Geheime Welten: Urban Exploring und Lost Places

Fotos: Motti Photography

Zentimeterdicker Staub. Die Natur erobert sich bebautes Gebiet zurück. Unter den Füßen morscher Boden. Vergilbte Tapeten, zerfetzt und von der Wand hängend. Urban Explorer steigen in verlassene Gebäude ein, weil deren morbide Schönheit sie anzieht und schaurig-schöne Fotomotive bieten. Der BRAUSER taucht diesen Monat in die Welt der Lost Places ein.

 

„Nimm nichts mit – außer Deinen Bildern. Lass nichts da – außer Deinen Fußspuren!“ Dieser Codex fasst schon das Wesentliche an Verhaltensregeln für Urban Explorer oder auch kurz Urbexer genannt, zusammen. In der Szene der Erkundungsfreudigen gibt es natürlich noch explizitere Anweisungen und Regeln, die es zu beachten gibt. So sind Vandalismus, gewaltsames Öffnen von Gebäuden und Schlössern genauso verpönt wie zu verraten, wo sich die Locations befinden oder von den Orten sich Andenken mitzunehmen oder Dinge (Kippenstummel, Verpackungen etc.) zu hinterlassen.

An vergessenen Orten stapelt sich die Zeit

Doch was reizt eigentlich die Urbexer, sich an verlassene Orte zu begeben und sich dem Nervenkitzel hinzugeben? Es ist das Interesse an den verborgenen Geschichten, der Reiz des Verfalls und die Rückeroberung der Natur. Denn Orte und Objekte, die eine menschliche Aktivität erlebt haben und anschließend verlassen und vergessen wurden, bieten einen starken Kontrast zwischen der vergangenen Betriebsamkeit und ihrer derzeitigen Stille. Ob alte Industrieanlagen, ehemalige Heilstätten, Schlösser mit beeindruckenden Sälen oder heruntergekommene Villen – sie alle wurden von Menschenhand auf der Natur errichtet und werden am Ende wieder von ihr übernommen. Schließt man an den Lost Places seine Augen, steigen bruchstückhaft Bilder auf, wie in den Ballsälen der Schlösser pompös gekleidete Frauen und Männer rauschende Feste gefeiert haben, in der Industrieanlage die zahlreichen Arbeiter geschäftig ihr Tagwerk verrichteten, in der Heilstätte die Patienten von Ärzten behandelt wurden und in der herrschaftlichen Villa mehrere Generationen das Familienleben verbracht haben. Beim Öffnen der Augen wird einem dann die Abwesenheit von Leben und die gespenstische Einsamkeit mit voller Wucht entgegen geschmettert. Das ist beeindruckend und die Orte bieten wohl auch deshalb Fotomotive mit magischer Anziehungskraft.

 

Foto: instagram.com/sleeping_jan

Wir haben mit dem Kasseler Fotografen Motti (28 Jahre) gesprochen, der international urbext und kürzlich in 26 Stunden insgesamt fünf Locations abfuhr, fotografierte und dabei über 1.600 km zurücklegte.

Wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Angefangen hat alles im Jahr 2006. Da bin ich mit meinen Eltern in den Urlaub nach Italien gefahren und ich dachte mir „Hey, kauf dir eine Kamera und knipse da mal was für die Erinnerung.“. Danach kamen öfters Freunde zu mir und fragten, ob ich ihre Autos fotografieren könnte. Also betrieb ich in der ersten Zeit Auto-Fotografie.

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Nächstes Jahr zähle ich die km die ich bei meinen Foto Touren mache. In 5 Tagen 2939 km, quer durch Süd Tirol, ein Bild davon ist das hier, 2-3 habe ich schon hoch geladen & könnt ihr in meiner Story bewundern – Süd Tirol – . Warum ich so viel Geld ausgebe? Und nicht mir dies das jenes kaufe? Warum trinkst du Alkohol, rauchst, oder gehst feiern? Für mich ist Autofahren & lot Place meine Droge, die mich Geld kostet und gesundheitlich schadet (Schimmel). Aber es ist eine der schönsten Drogen die man haben kann. ____________________________ More on Facebook‼️“Motti Photography" ________ #jj_urbex_#jj_windows#decay_nation#östereich#urbexplaces#urbex_rebels#urbex_underground#urbex_supreme#südtirol#froggy_explorers#abandoned_junkies#urbanexploration#abandonedafterdark#urbex_utopia#abandoned_excellence#decay_and_style#decay_nation#kings_abandoned#urbex_kings#urbex_utopia#ig_urbex#alpen#ig_urbex_explorers#kasselcity#infinity_unguarded#kassel#renegade_abandoned#casselfornia#abandoned_addiction#zone_of_decay#bando_hunters Urbexfriend : @stumme_zone Member : @zone_of_decay Member : #JJ_Urbex

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Was reizt Dich besonders am Urban Exploring?

2014 im August bekam ich Langeweile mit meiner besten Freundin. Und als wir so durch die Gegend fuhren sagte sie „Hey hier gibt es ein Krankenhaus im Wald …“ Gefunden hatten wir dann eine alte Arztvilla. Wir sind rein, alles war dunkel und wir mussten ein zweites Mal hin, um Fotos zu machen. Und damit hatte es mich dann gepackt. Zuhause hab ich mich dann hingesetzt und gegoogelt, wo dieses Krankenhaus ist. So fing es an.

Wie findest Du Deine Foto-Locations?

Oft durch rumfahren und spontanes Finden. Natürlich habe ich mittlerweile eine Unmenge an Locations auf meiner eigenen „Map“ gespeichert aber inzwischen ist es auch ein wenig einfacher geworden, weil ich in Deutschland einen kleinen „Freundeskreis“ habe, wo man sich gegenseitig Tipps gibt oder auch direkt austauscht.