Parkour: Der Sport kennt keine Hindernisse


Gewagte Sprünge, elegante Überschläge und rasante Rollen – was bei den sogenannten Traceuren so spielend leicht aussieht, erfordert viel Übung, Willenskraft und auch Mut.  Auf den Straßen und Plätzen Kassels sind die sportbegeisterten Jungs von More Than Movement unterwegs und haben auch uns mit ihren Videos fasziniert. Der BRAUSER hat von vier der sympathischen Jungs mehr über Parkour erfahren.

Wer braucht schon Gehwege, um in der Stadt zum Ziel zu kommen? Die Jungs von More Than Movement nicht. Sie klettern, sie springen und wagen sich an Orte, an die Laien sich nicht trauen würden.

Lukas Bertram Foto: Privat

„Niemand kann uns vorschreiben, was wir zu tun und zu lassen haben. Wir sind frei in unserer Kreativität“, erzählt uns der 21-jährige Lukas Bertram, der schon seit siebeneinhalb Jahren begeistert Parkour macht. „Außerdem gibt es immer wieder neue Herausforderungen zu meistern“, ergänzt der Schüler Jan Reinbold. Parkour – das heißt, seine eigenen Fähigkeiten einzuschätzen, aber auch mal über seine Grenzen zu gehen und seine Angst zu überwinden.

Für Jeden geeignet

Was für Laien wie Parkour aussieht, ist es aber oft gar nicht. Im Parkour steht das Ziel im Vordergrund, möglichst effizient von einem Punkt A zu einem Punkt B zu kommen und dabei Hindernisse mit Sprüngen und anderen Bewegungen zu überwinden. Es geht darum, möglichst schnell zu sein und keine Hilfsmittel zu benutzen.

Freerunning ähnelt Parkour zwar, beschreibt aber das freie Laufen an einem sogenannten Spot. Auch hier gibt es Routen und einen Punkt A und B, aber die Bewegungen sind viel eher ineffizient, zum Beispiel kunstvolle Saltos.

Mirco Rahmfeld
Foto: Privat

Lukas bringt es ganz gut auf den Punkt: „Ein sehr schöner und verständlicher Vergleich ist der von Parkour als Werkzeug und Freerunning als Spielzeug.“ Parkour ist eigentlich für jeden geeignet.

„Man sollte nicht zwischen alt und jung  differenzieren“, meint Mirco Rahmfeld, der eine Ausbildung zum Erzieher macht. „Klar kann nicht jeder 100 Meter weit springen, aber darum geht es beim Parkour auch gar nicht.“ Der 21-jährige Etienne pflichtet ihm bei. „Niemand kann sagen: das ist Parkour und das nicht. Freie Bewegung ist Parkour.“

Selbsteinschätzung ist entscheidend

Eine gewisse Grunddisziplin und Geduld sollte man mitbringen, wenn man mit Parkour anfangen möchte. Immerhin klappt nicht jede Bewegung gleich so, wie man es sich vielleicht vorstellt. Ob jung oder alt, die Motivation ist entscheidend. „Jeder kann diese Sportart lernen“, erklärt Lukas.

Der Student selbst macht am liebsten alle Roll- und Backflipbewegungen. „Gerade am Anfang sollte man aber darauf achten, sich selbst nicht zu überschätzen. Angst ist keine Schwäche, eher ein Hinweis, dass du vielleicht ein zweites Mal überlegen sollst, ob du diesen Sprung wirklich kannst.“ Wenn man diese Frage mit „Ja“ beantwortet, dann sollte man ihn auch springen. Lautet die Antwort „Nein“ oder „Vielleicht“, dann sollte man seine Angst auch nicht bekämpfen.

Es hat mich schon früher immer gereizt, überall drauf zu klettern und über Hindernisse zu springen. Ich liebe es einfach, immer wieder neue Grenzen zu überwinden und meinen Körper bei allem, was ich tue, bewusst kontrollieren zu können. Jan Reinbold Foto: Privat

„Die richtige Selbsteinschätzung ist auch das schwierigste beim Parkour“, ergänzt Etienne, der vor acht Jahren mit demSport angefangen hat. Jan lenkt das Augenmerk auch auf eine gute Körperbeherrschung,  die man als sogenannter Traceur haben sollte.

Grenzen überwinden

Am liebsten trainiert Mirco draußen auf dem Campus der Uni Kassel.  „Es hat mich schon früher immer gereizt, überall darauf zu klettern und über Hindernisse zu springen. Ich liebe es einfach, immer wieder neue Grenzen zu überwinden und meinen Körper bei allem, was ich tue, bewusst kontrollieren zu können“, erzählt er uns begeistert.

Beim Parkour ist es sehr wichtig, immer dran zu bleiben und nie aufzugeben, auch wenn es gerade mal keinen Spaß macht, wie Jan uns erklärt. „Jeder, der anfängt, braucht erst Mal ein bisschen Zeit und Übung.“ Mirco stimmt ihm zu. „Bleib dir selbst immer treu und auch in Zeiten, wo es mal nicht so gut läuft, sollte man immer am Ball bleiben.“ Das Schöne am Parkour ist, dass man nie alles können kann. „Man ist deswegen nie am Ziel und hört nie auf, etwas Neues zu lernen“, ergänzt Etienne.

Parkour als Lebenseinstellung

Für die Jungs ist Parkour mehr als nur ein Sport. Vielmehr ist es eine Lebenseinstellung, verrät uns Jan. Indem man Hindernisse im Training überwindet, lernt man, auch Hindernisse im Alltag mit Selbstbewusstsein und mehr Sicherheit zu meistern.

Abgesehen vom gemeinsamen Training gehen die Jungs von More Than Movement auch gerne auf Events, die sich Jam nennen. Dort hat man die Möglichkeit, neue Leute zu treffen und gemeinsam zu trainieren. „Es ist eine unglaublich offene und coole Community“, schwärmt Lukas. „Man bekommt neue Inspirationen für Bewegungen, tauscht sich über alles Mögliche aus und lernt auch neue Spots kennen. In Kassel findet auch jedes Jahr Ende April / Anfang Mai die „Hello Summer Jam“ statt, die wir mit dem Rest von Parkour Kassel zusammen organisieren.“

Ihre Leidenschaft fürs Reisen teilen auch alle Jungs. Mirco würde am liebsten auf einer einsamen Insel mit seinen Besten alt werden, während Lukas davon träumt, die Welt zu bereisen und sich mit seinen Sportarten auf der Straße zu finanzieren. Am besten entspannen kann der sportbegeisterte Jan im Urlaub. Und wie Jan träumt auch Etienne davon, die Welt zu bereisen und überall zu trainieren.

Auf der Straße

Anfängern rät Lukas, sich zuerst in einer Halle unter der Anleitung eines Trainers an die ersten Grundbewegungen zu wagen und sie zu verinnerlichen. „Aber Parkour ist nun mal auf der Straße entstanden und gehört dort auch hin. Deswegen sollte man auch früh anfangen, regelmäßig draußen zu trainieren.“

Etienne Prison Foto: Privat

Die obligatorischen blauen Flecken und Kratzer gehören einfach dazu. Eine spezielle Ausstattung braucht man für Parkour nicht, bequeme Kleidung reicht. „Man braucht weder Geld, noch besondere Ausrüstung und man kann es fast überall machen“, meint Etienne. „Theoretisch könnte man es sogar nackt machen.“ Parkour verbindet vieles miteinander – neue Freunde, Spaß an Bewegung und mehr Selbstvertrauen. Also einfach mal ausprobieren, wer weiß, vielleicht rennt und springt auch ihr bald mit den Jungs durch die Stadt.

Die Hello-Summer-Jam Kassel als die Parkours-Veranstaltung Nordhessens schlechthin findet vom 27. bis 29. April statt und geht in die 8. Runde. Teilnehmer aus ganz Deutschland werden erwartet. Rund um die Freestyle-Halle am Franzgraben 58 und auch Open-Air wird jede Menge Action geboten.

Ihr seid neugierig geworden?

Dann folgt den Jungs doch einfach mal.
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