Der Freiheit so nah: Camping

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Einfach raus, immer der Nase nach, wohin die Straße dich führt und die Sehnsucht dich treibt. Fremde Länder entdecken, der Natur näher kommen und unter dem Sternenhimmel schlafen. Immer mehr junge Menschen zieht es in Campern auf die Straßen der Welt. Denn Camping – das ist pure Unabhängigkeit und Freiheit. Wir haben Camper zu ihrer Leidenschaft befragt und die besten Tipps für deinen eigenen Roadtrip gesammelt.

Foto: Privat

Antonia Behrens & Henning Muschko

Die 30-jährige Antonia Behrens und der 34-jährige Henning Muschko haben letztes Jahr einen Camper gemietet und sich in die Schweiz, nach Frankreich und Italien aufgemacht. Wir haben dem Freelance UX Designer und der Projektmanagerin ein paar Fragen zu ihrer Leidenschaft gestellt.

Wie habt Ihr Eure Leidenschaft fürs Campen entdeckt?

Nach unserer Erfahrung gibt es immer zwei Arten von Menschen. Die einen lieben das Campen, die anderen können gar nichts damit anfangen. Jeder von uns hat vorher seine eigenen persönlichen Erfahrungen gemacht, jedoch war das Festivalcamping das erste Mal, wo wir zusammen gecampt haben. Da merkt man relativ schnell, wie viel Spaß das Camping mit sich bringt; oder auch nicht. Wir hatten beide sehr viel Spaß daran und haben sofort danach auch gleich mehrere Trips an verschiedene Orte geplant. Man könnte fast sagen, die Musik hat unsere Leidenschaft fürs Camping entfacht.

Was macht Camping für Euch so besonders?

Weniger Planung bedeutet mehr Erlebnis. Dieser Satz sagt eigentlich schon fast alles über das Camping. Man ist frei, in der Natur und man kann einen frischen Kaffee an Orten genießen, an denen man normalerweise keinen Kaffee bei Sonnenaufgang trinkt. Egal ob man in den Bergen, am Strand oder an einem abgelegenen Wald campt, man hat immer wieder neue spannende Erlebnisse und man meistert jeden Tag neue Herausforderungen. Und sollte ein Ort mal nicht der Richtige sein, so packt man seine Ausrüstung zusammen und zieht weiter. Ganz ohne Stress, LTE und lauter Umgebung.

An welche Orte zieht es Euch noch?

Henning: Mich würde es nochmal an einen tollen Bergsee ziehen. Antonia: Mich an viele Orte – Hauptsache es stehen ganz viele Palmen in der Nähe.

 

Foto: Privat

Jan Lietzmann von Kleine Freiheit

Im Jahr 2014 kündigte der Unternehmer Jan Lietzmann seine Stelle und verwirklichte seinen Traum– die Kleine Freiheit Camper waren geboren. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt.

Wie bist Du auf die Idee gekommen, Camper zur Miete anzubieten?

2007 sind meine jetzige Frau und ich zum ersten Mal in Australien gewesen. Wir haben Freunde in Perth besucht und hatten vier Wochen Zeit West-Australien zu erkunden. Unsere Freunde rieten uns einen Camper zu mieten. Das Urlaubsmobil war dann ein überalterter, rostiger und mit Graffitis überzogener Kleinbus, der uns 3500 Kilometer die Küste hinauf trug. Das war der beste Urlaub, den wir jemals gemacht hatten. Wir schliefen jeden Abend an einem anderen Ort, mitten in der Natur. Wir waren frei dahin zu fahren, wo wir hinwollten, ohne lange zu planen. Naturnähe und Freiheitsgefühl hatten es uns angetan. Zurück in der Heimat waren wir dann öfters mit gemieteten Campingbussen aus einem der deutschen Ballungsräume unterwegs. Nach und nach kam die Idee auf, auch in Kassel eine Campingbusvermietung zu eröffnen und nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten.

Ein ausgebauter Bus. Foto: Privat


Camping – ist das für Dich ein Lebensstil oder nur ein Hobby?

Beides. Camping ist die Chance spontan zu starten, der Nase und dem guten Wetter zu folgen und mit weniger mehr zu erleben. Das ist schon ein Lebensstil, den man bei seinem Hobby Camping perfekt ausleben kann.

Welche Routen sind besonders schön?

Europa hat viele schöne Ecken zu bieten. Klassiker wie die Provence, Ligurien oder die Alpen gehen immer. Im April waren wir während unserer Elternzeit mit Töchterchen Johanne und Camper Didi zum ersten Mal vier Wochen auf Sardinien. Eine tolle und abwechslungsreiche Insel, die man sehr gut in der Nebensaison bereisen kann. Groß im Kommen ist Osteuropa. Zunehmend mehr Kunden fahren z.B. nach Polen, und ins Baltikum. Skandinavien ist ein Evergreen für die Sommermonate. Wer sich weiter weg traut, muss natürlich unbedingt Australiens Westküste erforschen.

Foto: Privat

Baust Du die Wagen selber aus? Wie viel Zeitaufwand steckt dahinter?

Mittlerweile haben wir einige Busse selbst gebaut, teils für die Vermietung, andere für den Verkauf oder im Kundenauftrag. Von anfänglich 400 Stunden hat sich der Zeitaufwand jetzt auf die Hälfte reduziert. Eine spannende Herausforderung war die Montage eines Aufstelldaches mit zwei Schlafplätzen auf unseren jüngsten Bus „Didi“ (alle Busse tragen die Namen ihrer Vorbesitzer), der somit zu unserem ersten 4-Personen-Familiencamper wurde. Mittlerweile vertreiben wir auch fertige Ausbaumodule, mit denen man seinen Bulli in kurzer Zeit um Küche und Bett erweitern kann. Auch fertige Camper sind als EU-Reimporte im Angebot.

 

Foto: M.S. Kowal

Sarah Becker von Wohnwagen Becker

Wir sprachen mit der Geschäftsführerin von Wohnwagen Becker Sarah Becker, die mit uns ihre besten Tipps für die perfekte Reise mit Wohnwagen und Wohnmobil geteilt hat.

Worauf sollte man bei der Wahl des richtigen Wohnwagens oder Reisemobils achten?

Wenn man auf der Suche nach einem Freizeitfahrzeug ist, gibt es ein paar harte und ein paar weiche Faktoren, die man beachten sollte. Harte Fakten wie das Gewicht, der technische Zustand und der Preis spielen eine große Rolle, allerdings sollte man sich auf jeden Fall ein Fahrzeug aussuchen, in dem man sich wohlfühlt. Ein Wohnwagen oder Reisemobil ist für die Zeit des Urlaubs das Zuhause auf Rädern – da sollte man keine großen Kompromisse machen. Der Grundriss, also die Aufteilung von Wohn- und Schlafraum, Küche und Bad sowie die Aufteilung der Betten, ist maßgeblich für die Größe des Fahrzeugs, und er trägt oft einen Großteil zur Begeisterung für die Urlaubsform „Caravanin“bei. Zur Einhaltung der rechtlichen Vorschriften ist dringend auf das Gewicht zu achten. Bei Wohnwagen ist das maximal zulässige Gesamtgewicht vom Zugfahrzeug abhängig. Besitzer eines Führerscheins, der ab 1999 gemacht wurde, sollten zwingend auf die 3,5 t-Grenze achten; diese gilt für Reisemobile und Wohnwagengespanne gleichermaßen.

Welche Fehler machen Caravaning-Neulinge häufig?

Bei Kauf oder Miete sollten Einsteiger unbedingt darauf achten, dass der Zustand des ins Auge gefassten Fahrzeugs auch beim genauen Hinsehen in Ordnung ist. Nicht vom ersten Eindruck täuschen lassen. Beim privaten Kauf oder der Miete von Bekannten können Fallstricke drohen, die den Traum vom Camping-Urlaub schnell zum Albtraum werden lassen. Lieber beim Profi Mieten oder Kaufen – da ist man immer auf der sicheren Seite. Wir erleben oft, dass Kunden mit einer völlig falschen Vorstellung zu uns kommen, nach unserer Bedarfsanalyse und Beratung erst einmal ein-zwei Fahrzeuge zur Probe mieten und dann feststellen, dass sie ursprünglich an etwas ganz anderes gedacht hatten. Hier helfen wir mit unserem fachkundigen Team mit einem großen Erfahrungsschatz rund ums Caravaning sehr gerne weiter, damit es am Ende wirklich das Traumfahrzeug wird. Noch ein anderer Punkt: Genügend Zeit für Packen und Fahren einplanen, damit es eine stressfreie Reise wird. In zwei Wochen ans Nordkap und zurück kann selbst im schönsten Fahrzeug nicht entspannt sein.

Haben Sie persönlich einen Geheimtipp, wohin man unbedingt mal mit dem Wohnwagen oder Reisemobil reisen muss?

Die großen Vorteile des Caravanings sind Flexibilität und Individualität. Man kann jederzeit losfahren und anhalten, wo es einem gefällt. Hier ist mein Tipp, mal in Deutschland zu bleiben. Es gibt hier überall noch wunderschöne Ort zum Entdecken und fast 7.000 Campingund Stellplätze, die man ansteuern kann.
Egal ob man Partyatmosphäre in einer Metropole, 5-Sterne-Wellness oder eine Auszeit am See fernab von jedem Handyempfang braucht: Alles ist möglich, und wenn ich will, sogar in einem Urlaub! Einfach mal losfahren und treiben lassen, spontan an der Autobahn entscheiden, ob man nach Norden oder Süden auffährt… unabhängiger geht es kaum!

 

Foto: Thumser

Anne Walther

Die Wahlkasselerin Anne Walther zieht es mit ihrem Wohnmobil regelmäßig in die Welt hinaus, denn nirgendwo sonst erlebt man so viel wie unterwegs. Wir haben mit ihr über ihre Leidenschaft und ihre Erfahrungen gesprochen.

Was sind Deine Zutaten für den besten Road Trip?

Meine Zutaten für den besten Road Trip sind auf jeden Fall eine ADAC Gold Mitgliedschaft und ordentliches Werkzeug an Bord. Wenn man wie ich mit alten Autos unterwegs ist, ist es sehr beruhigend zu wissen, dass es für alles irgendeine Lösung gibt. Außerdem sollte man mit Ruhe und Geduld losfahren und immer ein kleines Überlebenspaket (neben dem Werkzeug) dabei haben. Für mich ist das ausreichend Wasser, Hundefutter, eine Hängematte, meine Axt und Reiswaffeln. Damit kann man es sich überall schön machen, Hauptsache draußen sein und am besten im Funkloch.

Welche Tipps hast Du für Camping-Neulinge?

Ich denke, man sollte sich als Camping-Neuling bewusst werden, welche Art von Camping einem liegt. Ich zum Beispiel bin kein Zelt-Mensch, da ich im Zelt und auf dem Boden nicht schlafen kann. Andere lieben diese „Nicht-Wände“ und harte Isomatten oder Biwaken. Der eine braucht einen Campingplatz mit kompletter Sanitärinfrastruktur, dem anderen reicht der Wald. Mit Sicherheit macht es Sinn, alles auszuprobieren, bevor man sich eine größere Ausrüstung anschafft wie zum Beispiel einen Bus.

Foto: Privat

Was war Dein verrücktestes Erlebnis auf Tour?

Mein verrücktestes Erlebnis auf Tour…hm, schwer zu sagen. Irgendwie passieren ja dauernd verrückte Dinge. So kanalisieren kann ich das nicht und einiges muss man auch nicht in der Zeitung lesen… Ich kann nur sagen, dass man unterwegs definitiv mehr erlebt als zu Hause auf dem Sofa. Und die Dinge, die auf den ersten Blick wie kleine oder größere Katastrophen aussehen, entpuppen sich später als Lehrstücke für’s Leben oder Türöffner in andere (Lebens-)Welten; Kontakte, die man nie erwartet hätte oder Verknüpfungen, die völlig absurd aber unglaublich wertvoll sind. Die Katastrophen werden zu Erfahrungen und Erfahrungen zu Geschichten. Geschichten, die man erzählt, aber nicht niederschreibt.

 

Foto: Privat

Seit 30 Jahren hat der Kletterkogel einen festen Platz in Kassels Outdoor- und Bergsportszene. Wenn einer weiß, was man fürs Camping braucht, dann ist es Manfred Hesse, der selbst auch gerne Zeit unter freiem Himmel verbringt. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt.

Was sind die drei wichtigsten Camping-Accessoires für einen erfolgreichen Trip?

Ein gutes Zelt, was auch dann Raum bietet, wenn draußen die Welt untergeht. Es sollte eine hohe Wassersäule, Stauraum für Gepäck und ein gutes Gewichts/Packmaß-Verhältnis haben. Zudem eine gute Isomatte, welche komfortabel ist. Jeden Tag mit Rückenschmerzen aufstehen macht keinen Spaß. Man braucht auch einen Schlafsack, der für die Temperaturen, die draußen herrschen, ausreichend ist. Erholsamer Schlaf ist essentiell für erfolgreiche Touren.

Wieso begeistert Camping Ihrer Meinung nach die Menschen so sehr?

In der heutigen Zeit muss alles nach Regeln ablaufen. Zeitdruck. Aufgaben, Alltag…..Beim Camping kann man abschalten. Man genießt die Ruhe und Natur und ist auf sich allein gestellt.

Wo sollte man unbedingt mal sein Zelt aufschlagen?

Unsere Naturliebhaber sollten ihr Zelt unbedingt in Schweden aufschlagen. Hier entsteht das echte Gefühl „draußen“ angekommen zu sein. Man hat Zeit zu entschleunigen. Bitte stets die Gesetze der Naturschutzgebiete befolgen, denn dort herrscht Campingverbot, jedoch gibt es genug Plätze, wo das öffentliche Campen erlaubt ist.

 

HIER geht es zu den schönsten Campingrouten Europas und mehr Infos, was beim Camping-Trip erlaubt ist

HIER geht es zum großen Gewinnspiel –  Ein Gutschein im Wert von 300 Euro von Wohnwagen Becker

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Filmtipps

Expedition Happiness

Ein deutsches Pärchen baut einen alten Schulbus um und reist vom Norden Amerikas bis nach Mexiko. Der Film wurde aus dem Videotagebuch von Felix Starck zusammengeschnitten und von Selima Taibi, bekannt unter dem Künstlernamen Mogli, musikalisch untermalt. Sie tritt am 22.08. im Kulturzelt Kassel auf, wir verlosen 3×2 Tickets. Hier geht es zur Verlosung.

Into the Wild

Basierend auf dem Leben des amerikanischen Studenten Christopher McCandless, der auf eine zweijährige Reise durch die USA aufbricht und jeglichem Luxus entsagt, zeigt dieser Film ein Leben fernab der Zivilisation mit all seinen Herausforderungen.

 

Die Chaoscamper

Eigentlich hatte der erfolgreiche Manager Bob Munro seiner Familie einen Trip nach Hawaii versprochen, doch um heimlich an einem Geschäftstreffen teilzunehmen, mietet der Familienvater ein Wohnmobil. Das stößt bei seiner Familie nicht gerade auf Begeisterung.