Das erste Mal… im Gefängnis!

Ungerne denkt man darüber nach, wie es wäre jemanden im Gefängnis besuchen zu müssen.Wenn es aber doch einmal dazu kommen sollte, wissen vermutlich die wenigsten, wie so ein Besuch abläuft und was man zu beachten hat. Wir sprechen mit einem, der es wissen muss: Daniel Heisterkamp ist stellvertretender Leiter der Besuchsabteilung der JVA Kassel I. Das bedeutet, dass der 31-Jährige Besuche im Gefängnis überwacht, Besuchstermine koordiniert, aber auch Ansprechpartner bei eventuellen Nachfragen von Besuchenden ist. Wir nehmen euch mit in die JVA Kassel.

Daniel Heisterkamp, 31 Jahre, stellvertretender Leiter der Besuchsabteilung der JVA Kassel I

Was muss ich beachten, wenn ich das erste Mal jemanden in Gefängnis besuche?

Der Besucher muss in eine Zuverlässigkeitsüberprüfung seiner Person nach § 58a HStVollzG einwilligen, erst dann erhält er eine Besuchsgenehmigung in Form eines Besuchsscheins.

Für den Einlass an der Pforte ist ein gültiger Lichtbildausweis erforderlich. Es ist wichtig, die auf dem Besuchsschein genehmigte Besuchszeit ist einzuhalten.

Gibt’s einen Gefängnis-Knigge?

Nein, es gibt keinen speziellen Gefängnis-Knigge. Wir erwarten allgemeine Umgangsformen und einen respektvollen Umgang mit den Mitarbeitern, den Gefangenen und deren Besuchern.

Wie läuft ein Besuch ab?

Zunächst werden die Dokumente an der Außenpforte geprüft. Nach dem Einlass wird der Besucher im Eingangsbereich durchsucht, das passiert in der Regel durch Absonden und Leeren von Hosentaschen. Mitgeführte Gegenstände, wie Tasche, Handy, Bargeld, Zigaretten oder Ähnliches müssen in Schließfächern deponiert werden. Nach der Kontrolle wird der Besucher in den Besuchsraum gebracht und trifft dort auf den Gefangenen, den er besuchen möchte. Für einen reibungslosen Ablauf ist es wichtig, dass den Anweisungen der Bediensteten Folge geleistet wird. Und auch, dass es auch zu Wartezeiten im Ablauf kommen kann.

Wie spreche ich mit der Person? Gibt es so Telefone wie in amerikanischen Filmen?

Im Regelfall sitzen sich Besucher und Gefangene ohne Abtrennung an einem Tisch gegenüber oder auch nebeneinander in einem Gemeinschaftsbesuchsraum, der optisch überwacht wird. Aus Gründen der Sicherheit und Ordnung darf der Besuch im Einzelfall auch akustisch überwacht werden. In besonderen Fällen werden Besuche aus Gründen der Sicherheit und Ordnung unter Einsatz einer sogenannten Trennscheibe durchgeführt, allerdings können sich Besucher und Gefangener auch dann ohne Telefon verständigen.

Darf ich Geschenke mitbringen? Wenn ja, was? Was nicht?

Geschenke sind nicht zugelassen! Der Besucher hat allerdings die Möglichkeit, über einen Automateneinkauf Getränke und Süßigkeiten für den Verzehr während des Besuchs zu erwerben. Darüber hinaus kann der Besucher für den Gefangenen eine Wertkarte erwerben, mit der sich dieser nach dem Besuch Waren wie Kaffeepulver, Süßigkeiten und Tabak aus dem Automaten holen kann.

 

Fünf absolute No-Go’s?

  1. Regelwidriges Verhalten

  2. Vorheriger Konsum von Drogen oder Alkohol

  3. Einbringen und Übergabe von verbotenen Gegenständen wie Waffen, Drogen, Handy, Bargeld

  4. Intimitäten während des Besuchs (Ausnahme sogenannter Langzeitbesuch)

  5. Annahme oder Übergabe von Schriftstücken