BRAUSER trifft Nathalie Itter

Girls can do anything: Selber Mode machen – der Traum eines jeden Mädchens. Was dabei rauskommt, wenn man sich ihn erfüllt, sehen wir, wenn wir durch Nathalie Itters Instagram-Account „Boutique1805“ stöbern. Neben Designs, ihrem Freund, ihrer Familie und ihren Hunden schlägt das Herz der 27-Jährigen auch für den Sport: Während unseres Gesprächs drückt sie ihren Mädels vom TSV Metze die Daumen.

Foto: photinto.de

Kaffee oder Tee?

Tee!

 

Zurück zu den Wurzeln: Wie fing bei Dir und der Mode alles an?

Ich studiere Jura in Marburg, das ist sehr einseitig. In der Fallbearbeitung muss man zwar kreativ sein, aber halt nicht handwerklich-aktiv. Da ich ein sehr kreativer Mensch bin, egal ob Herbstdeko oder Weihnachtskarten basteln – das hab’ ich schon immer gerne gemacht, hat mir das gefehlt und ist durchs Studium auch erstmal verloren gegangen. Irgendwann kam dann der Drang wieder mehr kreative Sachen zu machen. Und meine Kleidung hab’ ich eigentlich schon immer mal aufgepeppt oder mal Sachen an Freunde verschenkt. Mode war für mich einfach schon immer ein Thema. Ich schmeiße selten Sachen weg, weil irgendwann hole ich sie wieder raus – kombiniere sie anders.

 

Das heißt Du bist echt fit mit der Nähmaschine?

Nein, das gar nicht!

 

Und wie kam es zu Deiner Boutique?

Dank Instagram kann man ja einfach austesten, wie Dinge ankommen. Dann war die Idee, dass ich einfach mal „Mein T-Shirt“ mache. Da hab’ ich lange dran gesessen und viel überlegt, weil es natürlich ein großer Berg an Arbeit war: Wie mache ich das, wie mache ich das? Es soll ja auch meine Sprache sprechen! Die große Besonderheit ist, dass meine T-Shirts bestickt und nicht bedruckt sind. Aber, schon alleine ein Roh-Produkt zu finden, was passt, was ich veredeln kann, ist eine Herausforderung. Ich wollte kein T-Shirt aus China. Ich wollte gute Qualität, fairen Handel, vielleicht sogar Bio ¬– und es soll seine zwanzig Wäschen halten. Manche meiner Produkte sind sogar komplett aus Bio-Baumwolle.

 

Und wo wurdest Du fündig?

Ich habe mit vielen Firmen telefoniert, mich viel erkundigt und recherchiert. Natürlich, auch viel getestet. Ich hatte am Anfang bestimmt fünfundzwanzig weiße T-Shirts Zuhause, die ich dann gefühlt zehn Mal alle gewaschen hab’, mal in den Trockner getan hab’ – da sind auch direkt glaube ich fünfzehn wieder ausgeschieden (lacht). Ich arbeite jetzt mit einer Firma in Berlin zusammen, von der ich alle meine Kleidung beziehe – es ist alles fair trade, beziehungsweise fair gehandelt und fair produziert. Mit dem perfekten T-Shirt war der Anfang dann gemacht. Und es ging an die Designs.

 

Die alle von Dir stammen?

Ja, die Designs mache ich alle selbst. Ich hatte am Anfang unglaublich viele Idee – was auch ein Nachteil sein kann, denn ich brauchte erstmal ein Start-Shirt. Irgendwann auf’m Balkon hatte ich dann die Idee zu meinem ersten Design: Das Girlie. Damit hat alles angefangen. Dann musste ich mich nach Stickereien umschauen, mit wem kann ich die Idee verwirklichen, wer ist da auf einer Wellenlänge mit mir, wer hat da auch Bock drauf? Ich bin bei viele Firmen nicht weitergekommen, weil sie eben nur ’nen Abi-Shirt oder mal ’nen Firmenlogo machen und keine Lust hatten, was mit mir auf die Beine zu stellen. Doch ich wurde fündig, bei einem regionalen Familienbetrieb und mit denen arbeite ich seit Tag Eins zusammen.

 

Und warum Girlie?

Die erste Intention beim „Girlie“, war, dass irgendwo in jeder Frau ein Girlie steckt. In manchen durch und durch mit Lippenstift und rosa Fingernägeln. Aber auch andere, die vielleicht eher sportlich und lässig sind, tragen ebenso ein Girlie in sich, eben auf eine ganz andere Art und Weise. Bei jedem Design ist auf jeden Fall ein Gedanke dahinter! Ich entwerfe kein Shirt, einfach weil ich sage, „Love“ wäre doch ein cooler Schriftzug. Nein, Liebe ist toll und die kann man immer gebrauchen. Jetzt ist ein T-Shirt rausgekommen, wo auf dem Rücken „Now or Never“ steht. Denn manchmal sollte man Dinge einfach mal machen. Wichtig ist mir vor Allem, dass jeder meine Designs individuell für sich interpretiert!

 

Jetzt war es ja wahrscheinlich auch eine große finanzielle Aufgabe?

Das stimmt. Aber ich wollte eben nicht 5.000 Euro oder mehr in die Hand nehmen und einfach loslegen. Ich habe erstmal ein paar Shirts gemacht und die an meine drei engsten Freundinnen und meine Cousine verschenkt. Die sollten es tragen und am besten posten. Das habe ich dann mit meinem neu-gestarteten Boutique-Account bei Instagram verknüpft und natürlich bei mir privat geteilt. Ich wollte einfach sehen, wie die Leute reagieren. Spätestens wenn keiner reagiert hätte, hätte ich gemerkt, dass es keinen Sinn hat. Doch die Leute im Umkreis haben reagiert, die ersten Bestellungen kamen rein und so nahm alles seinen Lauf.

 

In welchem Jahr hast Du gestartet?

Offiziell im Juli 17. Die Ideen entstanden natürlich vorher. Im Juli habe ich dann auch das Gewerbe angemeldet, als ich gemerkt habe, dass die Sachen ankommen und die Leute es cool finden. So kamen dann auch Mützen, Pullis und Taschen dazu.

 

Wofür steht 1805?

Ich bin sehr perfektionistisch – wenn mir Sachen nicht zu hundert Prozent gefallen, werde ich irre! So war das auch mit dem Namen. Ich wollte „Den Namen“ – den einen superkrassen, individuellen Namen. Also habe ich überlegt. Wochenlang, monatelang. Ich bin auf die verrücktesten Ideen gekommen, aber es war nichts dabei, wo ich gesagt hab’, das finde ich in zehn Jahren noch cool. Also dachte ich: „Komm her, nennst Du das Ding erstmal Boutique.“ Und 18. Mai ist mein Geburtsdatum. Wenigstens ein bisschen individuell (lacht). Und dann war’s einfach zu spät – der Name hatte sich bei den Kunden verfestigt.

 

Wie entstehen Deine Designs?

Ich habe mir das Handlettering ein bisschen angeeignet, dann wird es auch bald Designs geben, die wirklich meine eigene Handschrift sind. Alles andere mache ich am Laptop mit einem Grafikprogramm. Fürs Selbstzeichnen bin ich leider nicht begabt genug (lacht).

 

Wie sieht’s mit Männern aus?

Ich designe auch für Männer – nur da stocke ich immer ein bisschen, auf meiner Seite findet man ja auch zu achtzig Prozent Frauen. Gut ist, dass die Männer auch die Frauensachen gut finden (lacht). Aber, meinen zwei jüngeren Brüdern und meinen Freund möchte ich ja auch coole Sachen geben. Ich kann mir meine drei Jungs auch immer zur Seite nehmen und sie fragen, wie ihnen die Designs gefallen. Das ist sehr hilfreich. Mein Freund zum Beispiel hat sich neulich ein neues Design angeschaut, dann gesagt, dass es vielleicht auch cool wäre, den Stick in die Mitte zu setzen. Schwups, hab’ ich was Neues! Aber gerade für Männer möchte ich eigentlich mehr machen!

Foto: photinto.de

 

Du kommst aus Fritzlar?

Gebürtig komme ich aus Gudensberg, aus Gleichen. In Fritzlar habe ich mit meinem Freund eine gemeinsame Wohnung. Da er Berufspendler ist, ist das unser Zufluchtsort – besonders am Wochenende. Wenn ich hier bin und nicht in Marburg, nutze ich auch die Zeit und besuche meine Eltern. In meinem Elternhaus habe ich auch meine Boutique-Räume eingerichtet.

 

Wie können wir uns die Arbeit für die Boutique vorstellen?

Ich mache mir erstmal eine Kanne Tee (lacht). Ich fahre viel in die Stickerei, weil wir viele Sachen erstmal zur Probe sticken. Manche Dinge sehen als Grafik toll, aber als Design total komisch aus.

 

Und wie bettest Du das in Deinen Alltag als Studentin ein?

Meistens mache ich es so, dass ich erstmal meine Pflichten erfülle. Also, fürs Studium. Und dann gegen Abend oder nachmittags, je nachdem wie schnell ich vorankomme, beginnt meine Boutique-Zeit. Dann mache ich Bestellungen fertig, antworte den Leuten auf Fragen, schreibe Rechnungen, entwerfe Designs oder verpacke die Sachen. Auf eine schöne und liebevolle Verpackung lege ich viel Wert. Es ist auch einfach schön, wenn die Leute einem schreiben, dass sie sich beim Paketöffnen darüber freuen! Alles schön per Hand und mit kleiner Notiz. Am nächsten Tag geht’s dann zur Post.

 

Bei Dir bestelle ich alles über Instagram?

Ja, genau – eine Website ist aber in Arbeit. Das ist der nächste Schritt. Aber eine Website zu erstellen ist leider nicht so einfach – das erfordert viel Zeit und Arbeit. Aktuell ist es einfach so, dass man mir ’ne Mail schreiben kann oder direkt bei Insta. Super einfach eigentlich (lacht).

 

Ein fester Laden in der Stadt ist aber nicht geplant?

Nein, aber ich schließe es nicht aus. Es ist schon ein Traum!

 

Das Lieblingsteil in Deinem Schrank?

Ich habe kein festes Lieblingsteil. Einen Tag kann es der Mantel sein, am nächsten Tag meine Sneaker. Was ich aber sehr mag sind Umhängetaschen. Taschen in der Hand sind gar nicht meins (lacht).

 

Schrankhüter?

Ja, die habe ich. Ich denke die hat jede Frau. Bei mir ist es meine Teddyjacke . Die bekomme ich im Alltag nicht verpackt – für Bilder find’ ich sie aber echt cool! Ich greife im Alltag eher zum klassischen Mantel oder ’ner groben Strickjacke. Ich bin da sehr klassisch unterwegs.

 

Du bist Sportlerin, Dein Freund Jörg Rohde bekannt aus „Alles was zählt“: Bei euch Zuhause eher Serien-Marathon oder Bundesliga?

Auf jeden Fall Serien. Aktuell gucken wir Blacklist. In der Serie geht es um einen Kriminellen, der zusammen mit dem FBI andere Verbrecher jagt.

Nur das Wichtigste: Die Umhängetasche von Natalie ist prall gefüllt!

Was reizt Dich am Fußball?

Ich spiele jetzt circa seit elf Jahren – lange habe ich auch Ballett gemacht. Beides parallel zu machen war eigentlich die beste Zeit! Es gibt keine bessere Kombination. Ich habe in meiner Bestzeit auch Landesliga gespielt, aber musste aufgrund des Abiturs dann aufhören. War aber eine tolle Erfahrung. Für Fußball spricht auf jeden Fall auch, dass wir so eine coole Gruppe sind – wir kenne uns auch schon echt lange.

 

Wofür bist Du dankbar?

Auf jeden Fall über meine Familie, meinen Freund und meine Gesundheit. Und die beiden Hunde! Cuba und Taylor! Cuba ist von Jörg und mir der Hund. Taylor der Familienhund von meinen Eltern.

 

Dein Freund engagiert sich für den Tierschutz. Was bedeutet Dir das Wohl der Tiere?

Ich engagiere mich in dem Sinne, dass ich mal eine Dose ans Tierheim spende oder ein Spielzeug. Auch Obdachlosen habe ich schon ein paar Mal Futter für ihre Hunde gegeben. Tierschutz ist für mich schon wichtig! Wir waren auch schon ein paar Mal im Tierheim und mit den Hunden spazieren. Wir hatten auch überlegt vor Cuba einen Hund aus dem Tierheim zu holen, aber es konnte uns keiner sicher sagen, wie der Umgang mit anderen Hunden und Kindern sein würde. Und dann hätte man sich eingeschränkt – im besten Fall begleitet einen so ein Tier ja die nächsten fünfzehn Jahre.

Der Rüde Cuba.

Angenommen Du hast die nächsten drei Tage spontan frei, was würdest Du als erstes machen?

Entweder würde ich komplett übertreiben und irgendwo hinfahren. Oder ich würde mit Freunden und der Familie essen oder mit den Hunden in den Wald gehen.

 

Reisetechnisch zieht es Dich wo hin?

Das ist natürlich immer eine zeitliche- sowie finanzielle Sache. Aber wir versuchen schon einmal im Jahr rauszukommen. Wohin, bin ich offen (lacht). Ich finde den Norden interessant, aber auch den Süden: Portugal find ich toll! Oder Sizilien. Mich reizt aber auch schon lange Island (lacht). Wohin es mich nicht so krass zieht, ist Thailand oder China – bestimmt interessant, aber ich würde vorher lieber woanders hin.

 

Deine Boutique wirbt mit fair trade und Regionalität – welchen Stellenwert hat dies für Dich?

Sehr hoch! Das war auch von Anfang an meine Intention. Ich wollte kein Ein-Euro-Shirt aus China. Wenn ich schon ein Produkt entwerfe, ergibt es für mich keinen Sinn, mich nicht für Nachhaltigkeit und regionale Partner zu entscheiden!

 

Worauf können sich Deine Kunden in der kommenden Saison freuen?

Es wird Weihnachten auch Kissen geben – dann mit Weihnachtsmotiven! Es wird weihnachtlich! Im Frühjahr kommt dann wieder mehr Farbe!

 

Für was hättest Du gerne mehr Zeit?

Für’s Reisen, für die Familie – und für die Freunde, aber die sind auch Familien (lacht).

 

Was machst Du als Nächstes nach unserem Treffen?

Ich treffe mich gleich mit Christin von Photinto und wir werden fotoshooten! Sie hat da einen coolen Platz ausgesucht – ich bin gespannt.

Zu Lieblingstier: „Im Malen bin ich ja auch echt schlecht. Ich bin auch sehr perfektionistisch – wie das aussieht nervt mich jetzt noch den ganzen Tag!“