Die 10 spektakulärsten Kapitalverbrechen in Kassel

Foto: Göbel/Sippel/Grebe

Blaulicht, Sirene und rot-weißes Absperrband – das erleben die meisten von uns glücklicherweise nur aus sicherer Entfernung: vom Sofa. Beine ausgestreckt, mit einer Tüte Chips unter’m Arm: Denn sonntags ziehen polizeiliche Ermittlungen, Intrigen auf dem Revier und das Auflösen von verzwickten Fällen nicht nur Kriminalfall-Liebhaber in ihren Bann. Sonntag ist Tatort-Tag!

Am 12. Mai verschlägt es die Tatort-Kommissare endlich nach Kassel! Dabei darf man jedoch nicht aus den Augen verlieren, dass alles, was wir uns gemütlich von Zuhause vorm Zu-Bett-gehen aus anschauen, für manche Menschen grausame Realität ist. Denn auch in einer vermeintlich idyllischen Stadt wie Kassel passiert Schreckliches und man sollte stets mit offenen Augen durch’s Leben gehen. Aus diesem Anlass haben wir die zehn krassesten Kapitalverbrechen aus Kassel und Umgebung für euch herausgesucht – natürlich inklusive Tatort in unserer nordhessischen Metropole. Lest selbst und schaudert mit uns.

Fall 1: Versuchter Mord in Rothenditmold

Der Kasseler Polizei gelang nach intensiven Ermittlungen Ende Juli 2017 die Festnahme eines 37-Jährigen, der mehrfach mit einem Messer auf eine 27 Jahre alte Frau im Kasseler Stadtteil Rothenditmold eingestochen hatte und sie dabei lebensgefährlich verletzte. Die Frau war in der Nacht vom 9. auf den 10 Juli 2017 in der Frankenberger Straße auf dem Nachhauseweg als ihr der Täter die Handtasche klauen wollte. Im Zuge der Rangelei stach der Mann mehrfach mit einem Messer zu und flüchtete anschließend zunächst unerkannt. Die 27-Jährige musste in einem Krankenhaus behandelt werden und war erst nach einigen Tagen außer Lebensgefahr. Die Ermittler der extra eingerichteten Sonderkommission stießen im Rahmen ihrer intensiv geführten Ermittlungen auf den bereits polizeilich bekannten Mann, der in Kassel wohnte. Sie nahmen ihn am 26. Juli 2017 fest und der damals 36-Jährige räumte die Tat schließlich ein. Er sitzt seitdem in Haft.

Fall 2: Lebenslange Haft für Mord an einem Kasseler

Ein heute 66-Jähriger sitzt lebenslang wegen Mordes im Gefängnis. Er ist für den Tod eines Rentners verantwortlich. Die Soko „Karlsbad“, der Name leitete sich aus der Straße ab, in der der getötete 77-Jährige wohnte, nahm das soziale Umfeld des Opfers genauer unter die Lupe und traf dabei auf den damals 64-Jährigen aus Kassel, der mit dem Rentner befreundet war. Finanzielle Gründe bewegten den zur Tatzeit 64-Jährigen, seinen Bekannten Ende September 2017 zu töten. Der 77-Jährige war erst rund zwei Wochen später tot in seiner Wohnung gefunden worden. Nach einer Obduktion stand fest, dass er Opfer eines Tötungsdeliktes geworden war. Die Ermittlungen führten zu seinem Bekannten, der zunächst in U-Haft und seitdem in Vollstreckungshaft -lebenslänglich- einsitzt.

Foto: Seeger/dpa

Fall 3: Schüsse wegen Nebenkostenabrechnung

Zu einem weiteren Tötungsdelikt kam es in einem Mehrfamilienhaus. Dort war es wegen einer Nebenkostenabrechnung zum Streit zwischen zwei Mietparteien gekommen, in dessen Verlauf der 68-jährige Täter ein Ehepaar durch Schüsse verletzte. Der 47 Jahre alte Geschädigte starb noch am selben Tag in Folge der lebensgefährlichen Verletzungen. Seine 30-jährige Ehefrau erlitt Schussverletzungen an Armen und Beinen. Der Täter war damals noch am Tatort festgenommen worden und saß seitdem in U-Haft. Ende Januar 2018 ist er vom Landgericht Kassel wegen Mordes, versuchten Mordes und fahrlässiger Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren auf Grund eingeschränkter Schuldfähigkeit verurteilt worden.

Fall 4: 19-Jährige tot in Studentenwohnheim

Ein tragischer Fall, der bis heute nicht detailliert aufgeklärt werden konnte, ereignete sich Anfang November 2018. Die Angehörigen einer 19-Jährigen aus Nordrhein-Westfalen machten sich Sorgen, weil sie die 19 Jahre alte Studentin nicht erreichten. Die Polizei suchte ihr Appartement in einem Studentenwohnheim im Kasseler Wesertor auf und machten eine grausame Entdeckung. Sie und ihr ebenfalls 19 Jahre alter Bekannter aus Bremen waren tot, die Gesamtumstände ließen keinen Zweifel, dass beide infolge scharfer Gewalt ums Leben kamen. Die Ermittler kamen zu dem Ergebnis, dass der 19-Jährige seine Bekannte zunächst tötete und sich anschließend selbst das Leben nahm. Die Motivlage ist nach wie vor unklar. Ob es sich um Totschlag, Mord oder erweiterten Suizid handelt, konnte bislang nicht geklärt werden.

Fall 5: Tote am Fulda-Ufer: Ermittlungen zum Täter laufen noch

Am 6. Mai jährt sich ein Verbrechen zum vierten Mal. Die Tat konnte bislang nicht geklärt werden. Eine Spaziergängerin meldete damals eine Leiche am Fulda-Ufer in Höhe des Ostrings. Es war zunächst unklar, wer dort mit Gartenabfällen bedeckt am Rande zahlreicher Büsche abgelegt worden war. Neben dem genauen Todeszeitpunkt war auch der Tatort nicht bekannt. Erst die rund eine Woche spätere Obduktion ergab neue Hinweise. Es handelte sich um Monika S., die Monique genannt wurde. Die 58-Jährige aus Kassel war Opfer eines Tötungsdelikts, so das weitere Ergebnis der Obduktion. Trotz intensiver Ermittlungen und Fahndungsaufrufen in der Öffentlichkeit ergaben sich keine weiteren konkreten Hinweise auf den Täter. Auch ist bislang unklar, wo Monika S. ums Leben kam.

Fall 6: Polizei veröffentlicht Foto von Messerstecher aus RegioTram und ist erfolgreich         

Am letzten Silvestertag war ein 38-Jähriger, der in Kassel wohnt, mit einem zunächst unbekannten Mann in der RegioTram, die in Kassel auf der Holländischen Straße in Richtung Vellmar unterwegs war, in Streit geraten. Im weiteren Verlauf schlug der Unbekannte zunächst auf den Kopf des 38-Jährigen ein und stach anschließend mit einem Messer zu. Er flüchtete schließlich, als andere Fahrgäste sich einmischten. Da die sofort eingeleitete Fahndung zunächst ohne Erfolg verlief, veröffentlichte die Kasseler Polizei ein Foto des Täters, dass von einer Kamera in der RegioTram aufgenommen worden war. Nur eine Woche nach der Tat, bei dem das Opfer zunächst in akuter Lebensgefahr schwebte, klickten die Handschellen in Gießen. Die Polizei hatte mehrere konkrete Hinweise auf die Identität eines 23-Jährigen, der nach seiner Festnahme zunächst in U-Haft genommen wurde. Mittlerweile ist der Mann in einer forensischen, psychiatrischen Klinik inhaftiert.

Fall 7: 29-Jähriger aus Melsungen seit 20 Jahren vermisst: Letzter Kontakt in Kassel

Die Polizei aus Nordhessen sucht noch immer nach Ertukrul Emeksiz, der seit September 1999 vermisst wird. Der damals 29-Jährige aus Melsungen war zuletzt in Kassel am Firmensitz eines Fleischgroßhändlers in der Eisenschmiede gesehen worden. Von dort machte er sich mit einem blauen Transporter der Firma in der Nacht auf den Heimweg nach Melsungen. Dort kam der Familienvater nie an. Auch vom blauen Kastenwagen, einem Renault mit LIP-Kennzeichen fehlte zunächst jede Spur. Erst Anfang Oktober 1999, also gut vier Wochen nach seinem Verschwinden, fand man diesen auf einem Parkplatz in Frankfurt. Von dem 29-Jähigen gab es allerdings kein Lebenszeichen, bis heute nicht. Besonders mysteriös ist an diesem Fall, dass der Transporter in den vier Wochen rund 7.000 Kilometer bewegt wurde. Wo und von wem ist bis heute unklar. Noch heute erhofft sich die mit dem Fall betrauten Beamten der Kripo Homberg/ Efze Hinweise.

Fall 8: 30-Jähriger nach schwerer Vergewaltigung gefasst

Anfang Oktober 2017 konnten Beamte der Kasseler Kripo einen Ermittlungserfolg der besonderen Art für sich verbuchen. Sie nahmen einen 30-Jährigen fest, der anschließend in Haft ging. Der Vorwurf: Vergewaltigung – ein Verbrechen. Sein Opfer, eine 28 Jahre alte Frau, die am 5. August 2017, in der Nacht zum Samstag, auf einem Feldweg an der Kasseler Stadtgrenze zu Fuß auf dem Heimweg war. Der zu dieser Zeit noch unbekannte Mann griff sie an, stieß sie zu Boden und vergewaltigte sie. Damit er nicht erkannt wird, trug er eine Sturmhaube. Die Maskerade half jedoch nicht, die Ermittler kamen ihm schließlich über seinen DNA auf die Spur und nahmen ihn fest. Er sitzt seitdem in Haft.

Fall 9: Der Brummi-Mörder, ein Serienmörder mit seiner letzten Tat in Kassel

Einer der spektakulärsten Kriminalfälle endete in Kassel. Der in 2006 28-jährige Marco M. ermordete und vergewaltigte Anfang Juli 2006 sein letztes Opfer. Anna S. aus Kassel, damals 18 Jahre alt, war am damaligen 8. Juli tot und unbekleidet auf dem Parkplatz Scharfenstein an der A49 bei Kassel von einem Autofahrer, der mit seinem Hund auf dem Parkplatz eine Pause machte, gefunden worden. Die Soko „Scharfenstein“ machte sich anschließend an die Arbeit und die Spur führte zu dem Familienvater aus dem oberhessischen Haiger. Nach seiner Festnahme, rund zwei Monate später, Ende August, legte er ein Geständnis ab. Er hatte in der Nacht zum 8. Juli Anna S. an der B83 in Kassel, zwischen Lilienthalstraße und Nürnberger Straße, aufgelauert, sie getötet und in seinem LKW vergewaltigt. Anschließend fuhr er auf den Parkplatz an der A49 und legte sie in einem Gebüsch ab. Er gestand noch zwei weitere Morde und einen Mordversuch an Frauen in Nordrhein-Westfalen, die er seit 2003 während seiner Fahrten als Fernfahrer beging. Mit Hilfe eines Phantombildes, das die Polizei aufgrund einer Zeugenaussage fertigte, und seiner DNA, gelang es schließlich die Taten Marco M. zuzuschreiben, ihn zu identifizieren und festzunehmen. Er sitzt seit dem Mord an Anna S. im Gefängnis. Der Richter ordnete zusätzlich die anschließende Sicherungsverwahrung an.

Foto: Göbel/Sippel/Grebe

Fall 10: NSU-Mord ohne verurteilten Mörder

Ein Fall der durch die Medien ging und immer noch geht: Halit Yozgat war das neunte und damit das letzte Todesopfer der Mordserie der rechtsextremen Gruppe NSU. Der 21-Jährige Halit hatte im April 2006 im Internetcafé der Familie auf seinen Vater gewartet und wurde dort durch zwei gezielte Pistolenschüsse in den Kopf ermordet. Der genaue Ablauf der Tat ist bis heute nicht geklärt: Zum Tatzeitpunkt war Andreas Temme, ein Mitarbeiter des hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz ebenfalls anwesend, wurde einige Zeit als Täter verdächtigt und festgenommen. Sein Telefon wurde von der Polizei überwacht, abgehörte Gespräche öffentlich. Die Ermittlungen führten lange Zeit – bis zur Aufdeckung des NSU – ins Leere. Wer den Anschlag verübt hat istbis heute nicht geklärt – die Schuld von Temme sehr umstritten. Die Stadt Kassel will zum Gedenken an ihren Bürger Halit Yozgat einen Preis ins Leben rufen, der Verbände, Vereine oder Einzelpersonen auszeichnen soll, die sich mit Rechtsextremismus, Rassismus oder Antisemitismus auseinandergesetzt haben.