WG-Leben: Zusammen ist man weniger allein

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Semesterbeginn. Überall verlassen die Küken ihre Nester. Aber wo geht es hin? Wohnungen in der Stadt sind rar und die Mieten meist viel zu hoch für einen allein. Die Lösung: Eine Wohngemeinschaft! Aber das Leben in einer WG ist meistens so anstrengend und prägend wie das Studieren selbst. Welche Erfahrungen dabei gemacht werden und was es beim Zusammenleben zu beachten gibt, haben wir uns genauer angesehen. Der BRAUSER taucht ein zwischen Putzpläne und anklagende Post-its.

Neue Leute kennenlernen, günstig wohnen und zusammen feiern – in einer Wohngemeinschaft zu leben kann eine tolle Sache sein. Aber auch nur so lange, wie sich alle verstehen und harmonisch miteinander umgehen. Spätestens wenn Putzpläne nicht befolgt werden, der Eine ständig lärmt oder unangekündigt Leute einlädt, wenn der Andere gerade für die Klausur paukt oder Essensvorräte permanent vom Mitbewohner geplündert ohne wieder aufgefüllt zu werden, wird das Zusammenleben zur Belastungsprobe.

Die vier magischen Ecken der WG

Teilen, Zusammenhalt, Gelassenheit und Rücksicht. Teilen ist eine schöne Sache – aber in einer WG nur bedingt empfehlenswert. Natürlich werden Miete, Telefon- und WLAN-Kosten, Strom, Wasser geteilt – aber auch das Aufräumen und Putzen. Wenn nur einer ständig das Klo reinigt oder nach der Party die Überreste wegräumt, kommt schnell Frust auf. Ein Putzplan hat sich deshalb schon in vielen WGs bewährt. Für regelmäßige Einkäufe empfiehlt es sich eine gemeinsame Kasse anzulegen. Wie beispielsweise für Küchenrolle, Toilettenpapier, Putzmittel sowie Kaffee, Zucker, Gewürze – eben für die Dinge, die alle täglich nutzen. Regelt vorher, welche Sachen aus der Gemeinschaftskasse bezahlt werden. Bei Lebensmittel schaffen separate Fächer im Kühlschrank oder eine Kennzeichnung mit dem Namen für Klarheit. Denn spätestens dann, wenn ständig das teure Eis oder die geschenkte Schokolade von Oma vom Mitbewohner aufgegessen wurde und kein Nachschub oder eine Entschuldigung folgt, hat „wir teilen“ bei jedem wohl eine andere Definition.

Durch dick und dünn

Zusammenhalt – der nächste Eckpfeiler des harmonischen Zusammenlebens. Das Schöne an einer WG ist, dass du immer Leute hast mit denen du reden kannst. Ein Mitbewohner ist dir fast so nah wie der eigene Partner. Du siehst ihn morgens im Pyjama mit Mundgeruch und verstrubbelten Haaren am Frühstückstisch, feierst mit ihm die Nächte durch und hältst anschließend über der Porzellanschüssel die Haare oder trinkst mit ihm ein Glas Wein, wenn die Tränen fließen, weil sie Streit mit dem/der Freund/in hatten. Sowas verbindet unheimlich.

Ansprechen oder ausziehen

Rücksicht und Gelassenheit sind weitere Punkte im Wohngemeinschafts-Knigge. Ein Streitpunkt im WG-Leben kann Lärm werden. Wenn dein Mitbewohner am nächsten Tag eine wichtige Klausur schreibt, versteht es sich von selbst, dass du im Nachbarzimmer die Musik nicht voll aufdrehst oder spontan eine Party mit deinen Freunden feierst. Rücksicht heißt das Zauberwort. Im Gegensatz dazu, ist es nicht nötig wegen Kleinigkeiten aus der Haut zu fahren. Die Spülmaschine wurde einmal nicht ausgeräumt oder der Müll mal vergessen mit runterzunehmen? Kein Grund schmollend dem Mitbewohner Vorhaltungen zu machen. Schwierig wird es, wenn die Kommunikation miteinander irgendwann andere Wege findet und nur noch über Post-its läuft. „Man kann mich auch leise zumachen“ an der Zimmertür hängt oder „Ich müsste mal wieder geputzt werden“ am Badezimmerspiegel klebt. Spätestens dann ist es soweit, Probleme offen anzusprechen. Oder auszuziehen.

 

 

Wie das Zusammenleben rechtlich klappt

Wer zahlt?

Wenn ein Einzelner die WG „gründet“ und den Mietvertrag unterschreibt, ist er allein dafür verantwortlich, dass der Vermieter sein Geld bekommt. Unterschreiben aber WG-Mitglieder, sind auch alle verpflichtet gegenüber dem Vermieter zur Mietzahlung.

Mitbewohnerwechsel

Wer genau seine Unterschrift unter dem Mietvertrag setzt, ist aber auch darüber hinaus bedeutsam. Unterschreibt nämlich nur ein Bewohner, darf der Vermieter mitreden, ob nach dem Auszug eines Bewohners ein neuer einziehen darf. Unterschreiben alle Mitglieder der WG, entscheidet sie allein. Empfehlenswert ist dennoch, dass die Wohngemeinschaft ihrem Vermieter mitteilt, wenn Bewohner aus- und einziehen.

Kündigung

Hat die WG einen Zeitmietvertrag abgeschlossen und erhöht der Vermieter die Miete, haben die Mitglieder eine Sonderkündigungsmöglichkeit. Haben alle Mietglieder unterschrieben, muss der Vermieter auch allen Vertragspartnern kündigen. Die Kündigung an eine Person reicht nicht.

 

WIR HABEN MIT MEHREREN MENSCHEN GESPROCHEN, DIE IN WGS WOHNEN. KLICKT HIER UM DIE INTERVIEWS ZU LESEN.

 

„Wohnen für Hilfe“

Die Idee lebt von der Zusammenarbeit alter und junger Menschen oder eben von Studenten und Familien. Die Art der Unterstützung obliegt dabei ganz individuellen Absprachen. Am häufigsten geht es um Gartenarbeit, Hilfe im Haushalt, Kinderbetreuung, aber auch um die Erledigung von Behördengängen, Fahrdienste und Unterstützung im Schriftverkehr oder am Computer. Die Absprachen werden in einem Vertrag genau festgehalten; vor allem, wie viele Stunden Hilfe zu leisten sind, ob die Miete damit völlig abgegolten wird oder ob eine Zuzahlung erforderlich ist. In Kassel wird dieses Konzept koordiniert vom Diakonischen Werk Region Kassel, erreichbar über 0561-92012475 oder fan@dw-kassel.de.

 

Filmtipps

Anne, Eddi und Johannes sind um die sechzig, können sich wenig leisten und gründen deshalb ihre alte Studenten-WG einfach neu. Alles soll so sein wie früher: Bis spät nachts um den Küchentisch herumsitzen und Wein trinken, über Gott und die Welt philosophieren und dabei die ehemaligen Hits hören. Doch die neue Wohngemeinschaft hat die Rechnung nicht mit den drei Studenten in der Wohnung über ihnen gemacht. Die verstehen überhaupt keinen Spaß. Sie büffeln für ihr Examen und können alles gebrauchen – bloß keine lustigen und lauten 60jährige, die sich nicht an die Regeln halten.

Wir sind die Neuen | Mit: Gisela Schneeberger, Heiner Lauterbach, Michael Wittenborn u.a. | Länge: 88 Min. | Warner Home Video

 

Xavier, 25-jähriger Wirtschafts-Student aus Paris, landet nach tränenreichem Abschied von Dauerfreundin Martine in der sommerlichen Metropole Barcelona, um hier dank europäischen Austausch-Programm Ersamus sein letztes Studienjahr zu absolvieren – und Spanisch zu lernen. Was gar nicht so einfach ist, wo doch die Mitbewohner seiner neuen, buntgemischten, gesamteuropäischen WG aus Italien, England, Dänemark, Belgien, Deutschland und Spanien kommen. Sie alle verfolgen das gleiche Ziel: feiern, leben, lieben – ach ja, und studieren.

L’auberge espagnole – Barcelona für ein Jahr | Mit: Romain Duris, Audrey Tautou, Barnaby Metschurat u.a. | Länge: 122 Min. | Universum Film GmbH

 

Claude: der ewige Liebhaber. Annie und Jean: sie bürgerlich und angepasst, er immer noch politischer Aktivist. Und Jeanne und Albert: die Feministin und der Bonvivant. Trotz aller Gebrechen und Tücken, die mit dem Alter einhergehen, fühlen sich die langjährigen Freunde eigentlich noch vital. Um dem Altersheim zu entgehen, entwickeln sie einen kühnen Plan. Sie werden zusammenziehen und unter einem Dach gemeinsam den Rest ihres Lebens verbringen. Um das Miteinander in der WG leichter zu gestalten, heuert Jeanne den jungen Student Dirk an.

Und wenn wir alle zusammenziehen? | Mit: Jane Fonda, Daniel Brühl, Pierre Richard, Guy Bedos, Geraldine Chaplin | Länge: 100 Min. | Alive – Vertrieb und Marketing