs- und Mobilitätstrainer/innen für Blinde, sowie tiersachkundige Personen gehören. Jetzt beginnt für das Gespann die Zeit, in der sie sich immer besser kennen und verstehen lernen. Das kann einige Monate dauern.“

Wann hat der Hund frei?

Petra, die liebt ausgiebige Spaziergänge mit ihrem Monkey, auch gerne begleitet von Freunden/innen zum Quatschen. Aber eine Sache liegt ihr noch auf dem Herzen: Die Blindenführhunde leisten großartige und eine anspruchsvolle Arbeit! Sie sind aber auch keine Wundertiere und müssen alles geduldig ertragen. So ist es sehr störend, wenn der Hund von Passanten (auch wenn es noch so gut gemeint ist!) angesprochen oder angefasst wird. Mit eigenen Hunden sollte man das Gespann immer möglichst zügig umgehen und nicht stehen bleiben. Oft kommt es nämlich dazu, dass die Hunde dann seitlich auf den Blindenführhund zu springen und ihn anbellen.“ Allerdings ist Monkey – so wie alle Führhunde – nur dann beruflich unterwegs, wenn er das weiße Geschirr trägt, sonst freut auch er sich immer über Spielkameraden/innen.

Der Blinden- und Sehbehindertenbund (BSBH) im Netz:

https://www.bsbh.org/ueber-uns-bsbh/bezirksgruppen/bezirksgruppe-kasselnordhessen/

https://www.facebook.com/BSBHeV/

Fotos: Privat n.h.