Junge Eltern: Wenn Kinder, Kinder kriegen

Junge Eltern sind seit Trash-TV-Serien kein Tabuthema mehr. Jeder kennt die jungen Mütter aus dem Fernsehen, die im eigenen Kinderzimmer neben dem Schreibtisch noch eine Wickelkommode stehen haben. Neben dem Schreibtisch, den sie zum Schminktisch umfunktioniert haben, weil die Schule brechen sie ja ab. Doch ist das die Art, wie man über junge Mütter und Väter berichten sollte? Sicher nicht! Wichtig ist, sich klar zu machen, dass Teenager-Eltern auch außerhalb von Nachmittags-Shows existieren und dass sie durchaus wissen, wie man ein Kondom benutzt.

Wie konnte das passieren!?

Vorab: Schwangerschaften passieren ständig! Auch erwachsene Frauen werden ungeplant schwanger – so, wie es auch bei Jugendlichen mit aufkommendem, spontanen oder regelmäßigem sexuellem Kontakt vorkommen kann. Die Gründe können banal sein: gerissenes Kondom oder ein Medikament, dass die Wirkung der Pille beeinträchtigt. Nur sind bei Teenagern die Befürchtungen meist größer, die Liste an Schwierigkeiten oft länger.

Generell gilt: Gute Aufklärung beugt ungewollten Schwangerschaften vor. Und Deutschland macht im internationalen Vergleich eine gute Figur. Jugendschwangerschaften kommen im globalen Vergleich sehr selten vor und über 80 Prozent der Jugendliche aus deutschen Familien sagen über sich selbst, dass sie gut aufgeklärt seien.

Ungeplant zum ersten Mal

Schwierig ist das Thema Verhütung leider oft bei Jugendlichen um die Fünfzehn, die sich sexuell ausprobieren. Denn hier übersteigt die Unerfahrenheit oft das Bewusstsein von dem, was passieren kann. Wenn das Sexualleben noch nicht routiniert ist, können Dinge wie „Wer besorgt eigentlich das Kondom?“ und „Wer kann mich zum Frauenarzt begleiten?“ zu Peinlichkeiten führen, die dann lieber vermieden werden. Auch zu wenig Geld für „gute“ bzw. geeignete Verhütungsmittel spielt oft eine Rolle. Der häufigste Grund für Nicht-Verhütung beim ersten Mal ist übrigens die Spontanität. Über 50 Prozent der 14 bis 25-Jährigen geben an, beim ersten Mal nicht verhütet zu haben, weil es spontan war.

Mama, ich will ein Kind

Nicht außer Acht zu lassen ist aber, dass auch in jungen Jahren oft schon ein Kinderwunsch existieren kann. Zumeist dann, wenn die eigenen Eltern auch früh schwanger wurden und der Zeitpunkt der Familienplanung somit auch früher eintritt. Weitere Gründe können allerdings auch sein, dass ein Baby das Leben – im wahrsten Sinne des Wortes – verändert. Ja fast schon: eine Chance auf Veränderung darstellt. Rauskommen aus dem Elternhaus, der Wunsch nach einer sinnvollen Aufgabe (vielleicht wegen fehlender beruflicher Perspektiven) oder das Erwachsen-Sein-Wollen und die Geborgenheit einer eigenen kleinen Familie.

Das „Ja“ zum Baby

Jugendliche, die die Schwelle zum Elternsein übertreten müssen, haben meist kein geregeltes Einkommen, gehen noch zur Schule, wohnen noch Zuhause. Das sind nur ein paar Punkte, mit denen sich junge werdende Mütter und Väter konfrontiert sehen. Auch ist ein Säugling nicht mit einem durchschnittlichen Teenie-Leben zu vereinbaren – Stichwort: Baby statt Party. Damit sie sich damit nicht alleine fühlen, können sie sich an Beratungsstellen, wie pro familia oder das Diakonische Werk wenden. Hier werden sie kompetent beraten und die Meinung des Hilfesuchenden steht immer an oberster Stelle. Hier können Schwangere auch hinkommen, wenn sie sich erst einmal klar werden wollen, ob sie das Kind überhaupt bekommen möchten. Eine zusätzliche Unterstützung können für junge Väter und Mütter Familienhebammen sein, die die werdenden Eltern bis zu einem Jahr lang begleiten und auch bei Fragen rund um Ernährung und Gesundheit zur Seite stehen. Dies ist besonders hilfreich, wenn die frischen Eltern wenig oder keinen Kontakt zu den eigenen Eltern haben und vielleicht mit den ersten Zähnen des Kindes überfordert sind. Auch ist es so, dass Teenager-Beziehungen noch nicht so gefestigt sind, dass sie eine Schwangerschaft überstehen – junge Mütter sind oft alleinerziehend.

Und was macht das Kind?

Für die Entwicklung des Neugeborenen sind junge Eltern übrigens meist kein Manko – jedoch stehen und fallen die Probleme der jungen Familie mit dem sozialen Umfeld: Sind sie auf sich alleine gestellt? Ist der Vater des Kindes noch da? Akzeptieren die Großeltern das Baby? Wo wohnt die junge Familie? Zu Problemen kommt es meist erst, wenn die neue Situation die Teenager zu sehr überfordert, sie aber keine Hilfe annehmen wollen. Durch die Geburt kommen sie in eine Situation, in der sie die Unterstützung ihrer Eltern umso mehr brauchen – sie aber vielleicht nicht annehmen wollen oder können. Auf der anderen Seite kann es passieren, dass die Oma zu sehr in die Erziehung eingebunden wird und für das Kind die Rollen nicht klar werden.

Was, wenn’s passiert?

Hilfe, ich bin schwanger! Die Aufklärung in Deutschland ist gut: Jugendliche verhüten oft besser als die meisten Erwachsenen! Doch bei sexuellem Kontakt bleibt stets ein Restrisiko – egal ob jung oder alt. Eine Schwangerschaft bringt immer auch Sorgen mit sich – desto jünger die Eltern, desto größer die Sorgen und Bedenken. Teenager-Eltern stehen außerdem unter enormem Druck: „Die sind zu jung“, „Das packen die nicht“ – daher ist es umso wichtiger, dass sie eine kompetente Beratung und wertschätzende Unterstützung erfahren.

Hilfesuchende können sich unter anderem an Beratungsstellen wie das Diakonische Werk oder pro familia richten:

www.profamilia.de/kassel

dw-region-kassel.de/

Zu beiden Beratungsstellen haben wir noch einen Kurzüberblick für Euch: brauser24.de