Kurz gefragt: Benedikt Ströher

 

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Er stammt aus Kassel, ist hier aufgewachsen, studiert derzeit noch am London College of Music und hat in der „West Side Story“ sein Debüt als professioneller Musicaldarsteller gegeben. Die Rede ist von Benedikt Ströher. Wir haben den Darsteller zum Interview gebeten.

Worum geht es in dem Musical?

Benedikt Ströher: Es geht um Liebe und Toleranz, aber auch um Vorbilder und Vorurteile. Tony, der Hauptprotagonist, verliebt sich in Maria, ein junges Mädchen. Da die beiden jedoch nicht die gleiche Herkunft haben, Tony ist polnisch- amerikanisch, Maria ist puertoricanischer Abstammung, und diese beiden Volksgruppen sich in Form von Bandenkriegen aufs Bitterste bekämpfen, müssen Tony und Maria versuchen einen Weg zu finden, um all diesem zu entfliehen. Die Frage ist sozusagen, wie viel Chance hat die Liebe, wenn sie nur von Hass und Zwietracht umgeben ist?

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„West Side Story“ ist ja allgemein sehr bekannt. Welche Komponenten machen die Musicalversion im Staatstheater einzigartig?

Benedikt Ströher: Die Staatstheater-Version nimmt meiner Meinung nach das Stück aus seinem sehr festen Umfeld heraus und macht es globaler. Durch sehr gezielt eingesetzte Stilmittel kann man die Staatstheater-Inszenierung eben nicht nur in New York ansiedeln, sondern auch in Berlin, London oder Kassel. Es geht weniger um das direkte Beispiel Puerto-Ricaner gegen Amerikaner, sondern mehr um Bürger und Zuwanderer. Wo, wer, wie ist nämlich hier nicht das Wichtige und Essenzielle. Die in West Side Story aufgezeigten Konflikte findet man überall und nicht nur im New York der späten 50er, sondern auch heute und hier, in unserer als fortschrittlich betrachteten Gesellschaft.

Du verkörperst in dem Musical die Figur Chino. Was macht die Rolle für dich besonders / was inspiriert dich an ihr?

Benedikt Ströher: Besonders an Chino ist sein tragischer Werdegang im Stück. Er fängt als fröhlicher Jugendlicher an, der die Welt mit offenen, aber sehr jungen und naiven Augen sieht, und endet als der wohl meist gehasste Charakter im Stück. Diese Entwicklung ist ein Produkt seiner Umwelt und seiner Unsicherheit, und er ist für mich wie ein Spiegel, der eben nur das wiedergeben kann, was er auch sieht. Inspirierend an ihm ist sicherlich sein guter Wille und seine Loyalität. Von beidem könnten wir alle manchmal etwas mehr gebrauchen.

Foto: N. Klinger

Du bist professioneller Musicaldarsteller mit viel Bühnenerfahrung. Gibt es trotzdem hin und wieder Herausforderungen auf der Bühne, denen du dich stellst?

Benedikt Ströher: Ich glaube, man kann diesen Job nur gut machen, wenn man alles als eine Herausforderung nimmt und versucht, sich selber immer zu verbessern. Wer sich zurücklehnt und „mal eben so macht“, wird in diesem Beruf nicht weit kommen und nie ein wirklich zufriedenstellendes Produkt abgeben. Allerdings sind Herausforderungen auch das, was es spannend macht. Bei Chino war auf jeden Fall eine Herausforderung die Frage, wie ich so einen großen Entwicklungsbogen in dieser Rolle in so wenig Text und Szenen packe, denn auch wenn er eine sehr wichtige Rolle ist, hat er nur ein paar Zeilen Text, um sich zu etablieren, und nur wenige  Szenen, um seine Entwicklung darzustellen. Da muss man sich ganz genau überlegen, wie man diese Bühnenzeit angeht, um das beste Endresultat zu erzielen.

Die Vorstellungen des Musicals „West Side Story“ waren in der Spielzeit 2017/2018 inklusive des Zusatztermins im Juni ruckzuck ausverkauft. Das Staatstheater hat sich deshalb für eine Weiterführung des Musicals in der Spielzeit 2018/19 entschieden. Die Wiederaufnahme findet an diesem Abend statt. Wer sich bisher noch keine Tickets gesichert hat, sollte das schleunigst nachholen – an der Theaterkasse, Tel. (0561) 1094-222, und per E-Mail an karten@staatstheater-kassel.de.