„Kurz gefragt“: Linus Volkmann im Interview

Foto: Frederike Wetzels (n.h.)

Er ist Buchautor und Popjournalist, lange Zeit arbeitete er als Redakteur für das Magazin Intro. Seine Texte, Rants und Clips finden sich unter anderem bei arte, VICE, WDR, Titanic oder Spiegel Online. Zudem konzipiert er Beiträge für Jan Böhmermanns „Neo Magazin Royale“. Sein Beitrag „Eier aus Stahl – Max Giesinger und die deutsche Industriemusik“ erhielt den Grimme-Preis! Am 24. April ist Linus Volkmann mit seinem Programm „Sprengt die Charts! Wie werde ich Popstar – und warum?“ im Kulturzentrum Schachthof zu Gast. Wir haben im Vorfeld mit ihm gesprochen.

Hallo Linus. Kommst Du zum ersten Mal nach Kassel und auf was freust Du Dich besonders?

Ich habe Kassel schon einmal besucht. Es ist Ewigkeiten her und war herrlich – ich durfte zu Gast sein in einer hoffnungslos charmanten und zugekitschten Bar namens „Mutter“. Ansonsten mein Eindruck von der Stadt: Sie wird der Natur zurückgegeben. Architektur sieht sich von Gestrüpp überwuchert, der Mensch befreit sich von der Zivilisation. Das ist mein Kassel!

Was erwartet uns bei Deinem neuen Bühnenprogramm?

Es gibt Videos, Stand-Ups, Comedy und Texte – alles dreht sich dabei um den guten, alten Menschheitstraum: Popstarwerden. Außerdem wird der Zuschauer Zeuge bei der Geburt eines neuen Trendgetränks: Klosterfrau Melissengeist Energy. Das Zeug hat 79% Alkohol, besonders in Kassel dürfte das, da bin ich sehr zuversichtlich, auf breites Interesse stoßen.

Als Autor für den Musikexpress rezensierst Du unter anderem die neusten Alben. Verrate uns doch, welches für Dich die bisher beste und die schlechteste Platte des noch jungen 2019 ist und warum.

Ich kann nur empfehlen „Bitchlifecrises“ von einer Band namens The Toten Crackhuren im Kofferraum. Das ist eine Mischung aus Punk und Pop mit dem hysterischen Humor der Skandal-Pressekonferenz von Tic Tac Toe: „Wenn wir Freundinnen wär’n, würdest Du so einen Scheiß gar nicht machen!“
Schlechte Platte 2019, da bin ich allerdings überfragt. Haben Radiohead, alt-J, Imagine Dragons oder Frei.Wild schon was rausgebracht dieses Jahr? Wenn ja, dann das!

Überall sterben mehr und mehr viele altehrwürdige Printmagazine aus. Wie siehst Du diese Entwicklung, weil Du als Popjournalist ja regelmäßig für diese tätig bist?

„Erst wenn das letzte Musikmagazin eingestellt und die letzte unparteiische Plattenreview geschrieben wurde, werdet ihr feststellen, dass einen adhs-verdächtige Insta-Stories nicht wirklich umfassend über Pop informieren können.“ Altes Sprichwort!
Doch bei all der herrschenden Nostalgie und Untergangsstimmung: Das Netz ermöglicht einen so unmittelbaren Austausch über Pop, wer sich da wirklich die Tage des alten „Gatekeeper“-Journalismus zurückwünscht, dem ist auch nicht mehr zu helfen.