BRAUSER trifft… …Frederik Kreckler

Feuerlöschen üben, ohne Feuer zu legen? Das geht – mit der Erfindung von Frederik Kreckler aus Kassel. Der 33-jährige Doktorand der Uni Kassel hat einen Feuerlöscher entwickelt, der simuliertes Feuer auf dem Bildschirm löscht. So kann gelernt werden mit dem Feuerlöscher umzugehen, ohne dass Löschpulver, -schaum oder Wasser verschwendet werden. Wir trafen uns mit dem technischen Informatiker in seinem Büro in der Wilhelmshöher Allee und führten eine heiße Debatte.

Wie hat hier alles für Dich angefangen?

Eigentlich hat’s damit begonnen, dass ich hier an der Uni Doktorand geworden bin. Das Fachgebiet an dem ich hier tätig bin, arbeitet viel mit Feuerwehren zusammen. Ich sehe mich jetzt eher nicht so als jemand der früher gerne Feuerwehrmann werden wollte (lacht). Ich hatte da irgendwie nie Kontakt zu. Dann ging es aber darum, eine Beschäftigung zu finden, die mich trotzdem begeistert.

Und das war?

Was ich kann ist Programmieren. Und ich bastele gerne an Sachen rum, löte was zusammen. Das steckt auch im Löscher: Da ist ja total viel Elektronik drin. Ich habe auch ein bisschen davon geträumt, mal ein eigenes Computerspiel zu entwickeln. Das ist alleine ein ziemlich hochgestecktes Ziel (lacht). Aber in dem Zusammenhang mit dem Löscher funktioniert das ganz gut, weil die Software, die dahinter steckt, wie ein Computerspiel funktioniert – eben ein „Serious Game“.

Das stammt auch alles von Dir alleine?

Ja, genau. Das ist ja auch die Herausforderung bei einer Doktorarbeit: dass man total viel machen und zusammenführen muss und die Arbeit darf dann nur den eigenen Namen tragen. Hier sind jetzt alle meine Interessen zusammengekommen: computerspiel-ähnlich, Elektronik, ein bisschen Programmieren und es blinkt auch schön grün (lacht).

Wie funktioniert der Löscher?

Man steht mit dem Feuerlöscher vor’m Bildschirm oder auch dem Beamer und sieht eine Szene, die ziemlich realistisch brennt und verraucht ist. Die Szenen hab’ ich unter anderem mithilfe von einer 360-Grad-Kamera entwickelt. Auf dem Löscher kann man anhand von Knöpfen sein Material auswählen, dann den Stift ziehen, greifen und dann löschen. Der Hebel merkt auch, mit wie viel Druck ich ihn betätige. Das Programm sagt mir dann, ob ich richtig gehandelt habe oder nicht. Wichtig ist, das Ganze nicht mit einem Computerspiel zu verwechseln, denn es ist eben ein Serious Game. Mich haben auch schon Leute gefragt, warum keine Leiche nach einer Explosion irgendwo liegt. Eben genau aus diesem Grund: es ist eine ernste Angelegenheit. Es gibt genug Personen die darin ausgebildet werden müssen, mit einem Feuerlöscher umzugehen. Und wenn man mal jemanden beobachtet hat, der mit einem richtigen Pulver-Löscher löscht: das möchte man nicht mitmachen.

Steckt da auch ein Umweltschutz-Sinn hinter?

Klar, das Ganze sollte ja auch einen Zweck haben! Man braucht dann eben bei Übungen keinen Feuerlöscher mehr mit echtem Löschmittel. Und anzünden muss man auch nichts.

Und durchlaufe ich dann auch dieses Serious Game oder gibt’s nur einzelne Szenen?

Das kann man sich tatsächlich aussuchen, je nachdem wie die Übung ablaufen soll. Es kann sein, dass man einen Trainer hat. Der würde dann vorschreiben, welche Szenen man meistern muss. Aber man kann das auch alleine machen und dann in die nächste Szene wechseln. Die Navigation wird ermöglicht, obwohl man keinen Game-Controller in der Hand hat. Dabei muss man auch beachten, dass es Menschen gibt, die mit so einem Controller eventuell gar nicht umgehen können und die dürfen ja nicht überfordert werden.

Wie viel Zeit hast Du jetzt investiert?

Ich denke, es kommen so drei, dreieinhalb Jahre zusammen.

Muss man den auch mal aufladen?

Meine letzte Version hat einfach eine USB-Buchse, da könnte man das Handy-Aufladekabel dran machen (lacht). Ich habe den Akku aber noch nie leer gekriegt. Der Akku ist kleiner, als der, der im Handy drin ist und der Löscher wurde zwei, drei Wochen intensiv genutzt und war schon viel unterwegs und ist nicht leer. Da ist nicht viel enthalten, was Energie verbraucht. Energiesparen war mir da auch wichtig.

Und was machst Du jetzt aktuell?

Ich schreibe meine Dissertation, das ist echt zeitaufwendig. Da steckt natürlich auch viel über den Feuerlöscher drin und ein paar Dinge, die in eine ähnliche Richtung gehen.

Weißt Du, wie es für Dich weitergehen soll?

Ich habe mir natürlich ein paar Hoffnungen gemacht, auch im Hinblick auf den Feuerlöscher und die Systeme, die dahinterstecken. Da bin ich auch ein bisschen traurig, dass da ein paar Pläne geplatzt sind. Es ist auch einfach kompliziert, wenn dann Leute kommen, die die Idee auch gerne gehabt hätten.

Da hast Du wahrscheinlich Glück, dass Du die Uni im Rücken hast?

Ja, auf jeden Fall. Ich kann das auch nur empfehlen, wenn man mit der Uni in irgendeiner Weise verbunden ist, sei es als Student oder Mitarbeiter und man hat eine Idee oder was gebaut, dann kann man eine Erfindungsmeldung einreichen oder sich beraten lassen. Man hat auch immer die Möglichkeit, sein Patentrecht selbst zu nutzen. Ich hätte auch mein eigenes Unternehmen gründen können – „Mein Feuerlöscher GmbH“ oder so (lacht).

 

Hast Du drüber nachgedacht?

Ich war relativ schnell beim Nein angekommen. Aber grundsätzlich hätte ich es machen können, aber eben auch mit allem Risiko, welches man tragen muss. Und ich habe jetzt auch gesehen, dass es ganz alleine wahrscheinlich schiefgegangen wäre.

Gibt es Dinge, für die Du gerne mehr Zeit hättest?

Ja, genau für das. Noch mehr Sachen bauen, basteln, erfinden, zusammenlöten.

Was machst Du nach unserem Treffen?

Weiterarbeiten (lacht).

 So sieht’s übrigens aus, wenn eine Übung mit dem Löscher gemacht wird:

https://www.youtube.com/watch?v=n8VZYr_DPM0

https://www.uni-kassel.de/uni/aktuelles/meldung/post/detail/News/feuer-loeschen-ohne-feuer/

https://www.uni-kassel.de/uni/aktuelles/meldung/post/detail/News/virtueller-feuerloescher/

Fotos: Werner Wilhelm, Matthias Wolf, alle n.h.

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