BRAUSER trifft… …Tätowierer Nils Vogel: „Das was wir machen, bleibt für immer.“

Im neuen Studio der feinen Linien – hier treffen wir Tätowierer Nils Vogel alias „The Life Of Nils“. Dass das 2019 eröffnete Studio „Monument“ des 27-Jährigen ein Ort der Inspiration sein soll, wird bereits deutlich, wenn man den Innenhof durchquert der zum Gebäude führt. Das Interieur ist modern, minimalistisch und voller kreativer Details – gleich der Arbeit der ansässigen Künstler/innen.

Allein die hellen weißen Wände stehen im Kontrast zu den dunklen Farben, die hier unter die Haut kommen. Lest selbst, wie Nils zu dieser Location kam, wieso er lange zu Hause tätowierte und was ihn in Kassel hält.

Wir sind ja hier in Deinem neuen Studio, wie bist Du hierhergekommen?

Ja, das war eher spontan. Ich habe einfach mal bei Kleinanzeigen reingeschaut und die Location entdeckt. Fotos gab es nicht, allein die Beschreibung „Hinterhaus in einem Altbau“ hat mich angesprochen. Dann habe ich sie mir angeschaut und mich sofort verliebt. Die Location hat ihren eigenen Charme, wir schauen auf einen schönen Innenhof und haben außerdem eine Dachterrasse, die wir jetzt begehbar und ready für den Sommer machen wollen.

Seit wann bist Du jetzt hier?

Am 3. August 2019 war die offizielle Eröffnung.

Hast Du alles selber gemacht?

Ja, mit Hilfe von Freunden und Familie. Außer dem Fußboden, der muss gewisse hygienische Standards erfüllen. Dazu war es nötig, den alten Boden rauszureißen und einen Neuen zu verlegen, bei einem Altbau nicht ganz so einfach. Daher habe ich das den Profis überlassen.

Wer gehört denn zu Deinem Team?

Seit September gehört Vicky zum Team. Laura unterstützt mich bei den Terminanfragen und organisatorischen Dingen. Alle paar Monate haben wir Gast-Tätowierer/innen zu Besuch – mehr gibt die Location nicht her.

Wie funktioniert das mit den Gast-Tätowierern/innen? Kennt man sich, bewirbt man sich?

Das kommt ganz drauf an, die meisten lernst du bei eigenen Guest-Spots kennen. Ich bin alle zwei Monate in Köln im „The Lifelover Club“. Da auch dort regelmäßig Gast-Tätowierer/innen sind, lernt man viele Künstler/innen kennen. Ansonsten läuft natürlich viel über Instagram.
Als Nächstes werde ich in Hamburg tätowieren und wenn alles gut läuft, geht’s Mitte/Ende des Jahres nach Kopenhagen. Das ist das tolle an diesem Beruf, wir sind nicht an einen Ort gebunden.

Wie wird man Tätowierer? Ist so was ein Kindheitstraum?

Gezeichnet habe ich schon immer viel, dass das irgendwann Teil meines Berufs ist, hätte ich nicht gedacht. Ich bin da quasi reingerutscht. Nach einer Ausbildung zum Werbetechniker, wollte ich mich beruflich umorientieren. Zu der Zeit hat ein Studio in Kassel einen Praktikanten gesucht, dort habe ich mich vorgestellt und erste Erfahrungen gesammelt. Menschlich hat’s dann da nicht mehr gepasst, also habe ich angefangen, im Einzelhandel zu arbeiten und nebenbei zu Hause zu tätowieren. Die Nachfrage wurde immer größer, also musste ich mich entscheiden: weiter rumstruggeln oder das Tätowieren durchziehen? Es ergab sich eine Chance in einem Kasseler Studio, in dem ich bis zuletzt gearbeitet habe.

Und dann wolltest Du was Eigenes haben?

Das war das Ziel. Man muss ja auf irgendwas den Fokus legen (lacht). Etwas nach seinen eigenen Vorstellungen zu gestalten hat natürlich viele Vorteile. Monument ist beispielsweise kein Ladengeschäft mit geregelten Öffnungszeiten. Einfach reinspazieren kannst du bei uns nicht, wir arbeiten nur nach Termin. So können wir uns voll und ganz auf den jeweiligen Kunden/in konzentrieren und uns ausgiebig Zeit für ein Beratungsgespräch nehmen.

Warst Du erst tätowiert oder hast Du erst tätowiert?

Ich war erst tätowiert (lacht). Direkt mit 18 gab’s das erste Tattoo.

Was machst Du, wenn Du nicht im Studio stehst?

Ich mache gerne und viel mit den Jungs von Sapato. Wir unterstützen uns gegenseitig. Durch die Partys, die regelmäßig dort veranstaltet werden, bin ich auch dazu gekommen, mich als DJ zu versuchen. Im Winter spiele ich außerdem Eishockey und in den Sommermonaten Inlinehockey.

Seit wann tätowierst Du?

Seit etwas mehr als vier Jahren.

Hast Du Dich auch schon mal selbst tätowiert?

Ja! Das ist auch das Erste was man als angehender Tätowierer/in, meiner Meinung nach machen sollte. Man kann natürlich erst mal auf künstlicher Haut üben, aber nichts ist vergleichbar mit menschlicher Haut. Jede Haut ist anders und reagiert ganz individuell auf die Nadel.

Kannst Du sagen, wie viele Tätowierungen hier so am Tag entstehen?

Das ist ganz unterschiedlich. An manchen Tagen viele kleine, an anderen Tagen nur ein Großes.

Ist ja wahrscheinlich auch eine Sache der Konzentration?

Ja, na klar! Und da wir Tätowierer/innen keine Maschinen sind, lässt auch irgendwann die Konzentration nach. Man muss immer zu 100 % bei der Sache sein, denn das was wir machen, bleibt für immer, da darf man sich keine Fehler erlauben.

Ist Dir das schon mal passiert?

Nein, zum Glück nicht.

Was schätzt Du an Kassel?

Dass es keine Großstadt ist, dass jeder jeden kennt und man sich einfach zu Hause fühlt.

Wo trifft man Dich in Kassel?

Momentan trifft man mich selten (lacht). Ich arbeite von morgens bis abends, danach müssen meist noch andere Dinge für’s Studio erledigt werden. Ansonsten kann man mich manchmal im Sapato antreffen. Das ändert sich aber auch wieder – vielleicht zum Sommer hin.

Im Sommer tätowierst Du doch bestimmt eh weniger oder?

Nicht unbedingt weniger. Ich lege die Termine einfach früher, so tätowiert man nicht am Nachmittag bei unerträglicher Hitze. Das ist nicht nur für mich, sondern auch für die Kunden/innen angenehmer.

Du hast auch einen eigenen Pulli entworfen?

Ja, genau. Ich habe auf jeden Fall Bock, noch mehr Klamotten zu machen. Demnächst gibt es wieder was Neues.

Wie genau kamst Du dazu?

Das ist auch mit und über Sapato entstanden, die bereits seit ein paar Jahren ihre eigenen Shirts entwerfen. Nachdem ich den Pulli designed hatte, hab’ ich mir erst mal ein Sample schicken lassen, das zwar cool war – aber noch nicht perfekt. Ich wollte eher einen Oversize-Pullover, einen stärkeren Stoff und ein Innenfutter aus Fleece. So kann man den Pulli auch im Winter tragen.

Ist ja ziemlich cool.

Ja, finde ich auch. Die Qualität war mir wichtig. Ein Billo-Shirt, das nach einmal waschen die Form verliert, würde ich nicht anbieten.

Was würdest Du machen, wenn Du drei Tage frei hättest?

Das ist selten der Fall. Aber vermutlich würde ich erst mal ausschlafen. Dann würde ich ein paar Sachen für meinen Hund besorgen. Ein kleiner Zwerg-Rauhaardackel wird ab nächste Woche zum Monument-Team gehören.

Wie würdest Du Deinen eigenen Tätowier-Stil beschreiben?

Ich steche viele geometrische und florale Motive, arbeite mit Dot Work und feinen Linien. Eine individuelle Stilrichtung, die man nur mit mir in Verbindung setzt, habe ich noch nicht gefunden.

Meinst Du denn, dass das überhaupt möglich ist?

Auf jeden Fall. Vickys morbider, okkulter (ähnlich esoterisch, Anm. d. Red.) Stil ist für mich beispielsweise unverkennbar.

Fährt man als Tätowierer, denn stiltechnisch immer eine eigene Linie oder probiert man sich auch mal aus?

Es gibt sicherlich Tätowierer/innen, die viele Stilrichtungen anbieten. Für mich war allerdings schnell klar, dass ich meinen Fokus auf die genannten Stilrichtungen setzte. Nur so kann man seine Arbeit perfektionieren.

Hast Du Lieblingsstücke?

Klar gibt es Motive, die mir persönlich besonders gefallen. Auch wenn es nach einem Klischee klingt, steh‘ ich auf Totenköpfe und Schädel, egal ob von Mensch oder Tier. Dennoch ist jedes Motiv auf seine eigene Art schön, sonst würde ich es nicht stechen.

Warum stichst Du keine farbigen Tattoos?

Mit farbigen Tattoos kann ich mich selbst nicht identifizieren, es würden halbherzig entworfene Tattoos entstehen, die meinen Ansprüchen nicht genügen. Es gibt großartige Künstler/innen, die sich darauf spezialisiert haben.

Was machst Du als Nächstes nach unserem Treffen?

Es müssen noch ein paar Vorbereitungen für die anstehende Terminvergabe getroffen werden. Danach wird gezeichnet.

Neugierig, mit wem Nils abhängt und wo ihr seine Klamotten kriegen könnt?

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Fotos: ©nickmitmanski n.h.