Der Becherstapel-Weltmeister kommt aus Kassel

Seit 2012 stapelt der 38-Jährige erfolgreich Becher. Foto: Privat (nh)

Bunte Plastikbecher stapeln – das kennt man vom Cup-Song oder von Jahrmärkten. Aber seit einigen Jahren finden sogenannte Sport-Stackings auch in Sporthallen statt, mit Publikum und Wettbewerben. Was wir uns darunter vorstellen können und wie der Sport nach Deutschland kam, erzählt uns Markus Pondruff. Der 38-jährige Lehrer aus Espenau hat 2012 mit dem Stacking angefangen und feiert seitdem große Erfolge.

Wie kamst Du zu dem Sport?

Ich habe an einer Lehrerfortbildung teilgenommen, mir gleich ein Set Becher gekauft und angefangen zu trainieren. Mich hat sofort das Stacking-Fieber gepackt. Bekannt war mir Sport Stacking schon länger. 2005 waren die ersten deutschen Stacking-Weltmeister bei TV Total im Fernsehen zu bestaunen.

Wie können wir uns den Sport vorstellen?

Sport Stacking ist ein Geschicklichkeitssport, bei dem Kunststoffbecher in einer festgelegten Reihenfolge zu Pyramiden aufgebaut und wieder abgebaut werden. All’ das soll in möglichst kürzester Zeit und ohne Fehler erfolgen. Es gibt drei Einzeldisziplinen mit neun oder zwölf Bechern, das Doppel, bei dem jeder Stacker nur eine Hand nutzen darf und die Staffel, bei der 4 Personen hintereinander stapeln.

Wie läuft das Training ab?

Beim Training stapelt man sich erstmal einige Minuten warm, um Sicherheit für die unterschiedlichen Disziplinen zu bekommen. Später können richtig schnelle Zeiten erzielt werden. Beim Training in der Gruppe gibt es verschiedene Übungen und Spiele für Spaß und Wettkampf.

Erfolgreich: Markus hat bereits viele Wettkämpfe gewonnen. Foto: Privat (nh)

Du bist selbst Trainer?

Ja, seit 2014 leite ich die Sport Stacking-Gruppe der TSG 1887 Kassel-Niederzwehren. Wir trainieren mittwochs von 16.30 bis 18.30 Uhr und freuen uns über jeden, der das Becherstapeln bei uns ausprobieren möchte. Darüber hinaus leite ich die Sport Stacking-AG an meiner Schule.

Wie ist die Community in dem Sport?

In Deutschland gibt etwa 300 Stacker, die regelmäßig die zehn deutschen Turniere im Jahr besuchen. Man kennt sich und es ist eine große Freude sich zu treffen. Mein Doppelpartner kommt aus Nähe von Stuttgart. Mit ihm wurde ich im April Weltmeister in Spanien. Auch die Mitglieder meiner Staffel, mit denen ich ebenfalls den Titel holen konnte, leben verteilt in Deutschland.  Darüber hinaus bestehen Kontakte zu Sportlern aus der ganzen Welt, die ich persönlich bei den jährlich stattfindenden Weltmeisterschaften kennenlernen durfte. 2017 wurde ich das erste Mal vom Bundestrainer für die WM in Taiwan nominiert. Auch Online läuft einiges im Sport Stacking ab. Es gibt einen regen Austausch über Facebook. Über YouTube werden Trainingsversuche oder Zeiten bei Wettkämpfen gepostet. Es gibt sogar Ranglisten über die Schnellsten im Web.

Weißt Du was über die Geschichte des Stackings?

In den 80er-Jahren entwickelte ein Grundschullehrer in den USA Sport Stacking. 2004 brachte eine deutsche Lehrerin Sport Stacking mit nach Deutschland. Seitdem verbreitet es sich in der ganzen Republik.

Welche besonderen Fähigkeiten braucht man für’s Stacking?

Förderlich sind Geschick und Geduld. Lernen kann es aber jeder, egal wie alt man ist. Die Jüngsten bei den Wettkämpfen sind vier und die Ältesten über 80.

Was begeistert Dich persönlich an dem Sport?

Mich fasziniert die Geschwindigkeit der Becher. Dass die Hände schneller sind als die Augen und dass man seine Bestzeiten immer noch unterbieten kann.

Hast Du noch andere Hobbys?

Ich spiele Tennis beim TC Grün-Weiß Immenhausen

Schnellstapler Markus weiß genau worauf es an kommt. Foto: Privat (nh)

Welche Ausrüstung ist nötig?

12 Becher, eine Stacking-Matte damit die Becher nicht rutschen, einen Timer zum Messen der Zeiten.

Wie läuft ein Wettkampf ab?

Zuerst Warmstapeln bis man gute sichere Zeiten schafft. Dann geht es zur Vorrunde in den drei Einzeldisziplinen, Doppel und Staffel. Man hat jeweils drei Versuche am Wettkampftisch. Die schnellste Zeit zählt. Es gibt verschiedene Altersklassen. Ich starte in 35+. Die 10 schnellsten kommen ins Finale. Im Finale hat man wieder drei Versuche. An jedem Wettkampftisch sitzen zwei Schiedsrichter um die richtige Abfolge zu kontrollieren und die Zeiten zu notieren. Starten und Stoppen macht der Stacker selbst. Im Finale werden alle Versuche mit einer Kamera aufgezeichnet, damit eine Videokontrolle durchgeführt werden kann.