Ich und meine… …Ausbildung

Jobs im Wandel: Ob Architekt für Virtual Reality oder 3D-Druck-Experte, auch Berufsfelder unterliegen dem digitalen Wandel. Wir wollten wissen, wie klassische Arbeitsbereiche sich verändern und sprachen mit Killian Bürger. Die Ausbildung des 28-Jährigen ist eben nicht der etwas altertümlich klingende „Bibliothekar“, sondern „Ausbildung zum Fachangestellten für Medien und Informationsdienste im Bereich öffentliche Bibliothek“. Bürger findet den Wandel seines Jobs besonders spannend.

Was genau beinhaltet Deine Ausbildung?

Wie in allen anderen Fachrichtungen der Ausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste dreht sich die Ausbildung im Kern um Informationen: Wie beschaffe ich sie, wie bereite ich sie auf, wie mache ich sie zugänglich und wie vermittele ich sie? Konkreter durchläuft man innerhalb der Fachrichtung Bibliothek während der Ausbildung verschiedene Abteilungen und lernt, was alles so dazugehört, bis ein Medium bereit zum Ausleihen ist. Man beschafft Medien vom Buch bis zum Spielfilm, katalogisiert und verzeichnet sie, damit sie für Personal und Kunden recherchier-und auffindbar sind.

Wie sieht’s mit Kundenkontakt aus?

Ein ganz wesentlicher Teil der Tätigkeiten ist der Kundenservice. Ob Medien verbuchen, über das Angebot der Bibliothek informieren, bei der Recherche und dem Auffinden von Medien behilflich sein oder Führungen durch die Bibliothek begleiten – die Bandbreite ist so groß, wie die Kunden vielfältig sind. Auch darüber hinaus wollen Lesungen und andere Veranstaltungen organisiert und durchgeführt werden. Und am Ende – beziehungsweise zu Beginn – des Tages wollen alle Medien natürlich wieder an ihren angedachten Platz zurückgeordnet werden.

Aus welchen Gründen hast Du sie gestartet?

Wer sich einmal näher mit dem Beruf des FaMIs beschäftigt, wird feststellen, dass er wesentlich abwechslungsreicher ausfällt, als es das oft klischeebehaftete Bild eines klassischen Bibliothekars vermuten lässt. Außerdem habe ich hier eine gute Möglichkeit gesehen, meine Stärken sinnvoll einzubringen: Ordnungs- und Struktursinn, vor allem aber auch eine breite Medienaffinität. Dass die Digitalisierung auch vor den Bibliotheken nicht Halt macht und sich die Aufgaben und Angebote der Bibliotheken auf lange Sicht stark verändern werden, dem kann man mit Unbehagen entgegensehen oder es wie ich, als spannende Herausforderung und Möglichkeit zur Mitgestaltung sehen.

Was unterscheidet die Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste eigentlich von Bibliothekaren?

Der Unterschied zwischen FaMIs und Bibliothekaren liegt im Grunde in ihrer Ausbildung: Bibliothekare haben ein Studium durchlaufen, FaMIs eine berufliche Ausbildung. Abseits davon sind die Übergänge im Bereich der Aufgaben fließend. Die wesentlichen Tätigkeiten eines Bibliothekars erlernen auch die FaMIs während ihrer Ausbildung. Im Berufsleben selbst werden den Bibliothekaren allerdings eher Aufgaben mit höherer Verantwortung übertragen, zum Beispiel Entscheidungen über den Bestandsaufbau einer Bibliothek oder schlicht die Leitung einer Bibliothek. Die breit angelegte Ausbildung der FaMIs ermöglicht es ihnen allerdings auch, selbst kleinere Bibliotheken zu leiten.

Was sind Deine Aufgaben?

Mich erwartet täglich abwechslungsreiche Routine: Kundenservice ist dabei fester Bestandteil. Abseits davon bin ich je nach anfallenden Aufgaben in den unterschiedlichen Abteilungen eingesetzt: Erwerbung, Lektorat, Katalogisierung oder Medienbearbeitung. Je nach Art und Größe der Bibliothek, können die Aufgaben nach der Ausbildung ganz unterschiedlich ausfallen. Während man in kleineren Bibliotheken als „Allrounder“, der im Wesentlichen flexibel in allen Arbeitsbereichen, die man bereits während der Ausbildung durchlaufen hat, eingesetzt werden würde, würden sich die Aufgaben in einer größeren Bibliothek wie der Stadtbibliothek Kassel eher auf eine oder mehrere Abteilungen spezialisieren. Flexibilität bleibt trotzdem ein Muss.

Was begeistert Dich so an Bibliotheken?

Ob als Angestellter oder Besucher: Bibliotheken bieten einfach eine tolle, ruhige Atmosphäre, in der ich mich gerne aufhalte. Neben dem Internet ballt wohl kaum ein Ort so viel Wissen und bietet so viel Anregung. Das breite Medienangebot von Bibliotheken halte ich von vielen oft für unterschätzt. Sie sind eben schon lange nicht mehr nur Orte des Buches. Man nehme nur Filme und Serien, die mittlerweile in einer Vielzahl angeboten werden, die die Bibliotheken quasi zur Ablöse der Videotheken gemacht hat. Dass all’ das nahezu kostenfrei zur Verfügung steht, ist nicht nur toll, sondern macht Bibliotheken vor allem zu enorm wichtigen Kulturorten. Denn trotz aller Ruhe sind sie eben auch Orte des Zusammenkommens und des Austauschs – zwischen Angestellten, Nutzern, Vorlesern, Zuhörern, Generationen und Kulturen.

Fotos: ©privat n.h.

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