BRAUSER trifft Knut Sippel

Foto: Just in Team GmbH

Jährlich zieht es uns Kasseler im Sommer unten an die Fulda, an die Drahtbrücke, zum Kulturzelt. Hier können wir alte und neue Bekannte treffen, bekannte und weniger bekannte Bands bestaunen, uns von der Gastronomie kulinarisch überraschen lassen und einfach das Leben genießen. Weniger Gedanken verschwenden wir dann an die, die vorher einen Haufen Arbeit in dieses Projekt gesteckt haben.

Passend zum „Neustart“ des Kulturzelts – denn die Kulturzelt-Crew hat zu dieser Saison gewechselt –trafen wir uns bei heißen 36 Grad mit dem Zeltaufbauer Knut Sippel. Der 54-Jährige erzählt uns, warum ihm das Projekt so am Herzen liegt.

Seit wann baust Du das Kulturzelt auf?

Das ist jetzt meine 31. Saison hier.

Dann bist Du ja schon ’ne lange Zeit dabei!

Ja, das Kulturzelt gibt’s seit 1987.

Kommst Du aus Kassel?

Ich lebe jetzt mehr als die Hälfte meines Lebens hier, also schon. Aber gebürtig komme ich aus der Eschweger Gegend.

Wie kamst Du jetzt zu dem Job? Bist Du Teil einer Firma die angefragt wurde?

Ich habe die Leute vom Kulturzelt – also die es noch vor 30 Jahren betrieben haben – kennengelernt, weil ich mit zu den Gründungsmitgliedern vom OpenFlair in Eschwege gehöre – das ist aus dem Jugendzentrum in dem ich damals aktiv war herausgewachsen. Im Sommer bin ich dann ein paar Jahre hierher zum Kulturzelt gefahren und habe für uns – also für das Eschweger Festival – Werbung gemacht. So hatte ich das Glück den damaligen Betreiber des Kulturzeltes kennenzulernen.

Und dann?

Dann bin ich zum Studium hier nach Kassel gezogen und dann lag es nahe mich hier bei den Leuten vom Kulturzelt wider zu melden. Und die haben mich auch sofort engagiert.

Wie schön, dann bist Du ja durch Interesse zu diesem Job gekommen!

Genau.

Was hast Du denn studiert?

Ich habe auf Lehramt studiert.

Jetzt ist das Kulturzelt ja nur einmal im Jahr. Was machst Du das restliche Jahr über?

Ich bin selbstständig – also ich bin meine eigene Firma. Ich mache verschiedene Projekte: Ich bin häufig als Art-Händler im Museum Fridericianum oder was der Markt eben gerade an Arbeit so anbietet.

Und Du bist auch aktiv bei der documenta richtig?

Ja, bei der documenta bin ich auch dabei. Ich glaube 1992 war die erste documenta bei der ich gearbeitet habe. Ich arbeite für die technische Leitung und betreue für diese dann einen Spielort und so weiter. Bei der letzten documenta war ich in der documenta Halle, aber das kann sich von Mal zu Mal ändern.

Zurück zum Zelt: Ist das ganze Konstrukt eigentlich ein Bausatz, den man einfach zusammensteckt?

Naja, das Zelt selber, ist natürlich nach Baubuch zu bauen. So ein fliegender Bau braucht natürlich eine Genehmigung und muss exakt aufgebaut werden. Alle drei Jahre gibt es eine Prüfung durch den TÜV – die war auch dieses Jahr gerade wieder. Dann gibt es auch immer eine Prüfung durch die kommunalen Behörden, also durch das Bauamt: Immer dort, wo das Zelt aufgebaut wird. Wird’s in Timbuktu aufgebaut, dann muss der dortige Bauamtsleiter die Prüfung abnehmen. Mehr-Augen-Prinzip ist hier eben wichtig, damit auch wirklich alles korrekt läuft.

Foto: Just in Team GmbH

Und wie lange dauert der Aufbau?

Die Aufbauphase dauert gut vier Wochen. Der Abbau geht wesentlich schneller: Wir bauen so zwei, zweieinhalb Wochen ab.

Wie groß ist euer Team?

Das kommt ganz auf die Bauphase drauf an. Wenn wir die Akkustikdecke einbauen, sind wir in etwa acht. Letzte Woche waren wir noch zu zehnt.

Und wenn’s dann steht? Sieht man Dich als Besucher?

Ich bin auch während er Saison noch tätig! Ich bin der der als erster kommt und als letztes geht?

Jetzt hat das Kulturzelt ja ab dieser Saison neue Betreiber. Was wünscht Du dem Kulturzelt für seinen „Neuanfang“?

Weiterhin eine positive Resonanz des Publikums, so dass das Zelt weiterhin eine optimale Zukunft erfahren kann.

Hast Du einen Lieblingsplatz in Kassel?

Im Sommer natürlich hier unten am Kulturzelt! Das ist schon irgendwie mein zweites Zuhause. Alles hier drum herum ist Nachbarschaft. Mich kennen viele Leute, ich kenne viele Leute. Ich gehe hier morgens zur Arbeit und werde gegrüßt – als temporärer Nachbar. Es herrscht ein tolles soziales Klima hier. Das ist echt angenehm und ein kleines Stück sommerliche Heimat.

Was würdest Du machen, wenn Du drei Tage frei hättest?

Erst einmal ausschlafen (lacht). Und dann raus ins Grüne.

Was bedeutet Dir Dein Job?

Das ist ein Projekt, hinter dem ich natürlich voll stehe, schließlich investiere ich hier seit über 30 Jahren die schönste Zeit des Jahres hinein. Das Projekt fordert mich natürlich auch, rechts und links bleibt da kaum Zeit. Für mich ist das aber eine Betätigung, die sozial-kulturelle Verantwortlichkeit ausdrückt – die jeder hat und jeder erfüllen sollte. Das ist mein Beitrag, in dem Rahmen, was ich leisten kann. Mich hier einzusetzen und das Projekt zu fördern.