BRAUSER trifft Daniel Laube

Ein Holzstuhl mitten im Grünen: Ein Musiker wird darauf Platz nehmen und spielen. Einzigartig und einfach. Aber auch einfach wunderschön. Daniel Laubes Woodchair Sessions erfreuen sich bei Kasseler Singer- und Songwritern bereits großer Beliebtheit. Seinen freien Tag opfert der 29-jährige Kletterkogel-Fachverkäufer nicht nur für einen Dreh mit der Sängerin Paulina Eisenberg, sondern auch für ein Interview mit uns. Lest selbst!

Foto: Thumser

Kommst Du aus Kassel?

Ja, ich bin aus Wehlheiden. Da wohne ich auch immer noch.

 

Was macht für Dich Kassel so liebenswert?

Die Mischung von Stadt und Natur! Hier ist es familiärer, was mir in größeren Städten fehlt.

 

Bist Du schon immer so naturverbunden?

Das hat sich erst entwickelt, als ich 2015 mit dem Fotografieren angefangen habe. Ich arbeite schon lange bei Kletterkogel – hab also viel Kontakt zu Bergsport – aber erst durch das Fotografieren hat sich die Liebe zur Natur entwickelt.

 

Hast Du Einzelhandelskaufmann gelernt?

Ja, bei Kletterkogel. Da war ich Non-Stop (lacht).

 

Was bedeutet regional für Dich?

Im Prinzip verbinde ich genau das mit meinen Woodchair Sessions. Der Grundgedanke ist es erstmal regionale Künstler in den Fokus zu stellen und zu schauen, wie es sich entwickelt. Ich möchte damit auch gerne die regionalen Künstler unterstützen!

 

Was verbindest Du mit Wald und Natur?

Freiheit! Durchatmen!

 

Machst Du auch selbst Musik?

Ja, ich bin Singer-Songwriter. Ich mische poppige Rhythmen mit Emo-Akzenten (lacht). Eine bunte Mischung aus Gesang und Geschrei. Ich bin auch sehr interessiert in die Underground-Musiker-Szene, was sich nicht nur auf Kassel und Umgebung bezieht. Ein Tipp von mir: „Zwischen Deck und Tape“. Das ist eine Veranstaltungsreihe im Dock4, die regionale Künstler ins Visier nehmen. Die Jungs und Mädels machen den Job echt gut! Da habe ich ebenfalls gespielt, als ich noch intensiver Musik gemacht habe.

 

Hast Du Musiker in der Familie?

Nein, gar nicht. Alles autodidaktisch – selbst beigebracht. Ich habe etwa 2007/ 2008 angefangen.

 

Gibt’s Zukunftspläne?

Es wird was kommen, aber das ist noch streng geheim. Bleibt gespannt!

 

Und welche Instrumente spielst Du?

Gitarre und Gesang – ganz klassisch.

 

Hast Du auch Zeit für Sport?

Ich gehe natürlich gerne Bergsteigen und Wandern. Früher bin ich sehr intensiv Skateboard gefahren. Aber aufgrund des Alters, habe ich das minimiert (lacht). Man überlegt sich zweimal, ob man die Treppen noch runterspringen sollte oder nicht. Was ist, wenn ich mir etwas breche? Irgendwann macht der Kopf zu und man sucht sich Alternativen.

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Wo treibt’s Dich dann hin zum Wandern?

Das ist ganz unterschiedlich. Ich war neulich in Schweden, da hab´ ich meine erste Gletscher-Tour gemacht. Sehr aufregend mit neuen, tollen Eindrücken.

 

Wie lange muss man für sowas einplanen?

Das kommt ganz drauf an, wie hoch man will. Aber so drei, vier Tage sind meist okay.

 

Welchen Ort würdest Du nicht bereisen wollen?

Lustigerweise die großen Städte Chinas. Da ist mir alles zu hektisch und zu schnell. Ich mag dieses Entschleunigen sehr und brauche deshalb etwas Anderes als die Rush Hour.

 

Der schönste Ort an dem Du je warst?

In der Schweiz. Richtung Eigerjoch im Berner Oberland. Das sind die höchsten Gebirge dort. Da kann man super durchatmen und hat einen echt weiten Ausblick!

 

Wie kam die Woodchair Session-Idee?

Ein Freund von mir – auch Musiker – fragte, ob ich ein Livevideo mit ihm drehen möchte. Damals war ich in dieser ganzen Musikvideo-Geschichte noch nicht so aktiv, trotzdem habe ich natürlich zugesagt. Da er seinen Gurt vergessen hatte, hab’ ich ihm ’nen Stuhl mitgebracht – damit war der Woodchair geboren!

 

Und wer war dieser Freund? Also Dein erster gefilmter Musiker?

Das war Tillmann Bross – bekannt als Homo_Novus.

 

Warum One-Take-Aufnahmen?

Ich finde das sehr authentisch! Man entwickelt eine Verbindung zwischen Kamera und Musiker, weil man nicht ständig kleine Ausschnitte nochmal drehen kann, sondern es im Ganzen im Kasten haben muss!

 

Das heißt aber, dass der Film-Aufwand größer ist?

Im Schnitt brauchen wir mit Auf- und Abbau meist zwei Stunden. Aber die Nachbearbeitung benötigt mehr Zeit. Ich lasse auch nicht einfach nur einen vorgefertigten Filter drüber laufen, sondern passe alles im Einzelnen an, was mir auch sehr wichtig ist!

 

Und wie oft triffst Du Dich mit Musikern zum Filmen?

Ich versuche alle zwei Wochen sonntags ein Video hochzuladen. Das klappt auch fast immer – nur vor ein paar Wochen hatte ich Arbeitsbedingt weniger Zeit. Aber jetzt geht’s wieder weiter!

 

Wer sollte mal auf Deinem Woodchair sitzen?

Von den bekannteren Musikern würde ich gerne einmal „William Fitzsimmons“ auf meinem Stuhl sitzen haben wollen. Er war auch vor einigen Jahren im Kulturzelt zu Gast. Von den unbekannteren Musikern würde mich „Wood and Valley“ noch reizen.

 

Zwei Gründe warum ein Künstler auf Deinem Stuhl sitzen wollen sollte?

Zum einen ist die Woodchair Session etwas sehr Persönliches. Der Musiker kann sich ganz frei fühlen. Ich mache auch nie einen Kosten-Zeit-Druck! Wenn’s nicht klappt, wird’s wiederholt. Auch wenn wir dreißig Versuche benötigen. Ich möchte, dass alle zufrieden sind und die Seele des Musikers mit in die Umgebung aufgenommen wird. Wenn jemand einen traurigen Song hat, dann kann ich nicht bei strahlendem Sonnenschein drehen. Das passt nicht. Ich möchte den passenden Moment haben. Zum anderen sind die Woodchair Sessions unverwechselbar. Livesessions gibt’s viele, aber der Holzstuhl verbunden mit Natur, das ist einzigartig.

 

Welche Umgebungen nimmst Du so?

Ich versuche immer zu variieren. Unterschiedliche Musiker – unterschiedliche Umgebungen. Heute zum Beispiel waren wir in einer Kirche.

 

Ich dachte Ihr geht nur raus?

Normalerweise ja, aber es war ein Tipp von Paulina. Sie hat einen besonderen Bezug zu Location und die Soundvorstellung passte exakt auf ihren Song.

 

Nimmst Du die Musik auch live mit auf? Oder gibt es eine extra Tonspur?

Nein, bisher immer live aufgenommen. Die Tonspur wird parallel mit dem Video zusammen aufgenommen und in der Nachbearbeitung synchronisiert. Bei mir wird keine fertige Tonspur über das Video gelegt. Das schafft einen gewissen Druck für mich und den Musiker (lacht).

 

Was möchtest Du, im Leben unbedingt noch machen?

Ich will auf jeden Fall noch in Patagonien fotografieren. Sehr weit im Süden Südamerikas. Ein Stück Natur, welches von Menschen nicht überlaufen ist. Ich denke, da kann man sehr gut entschleunigen. Die Mischung von Bergen und Grünem reizt mich – sehr, sehr abwechslungsreich.

 

Wenn Du Dich entscheiden müsstest: Sport oder Musik?

Musik!

 

Was machst Du, wenn Du weder filmst, noch Sport machst, noch Gitarre spielst?

Dann bin ich Zuhause auf meinem Sofa.

 

Welcher Band würdest Du gerne einmal hinterhertouren?

„Means“ die gibt es leider nicht mehr, aber ich höre sie immer noch. Sie lösen bei mir immer positive Gedanken aus!

 

Auf welche Frage würdest Du keine Antwort geben?

Wie meine Essgewohnheiten sind.

 

Wo siehst Du Dich in zehn Jahren?

Als Filialleiter im Kletterkogel – ich bin gerade auf dem Weg dahin. Vielleicht mit dem Nebenjob als Filmemacher!

 

Bist Du denn auch cineastisch-interessiert?

Ich schaue gerne Filme und hab’ natürlich, wie jeder andere Netflix und Co. Aber es spielt jetzt nicht so eine große Rolle – lieber das Eigene schaffen, das Künstlerische. Natürlich schaue ich mit einem anderen Auge, seit ich selber filme. Aber ich nutze das nicht als Inspiration.

 

Welches Film-Genre spricht Dich an?

Sehr viel Martial Arts. Und natürlich Horror (lacht).

 

Ein Talent, das keiner von Dir erwarten würde?

Beatboxen. Damit habe ich in meiner Hip Hop Phase, als ich etwa 13/14 Jahre alt war, angefangen. Viele sind überrascht, dass ich das so gut beherrsche.

 

Die spannendste Story, die Du aus Deinem Leben erzählen kannst?

Als ich mit zwei Freunden zum Bergsteigen im Berner Oberland war, hatten wir uns als Ziel gesetzt oben zu übernachten. Wir bauten unser Zelt auf als wir bemerkten, dass ein derbes Unwetter auf uns zu kam. Das Unwetter war so heftig, dass wir zum Übernachten in einer Schutzhütte unterkommen mussten, ohne zu wissen ob am Morgen danach das Zelt noch dasteht, wo wir es aufgebaut hatten. Eine Nacht voller Spinnen, undefinierbare Sounds und viele Powerriegel.

 

Wenn Du an einem anderen Ort leben müsstest, wo wäre das?

Auf jeden Fall Richtung Süden. Vielleicht im Allgäu.

 

Wenn Du spontan etwas ändern könntest, was wäre das?

Wenn’s um mich persönlich gehen soll, dann würde ich mir mehr Selbstvertrauen wünschen. Allgemein, würde ich gerne was an der politischen Lage ändern! Ich wünsche ich mir, dass alle mal aufwachen. Machtpositionen steigen wohl vielen zu Kopf.

 

Hast Du ein Lieblingstier?

Ich mag alle Tiere. Aber, wenn ich mich entscheiden muss, dann Hunde.

Selbst gemalt von Daniel.

 

Was machst Du jetzt als Nächstes nach unserem Treffen?

Ich fahre in eine Werkstatt, weil ich einen Kostenvoranschlag für mein beschädigtes Auto brauche. Mir ist jemand über’s Auto gelaufen, während ich an der Ampel stand. Die Polizei kam auch gleich – er hat wohl schon vorher randaliert. Falsche Zeit, falscher Ort.