Buchtipp: „Kurt“ von Sarah Kuttner

Foto: Katharina Hintze (n.h.)

Gut zwei Jahre sind vergangen seit Kuttner ihren letzten Roman „180 Grad Meer“ veröffentlich hat. Und wer bisher all ihre Bücher gelesen hat, weiß, dass uns Lesern thematisch keine leichte Kost vorgesetzt wird. So auch in ihrem neusten Werk. Es geht um Abschied und Trauer. Wie man diese verarbeitet, und wie man sich vermeintlich in dieser Situation zu verhalten hat, wenn keine Verwandtschaft zum Verstorbenen besteht.

Die Geschichte wird aus Sicht von Lena erzählt. Sie ist die neue Freundin von Kurt, mit dem sie ein Haus auf dem Land gekauft hat. Kurt lebt getrennt von Jana. Gemeinsam haben sie ein Kind. Den kleinen Kurt. Das Kind pendelt also wochenweise zwischen seinen beiden Oranienburger Zuhauses hin und her: zwei Häuser, zwei Kinderzimmer, unterschiedliche Regeln und alle

Foto: S. Fischer

Menschen, die er liebt. Die Idylle einer Patchwork-Familie scheint perfekt zu sein, doch dann stirbt der kleine Kurt. Zurück bleiben drei Erwachsene, deren Zentrum in Trauer implodiert.

Als Leser kann man sich, durch den realistischen Schreibstil von Kuttner, gut in die Protagonistin Lena hineinversetzten. Da sind oftmals die Zweifel von ihr, ob sie sich in die Erziehung einmischen kann, darf und soll. Und eben auch die Unsicherheit darüber, wie du als neue Freundin mit dem Tod des Kindes deines Freundes und seiner Ex umzugehen hast und inwieweit dir auch das Trauern zusteht.

Eine berührende Geschichte, die es schafft, einen mit voller Wucht zu packen, hin und her zu reißen und mit einem tiefen Schnaufen der Ergriffenheit dann zurückzulassen.

Kurt • von Sarah Kuttner • Verlag: S. Fischer • 240 Seiten • 20 Euro