Kurz gefragt: Ralf Stadler zum Randfilmfest

Seit mittlerweile fünf Jahren kommen Besucherinnen und Besucher aus aller Welt nach Kassel, um hier ein Programm fernab der ausgetretenen Pfade und die besondere Atmosphäre des Randfilmfestes zu erleben. Wir haben im Vorfeld mit Ralf Stadler (Festivalleiter, Filmemacher, Vorstand Randfilm e.V.) gesprochen.

Was dürfen die Besucher des Randfilmfestes in diesem Jahr erwarten?

Mit dem Thema „Final girls – guilty guys“ nehmen wir in diesem Jahr die Geschlechterthematik in den Fokus und bieten dem oft unterrepräsentierten weiblichen Blick im Kino eine Plattform. Dazu laufen einige Filme von Regisseurinnen, die bestimmt nicht zimperlich sind.

Viele davon sind Deutschlandpremieren und Erstaufführungen – der Rachefilm „Revenge“ zum Beispiel oder „Blue My Mind“, in dem eine junge Frau statt zum Werwolf zur Meerjungfrau wird –, aber auch Klassiker wie „Die grausame Frau“ „Der Nachtportier“ oder „Tausendschönchen“ kann man hier entdecken. Mit Claire Denis hat außerdem eine französische Starregisseurin ihren Besuch angekündigt.

Gibt es einen speziellen Veranstaltungs-Tipp im Programm, den man Deiner Meinung nach keinesfalls verpassen sollte?

Die zentrale Podiumsdiskussion dreht sich um das Thema „Chancengleichheit in der deutschen Filmlandschaft“. Dazu haben wir neben prominenten Filmemacherinnen auch die feministische Filmbloggerin Sophie Rieger, sowie die Vorsitzende der Filmförderungsanstalt FFA, Christine Berg, eingeladen.

Bei uns wird aber auch Party gemacht: „Spröde Lippen“ und die „Römischen V______“ treten erstmals in Kassel auf. Mit Mia Morgan ist eine lokale Größe am Start. Pfeffer und Likör sind dabei, die spanische Choreographin Iria Arenas erarbeitet mit der heimischer Berufsfachschule für zeitgenössische Bühnentanz Sozo visions in motion eine ganz besondere Performance… Eigentlich will man nichts davon verpassen.

Was macht das Randfilmfest so einzigartig?

Unsere thematische Orientierung macht das Festival besonders. Das Programm funktioniert wie eine fortlaufende Geschichte, die voller Haken und Widersprüche ist. Eigentlich wie ein viertägiger Film, der in seiner Gesamtheit betrachtet werden will. Darunter sind Werke, die sonst in Deutschland kaum oder gar nicht gezeigt werden. Abseitiges aus allen Epochen der Filmgeschichte hat hier ebenso Platz wie die Sahnehäubchen von den ganz großen Festivals.

Wir schauen aber auch dorthin, wo‘s wehtut – zeigen Filme von Männern, die Missbrauchsvorwürfen ausgesetzt sind, wie Woody Allen und Harvey Weinstein, und durchleuchten den Zusammenhang von Biografie und Werk. Das Wichtigste ist, einen lebendigen Diskurs zu führen und damit hautnahes Kino zu gestalten – zusammen mit Besuchern und prominenten Gästen.

Von Donnerstag 13. September bis Sonntag 16. September im Interim in der Nachrichtenmeisterei in Kassel (Kulturbahnhof Kassel, Franz-Ulrich-Straße 9).