Sport: Turnen


Mit dem Sport um die Welt fliegen, Erfolge feiern, tausende Zuschauer jubeln dir zu – für die meisten jungen Sportler ist und bleibt das nur ein Traum. Nicht so für die Trebing-Zwillinge. Die 18-jährigen Kasseler gelten nämlich als Hoffnungsträger im Turnsport. Mit dem BRAUSER sprechen sie über Druck, Misserfolg und das Leben im Sportinternat.

„Turnen ist unglaublich abwechslungsreich, besonders bei den Bewegungen“, schwärmt Glenn Trebing. „Man lernt nie aus!“ Die Vielfältigkeit des Sports war das, was die Trebing-Brüder vor fast 10 Jahren für das Turnen begeistert und bei der Stange gehalten hat. Denn ausprobiert haben die Zwillinge viel: Leichtathletik, Kickboxen und sogar Ballett standen einst auf dem Wochenplan der beiden.

Die Komplexität mache den Sport aus, bestätigt Lewis. „Wenn ich bei der Leichtathletik geblieben wäre, würde ich heute sicherlich Zehnkampf machen.“ Dass sie sich mit ganzem Herzen dem Turnsport hingegeben haben scheint die richtige Entscheidung gewesen zu sein – denn das Kasseler Duo zählt zu den deutschen Hoffnungsträgern im Turnsport.


Sportliche Ziele

„Klar ist das größte Ziel Olympia. Aber auch EM und WM wären richtig cool“, träumt Glenn, der sich vor Wettkämpfen mit Musik von Kontra K pushed. Sein Bruder stimmt ihm zu, denn auch sein Ziel sind die Olympischen Spiele. „Wir sind beide Sechskämpfer oder Mehrkämpfer, da man mittlerweile nur noch unter dieser Bedingung zu den olympischen Spielen fahren kann“, so Lewis, der seinem Bruder hoch anrechnet, dass er ihn immer motivieren kann – ganz egal, wie er selbst drauf ist.

Doch von Abgehobenheit ist trotz Höhenflug bei den beiden nichts zu spüren. „Alles kann schnell vorbei sein, wenn man mal unaufmerksam ist und sich eine unglückliche Verletzung zuzieht“, weiß Lewis, für den der Umzug nach Hannover schwer war. „Ich war gerade deutscher Jugendmeister und hab’ mir selbst enorm viel Druck gemacht, weil ich mich beweisen wollte.“ Als es nur für Platz elf reichte, war das enttäuschend. „Aus diesem Loch habe ich mich aber wieder heraus gekämpft.“

Straffer Plan

Nach Hannover gingen die 18-Jährigen, um Schule und Sport vereinen zu können. Im Internat herrscht ein straffer Tagesplan – bereits vor der Schule steht die erste Einheit an. Nach der Schule wird erneut trainiert. Um 19 Uhr ist der aktive Teil dann beendet. Doch Freizeit haben die Sportler deswegen noch lange nicht: Die Erholungsmaßnahmen wie Sauna oder Physiotherapie stehen an. Nach dem Abendessen warten dann noch die Hausaufgaben auf die beiden. „Samstags haben wir noch eine Trainingseinheit und fahren dann mit dem Zug nach Hause. Dort relaxen wir bis Sonntagabend und werden von Mama oder Papa wieder nach Hannover gefahren“, erzählt uns Lewis, der die Frage nach ihrem größten Fan lachend beantwortet, denn: „An Mama geht kein Weg vorbei.“


Strenge Mama

Früh hat die Unterstützung des Elternhauses die Brüder schon beeinflusst: „Mama hat mich immer ins Training gedrängt. Hätte sie das nicht getan, wäre ich nicht da, wo ich jetzt stehe. Eine gewisse Strenge bei der Erziehung ist in diesem Bereich wohl angebracht“, vermutet Glenn, der heute besonders mit dem Druck von außen zu kämpfen hat. Sympathiepunkte sammeln die beiden mit ihrer durch und durch positiven Ausstrahlung: „Ich bin grundsätzlich immer glücklich“, lacht Glenn. „Wenn ich negative Gedanken habe, überdecke ich die so gut es geht mit positiven Gedanken.“

Stolze Brüder

Dabei war die Karriere der beiden nicht immer ein Zuckerschlecken – doch sie wissen Niederschläge zu nutzen: Mein erster Trainer hat mich nach einem halben Jahr rausgeschmissen, weil ich zu untalentiert gewesen wäre. Wenn ich mir dann vor Augen halte, wie viel ich bis heute geschafft habe, motiviert mich das, immer noch einen draufzusetzen“, berichtet Lewis. Ob da auch sein sportliches Vorbild eine Rolle spielt? „Andreas Toba ist für mich jemand, mit dem ich mich sportlich gut identifizieren kann. Wir sind beide nicht die talentiertesten Turner und müssen immer mehr für unser Können ackern, als andere. Durch den Wechsel nach Hannover ist er nicht nur ein Vorbild geblieben, sondern auch ein sehr guter Freund und Ansprechpartner. Wenn wir ein Problem haben, egal ob privat oder sportlich, er ist immer für uns da.“ „Wir sind stolz darauf, mit ihm trainieren zu dürfen“, ergänzt Glenn.


Siegendes Duo

Ein klein wenig stolz sind die Zwillinge auch auf ihre persönliche Geschichte. „Es ist immer etwas Besonderes, wenn Geschwister zusammen erfolgreich werden. Dass wir es als Zwillinge geschafft haben macht es nochmal etwas besonderer“, vermutet Glenn, der seinen Bruder früher immer übertrumpfen wollte: „Lewis war zu Anfang immer ein bisschen besser.“ Großes Konkurrenzverhalten gab es deswegen zwischen den beiden aber nicht. Letztendlich sei der Erfolg aber zweitrangig, bestätigen beide, Hauptsache sie waren dabei. Gibt’s die beiden also nur im Double? Nein, denn: „Seit diesem Schuljahr versuchen wir uns ein wenig voneinander zu distanzieren, so dass wir nicht mehr 24 Stunden am Tag aufeinander hocken“, berichtet Lewis. „Wir haben jetzt getrennte Zimmer, aber in der Schule und mit den meisten Freunden machen wir natürlich noch immer fast alles zusammen.“ Trotzdem sind und bleiben sie beste Freunde, erklärt Glenn.

Glenn Trebing

Geburtstag: 2. März 2000

Seit 2012 ein großer Fan von Marcel Nguyen.

Erfolge bei Wettkämpfen:
Jugend: Teilnahme an der Jugendeuropameister-
schaft 2018, vierfacher deutscher Jugendmeister,
dreifacher Vizemeister und zwei Bronzemedaillen.
Herren: zwei Bronzemedaillen (Pauschenpferd und
Reck Finale), acht Teilnahmen an Internationalen
Wettkämpfen darunter drei Goldmedaille, zwei
Silbermedaille und vier Bronzemedaillen.

Lewis Trebing

Geburtstag: 2. März 2000

Würde gerne eine Ausbildung als Bundespolizist machen.

Erfolge bei Wettkämpfen:
Erster Platz der deutschen Jugendmeisterschaften
2016, dritter Platz 2018, sechster Platz bei Junioren-Europameisterschaft 2018 in Glasgow mit Team.