BRAUSER trifft Jan und Teresa Lanvers

Hier geht es nicht nur um hochgewachsene Pflanzen am Witzenhäuser Standort der Uni Kassel, sondern um eine in die Höhe wachsende Geschäftsidee. Die Lanvers-Geschwister wollen die selbst entwickelte Ackerwinde – ein ausgeklügeltes Bepflanzungssystem – nun auch selbstständig vermarkten. Das Ziel des 31-jährigen Jan und seiner drei Jahre jüngeren Schwester Teresa: möglichst viel Grün in die Stadt bringen!

Die Geschwister Jan und Teresa. Foto: Thumser

Kaffee oder Tee?

Beide: Kaffee!

 

Bier, Wein oder Schnaps?

Beide: Wein.

 

Steak oder Salat?

Teresa: Salat.

Jan: Steak.

In welcher Location trifft man euch regelmäßig an?

Jan: In der Natur, beim Gassi-gehen mit meinem Hund.

Teresa: Derzeit wahrscheinlich im Auto, weil ich ständig von Münster, wo ich wohne, nach Witzenhausen fahre, weil unser Projekt und das Stipendium in Hessen verankert sind.

 

Kommt ihr beide aus Münster?

Teresa: Ja, das ist unser Geburtsort. Dort hab’ ich jetzt auch lange gearbeitet, aber bin auf der Suche nach einem Zimmer hier, damit ich nicht ständig pendeln muss.

 

Was brachte euch von Münster nach Kassel?

Jan: Ich bin vor vier Jahren hierhergekommen, zum Studium. Ich habe vorher meinen Bachelor in Münster in Landschaftsökologie und danach eine Ausbildung zum Landwirt auf dem CSA Hof Pente in der Nähe von Osnabrück gemacht. Dann hab’ ich gemerkt, dass ich noch mehr über Landwirtschaft – gerade ökologische Landwirtschaft – lernen möchte und dann kommt man an Witzenhausen nicht vorbei.

Teresa: Ich kam erst fürs Projekt. In Witzenhausen sind wir einfach super vernetzt und die Uni unterstützt uns sehr gut.

 

 

Was genau ist denn „Das Projekt“?

Teresa: Wir sind das „Team Ackerwinde“ (lacht). Und jetzt ist das große Projekt die Unternehmensgründung. Unser Ziel ist es in ein paar Monaten ein Gewerbe zu haben und die Ackerwinde zu vertreiben. Aktuell befinden wir uns im Vorlauf, müssen Investoren finden und eine Marketing-Strategie ausklügeln.

Jan: Und nebenbei wollen wir noch die Ackerwinde weiterentwickeln, alternative Materialien verwenden und Bewässerungssysteme austesten.

 

Was ist das Tolle an der Ackerwinde?

Jan: Der Gedanke dahinter ist, mehr Fläche aus einem Hochbeet rauszuholen, weil man bei einem Hochbeet keinen Flächengewinn hat. Durch die vielen Terrassen habe ich mehr Fläche zum Bepflanzen geschaffen. Die Herausforderung war es, ein vertikales Anbausystem zu schaffen, bei dem wenig Bodendruck entsteht und mir das Säen, Gießen und Gärtnern generell erleichtert wird. Das erreiche ich durch die einzelnen Stufen, so entsteht in den kleinen Beetchen kaum Bodendruck.

 

Welche weiteren Materialen sind möglich?

Jan: Aktuell besteht die Ackerwinde aus beschichteten Multiplex-Platten aus Birkenholz. Die sind sehr witterungsresistent.

Teresa: Es gibt noch ein zweites noch langlebigeres Modell, aus Cortenstahl – das wird auch zum Schiffbau genutzt – und kann Feuchtigkeit und alles sehr gut ab. Da hat man auch schneckenfreie Beete, weil Kupfer enthalten ist und das mögen Schnecken nicht.

 

Muss man beim Bepflanzen irgendetwas beachten? Sind bestimmte Pflanzen nicht geeignet?

Jan: Prinzipiell geht alles. Man muss darauf achten, dass sich die Pflanzen nicht gegenseitig das Licht nehmen – dem Arrangement kommt eine große Rolle zu. Sehr große Sachen wie vielleicht ein Wirsing oder eine Zucchini gehen nur im oberen Beet, in den kleinen Beeten wäre dafür zu wenig Platz. Viel Wurzelraum steht den Pflanzen aber überall zur Verfügung, da das Innere der Ackerwinde nicht segmentiert ist.

 

Wie entstand die Idee der Ackerwinde?

Jan: Entwachsen ist die Ackerwinde aus der Gemüsesäule, die auf der documenta(13) vom Fachgebiet Ökologischer Land- und Pflanzenbau und der Künstlerin Claire Pentecost präsentiert wurde. Ursprünglich kommt diese Gemüsesäule aus den Slums in Nairobi, in denen die Menschen ihr Gemüse in sogenannten „Sackgärten“ anbauen. Die CanYaLove Stiftung entwickelte daraus die Gemüsesäule als Beitrag zur Ernährungssicherung der Slum-Bevölkerung. Ich sollte wegen einem Master-Projekt in dieser „Gemüsesäule-Eins“ eine neue Erde testen und habe ein paar Nachteile festgestellt. Man hat eben enormen Bodendruck wegen der Vertikale, man braucht ein aufwendiges Bewässerungssystem und kann auch keine Direktsaat machen. Ich habe quasi den Arbeitsauftrag des Projekts beliebig ausgedehnt (lacht).

 

Trifft man euch eher in Witzenhausen oder auch mal in Kassel?

Teresa: In Kassel bin ich weniger, nur mal, wenn wir wegen dem Ideenwettbewerb oder dem Stipendium an der Uni sind. Abends weggehen passiert dann hier!

Jan: Witzenhausen hat alles, was ich brauche. Klar, fahr ich mal zur Zentraluni oder bin im Science Park, aus gehe ich in Kassel nur selten.

 

Disco, Club oder Couch?

Beide: Club.

Teresa: Hier gibt es genau einen Club und der ist glaube ich nicht mal ein Offizieller, sondern der Studentenclub auf dem Uni-Gelände. Das sind dann Privat-Partys, weshalb man aber immer andere Musik und auch mal Bands erlebt.

 

Woher kommt die Begeisterung für alles, was grün ist?

Jan: Ich habe mich schon als Kind in der Natur immer wohl gefühlt. Und die Arbeit mit Pflanzen und in der Natur ist einfach beruhigend.

Teresa: Bei uns ist die Begeisterung in der Familie zu finden, wir hatten einen großen Garten, wo unsere Mutter auch ständig gearbeitet hat. Wir sind in einem wundervollen Garten Eden aufgewachsen.

Jan: Und wir hatten auch Hühner.

 

Was hat sich seit dem Zweiten Platz des UNIKAT-Ideenwettbewerbs rund um die Ackerwinde getan?

Teresa: Eine ganze Menge. Ich weiß noch, bei dem Pitch vor großem Publikum durften wir weder Bilder zeigen noch zu viele Details verraten, da wir noch im Patentierungsprozess waren. Das war echt schwierig, und ich ziehe vor jedem den Hut, der da trotzdem mit dem Kopf genickt hat (lacht). Aber jetzt haben wir das Deutsche Patent und das Europäische haben wir beantragt. Wir waren auf dem Pflanzenmarkt in Witzenhausen, haben einen Stipendiumsantrag gestellt, bei dem wir uns nicht nur mit dem Produkt, sondern einer Unternehmensstrategie beworben haben.

Jan: Und im Moment bekommen wir das Hessen-Ideen-Stipendium, zur Weiterentwicklung unserer Geschäftsidee.

 

Und auf dem Gartenfest am Schloss Wilhelmsthal wart ihr auch präsent?

Teresa: Ja genau, wir wollten einmal sehen, was die Leute zu unserer Idee sagen. Vorher hatten wir vor allen Dingen Feedback von Verwandten bekommen, was vielleicht nicht immer ganz ehrlich ist. Besonders wichtig war uns aber, mit Unternehmen oder möglichen Investoren in Verbindung zu kommen, die vielleicht Interesse hätten unsere Ackerwinde zu vertreiben. Außerdem gibt es viele Saatgut-Hersteller, die explizit Saatgut für kleine Flächen entwickeln – sprich Balkongemüse – so, dass man mit diesen kooperieren kann.

 

Ist die Ackerwinde denn als Balkon- und Gartenaccessoire gedacht?

Jan: Unter anderem. Aber auch im Bereich Urban Gardening oder Stadtbegrünung sehen wir unsere Ackerwinde. Wir arbeiten aktuell auch an einem Projekt, das heißt „Zwölf Ackerwinden für Witzenhausen“, um auch als Außenstehender in Witzenhausen zu sehen: Hier ist was Besonderes! Eben nicht nur Kirschenstadt, sondern auch der Öko-Hotspot – europaweit. Auch eignet sich die Ackerwinde ideal als Blickfang vor Bioläden oder vor Restaurants.

Teresa: 360-Grad-Marketing nennen wir das. Und die dritte Option ist noch, dass man es als umweltpädagogisches Instrument in Kindergärten oder Altenheimen nutzt. Dann kann jedes Kind zum Beispiel seine eigene Etage bepflanzen und sich drum kümmern.

Jan: Genau, das ist eins unserer Ziele, irgendwann auch mal ein Bildungskonzept mit anschließen zu können.

Darlene aus der Redaktion (re.) interviewt die Beiden. Fotos: Thumser

 

Drei Gründe, warum jeder eine Ackerwinde besitzen sollte?

Jan: Erstens sieht sie super aus!

Teresa: Zweitens kann man sich damit gesünder ernähren und selbst versorgen, besonders als Stadtbewohner.

Jan: Drittens passt sie überall hin.

 

Wie sieht das mit dem Transport aus?

Teresa: Die Ackerwinde ist ein Bausatz, die Bretter kann man einfach und ohne Werkzeug zusammenstecken, wodurch auch die Höhe variabel ist. Wir arbeiten derzeit auch an einem Prototyp, der kleiner ist, damit er auf jeden Balkon passt.

 

Braucht man einen besonderen Untergrund?

Jan: Nein, einfach auf die Wiese oder den Balkon das geht!

 

Wie ist das mit dem Sonnenlicht? Bekommt jede Seite gleich viel Licht?

Jan: Durch die Schraubenform gibt es keine richtige Nordseite und daher keine Etage, die wirklich gar kein Licht bekommt. Ist halt bedingt durch die Tageszeit.

Teresa: Die Schraubenform ist echt das A und O. Nicht nur fürs Aussehen.

 

Angenommen ihr hättet die nächsten drei Tage spontan frei, was würdet ihr machen?

Teresa: Mit dem Schlauchboot auf der Werra rumfahren. Wir haben ein altes von der NVA (Nationale Volksarmee der ehem. DDR / Anm.d.Red.) mit Holzboden. Damit kann man zum Zelten fahren und auch ’ne Kiste Bier reinstellen (lacht).

 

Südsee oder Sylt?

Beide: Südsee.

 

Strand oder Berge?

Beide: Beides!

 

Gartenhaus oder wilde Wiese?

Beide: Gartenhaus.

Teresa: Das ist auch im Winter nutzbar.

Jan: Ein Gartenhaus ist ein Gestaltungsobjekt.

 

Wenn man euer Leben verfilmen würde, welcher Schauspieler sollte euch spielen?

Teresa: Bei Jan müsste es ein Ritter-Schauspieler sein oder der von Thor: Chris Hemsworth.

Jan: Teresa braucht jemand Flippigen. Nina Hagen!

Teresa: Da wäre ich stolz drauf (lacht).

 

Was nehmt ihr mit auf eine einsame Insel?

Jan: Meine Freundin, meinen Hund und Saatgut.

Teresa: Ja, meinen Freund und Saatgut, da schließe ich mich an.

 

Drei eurer Lieblingsfilme?

Teresa: Ich gucke gar nicht viele Filme, aber ich hab’ welche. Into the Wild!

Jan: Die Schatzinsel, ein Klassiker.

Teresa: Und… Herr der Ringe.

 

Hund oder Katze?

Beide: Hund.

 

Kuscheln oder knutschen?

Beide: Beides!

 

Welche Vorteile hat man, wenn man als Geschwister-Paar zusammen arbeitet?

Teresa: Es gibt keine bösen Überraschungen, weil man sich sehr gut kennt (lacht). Man weiß auch, was der andere nicht so gut kann und ist nicht enttäuscht, wenn mal was schiefgeht. Das Gute ist auch, dass man sich immer wieder verträgt, weil Blut dicker als Wasser ist.

 

Was würde Euer „Ich“ 10 Jahre in der Zukunft, Eurem jetzigen „Ich“ raten?

Teresa: Lass Dich nicht verunsichern – gerade jetzt während der Unternehmensgründung, gibt es viele Dinge, die einem Angst machen oder wo man sich beeinflussen lässt. Da sollte man nicht aufhören, sondern immer weitermachen. Angst gehört dazu – wahrscheinlich. Ich hoffe einfach, dass mein Ich in zehn Jahren erfolgreich ist und das auch so sieht (lacht).

Jan: Bleib Du selbst und mach’ das was Dir Spaß macht.

 

Wo könnt ihr entspannen, wenn euch mal alles nervt?

Teresa: In meinem Garten oder auf einer einsamen Insel in der Karibik (lacht).

Jan: Auch so, aber besonders auf dem Wasser.

Jan: Gewöhnungsbedürftige Unterhaltung…

 

Was habt ihr als letztes verschenkt und an wen?

Teresa: Ein Messer und eine Messerscheide an unseren Papa. Das Messer hat Jan selbst gemacht. Und die Messerscheide haben wir dann auch zusammen gebastelt. Selbstgemachte Geschenke sind einfach das Schönere.

 

Wann habt ihr das letzte Mal etwas aus Zwang getan?

Jan: Vor einigen Tagen. Da musste ich umziehen, weil unser Haus verkauft wurde. Ich bin auch immer noch nicht zum Auspacken gekommen.

 

Wenn ihr jetzt spontan etwas verändern könntet, was wäre das?

Jan: Ich würde alle Verhältnisse umwerfen in denen der Mensch oder die Erde ein erniedrigtes, ein geknechtetes Wesen ist. Das ist Marx. Ich hätte nur gerne die Mutter Erde mit drin, die ist ja wichtig.

Teresa: Wenn Witzenhausen arbeitet…

Wann habt ihr das letzte Mal geweint und warum?

Teresa: Vor einer Woche, da ist einfach alles schiefgelaufen: Mein Auto ist kaputtgegangen, das hat sehr, sehr viel Geld gekostet. Dann war’s repariert und ich wollte nach Hause fahren, dann war die Autobahn gesperrt. Da bin ich auf einen Rastplatz gefahren und habe erstmal geweint.

Jan: Ein Bekannter von mir sollte abgeschoben werden, da war ich natürlich sehr traurig!

 

Welche Eigenschaft hattet ihr schon als Kind, die ihr heute noch habt?

Teresa: Jan ist schon immer ein Naturbursche, der große Entdecker, der gerne auf Entdeckungsreise geht und immer witzige Dinge findet. Er ist ein Sturkopf und Entscheidungen fallen ihm schwer.

Jan: Teresa ist flippig, kreativ, unglaublich chaotisch und sehr sozial!

 

Wann seid zu streng mit euch?

Jan: Quasi immer, weil ich sehr perfektionistisch bin.

Teresa: Ich bin ein wenig zu streng mit mir, was die Zeit mit meinen lieben Menschen um mich herum betrifft. Ich habe immer das Gefühl ich müsste noch mehr Zeit mit diesen Menschen verbringen, kann ich aber nicht. Sozialer Stress, den wahrscheinlich jeder hat.

 

Was wollt ihr im Leben unbedingt noch machen?

Jan: Mit einem Floß den Mississippi runterfahren.

Teresa: Einen Pilotenschein für einen Leichtflieger.

 

Was habt ihr für einen Ansporn an euch selbst?

Teresa: Selbstverwirklichung zum Beispiel mit unserer Ackerwinde, dass das funktioniert. Wie jetzt mit der Ackerwinde möchte ich eine Aufgabe im Leben haben die sinnvoll ist und bei der ich auch die Menschen und Umwelt nicht vergesse.

Jan: Ich möchte auch ein Stück weit die Welt verändern, aber dabei möglichst auch ein bisschen Spaß haben (lacht).

 

Wenn ihr mit jemanden tauschen könntet, wer wäre das?

Jan: Kim Jong Un. Weil er eine sehr polarisierende Person ist und ich gerne wüsste, wie viel Kalkül hinter allem steckt.

Teresa: Mit einem Ureinwohner, der noch nie die Zivilisation gesehen hat.

 

Wie reist ihr am liebsten?

Jan: Mit dem Zug, weil da kann man sich die Beine vertreten kann.

Teresa: Ich lieber mit dem Auto, weil ich dann unabhängig bin und an jeder Abfahrt abfahren kann, die mich interessiert oder schön ist.

 

Habt ihr Rituale oder Ticks?

Teresa: Das wichtigste Ritual ist morgens der Kaffee, sonst kann der Tag schon nichts werden. Und ein Tick von mir ist, dass ich ständig in meinen Haaren rumspiele.

Jan: Ich versuche öfter mal etwas zu machen, was keinen nachvollziehbaren Sinn hat. Einfach mal einen Stein von links nach rechts zu drehen, aber ich habe das Gefühl, dass das befreiend ist.

 

Wie beginnt und endet der perfekte Tag für euch?

Teresa: Beginnt mit richtig guter Musik, zu der man schon morgens tanzen will und endet mit einer Sternennacht, in der ich draußen schlafen darf, weil’s schön warm ist.

Jan: Ich würde sagen ausgiebiges Frühstück und endet bei einem guten Wein und einer lauen Sommernacht auf der Terrasse.

 

Welche Emojis benutzt ihr am häufigsten?

Jan: Den Zwinker-Emoji.

Teresa: Den lächelnden und das Kleeblatt.

 

Was macht ihr als Nächstes nach unserem Treffen?

Teresa: Wir treffen uns gleich noch mit zwei Studenten hier aus der Uni Witzenhausen. Die eine wird vielleicht eine Bachelor-Arbeit über unsere Ackerwinde schreiben und den anderen haben wir ein bisschen angeheuert uns beim Marketing zu unterstützen.