Schlaflos durch die Nacht

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Rund 24 Jahre seines Lebens verschläft der Mensch – das erscheint mir wie eine wahnsinnig hohe Zahl. Zeit, die vergeht, in der man doch viel machen könnte, was man am Tag nicht geschafft hat. Keine Ablenkungen, vollkommene Stille. Und obwohl von allen Seiten immer gepredigt wird, dass Schlaf wichtig fürs Überleben ist, eine Nacht ohne Schlaf sollte doch gehen oder?

Ich entschließe mich also dafür, mich einmal zu quälen. Aber davor gönne ich mir natürlich erst mal eine Runde Schlaf, am Morgen bin ich ausgeruht und sehr zuversichtlich. Kann ja nicht so schwer sein. Der Tag vergeht wie im Fluge und wieder habe ich das Gefühl, kaum etwas meiner riesigen To-Do-Liste abzuarbeiten. Also geht es abends anstatt auf das Sofa an meinen Schreibtisch. Gegen eins werden meine Glieder langsam schwer, ich reibe mir die Augen. So konzentriert wie erhofft bin ich doch nicht.

Eine kleine Pause muss also sein. Ich flöße mir zwei Kaffees ein und mache ein paar Hampelmänner, um den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen. Ich bin immer noch top motiviert, meine schlaflose Nacht durchzuziehen. Also geht es meiner To-Do-Liste weiter an den Kragen und siehe da: Sie schrumpft tatsächlich ein wenig. Aber dafür unterlaufen mir immer mehr Fehler. So klein sie auch sind – sie fahren mir ganz schön unter die Haut. Ich schlage frustriert den Laptop zu. Dann also keine Arbeit mehr. Mittlerweile ist es vier Uhr nachts. Ich ziehe mir die Jacke für einen kurzen Spaziergang an. Frische Luft soll ja beleben. Aber das Wahre ist es auch nicht, ehrlich gesagt ist mir die ganze Zeit eher unbehaglich zumute. Welcher normale Mensch läuft an einem Donnerstag nachts durch die Straßen?

Langsam machen meine Beine nicht mehr mit. Ich setze mich aufs Sofa und mache einen Film an, aber irgendwie bin ich total abwesend. Auf die Handlung achte ich längst nicht mehr. Meine Produktivität ist auf einem Nullpunkt, aber so schnell gebe ich nicht auf. Stattdessen google ich, wie lange ein Mensch ohne Schlaf überleben kann. Rund 11 Tage hat es ein 17-jähriger Schüler ausgehalten. Respekt! Davon bin ich noch weit entfernt. Es wird allmählich hell draußen, die ersten Menschen werden wach. Ich versuche mich für den Tag fertig zu machen, aber so richtig gut fühle ich mich nicht. Nach ein paar Stunden Arbeit gehe ich wieder nach Hause um zu schlafen. Was Produktives geschafft habe ich sowieso nicht und meine To-Do-Liste wächst wieder. Dann doch lieber erholsam schlafen und alles andere auf den Tag verschieben. Mir hat die eine Nacht ohne Schlaf auf jeden Fall gereicht.