Kunst kommt von Kassel

Foto: Nicolas Wefers

Wer Kunst sucht, der wird sie überall finden. An der Kunsthochschule Kassel trifft man bereits die Künstler von morgen aus den Studiengängen Bildende Kunst, Visuelle Kommunikation und Produktdesign. Von Skulpturen über Film, Fotografie über Textilkunst und Illustrationen bis hin zu Sound und Musik – die kreativen Köpfe rütteln auf, regen zum Nachdenken an und zeigen uns eine Welt durch andere Augen. Anlässlich des Rundgangs (siehe Infokasten), bei dem die Studenten jedes Jahr ihre Werke präsentieren, haben wir uns auf dem Campus an der Aue umgesehen und mit neun Kunststudenten der KhK gesprochen, die wir euch hier vorstellen.

 

Foto: Privat

CLARA HÖHRE

Die 22-jährige Clara Höhre studiert seit 2016 an der Kunsthochschule Kassel Bildende Kunst und hat das Spezialgebiet Skulpturen und Installationen gewählt. Auch beim Rundgang wird es einige Skulpturen der Studentin zu sehen geben. Wir haben ihr ein paar Fragen gestellt.

Warum hast Du dir die Kunsthochschule Kassel ausgesucht?

Da ich aus Kassel komme, habe ich schon vor Studienbeginn einiges von der Kunsthochschule mitbekommen und immer einen positiven Eindruck gehabt. Da die Kunsthochschule ein sehr interdisziplinäres und freies Arbeiten ermöglicht und natürlich auch die Atmosphäre dieses Gebäudes in der Aue, bietet sie eine gute Basis um sich zu entfalten. Deshalb hoffe ich auch sehr, dass sich Lösungen für die strukturellen und finanziellen Hindernisse finden lassen, über die aktuell debattiert wird, denn der Erhalt der Qualität dieses Ortes bedingt die Kultur der Stadt in einer Form, die sich nicht in Zahlen rechnen lässt. Kreativität sollte nicht durch Ökonomisierung erstickt werden.

Foto: Privat

Hast Du ein Hobby außerhalb von Kunst?

Kunst ist für mich nicht eingrenzbar, sondern eher ein Produkt, in dem man alles Wahrgenommene verarbeitet. So gesehen gibt es keine Hobbys außerhalb davon.

Was wird man von Dir beim Rundgang zu sehen bekommen?

Ich werde verschiedene Skulpturen in und aus Glaskästen (Vitrinen, Aquarien, Schaukästen) ausstellen, wobei es mir um die Frage des Ausstellens und Präsentierens an sich geht. Nach welchen Kriterien wählt man Exponate aus? Wodurch bekommt Kunst einen Wert und was, wenn wir uns selbst als Exponat in einem Schaukasten wahrnehmen? Und befinden sich die Kunsthochschule oder generell künstlerisch schaffende Menschen in einem System der ,,Zur-Schau-Stellung“, in dem sie instrumentalisiert werden, um das Bild einer kreativen, freien Kultur zu vermitteln, aber denen zum Beispiel durch finanzielle Kürzungen die Grundlage genau dafür genommen wird?

 

Foto: Privat

TOBIAS SAUER

Ursprünglich wollte er an einer Filmhochschule studieren, doch letztendlich fiel die Wahl auf die Kunsthochschule Kassel. Tobias Sauer, der seit 2012 Visuelle Kommunikation studiert, weiß mittlerweile die Vorteile der KhK zu schätzen. „Wir sind vielleicht materiell nicht so gut ausgestattet, aber wir genießen eine große Freiheit. Zudem können wir uns mit Studierenden anderer Klassen austauschen oder selbst Seminare in allen Bereichen besuchen“, erzählt er uns. „Inzwischen gefallen mir Filme von Kunsthochschulen oft besser als die von Filmhochschulen, weil sie unkonventioneller und überraschender sind.“

Foto: Alexandra Leibmann

Hauptsächlich befasst sich der 26-jährige Student mit Essay- und Analogfilm, nach dem Studium will er das in freien Filmprojekten fortführen. Aber auch für die Musik kann sich Tobias begeistern. „Ich höre viel Musik, auch gerne live, und stelle ab und zu Mixtapes für meine Freunde zusammen“, verrät er uns. „In meinen Filmen stelle ich auch oft gefundenes Material neu zusammen.“ Aktuell versucht er mit ein paar anderen Studierenden und Absolventen des „Realfilm“-Bereichs, eine Art Kollektiv zusammen auf die Beine zu stellen. Was man beim Kunstrundgang von ihm zu sehen bekommt? „Mein Kurzfilm ,Unglücklichsein’, der auf den Texten Franz Kafkas basiert, steckt leider noch in der Post Produktion, die sehr aufwendig ist, und wird zum Rundgang noch nicht fertig sein. In vergangenen Jahren entstanden aber unter anderem der Found-Footage-Essayfilm ,Simba in New York’, in dem ich anhand von gesammelten Super-8-Amateurfilmen einen persönlichen Blick auf die USA warf und Porträts von Wang Bing, Ben Russell und Jonas Mekas.“ Wir dürfen also gespannt sein.

 

 

Foto: Privat

JONAS LEICHSENRING

Der 21-jährige Student Jonas Leichsenring befasst sich vor allem mit Installationen, Skulpturen, Fotografie und Video. Was er bei seinem dritten Rundgang ausstellen möchte, steht noch nicht endgültig fest, da er an sehr verschiedenen Projekten arbeitet. Wir haben den aus Wildeshausen stammenden jungen Künstler zu seiner Arbeit und zur Kunst befragt.

Entstehen Deine Arbeiten spontan oder geplant?

Ich würde sagen, eher geplant, das heißt, ich setze mich lange mit den Themen auseinander, die mich interessieren, und bekomme dabei langsam Ideen für die Umsetzung meiner nächsten Arbeit. Dabei spielt Zufall manchmal auch eine Rolle. Gewisse Situationen auf der Straße, im Internet oder bei Gesprächen mit Freunden helfen mir noch einmal anders über meine Arbeit zu denken. Dadurch entstehen viele meiner Ideen auch spontan, dennoch gehört ein lange Auseinandersetzung mit dem Thema dazu. Thematisch versuche ich immer an meine letzten Arbeiten anzuknüpfen. Meine künstlerische Arbeit untersucht Maskulinität und stereotypische Rollenbilder in den Neuen Medien. Praktisch experimentiere ich mit verschiedensten Materialien und dekonstruiere Männlichkeit in meinen Installationen, Skulpturen, Videos und Fotografien, um gesellschaftliche Muster zu verdeutlichen.

Foto: J. Leichsenring

Wie wichtig ist Dir der Betrachter?

Wenn ich Kunst produziere, möchte ich an erster Stelle zufrieden damit sein. Ich stehe hinter meinen Arbeiten und vertrete meine Meinung. Das Feedback, was ich bekomme, nehme ich sehr ernst. Es ist schön, wenn dem Betrachter meine Arbeit gefällt und man sich bestätigt fühlt. Das muss nicht immer der Fall sein, aber dann diskutiere ich gerne und versuche zu verstehen, wie die Arbeit anders wahrgenommen wird als ich es vielleicht gedacht habe. Ich versuche, mit meinen Arbeiten den Betrachter immer ein kleines bisschen zu amüsieren und trotzdem ernst über die Thematik zu informieren.

Was macht die Kasseler Kunstszene Deiner Meinung nach so einzigartig und herausragend?

Die Kasseler Kunstszene, muss man sagen, ist relativ klein. Es ist aber immer schön Freunde und Bekannte zu sehen. Egal welche Veranstaltung man besucht, es gibt immer jemanden, den man kennt. Es ist eine sehr freundliche und eng verbundene Gemeinschaft mit vielen unterschiedlichen Einstellungen und Strömungen und jeweils angepassten Events und Ausstellungen. Man bekommt sehr nah die Entwicklung der jeweiligen Künstler und Künstlerinnen mit.

 

Foto: Privat

CATHERINE WOYWOD

Unter dem Künstlernamen WoiWoi veröffentlicht die 26-jährige Catherine Woywod interdisziplinäre Arbeiten rund um Sound, Pflanzen, Performance und Installation. Genau darum wird es sich auch beim Rundgang drehen. Die Studentin, die sich neben der Kunst für Eiskunstlauf begeistert, wird eine Führung zu Nutz- und Heilpflanzen rund um die Kunsthochschule organisieren. Zudem wird es eine Sound Weberei zum Mitmachen geben, in deren Rahmen sie aus von den Freiwilligen gemachten Klängen live Musik realisiert. An die Kunsthochschule Kassel hat es sie wegen der zentralen Lage Kassels in Deutschland und der liberalen interdisziplinären Studienstruktur geführt. „Besonders hat mir gefallen, wie grün es rund um die Hochschule ist“, erzählt sie uns begeistert. Nach dem Studium möchte sie soviel wie möglich lernen und sprachlich, botanisch und künstlerisch weiterbilden.

Foto: Privat

Welche neuen Trends kann sie beobachten? „Kunst wird viel mehr als Reflexions- und Kommunikationsmittel genutzt. Anstatt auf die Produktion seelenloser Objektkunst wird mehr Wert auf den soziologischen und kulturellen Inhalt der Werke gelegt. Was wollen wir reproduzieren? Aus was lernen, um die Zukunft besser zu gestalten?“ Auch mit ihrem Kunstwerk „Erdkörper-Transformation 1“ möchte die junge Kunststudentin etwas aussagen. „Der Erdkörper ist 1:1 nach meinen Körpermaßen gebaut und bepflanzt worden. Alle Körperteile sind separat installiert und werden nur durch die kultivierten Pflanzen verbunden. Der Gedanke dahinter ist der Wunsch, über körperliche Grenzen hinauszuwachsen.“

 

Foto: Privat

MELANIE I. MENDETZKI

Ihre Schwerpunkte sind Comics, Illustrationen, Text  und Videokunst. Seit 2012 studiert die 27-jährige Melanie I. Mendetzki an der Kunsthochschule, erst Bildende Kunst dann Visuelle Kommunikation. In ihrer Illustrationsreihe für den Rundgang unter dem vorläufigen Titel „Solarsystem“ verhandelt sie Größenverhältnisse innerhalb unseres Sonnensystems.

Woher nimmst Du deine Inspiration?

Inspiration finde ich in allem, worin ich bestimmte Reibungen bemerke: Probleme oder Situationen, über die gesellschaftlich ungern gesprochen wird und die vielleicht auch eher außerhalb eines politischen Kontexts auf einer humanistischen Ebene stattfinden. Sowohl psychologische Themen als auch der gesellschaftliche Umgang untereinander können da eine Grundlage bilden. Zugang zu solchen Themen finde ich meist über eine Situation, eine Gegebenheit, ein Gefühl oder eine Tatsache, die die Thematik aufgreift. Zum Beispiel setze ich mich aktuell mit den Größenverhältnissen der Planeten unseres Sonnensystems  auseinander, um die Kleinheit der Erde in meiner Bilderreihe zu verdeutlichen. In der Naivität der Bilder wiegt schalkhaft die inszenierte Wichtigkeit unserer Existenz. Alles in allem schätze ich das Absurde. Dabei muss nicht immer ein Witz in der Sache liegen, es darf auch ein unangenehmes oder mulmiges Gefühl beim Betrachter zurückbleiben.

Illustration: Melanie I. Mendetzki

Gibt es neue Trends in der Kunst und wenn ja, welche wären das?

Durch das Interesse an gesellschaftlichen Diskursen und dem offenen Umgang miteinander in der Szene, denke ich, verändern sich die Kunstwelt und der Kunstmarkt, aber auch die Arbeiten an der Kunsthochschule beständig. Begriffe wie „postcolonialism“ und „queer“ werden oftmals nicht nur in Arbeiten sondern auch Diskussionen und Seminaren verhandelt. Ich würde diese Begriffe jedoch nicht Trends nennen, sondern eher Arbeitsfelder, die sich durch Medien, Gesellschaftlichen Umgang oder Diskussionen aufgetan haben und von der Kunst aufgegriffen wurden. Künstler haben die Möglichkeit, diese Themen anders als zum Beispiel Soziologen zu verhandeln und eine andere Art der Auseinandersetzung und Wahrnehmung zu schaffen.

Was schließt Du für Deine künstlerische Arbeit aus? (Themen, Methoden, Materialien,…)

Tendenziell ergibt sich das Material aus der Auseinandersetzung mit dem Thema oder dem Schwerpunkt. Da ich in meinem vorherigen Studium meist über meine Kamera in Bildern gedacht habe, war ich eher auf Bewegtbild fokussiert. Meine Texte und Zeichenprozesse waren für mich ein eigener Arbeitsbereich, in dem vom Film unabhängige Arbeiten entstehen konnten. Dank meines Zweitstudiums in der VisKom habe ich nun die Möglichkeit, diese zu verfeinern. Im Umgang mit Comic und Illustration bin ich noch sehr offen und experimentiere viel mit verschiedenen Materialien. Über diverse Aufträge und Zusammenarbeiten der letzten Jahre habe ich aber bereits einen Stil gefunden, der mir persönlich zusagt und eine gute Grundlage für gemeinsame Projekte und Aufträge liefert.

 

Foto: Rusko Star

HORTENSIA HURST

„Kunst ist alles und alles ist Kunst.“ Mit diesen Worten fasst die 27-jährige Hortensia Hurst zusammen, was Kunst für sie – und bestimmt auch viele andere Künstler – bedeutet. Seit 2016 studiert sie an der Kunsthochschule Kassel Bildende Kunst und spezialisiert sich hauptsächlich auf Siebdruck, Textil, Plastik, Alltagsgegenstände und Musik. „In erster Linie geht es in meinen Arbeiten darum, dass ich selber Freude am Tun habe“, berichtet sie uns. „Sie sind stark von Popkultur und gesellschaftlichen Ereignissen geprägt, zum Beispiel Feminismus. Wenn die Betrachter darüber schmunzeln oder zum Nachdenken angeregt werden können, bin ich glücklich.“ Nach ihrem Abschluss wäre sie gerne Creative Director von einer coolen Brand oder im PR Bereich tätig. In diesem Jahr beim Rundgang wird von ihr eine Skulptur namens „Child’s Play“ ausgestellt werden. Diese wird öffentlich zugänglich sein, sodass man sich interaktiv mit ihr auseinander setzen kann. „Außerdem kommt mein Album ,Venus34’ raus, was auf 20 Stück limitiert ist. Dazu gibt es einen Jutebeutel, Poster, Postkarte und anderen Überraschungen“, verrät sie.

Foto: Privat

Was sie zu Kassel und Kunst zu sagen hat? „Kassel ist durch die documenta natürlich ein Aushängeschild für Kunst, insbesondere internationale Kunst. Ich finde trotzdem, dass ,junge’ Kunst – also von Studierenden der Kunsthochschule – besser gefördert und unterstützt werden könnte. Vor allem finanziell.“

 

Foto: Zhang Liang

SARAH JANE GRATZKI

Die auf Textildesign spezialisierte Sarah Jane Gratzki aus Frankfurt studiert seit 2012 an der Kunsthochschule Produktdesign. Sie hat bereits mehrere Textilien mit besonderen Eigenschaften designt. Im Winter plant sie, ihr Diplom anzumelden, deswegen wird sie zum ersten Mal beim Rundgang nichts ausstellen. Wir haben sie zu ihrer Kunst und zur Kunsthochschule befragt.

Warum hast Du dir die Kunsthochschule Kassel ausgesucht?

Ich war 2012 auf dem Rundgang der Kunstuni Kassel und wollte unbedingt hierhin damals. Auch aus persönlichen Gründen. Ich habe mich optimistisch auch nur hier beworben – zum Glück hatte alles geklappt.

Woher nimmst Du deine Inspiration? Was möchtest du mit deinen Arbeiten aussagen?

Aus Dingen, die mich berühren, ohne Emotionen geht gar nichts. Manchmal ist es ein Bild, eine Struktur oder auch ein Material, welches mich inspiriert. Oft entstehen meine Arbeiten aber auch aus meinen persönlichen Erfahrungen, politischen und gesellschaftlichen Themen, mit denen ich mich befasse. Ich will, dass meine Arbeiten die Menschen zum Denken anregen, ohne dadurch an Ästhetik zu verlieren. Großes Thema in meinen Arbeiten sind auf jeden Fall der Humor, die Veränderlichkeit („es passiert etwas“) und die Beziehung zwischen Feministin und Feminin sein.

Foto: Zhang Lian

Wie bewertest Du die Rahmenbedingungen des Kunststudiums an der KHS?

Das ist ein wunder Punkt … Als ich 2012 angefangen habe zu studieren, war die Uni in den Wochen vorm Rundgang rund um die Uhr voll – auch nachts. Werkstattschlüssel auszuleihen sowie Dauerschlüssel zu beantragen war möglich. Seit einigen Jahren wird die Situation aber immer schlimmer. Es werden zu wenige Arbeitskräfte eingestellt und viele Werkstätten sind wochenlang geschlossen oder nur an wenigen Stunden benutzbar. Das finde ich sehr schade und ist auch hinderlich beim Studieren. Gerade am Wochenende und abends sind die Räume kaum nutzbar. Betreuende Professoren sind kaum anzutreffen. Es gibt natürlich auch sehr engagierte, professionelle und motivierte Mitarbeiter, die treffen die Kürzungen ja genauso. Die Studenten stellen trotz der spärlichen Mittel jedes Jahr in Eigenarbeit den bestmöglichen Rundgang, das studentische Klima ist unschlagbar. Zusammenarbeit und sprudelnde Kreativität findet man in allen Ecken.

 

Foto: Privat

MAX SAND

Seine Welt ist die Fotografie. Seit 2012 studiert der aus Kassel stammende Max Sand Visuelle Kommunikation an der Kunsthochschule Kassel mit diesem Schwerpunkt; ein anderer kommt für den 31-Jährigen auch gar nicht in Frage. „Ich habe mich sehr strikt auf Fotografie spezialisiert“, erzählt er uns. „Für mich geht es um eine sich durch alle meine Bilder ziehende Ästhetik, einen gewissen Wiedererkennungswert.“ Obwohl seine Fotografien größtenteils Einzelwerke sind, funktionieren sie auch in Kombination. „Verschiedene Werke unter einem Aspekt zusammenbringen zu können, ist für mich persönlich der künstlerische Teil meiner Arbeit.“

Foto: Max Sand

Seine Fotografien entstehen oft spontan, wenn er unterwegs und auf der Suche nach Motiven ist. „Was ich dabei finde, ist aber voll und ganz dem Zufall überlassen“, berichtet er. Größtenteils arbeitet der Student eigenständig und von der Kunstszene losgelöst. Auf dem Kunstrundgang wird es ein Bild aus seiner und Mia Morgans Ausstellung „Zieh dich an und geh“ zu betrachten geben. „Ich weiß aber noch nicht, welches“, verrät er uns. Wir dürfen also weiterhin gespannt bleiben.

 

Foto: Privat

MIA MORGAN

Portraitfotografie – genau das ist Mia Morgans Spezialgebiet. Die 24-Jährige studiert seit 2017 an der Kunsthochschule Visuelle Kommunikation und ist auch sonst vielseitig künstlerisch und musikalisch unterwegs. Im Rundgang wird es Fotos aus ihrer und Max Sands Ausstellung „Zieh dich an und geh“ zu sehen geben. Wir haben der Studentin ein paar Fragen gestellt.

Entstehen Deine Arbeiten spontan oder geplant?

Sowohl als auch. In der Regel habe ich eine grobe Vorstellung vom Foto, die immer davon abhängt, wen ich fotografiere. Deswegen geht das bei mir meistens sehr schnell. Manchmal ist es aber auch so, dass ich unbedingt eine bestimmte Person fotografieren will, und das Setting ergibt sich dann einfach. Es kommt wirklich immer darauf an, wen ich fotografiere.

Wie wichtig ist Dir der Betrachter?

Da es mir meistens eher darum geht, eine Stimmung, oder eine bestimmte, an Popkultur angelehnte Ästhetik zu transportieren, ist es mir bloß wichtig, dass diese Stimmung beim Betrachter ankommt. Zwingend „hübsch“ muss also niemand die Fotos finden.

Foto: Mia Morgan

Was macht die Kasseler Kunstszene Deiner Meinung nach so einzigartig und herausragend?

Wir haben einfach Bock. Kassel ist eine Großstadt, fühlt sich aber nicht so an. Früher hatte ich Angst, durch meinen Wohnort in meinem künstlerischen und persönlichen Wachstum limitiert zu sein, und ich denke, diese Angst teilen hier einige. Deswegen preschen wir umso schneller nach vorne. Wir machen es uns schön hier, so von wegen „fake it till you make it“: Wir simulieren ein Großstadtleben, wissen aber auch die nur durch örtliche Begrenzung möglichen engen Verbindungen und den Zusammenhalt zu schätzen. Seitdem ich mich in Kasseler Kunstkreisen bewege, merke ich, hier brodelt was. Ich bin nicht alleine mit meinem Drang, über mich – und Kassel – hinauszuwachsen, und Kassel selbst damit ein bisschen größer zu machen. Ich hab mir irgendwann gedacht, alles, was ich als Künstlerin schaffen will, kann ich auch wohnhaft in Kassel schaffen. Das war eine sehr beruhigende, gleichzeitig aber auch motivierende Erkenntnis.

 

 

Kunsthochschule Kassel

Die Kunsthochschule Kassel, im Jahre 1947 gegründet, zählt zu den wenigen international orientierten Kunsthochschulen, die wissenschaftliche, künstlerische und kunstpädagogische Studiengänge zusammenbringen. Dazu zählen Bildende Kunst, Kunstpädagogik, Kunstwissenschaft, Produktdesign und Visuelle Kommunikation. Zusätzlich gibt es in der an der Karlsaue gelegenen KhK disziplinübergreifende Werkstätten, die es den Studierenden ermöglichen, handwerkliche und künstlerische Kompetenzen miteinander zu verbinden. Dabei steht im Vordergrund, künstlerische Freiheit mit wissenschaftlichem Denken zu vereinen. Das Ziel der KhK ist es auch, Studierende auf ihrem ganz eigenen künstlerischen Weg zu fördern und herauszufordern. Regelmäßig gibt es zahlreiche Ausstellungen und Projekte der Studierenden, die die kulturelle Szene Kassels bereichern.

 

Rundgang

Auch in diesem Jahr öffnet die Kunsthochschule Kassel (KhK) ihre Arbeitsräume und Ausstellungsfläche zu einer großen Abschlusspräsentation aktueller Arbeiten vom 12.-15. Juli. Besucher und Besucherinnen erhalten so tiefe Einblicke in die Tätigkeitsbereiche der KhK und können sich mit den Künstlerinnen und Künstlern austauschen. Zusätzlich gibt es ein vielfältiges  Begleitprogramm, in dessen Zentrum in diesem Jahr ein zweitägiges Symposium zum Thema Autonomie stattfindet. Dabei wird die Teilautonomie der KhK als nicht fest definierter Zwischenraum diskutiert und aus verschiedenen Positionen beleuchtet. Der Rundgang ist die traditionelle Jahresausstellung der Studierenden der KhK zum Ende des Sommersemesters und hat sich längst zu einem kulturellen Höhepunkt der Region etabliert. Der Besuch ist kostenlos und ohne Voranmeldung möglich.

 

www.kunsthochschulekassel.de