Christof Dörr „Klube“ liest aus The Bates-Biografie

Kassel. „Hätten wir gesagt, dass heute Abend ein Pfarrer und Lehrer Musik machen, wäre es wohl nicht so voll geworden“, scherzt Buchautor Christof Dörr am Mittwochabend in Joe’s Garage. Doch die jetzt in bürgerlichen Berufen stehenden waren einst ein Teil der legendären Punkrocker „The Bates“ aus Eschwege. Und so musste Garagen-Mitbetreiber Dirk van der Werf ein „Ausverkauft“-Schild in die Tür hängen, bevor dann der Pfarrer Armin Beck (Bates-Gitarrist von 1987 bis 1991) und der eigens aus Berlin angereiste Lehrer Michael „Reb“ Rebbig (Gitarrist von 1991 bis 2001) unterstützt von Dieter (Ex-Zimbl & Dieter) die alten Bates-Songs anstimmten. Dazu gab es Hinter- und Abgründe aus erster Hand: Band-Mitbegründer und Schlagzeuger Frank „Klube“ Klubescheidt hatte dem Kasseler Fernsehredakteur und Autor Christof Dörr alles über „The Bates – eine eigentlich unmögliche Karriere!“ (Buchtitel) erzählt. Von den Fahrten im Schweinetransporter zu Auftritten in den Anfängen bis hin zu den vielen Bravo-Stories im Karriere-Hoch.

1983 gründet Klube (li.) mit Sänger Zimbl und Gitarrist Armin Beck The Bates. Am Mittwoch berichtete er gemeinsam mit Buchautor Christof Dörr in Joes Garage über den Aufstieg der Punk-Band aus Eschwege – und den tiefen Fall. Fotos: Schaumlöffel

Lesung und Neckereien der alten Bandkollegen brachten Unterhaltsames und auch Überraschendes hervor: So war für die Duschszene zum Videodreh für „Bates Motel“ auch die damals noch recht unbekannte Verona Pooth (ehemals Feldbusch) für 10.000 Mark Gage als Mitwirkende angeboten, aber von der Band abgelehnt worden. „Eigentlich schade, Zimbl hätte sie sicher gern vernascht“, erinnerte sich „Klube“ nicht nur einmal an diesem Abend an den charismatischen Frontmann der Band, der 2006 an den Folgen seines exzessiven Alkoholismus starb. „Wir dachten, wir könnten uns auf seinen Tod vorbereiten. Es war ja eh ein Wunder, dass er das so lange durchgehalten hat. Aber als die Nachricht kam, war es ein schwerer Schlag.“ Und so war es auch ein kleiner Gruß nach oben an den Unvergessenen, als Armin als Zugabe „A real cool time“ anstimmte. Geschrieben war der Song für einen befreundeten Punk, der lange vor Zimbl an Drogen starb. Und am Ende musizierte „Klube“, der heute als Behindertenpfleger arbeitet und mit der Liebe seines Lebens zusammen ist, entgegen seiner Vorsätze dann doch nochmal mit: Percussion auf der Krombacher Flasche („Klingt etwas anderes als das von uns damals genutzte Klosterbräu“) und „sein“ Lied: „Yeah“.

„Einmal sah ich bei einem Priester-Seminar in Hofgeismar auf MTV ein Bates-Video. Das war nach meinem Ausstieg. Und dch dachte: Scheiße, die spielen ja meine Songs“, berichtete Armin Beck (Mitte). Heute ist er glücklich als Pfarrer und mit der Frau glücklich verheiratet, die ihn einst wegen seiner wilden Bates-Zeit verließ. Michael Rebbig (re.) trat Armins Nachfolge bei den Bates an. Und Dieter (li.) spielte mit Bates-Frontmann Zimbl nach der Auflösung der Band.