Die sieben Todsünden

Ja, es sind sieben Sünden – Todsünden sogar! Kennst Du alle? Dann gehörst Du vielleicht der katholischen Kirche an, denn in dieser Religion haben sie ihren Ursprung. Doch wie relevant sind die Todsünden in unserer modernen Gesellschaft? Sind wir alle unfehlbar? Der BRAUSER begibt sich auf eine sündige Spurensuche im Alltag und stellt die sieben biblischen Todsünden in unsere moderne Welt.

Hochmut

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Hierzu gehören zur genaueren Definition Stolz, Eitelkeit und Übermut. Doch Stolz darf man ja zu Recht sein, wenn man etwas Tolles geleistet hat – sei es im Beruflichen oder privat. Der Begriff Hochmut assoziiert sich eher mit Arroganz. „Ich glaube, dass ich etwas Besseres bin, und erhebe mich über andere.“ Das kommt nie gut bei Mitmenschen an. So verliert man Freundschaften. Das ist sehr nah am Begriff der Selbstüberschätzung (Übermut). Mittlerweile ein akzeptiertes Massenphänomen. Die Mehrheit ist davon überzeugt, besser zu sein als der Rest. Es ist in unserem Bewusstsein verankert, immer besser, schneller oder schlauer zu sein als andere, um uns durchzusetzen.

Geiz

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Oder auch Habgier und Habsucht. Vereinfacht heißt das nichts anderes als immer mehr Geld oder materielle Dinge anzuhäufen, und davon nichts abzugeben. Also zum Beispiel übertriebene Sparsamkeit. Oft ist es aber der Unwille zu teilen. Aber Gemeinschaft kann nur funktionieren, wenn alle etwas geben – zum Beispiel Steuern zahlen. Habgier ist, wenn man diese hinterzieht, um das Seinige noch größer zu machen. Geiz ist eben doch nicht geil!

Wollust

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Ausschweifung, Genusssucht, Begehren zählen dazu. Letztlich heißt das in unserer modernen Zeit: sexuelle Begierde und Lust. Sexualität ist Menschen wichtig und Erotik fördert durch die Anziehungskraft ja auch Zwischenmenschliches. Wenn der Mensch aber nur noch als Objekt statt Subjekt (was etwas Wertvolles in jeder Situation des Lebens sein sollte) wahrgenommen wird – beispielsweise bei Dating-Apps wie Tinder, ungezügeltem Pornokonsum oder auch in Form von Reality-Shows wie „Der Bachelor“ – dann wird es oberflächlich und der sexuelle Impuls wird zur Sucht und hat keinen Wert mehr.

Zorn

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Dazu zählen auch Jähzorn, Wut und Rachsucht. Diese(n) bewusst auszuleben und nicht zu reflektieren, um herauszufinden, woher die Wut kommt, stellt die Todsünde dar. Nicht wahrgenommen zu werden, mangelnde Anerkennung oder Ungerechtigkeit ist oftmals das eigentliche Bedürfnis, das dahintersteckt. Statt aber zu hinterfragen, werden Dinge beschädigt und beschmiert oder Menschen verletzt. Letzteres nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Ein gutes Beispiel hierfür sind Hasskommentare im Internet. Dieses unkontrollierte Verhalten wird deshalb zur Todsünde, weil ich als Mensch weit weg davon bin, von dem was ich könnte: Nämlich nicht die anderen dafür verantwortlich machen und an meinen Bedürfnissen arbeiten.

Völlerei

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Dazu gehören Gefräßigkeit, Maßlosigkeit und Selbstsucht. In unserer modernen Welt gibt es alles im Überfluss und kaum jemand schafft es bei diesem Überangebot zum Beispiel an Essen und Trinken maßzuhalten. Es geht hierbei um eine Dauerhaltung und nicht darum, wenn man mal über die Stränge schlägt. Es geht um die Wertschätzung der Lebensmittel und die Frage, wie ich konsumiere. Es muss nicht jeden Tag Fleisch auf dem Teller landen – erst recht nicht, wenn es aus der Massentierhaltung kommt. Ebenso muss ich nicht den Apfel kaufen, der von Übersee eingeflogen wird, sondern lieber den aus einem regionalen Anbaugebiet. Maßlosigkeit ist deshalb eine Todsünde, weil sie in ihrer Konsequenz Tod bedeutet. Die Sünde in eine Tugend zu wandeln fängt also bei einem verantwortungsvollen Einkaufs- und Konsumverhalten an.

Neid

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Oder auch Eifersucht und Missgunst. Ich sehe bei meinen Mitmenschen etwas, was ich nicht habe und gönne es ihm nicht: das neuste Handy, der x-te Markenhoodie, die aktuellen Sneaker. Zu glauben, dass ich erst, wenn ich das alles auch besitze, Anerkennung und Aufmerksamkeit bekomme, ist falsch! Lieber auf Nachhaltigkeit setzen und meinem Gegenüber auf Augenhöhe begegnen, statt ständig nachzueifern oder neidisch auf seine Werte zu sein. Das eigene Glück und die eigene Zufriedenheit musst du in dir selbst suchen.

Faulheit

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Hier steht der Begriff auch für Feigheit, Ignoranz und Trägheit des Herzens. Es kann aber keine Sünde sein, in unserer Gesellschaft, in der man zum Workaholic wird, Zeit für sich zu nehmen, abzuschalten und auch mal faul zu sein. Anders sieht es bei der Feigheit aus. Gehe ich bei einer Konfrontation dazwischen oder nicht? Schaue ich weg, obwohl ich hinsehen müsste?

Auch wenn die sieben Todsünden und die daraus entstandenen Konsequenzen bei Missachtung aus einer Zeit stammen, die glücklicherweise nicht mehr zeitgemäß ist, so können sie doch in unser heutiges Wertebewusstsein übertragen werden und zum Nachdenken anregen.