Mobbing in der Schule – Wo fängt’s an, wo hört’s auf und wie kann man sich und anderen helfen?

Mobbing: Ein Wort in aller Munde, das in etwa so abgedroschen ist wie Burn-out oder Social-Media-Abhängigkeit. Doch das ist die Gefahr in unserer Gesellschaft: Wir lesen es in den Nachrichten, wir hören es bei belauschten Gesprächen im Café – und schwups – wir übernehmen sie in unseren Sprachgebrauch und die Wörter verlieren für uns an Bedeutung. Doch dass sich das Gefühl, ernsthaft ein Opfer von Mobbing zu werden, für Betroffene dadurch nur verschlimmert, wird meist außer Acht gelassen. Doch Mobbing ist allgegenwärtig und wird häufig selten erkannt.

Wo fängt Mobbing eigentlich an?

Mobbing ist nicht neu, aber eine griffige Definition zu finden eher schwer: „Eine abwertende Bemerkung unter Kindern kann schon einmal passieren, ohne dass hier gleich von Mobbing gesprochen werden sollte“, erklärt Jürgen Bröcker, tätig als Stadtelternbeirat in Kassel. Schülerinnen und Schüler würden einfach einen anderen Umgangston nutzen, als ihn Erwachsene pflegen. Auch darf Mobbing nicht mit Streitereien, Konflikten oder „Du darfst nicht mitspielen“ verwechselt werden. Wichtig ist vor allen Dingen, mit offenen Augen durch’s Leben zu gehen: Denn Wegschauen schüttet Öl ins Feuer! Opfer von Mobbing suchen den Fehler meist bei sich selbst. Die Folgen sind Isolation, Verlust des Selbstwertgefühls, Schlafstörungen, Albträume.

Jürgen Bröcker, tätig als Stadtelternbeirat in Kassel

Wegschauen ist Teil des Problems

Mobbing ist nicht neu, aber eine griffige Definition zu finden eher schwer: „Eine abwertende Bemerkung unter Kindern kann schon einmal passieren, ohne dass hier gleich von Mobbing gesprochen werden sollte“, erklärt Jürgen Bröcker, tätig als Stadtelternbeirat in Kassel. Schülerinnen und Schüler würden einfach einen anderen Umgangston nutzen, als ihn Erwachsene pflegen. Auch darf Mobbing nicht mit Streitereien, Konflikten oder „Du darfst nicht mitspielen“ verwechselt werden. Wichtig ist vor allen Dingen, mit offenen Augen durch’s Leben zu gehen: Denn Wegschauen schüttet Öl ins Feuer! Opfer von Mobbing suchen den Fehler meist bei sich selbst. Die Folgen sind Isolation, Verlust des Selbstwertgefühls, Schlafstörungen, Albträume, manchmal sogar Depression. Das Problem: Je länger weggeschaut wird, desto schwieriger wird es, den Schikanen entgegenzuwirken und desto schlimmer können die Folgen für die Betroffenen sein.

Die bösen Social Medias

„Das größte Problem scheinen mir in diesem Zusammenhang tatsächlich die sozialen Medien zu sein“, vermutet Jürgen Bröcker, als wir ihn ja nach Mobbing-Wegen fragen. „Wobei mir das Wort ‚sozial‘ eher unpassend erscheint. Denn eine soziale Kontrolle der Aktivitäten findet kaum statt, was ganz klar dazu führt, dass Hemmschwellen abgebaut werden oder schlicht nicht existieren.“ Hier muss im Vorfeld gehandelt werden: „Wir kommen meiner Meinung nach nicht um die stärkere Vermittlung von Medienkompetenzen für unsere Kinder herum“, merkt der Kasseler an. Doch hier möchte er den Finger nicht nur in Richtung der Schulen erheben, sondern besonders die Eltern mit ins Boot holen und betont: „Vor allem müssen wir die Forderung an die Politik richten, uns Eltern dabei zu unterstützen, aber auch die Lehrer in Sachen Medienkompetenz besser auszubilden.“ Der Vorsitzende des Stadtelternbeirates führt weiter aus: „Ich habe natürlich viel mit Eltern und Lehrkräften zu tun. Damit haben wir eigentlich auch schon die beiden Instanzen, die die feinsten Antennen für Mobbing haben müssen. Denn Mobbing zu erkennen bedeutet oft den ersten Schritt zur Hilfe für die Opfer.“

Es liegt nicht an Dir

Mobbing scheint häufig – anders als man eventuell vermuten könnte – gar kein persönliches Problem mit einer bestimmten Person zu sein. Dass jemand gemobbt wird, ist ein Gruppenphänomen, das man – würde man es frühzeitig erkennen – im Keim ersticken könnte. Der Mobber fühlt sich sicher, solange keiner eingreift. Stereotypen von „Opfer“ und „Mobber“, gibt es eigentlich nicht: Festzuhalten ist: Wer mobbt hat meist ein erhöhtes Gewaltpotenzial, fühlt sich körperlich Überlegen und demonstriert gerne Macht. Bei denen, die als Ventil für diese Charakterzüge genutzt werden, kann man meist die gleichen Verhaltensmuster erkennen, wenn sie bereits negative Erfahrungen gemacht haben: Kinder wollen eventuell nicht mehr zur Schule gehen, sind schlecht drauf, schlafen kaum, ziehen sich zurück und die schulischen Leistungen können nachlassen. Aber Mobbing zu bemerken ist gar nicht so leicht: „Gemobbt wird nach wie vor auch auf dem Schulhof und im Klassenzimmer. Doch auch in Vereinen könnte gemobbt werden“, so Jürgen Bröcker, „weswegen Jugendbetreuer heutzutage oft von den eigenen Verbänden diesbezüglich sensibilisiert werden.“ Denn Mobbing zu erkennen ist schwer: Lehrer und Lehrerinnen belauschen selten Gespräche ihrer Schützlinge. Wie die sozialen Konstruktionen einer Klasse sind, kann man im Unterricht selten erkennen. Oft wird daher erst eingegriffen, wenn körperliche Gewalt ausgeübt wird.

Einfach wegsehen? Nö!

Ausgegrenzt werden, abwertende Blicke ernten, Angst vor beleidigenden Bemerkungen haben müssen – indirektes Mobbing quält die Betroffenen meist langsam und unerkannt. Doch Gemobbte trauen sich auch in der Regel nicht, sich Hilfe bei Lehrkräften oder Eltern zu holen, da es ihnen entweder peinlich ist, ein „Opfer“ zu sein oder weil sie befürchten, ihre Angreifer nur noch mehr gegen sich aufzuhetzen. Aber es ist wichtig, sich Hilfe zu holen: „Eine gute Möglichkeit sind die Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen an den jeweiligen Schulen“, erklärt uns Jürgen Bröcker. „Diese stehen nicht nur Schülern und Schülerinnen, sondern auch Lehrkräften zur Seite.“ Lehrerinnen und Lehrern sollte die Aufgabe zukommen, Kinder für Mobbing zu sensibilisieren, denn Mobbing lebt durch seine stillen Beobachter. Dass man vielleicht nicht direkt eingreifen will ist verständlich. Aber dann sollte man sich an jemanden wenden, der helfen kann. Neben Elternbeiräten und Schülerräten an den Schulen stehen auch Vertrauenslehrer und -lehrerinnen sowie Sozialarbeiter/innen zur Verfügung. Anonymer kann man sich auch an Beratungsstellen in der Nähe wenden:

Hilfe holen – Hilfe bekommen

Gewalt im Vorfeld zu verhindern, also Präventionsarbeit zu leisten, sollte als gesamtgesellschaftliche Aufgabe gesehen werden. Das Land Hessen hat es sich mit dem „Netzwerk gegen Gewalt“ zur Aufgabe gemacht, die Gesellschaft zu aktivieren und Gewalt-Bekämpfer, wie Behörden, Schulen, Jugendhilfen, Eltern, Vereine und Menschen zusammenzubringen. Konkret soll unter anderem Gewalt zu einem nicht verschwiegenen Thema gemacht, Konzepte zur Gewaltprävention erprobt und bewährte durchgesetzt werden. Unter anderem gibt es das Programm: „Gewalt – Sehen – Helfen“, hier wird in Seminaren erklärt, wie man nicht zum schweigenden Beobachter, sondern rettendem Helfer werden kann. Speziell für Schulen wird das Programm „Prävention im Team“ angeboten. Hier sollen Kinder ihre individuellen Erfahrungen mit Gewalt teilen. Dabei werden sie von Lehrkräften, Polizisten und Sozialpädagogen begleitet. Ziel soll sein, die Kinder individuell für Gewalt zu sensibilisieren. -> www.netzwerk-gegen-gewalt.hessen.de

Eine Alternative ist das GAP-Institut als Anlaufstelle für alle: Egal, ob man über seine Mobbingerfahrungen sprechen will oder auf der Suche nach guten Vorträgen zum Thema ist. -> www.gap-gruppe.net