Nachtschicht: Wie ist es eigentlich, nachts zu arbeiten?

Foto: Just in Team GmbH

Feiern gehen, sich in einer Bar treffen oder gemütlich abends einen Film ansehen – für die meisten von uns etwas, was den täglichen Abend- und Nachtrhythmus bestimmt. Doch was ist eigentlich mit denen, die schuften, wenn alle anderen ausgelassen Party machen oder selig entspannen. Wir waren neugierig, was Menschen dazu bewegt die Nacht zum Tag zu machen und haben mal nachgehakt.

Tim Lazarewski bewacht, was andere an ihrem Partyabend durchqueren wollen: Er ist Türsteher im Club 22. Er arbeitet an den Abenden, an denen beinahe jeder frei und Lust auf Party hat. Der 36-Jährige erklärt, warum er lieber vor als hinter der Club-Tür steht:

Wie kamst Du auf die Idee Türsteher zu werden? 

Ich fand den Job schon immer interessant. Mit Menschen arbeiten, in Grenzerfahrungen kommen und die eigenen Emotionen komplett im Griff zu behalten: Das macht den Job jeden einzelnen Tag spannend.

Was ist wichtig bei Deinem Job?

Situationen möglichst schnell einzuschätzen, ein selbstsicheres Auftreten, nichts persönlich nehmen und körperlich auf alle Eventualitäten geschult sein.

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Gerätst Du in Deinem Job oft in Konfliktsituationen?

Im Club 22 gibt es eigentlich keine Konflikte, da wir vor der Tür gute Arbeit machen (lacht). Und die meisten Konflikte, in die man gerät, kann man durch Freundlichkeit und eine Prise Humor im Keim ersticken.

Von wann bis wann gehen Deine Schichten?

Von 23 bis 6 Uhr.

Wann startet dann Dein „Alltag“? 

Ich stehe samstags und sonntags gegen 11 Uhr auf. Am Sonntag bin ich aber nicht zu gebrauchen, ab Montag bin ich wieder im normalen Modus (lacht).

Lässt sich ein Nachtleben mit Familie und Freunden vereinbaren? Wenn ja, wie?

Mit der Familie gibt es da keine Probleme Bei Freunden ist es schon schwieriger, da man am Wochenende halt nichts machen kann.

War es am Anfang schwer, so lange wach zu bleiben?

(Lacht). Ich erinnere mich noch, dass ich am Anfang viel zu viel Red-Bull getrunken hab’.

Gibt es etwas, das Du nicht machen kannst wegen Deines Jobs?

Ja, am Wochenende ist feiern gehen ein Fremdwort für mich

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Jennifer König ist pflegefachliche Leiterin der Station C112/113 (Kardiologie/Herzchirurgie) im Klinikum Kassel. Dort arbeitet die 28-Jährige seit 2013. Sie erzählt uns, was sie an ihrem Job trotz unregelmäßigem Schlaf begeistert.

Warum bist Du Gesundheits- und Krankenpflegerin geworden?

Als ich 17 Jahre alt war habe ich angefangen, neben der Schule in einem Altenpflegeheim zu arbeiten. Der Job hat mir gut gefallen und die flexiblen Arbeitszeiten fand ich auch gut. Daher habe ich beschlossen, die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin zu machen.

In welchem Bereich, in welcher Abteilung arbeitest Du und warum?

Ich arbeite auf einer Station mit Patienten der Kardiologie und der Herzchirurgie. Als ich Anfang 2013 ans Klinikum Kassel kam, wollte ich mich gerne um aufwändige Patienten kümmern und auch die Telemetrieüberwachung interessierte mich. Meine erste Wahl war eigentlich die Intermediate Care Station – eine Art Intensivstation light – aber auch auf der C112/113 haben wir Patienten, die aufwändiger Pflege bedürfen. Auf meiner jetzigen Station finde ich außerdem gut, dass ich mich um Patienten der Chirurgie und der Inneren Medizin kümmern kann.

Was liegt Dir bei Deinem Beruf besonders am Herzen?

Ich finde den Beruf sehr, sehr, sehr vielfältig und man kann sich in verschiedene Richtungen weiterentwickeln, zum Beispiel eine Fachweiterbildung oder ein Studium machen oder auch eine Führungsposition übernehmen.

Was macht Dir besonders viel Spaß, was weniger?

Besonders schön ist, wenn man sieht, wie die Patienten positive Entwicklungsschritte machen. Das ist ein ganz individueller Prozess, den man begleiten kann. Weniger Spaß macht es, wenn wir viel Stress haben und das frühe Aufstehen mag ich auch nicht besonders.

Arbeitest Du nur nachts bzw. im Schichtbetrieb?

Ich arbeite im Drei-Schicht-Betrieb, das heißt im Früh- oder Spätdienst sowie im Nachtdienst.

Was ist die besondere Herausforderung bei einer Nachtschicht?

Die Nachtschicht selbst ist nicht das Problem, das Herauskommen aus dem Nachtschicht-Modus ist schwieriger. Wir arbeiten auf unserer Station normalerweise zwei bis drei Nachtschichten am Stück. Danach wieder in den normalen Rhythmus zu kommen, finde ich schwierig.

Von wann bis wann dauert Deine Nachtschicht?

Die Nachtschicht dauert von 20.30 bis 6.30 Uhr.

Wann startet Dein „Alltag“?

Wenn ich aus der Nachtschicht komme und eine weitere folgt, schlafe ich bis 16 oder 17 Uhr. Nach der letzten Nacht versuche ich gegen 12.30 Uhr wieder aufzustehen, damit ich abends einigermaßen normal schlafen kann. Der „Alltag“ richtet sich nach dem Dienstende. Es kann sogar ganz schön sein, wenn man mal Montagvormittag frei hat, um einzukaufen oder selbst zum Arzt zu gehen.

Lässt sich ein Nachtleben mit Freunden und Familie vereinbaren?

Ja, das geht bei einer Nachtschicht eigentlich ganz gut. Man bekommt zwischendurch über soziale Netzwerke Nachrichten mit Infos und Grüßen geschickt. Eine Frühschicht ist da fast schwieriger, weil ich dann um 21 Uhr ins Bett gehen muss.

War es am Anfang schwer, so lange wach zu bleiben?

Nein, überhaupt nicht. Jeder hat doch schon einmal eine Nacht durchgemacht und es gibt immer etwas zu tun.

Auch die 22-jährige Anna Karina Satony passt auf, dass auch die Letzten nachts noch an Sprit kommen: Egal ob Wegbier für die Nachtschwärmer oder Benzin für die Pendler. Sie erzählt uns, was sie nachts so erlebt:

Wie kamst Du zu Deinem Job?

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Ich bin ausgelernte Bäckereifachverkäuferin. Der Kontakt mit Menschen macht mir riesigen Spaß  und da ich gerne weiter im Verkauf arbeiten wollte, aber einen kleinen Tapetenwechsel brauchte, arbeite ich seit Anfang des Jahres in der Tankstelle und es macht mir mega Spaß.

Bist Du Tankwartin oder wie heißt das?

Ich würde mich eher als eine Servicemitarbeiterin in der Tankstelle bezeichnen.

Du machst das hauptberuflich?

Ja dieser Beruf ist mein Hauptberuf, ich bin als Teilzeitkraft eingestellt und das reicht voll und ganz.

Bei welcher Tankstelle arbeitest Du ?

Im TC Tankcenter am Kreisel, am Platz der deutschen Einheit.

Von wann bis wann gehen Deine Schichten?

Die Nachtschicht geht von 21 Uhr bis 6 Uhr, also insgesamt neun Stunden.

Wie oft hast Du Nachtschicht?

Im Durchschnitt habe ich derzeit 10 bis 13 mal Nachtschicht im Monat.

Wann startet dann Dein „Alltag“? 

Also wenn man von einer Nachtschicht kommt, dauert es etwas bis man generell runter kommt von der Arbeit und ich denke das kennt jeder von uns, egal welche Schicht. Dann macht man ein wenig Haushalt, ich kümmere mich um meine Tiere, mache mich bettfertig und gehe schlafen. Dann schlafe ich bis 17 oder 18 Uhr und mache mich langsam fertig für die Arbeit.

Lässt sich ein Nachtleben mit Familie und Freunden vereinbaren? Wenn ja, wie?

Natürlich lässt sich alles unter einen Hut bringen, wenn man es möchte. Also meine Familie und mein Partner unterstützen mich, wo sie können und haben auch Verständnis, wenn ich mich ein paar Tage nur kurz melde, weil immer, wenn ich wach bin, sind andere am Schlafen.

Aber mir macht die Arbeit viel Spaß und das merken natürlich auch die Menschen in meinem Umfeld und unsere Kunden – und ich nutze die Tage, die ich frei habe.

War es am Anfang schwer so lange wach zu bleiben?

Klar ist es eine riesen Umstellung, aber man gewöhnt sich schnell daran. Natürlich kommt auch mal während einer Nachtschicht die Müdigkeit durch, aber man hat genug zu tun. Das hält wach. Und zudem haben wir tolle Stammkunden, die einen nachts auch unterstützen, in dem sie sich gerne mit uns unterhalten.

Gibt es etwas, das Du nicht machen kannst wegen Deines Jobs?

Ich bin glücklich mit dem, was ich habe und ich wüsste auch nicht, wie es besser sein sollte. Natürlich hat man während den Schichten kaum Zeit, aber jeden Tag weiß ich, warum ich es mache. Wenn einem die Arbeit wirklich Spaß macht, hat man nichts auszusetzen. Und nein, es gibt nichts was ich nicht machen kann.