Das erste Mal… Steuererklärung machen ➡ Oder: Warum der Friseurbesuch nicht abzusetzen ist

Drücken wir uns nicht alle? Ja, aber eben nur so lange, wie wir können, denn früher oder später wird sie kommen: Die erste Steuererklärung. Wir wollen den Steuer-Erstis und denen, die sich schon Nächte mit Kassenzetteln, Taschenrechner und Steuerhandbuch um die Ohren geschlagen haben, helfen und sprachen mit Slobodan Tutnjevic, Steuerberater und Finanzwirt.

Wer den 52-Jährigen und sein Team jetzt in die „spießige Anzugträger“-Schublade gesteckt hat, sollte das noch einmal überdenken: Denn die in der Erzbergstraße ansässigen Steuerexperten/innen sind jung, tätowiert und bekämpfen Arbeitsstress mit Kicker-Turnieren.

Warum muss man eigentlich eine Steuererklärung machen, wer muss sie definitiv machen und für wen bietet sie sich eventuell an?

Eine Einkommensteuererklärung muss man machen, weil eine gesetzliche Abgabepflicht besteht. Die Abgabepflicht wird im sogenannten Einkommensteuergesetz geregelt. Selbstverständlich gibt es Ausnahmen von der Abgabepflicht. Zum Beispiel sind ledige Arbeitnehmer – mit der Steuerklasse 1 – von der Abgabepflicht befreit. Also, wenn ein/e ledige/r Arbeitnehmer/in nur Lohn erhält und keine weiteren Einkünfte hat, muss keine Steuererklärung abgegeben werden. Aber Vorsicht: Es gibt einige Gründe, warum man als Ledige/r eine Steuererklärung freiwillig abgeben sollte. Zum Beispiel, wenn man nicht das gesamte Jahr gearbeitet hat.

Ist die Steuererklärung so kompliziert, wie immer alle sagen?

Die Erstellung einer Steuererklärung ist leider wirklich so kompliziert, wie immer alle sagen. Dies liegt unter anderem an unserem komplexen Steuersystem.

Was darf auf keinen Fall bei der Erklärung fehlen?

Da gibt es vieles. Beispielsweise sollten alle Kosten, welche mit den Einnahmen zusammenhängen geltend gemacht werden. Darunter fallen: Fortbildungskosten, Fahrten zwischen Wohnung und Tätigkeitsstätte, Gewerkschaftsbeiträge, Reisekosten, … Durch die Komplexität der Regelungen wissen die Leute häufig nicht, was man absetzen und was eben nicht absetzen kann.

Warum empfiehlt es sich, sich bei der Steuererklärung professionell begleiten zu lassen?

Hier ist die Antwort sehr einfach: Den meisten Bürger/innen fehlt einfach das Fachwissen. Aus diesem Grund sollte man auf eine professionelle Hilfe zurückgreifen. Neben den klassischen Steuerberater/innen bieten auch die Lohnsteuerhilfevereine ihre Unterstützung an.

Was war die verrückteste Steueranekdote, die Du erlebt hast?

Eine Mandantin, im Krankenhaus als OP-Schwester tätig, reichte uns circa 17 Friseurrechnungen ein. Sie war der Meinung, dass diese Kosten bei der Steuererklärung zu berücksichtigen seien. Ihre Begründung: Sie muss aus hygienischen Gründen täglich eine Schutzhaube tragen, welche ihre Frisur zerstört. Ihre Kollegen/innen hätten ihr diesen Tipp gegeben. Wir mussten ihr leider mitteilen, dass die Kosten für eine/n Friseur/in keine Berücksichtigung finden können, da diese Kosten stets der privaten Lebensführung zuzuordnen sind. Hier kennt der Fiskus keine Gnade.

https://www.tutnjevic.de

FB: https://www.facebook.com/SlobodanTutnjevic/

Fotos: ©privat, alle n.h.