Streetbolzer – Kicken mit Fairness und Toleranz

Fußballspielen mal anders. Der Spaß am Kicken trifft bei Streetbolzer auf einen besonders ausgeprägten Fairplay-Gedanken. Kinder und Jugendliche aus unterschiedlichen Schichten, Vierteln und kulturellen Hintergründen treffen aufeinander, um miteinander zu spielen – nicht gegeneinander. Streetbolzer organisiert aber nicht nur Turniere, auch zahlreiche Medienprojekte sind Bestandteil des Vereins. Der BRAUSER wollte mehr über dieses Projekt und die Leute dahinter erfahren und sprach mit dem Bürokaufmann Sükrü, dem Schüler Alexander, dem Studenten Ali und der Erzieherin Christina über ihre Tätigkeit im Verein und den zentralen Fairness-Gedanken.

Der 25-jährige Sükrü spielt schon Fußball, seit er denken kann.

 

 

Der Schüler Alexander arbeitet auch ehrenamtlich bei der evangelischen Jugend Kassel.

 

 

Der sportbegeisterte Ali liebt neben dem Fußballspielen auch Kraftsport und Laufen.

Erzieherin Christina kickt schon seit ihrer frühen Kindheit.

 

 

 

 

Wann wurdest du Mitglied bei Streetbolzer e. V. und wie bist du darauf gekommen?

Sükrü: Ich bin bereits seit 2009 Mitglied bei Streetbolzer. Mustafa Gündar, der Gründer, hat mich damals gefragt, ob ich Lust habe, mit meinen Freunden in einer Straßenliga mitzumachen. Da habe ich keine Sekunde gezögert und sofort zugesagt. Im Laufe der Zeit habe ich ein großes Interesse für die Organisation der Turniere entwickelt und die logische Schlussfolgerung war, dass Mustafa mich gefragt hat, ob ich nicht Lust hätte, bei der Gestaltung mitzuwirken. Das mache ich nun seit etwa 10 Jahren und währenddessen konnte ich bereits zahlreiche Turniere planen, organisieren und durchführen. Seit fast zwei Jahren leite ich das Midnight-Angebot in Bettenhausen.

Ali: Durch meinen Freund Sükrü. Wir haben als Spieler oft an Turnieren von Streetbolzer teilgenommen und bei einem Turnier hat Mustafa uns dann angesprochen und gefragt, ob wir nicht Lust hätten, bei Streetbolzer mitzumachen. Da haben wir zugesagt und sind seitdem dabei.

Alexander: Mitglied wurde ich im Sommer 2018. Durch ein Bubblesoccerturnier bin ich auf Streetbolzer gekommen. Mustafa Gündar sprach mich und meinen besten Freund an, ob wir nicht Lust hätten, auch mitzumachen. Ich habe sofort begeistert zugesagt, da ich durch viele Freunde und Bekannte schon sehr viel Gutes über Streetbolzer gehört habe. Und jetzt – nach einem Jahr – werde ich bei Streetbolzer mein FOS-Praktikum machen. Darauf freu ich mich riesig.

Christina: Bei Streetbolzer bin ich Mitglied seit 2015. Durch ein Praktikum in meiner Ausbildung als Erzieherin habe ich Streetbolzer kennenlernen dürfen und bin dort seither ehrenamtlich tätig.

Was begeistert Dich so am Fußballspielen bei Streetbolzer?

Christina: In meiner Kindheit wurden die Teams oft von den stärksten Kindern eingeteilt und/oder es wurde unfair gespielt. Streetbolzer wirkt dieser Problematik entgegen, indem die Kinder das bei uns erlernte Fairplaykonzept auch auf der Straße und den Schulhof übertragen und fair miteinander spielen. Das gefällt mir besonders gut.

Ali: Ich glaube, da würde jeder von uns Streetbolzern dieselbe Antwort geben: Es gibt immer ein faires Miteinander. Fußballspielen nach Fairnessregeln, die wir uns selbst ausgedacht und auferlegt haben, war und ist schon eine coole Sache. Dabei haben wir das alles immer untereinander geklärt, ohne Schiedsrichter. Wir haben das immer mit den Gegenspielern klar und deutlich kommunizieren können, auch wenn es mal strittig wurde.

Was ist das Besondere an euren Turnieren?

Alex: Das besondere an unseren Turnieren ist, dass nicht das Gewinnen im Vordergrund steht, sondern das Miteinander Spielen. Fairness wird bei uns ganz groß geschrieben und auch bei strittigen Situationen behalten wir immer einen kühlen Kopf.

Christina: Sie werden von Jugendlichen für Jugendliche gestaltet, was unsere Turniere so besonders macht. Aber auch das Konzept des Straßenfußballs bringt immer wieder unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Hintergründen zusammen und lässt sie gemeinsam eine sportliche, faire Zeit verbringen. Kein Turnier gleicht somit dem anderen.

Ali: Kontakte knüpfen mit anderen Jugendlichen aus anderen Stadtteilen fand ich immer ganz wichtig, denn daraus entsteht auch ein guter Kontakt und sogar Freundschaften.

Neben dem Fußball spielen auch Medienprojekte für euch eine große Rolle. Welches dieser Projekte hat dir besonders gefallen?

Sükrü: Wir haben und hatten zahlreiche tolle Medienprojekte. Was mir sehr stark in Erinnerung geblieben ist, ist, dass eine Musikgruppe aus Kassel einen Song für das Straßenfußballnetzwerk-Turnier in Köln geschrieben hat: „Meine Stadt Kassel – el emin“.

Ali: Wir haben mal einen Film über Südafrika gemacht, den fand ich besonders gut. Aber auch den Film über die Polen-Reise fand ich sehr gut. An der Produktion habe ich auch aktiv mitgewirkt.

Alex: Das Totti-Projekt, das ich selbst moderiert habe. Wir sind mit dem Maskottchen vom KSV Hessen Kassel zu verschiedenen sozialen Einrichtungen gefahren. Besonders beeindruckend fand ich hierbei die Kasseler Werkstatt. Trotz ihrer Behinderungen sind die Menschen dort so offen und herzlich gewesen, das fand ich toll. Natürlich war es auch cool, dass wir mit unserem neuen Streetbolzerbus von VW fahren konnten. Durch die Medienarbeit habe ich meine Leidenschaft für das Moderieren entdeckt. Ich werde die nächsten Jahre sowohl im Sportlichen als auch in der Medienarbeit begeistert dabei sein.

Christina: StreetbolzerTV ist ein super Medienprojekt, in dem Jugendliche die Turniere in bewegtem Bild nachvollziehen und begleiten können. Hier lernen sie viel über Kameratechnik sowie Interview- und Präsentationsfähigkeiten. Gefallen hat mir vor allem das Filmprojekt mit der Treppe4. Den Film habe ich mit meiner Freundin Kira Okrent gemacht, der beim Rekordspiel zwischen KSV Kassel und dem KSV Baunatal im Auestadion auf der Anzeigetafel gezeigt worden ist.

Was sollte man bei dem Sport beachten?

Sükrü: Man sollte in der Regel Interesse für Fußball haben. Man kann aber auch einfach vorbei kommen, um in einen Dialog mit anderen Jugendlichen zu treten. Der Spaß steht bei uns immer im Vordergrund. Und natürlich ist es wichtig, folgende Werte zu vertreten und zu leben: Toleranz, Respekt und Antirassismus.

Ali: Toleranz, Respekt und Fairplay stehen im Vordergrund. Es gibt keinen Platz für abfällige Bemerkungen über die Herkunft. Ich glaube, der Leitsatz „Fußball verbindet Menschen“ wird oft für viele Projekte so daher gesagt und schnell ausgesprochen. Für Streetbolzer e. V. trifft dieser Satz jedoch zu 100 % zu, das habe ich selbst erleben dürfen als Jugendlicher.

Wer kann sich bei Streetbolzer engagieren und wie?

Sükrü: Jeder kann sich bei Streetbolzer engagieren, ob in der Turnierplanung oder im operativen Bereich. Man kann den Turnierplan erstellen und während eines Turniers führen oder Spielbeobachter sein.

Alex: Bei uns gibt es keine Altersgrenze. Jeder der Lust hat, kann sich bei uns beteiligen. Außer Rassisten und Faschisten ist jeder bei uns willkommen.

Ali: Jeder kann sich bei Streetbolzer engagieren! Man muss kein besonderes Vorwissen haben, man lernt alles, was man braucht, ganz schnell und muss keine Angst haben. Hierbei hab‘ ich auch selbst gemerkt, wie man sich entwickelt. Erst fängt man als Spielbeobachter an, irgendwann leitet man mal ein ganzes Turnier.

Auf welche Projekte oder Turniere freust du dich in der Zukunft?

Alex: Auf KickRechtsWeg! Denn wie der Name schon verrät, ist es ein Turnier gegen Nazis.

Christina: Ich werde demnächst ein Streetbolzerprojekt in der Valentin-Traut-Schule betreuen und freue mich schon riesig auf das gemeinsame faire Kicken mit den Kids! Außerdem werden wir demnächst mit 10-15 eritreischen jungen Frauen ein Film/Medienprojekt starten. Ich werde dabei das Projekt mitleiten. Darauf freue ich mich sehr.

Sükrü: Ich freue mich darauf, endlich noch professioneller Turniere organisieren und planen zu können, wenn das Gebäude von Starcare, welches lediglich für Streetbolzer gebaut wird, steht. Des Weiteren planen wir ein deutschlandweites Straßenfußballnetzwerk aufzubauen, um so eine Zusammenarbeit mit Organisationen aus anderen Städten zu ermöglichen, welches gleichzeitig dazu dient, viel Neues zu lernen und unser Know How weitergeben zu können.

Wenn euer Interesse geweckt wurde und ihr auch Lust habt, euch bei Streetbolzer zu engagieren, dann sprecht die Mitglieder gerne einfach bei den Turnieren an oder kontaktiert sie über die sozialen Medien!

Insta: @streetbolzer @streetbolzertv

 

 

Titelfoto: AdobeStock_144988492_kulichok // Portraits: alle privat, n.h.