Gekocht für den Müll!?

©Adobe Stock: Andrey Popov

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Es geht!

Too-Good-To-Go macht’s möglich: Die Betreiber der App haben es sich zur Mission gemacht, das Konsumverhalten neu zu erfinden. Sie wollen Restaurants, Bäckereien und Co. dabei unterstützen, ihre zubereiteten Puddingschnecken, Brokkoli-Aufläufe und Maki-Teller, nicht der Müllabfuhr überlassen zu müssen, nur weil das Zubereitete keine Abnehmer mehr fand. Die Idee dahinter ist simpel wie genial: Restaurants, Supermärkte und Co. können in etwa kalkulieren, was an Lebensmitteln bei ihnen überbleiben könnte. Smartphone-Nutzer können nun auf einer Map stöbern, welche Läden in der Nähe welche Art von Essen anbieten und wann es abholbereit ist.

„In rund 3 Monaten haben wir schon 100 Portionen vor dem Wegwerfen gerettet“, berichtet Chris Brede (Foto) von Café Bella im CityPoint. „Diese Art von Müllvermeidung freut uns besonders“, so der Inhaber. Er ist sich sicher, dass ein breiteres Netzwerk auch in Kassel funktionieren würde. Denn abgesehen davon, dass die Lebensmittel nicht im Müll landen, können Unternehmer sowie Essen-Suchende auch finanziell profitieren, denn die Too-Good-To-Go-Portionen gibt’s meist schon für um die drei Euro. „Anreiz besteht für den Käufer, da er teilweise große Portionen für wenig Geld bekommt. Für den Verkäufer bleibt natürlich auch noch ein bisschen Umsatz hängen. Garantiert kein Gewinn, aber ein Teil des Wareneinsatzes kann wieder reingeholt werden. Eine Win-Win Situation für alle“, freut sich Brede.

Nie mehr selber kochen

Vorbeischauen lohnt sich, denn die Auswahl ist vielfältiger als Omas-Kochbuch, man kann entscheiden, worauf man Lust hat und die Töpfe beruhigt im Schrank lassen. Das Tolle: Je nach Location und ausgewählter Speise variieren die Abholzeiten – so kann man auch auf dem Weg zur Arbeit sein Mittagessen oder zweites Frühstück einsammeln. Bei der Nordsee kann man sich sogar überraschen lassen, was man in seiner Tüte hat, fast als wäre man zum Essen eingeladen worden: „Täglich werden in der Regel in den Filialen drei Boxen Hauptgerichte sowie drei Boxen Snacks angeboten. Die Snack Boxen enthalten jeweils drei unterschiedliche Snacks. Die Menge kann jedoch täglich variieren und je nach vorhandenem Angebot erhöht oder verringert werden“, erklärt uns Dietmar Hoffmann, Abteilungsleiter Qualitäts- und Nachhaltigkeitsmanagement bei Nordsee, der von Too-Good-To-Go sichtlich begeistert ist. „Durch die Kooperation mit Too-Good-To-Go wollen wir unnötiger Lebensmittelverschwendung entgegenwirken und überflüssigen Abfall vermeiden. Auf moderne, unkomplizierte Art gelingt es Nordsee, Fisch-Liebhabern Gerichte und Snacks täglich günstiger anzubieten und gleichzeitig die Umwelt zu schonen.“ Etwa 5.000 Nordsee-Gerichte wurden in Kassel schon gerettet!

Und noch mehr

Die Zahlen der Speisen sind nicht in Stein gemeißelt, es kann natürlich sein, dass doch alle Kuchen, Paninis und Sandwiches aus dem Café Bella Abnehmer gefunden haben: „Dafür hatte aber bisher jeder Verständnis“, dankt Brede. Auch Müll lässt sich durch das Abhol-System vermeiden: Bei Immergrün – ebenfalls im CityPoint, kann gerne das eigene Gefäß mitgebracht werden. Der Name des Saft-Wrap-Frozen-Yoghurt-Franchisers wurde nicht ohne Grund gewählt: „Das man Essen nicht verschwenden sollte, lernt man bereits als Kind. Der Wegwurf von guten Lebensmitteln ist nicht nur schade, sondern in Anbetracht der vorhandenen Armut ein absolut unnötiger Luxus. Grundsätzlich sollte man den für uns komfortablen Zugang zu guten Lebensmitteln wertschätzen.

Darüber hinaus ist der Wegwurf von Lebensmitteln auch noch ein riesen CO2-Sünder und treibt somit indirekt den Klimawandel mächtig an“, erfahren wir von dem Franchiser Thorsten Beck (Foto). „Sollten einmal mehr Wraps übrig sein, dann geben wir den Too-good-to-go-Gästen auch mehr Wraps mit oder verteilen diese unter den Mitarbeitern oder in der Familie und bei Freunden. Viele Lebensmittel frieren wir ein und tauen nur die notwendigen Mengen auf. Unsere Frische-Lieferung erhalten wir täglich und auch hier bestellen wir nur die benötigten Mengen.“

Teilen macht Freude

Weitere Lebensmittelretter findet man bei Foodsharing: Unter dem Leitsatz „verwenden statt verschwenden“ rettet die Initiative Lebensmittel, die nicht mehr gebraucht werden. Foodsharing funktioniere auf unterschiedlichen Ebenen, unterrichtet uns Thomas, der einer der vier Botschafter von Foodsharing hier in Kassel ist. „Ein Teil ist Öffentlichkeitsarbeit, um die Menschen in Kassel auf das Problem der Verschwendung von Lebensmitteln und unser Leben im Überfluss aufmerksam zu machen. Weiterhin können alle Interessierten über Foodsharing Lebensmittel miteinander, über die sogenannte Essenskarte, teilen. Außerdem gibt es sogenannte Fairteiler, wo auch von Jedem und Jeder Lebensmittel hingebracht und ebenso mitgenommen werden können. Ein weiter Punkt ist unsere Kooperation mit vielen Betrieben in Kassel. Sowohl Supermärkte, Bäckereien, Marktstände, Bistros, Caterings werden von Foodsavern zu bestimmten Zeiten in der Woche aufgesucht, um aussortierte Lebensmittel zu retten. Diese werden dann weiterverteilt“, so der 28-Jährige. Fairteiler? Das sind die Orte, an denen Lebensmittel geteilt werden. In Kassel unter anderem: Asta, Kunstuni, Brüderkirche.

Für alle

„Der Grundsatz von Foodsharing besteht nicht darin, die Lebensmittel nach sozialer Bedürftigkeit zu fairteilen, sondern den Überfluss allen Menschen bedingungslos zugänglich zu machen“, führt Thomas weiter aus. Helfen können hierbei alle: „Sind Zuhause zu viele Lebensmittel übrig, kann über foodsharing.de ein Essenskorb erstellt werden, der dann für alle sichtbar ist, sodass Menschen diese Lebensmittel abholen können. Auch über Facebook ist über diverse Gruppen ein Tausch von Lebensmitteln möglich“, erfahren wir. Gemeinsamkeit – das wird bei der Initiative großgeschrieben: „Ab und an veranstalten wir auch gemeinsame Koch-Events aus geretteten Lebensmitteln und laden dazu ein. Die Aufgaben sind vielfältig und wir sind froh über alle, die sich einbringen möchten. Foodsharing steht und fällt mit dem Engagement der Freiwilligen“, so Thomas. Nun kann Jede/r mal in sich gehen und überlegen: „Was kann ich gegen Lebensmittelverschwendung unternehmen?“

https://www.toogoodtogo.de

https://www.cafebella.de

https://www.nordsee.com/de/filialen/detail/store/nordsee-kassel-obere-koenigstrasse-237/

https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/auswaehlen-zubereiten-aufbewahren/lebensmittel-zwischen-wertschaetzung-und-verschwendung-6462

https://foodsharing.de/

https://wiki.foodsharing.de/Kontext_und_Selbstverständnis

https://www.facebook.com/toogoodtogoGermany/

https://www.facebook.com/foodsharing.kassel/

https://www.facebook.com/cafebellakassel/

https://www.facebook.com/immergruen.CityPointKassel/

https://www.facebook.com/NORDSEEDeutschland/

Foto: ©privat, ©Adobe Stock: Andrey Popov, alle n.h.