Mach dich auf’n Acker: Selbstversorgung liegt im Trend

Im Grau der Stadt meldet sich oft die Sehnsucht nach etwas Grünem, nach frischem Obst und Gemüse oder auch einfach nur einem Rückzugsort. Da Wohnungen häufig nicht den Platz bieten, gibt es in Kassel zahlreiche Möglichkeiten, der Natur ein Stück näher zu kommen. Ob Kleingarten, Parzelle oder Gemeinschaftsgarten – ein bisschen Selbstversorger kann jeder sein.

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Gemüse aus dem Selbstanbau schmeckt meistens sogar noch besser, als aus dem Supermarkt.

 

 

Mehr als nur ein Garten

Wie in einer kleinen Oase reiht sich ein Kleingarten an den nächsten, die Bäume erstrahlen in einem kräftigen Grün, die bunten Blumen duften nach Frühling und an den Sträuchern glänzen pralle Früchte. Für viele Stadtmenschen bietet der Kleingarten oder Schrebergarten einen Rückzugsort, an dem sie dem ganzen Trubel und Stress der Stadt und der Hektik des Alltags entfliehen können. Würden nicht am Horizont die Häuser in den Himmel ragen, könnte man glatt meinen, man hätte die Stadt ganz hinter sich gelassen. Heutzutage ist bewusst leben im Trend; gesund, regional und ökologisch soll es sein. Deswegen entscheiden sich gerade viele junge Familien oder Einzelpersonen für einen Kleingarten, wenn die eigene Wohnung oder das Haus nicht genug Grünfläche bietet. Selbst angebautes Obst und Gemüse sind nur ein erfreulicher Nebeneffekt des Gartens, daneben ist es für Kinder eine gute Möglichkeit, die Natur und die Entwicklung von Pflanzen kennenzulernen. Aber auch soziale Kontakte lassen sich im Kleingarten schnell knüpfen und sogar die Familie wächst durch eine gemeinsame Betätigung enger zusammen. Der Kleingarten bietet beste Möglichkeiten zur Selbstversorgung, immerhin kann man von Obstbäumen bis hin zum kleinen Kräutergarten alles anbauen.

 

Kleine Felder in der Stadt

Wer sich nicht um einen ganzen Garten kümmern, aber dennoch in den Genuss von selbst angebautem Obst und Gemüse kommen möchte, für den gibt es in Kassel zahlreiche Selbsterntefelder, unter anderem an der Wiener Straße oder den Waldauer Wiesen. Die einzelnen Parzellen werden vom Verpächter bepflanzt und dann an deren Pächter übergeben, meist Mitte Mai. Oft besteht sogar die Möglichkeit, zusätzlich eigenes Saatgut zu verwenden, solange es den ökologischen Anforderungen entspricht. Die Pächter kümmern sich den Rest der Saison um die Parzelle, jäten Unkraut, bewässern die Pflanzen und ernten ihr Obst und Gemüse. Am Ende der Saison werden die Parzellen wieder dem Verpächter übergeben. Gerade für Menschen mit etwas weniger Zeit ist eine Parzelle eine gute Möglichkeit, um an regionales ökologisches Obst und Gemüse zu gelangen. Dennoch sollte man sich vorher gut überlegen, ob man bereit ist, sich regelmäßig für ein paar Stunden pro Woche um das kleine Stück Land zu kümmern.

 

Starke Nachbarschaft

Vor allem die Gemeinschaft steht bei zahlreichen Gartenprojekten in Kassel im Vordergrund. Ungenutzte Flächen werden gepachtet und in kleine grüne Inseln verwandelt. Nicht nur kleine Beete oder Zierpflanzen bevölkern die Grünflächen, auch Insektenhotels oder Wurmkisten gibt es zum Teil zu bewundern. Die Nachbarn tragen gemeinsam mit ihrem Garten zu einer schönen Stadt bei und stärken dabei selbst ihre Bindung zueinander. In interkulturellen Gärten kommen Menschen aus allen Kulturen zusammen und lernen sich bei gemeinsamen Aktivitäten kennen und auch Kinder treten in Kontakt mit der Natur. Viele Gärten in ganz Kassel freuen sich über jegliches Engagement, so können gerade Leute helfen, die sich nicht um einen ganzen Garten oder eine Parzelle kümmern wollen und gerne andere Naturliebhaber in ihrer Stadt kennenlernen wollen. Bei ihnen steht nicht der Ertrag im Vordergrund, sondern vielmehr das Gärtnern an sich. Wo in deiner Nähe ein Gemeinschaftsgarten ist, kannst du im Infokasten erfahren.

 

Nie wieder Supermarkt

Komplett auf eingekaufte Lebensmittel verzichten, das wird für die meisten wohl nur eine Utopie bleiben. Viel Arbeitskraft ist dafür nötig, viel Wissen, viel Geduld und natürlich auch Geld. Im kleinen Rahmen liefern kleine Gärten, Parzellen oder sogar Balkongärten aber genug, um Einzelpersonen zumindest mit einem Teil der benötigten Lebensmittel zu versorgen. Exotische Früchte, verarbeitete Produkte wie Nudeln oder Öle und Mehl wird man aber nach wie vor kaufen müssen. Selbst angebautes Gemüse und Obst ist zwar nur ein kleiner Schritt, aber allein das Gefühl, etwas mit seinen Händen geschaffen zu haben, ist unbezahlbar. Und es schmeckt sogar noch viel besser.

 

Bei Interesse an einem Kleingarten kannst du dich entweder an die Stadt Kassel, den Stadt- und Kreisverband Kassel der Kleingärtner e.V. oder direkt an die jeweiligen Vereine in deiner Nähe wenden:

 

Ansprechpartner der Stadt Kassel:

Herr Matthias Sattmann
Telefon: 0561 / 787-2044
E-Mail: liegenschaftsamt@kassel.de

Frau Martina Sprick
Telefon: 0561 / 787-2049
E-Mail: liegenschaftsamt@kassel.de

 

Stadt- Kreisverband Kassel der Kleingärtner e.V.
Frankfurter Straße 120 a
34121 Kassel
Tel. 0561-27321
E-Mail: SKV.Kassel@t-online.de.

Freie Parzellen sind nur noch vereinzelt im Mai verfügbar. Informieren kannst du dich bei folgenden Ansprechpartnern:

Kassel Waldauer Wiesen
Katharina Mittelstraß
Tel: 05674 925 820

Kassel Wiener Straße
Kai Gebler
Wiener.selbsternte@web.de

Thomas Mauer
mauer@uni-kassel.de

Kassel Todenhäuserstraße
Ulrike Kulbarsch
Tel: (0561) 70 15 82 3
selbsterntefeld-kidimo@web.de

 

Eine Auflistung der Gemeinschaftsgärten in Kassel findest du HIER. 

 

Wir haben mit einigen Kasselern gesprochen, die sich in Vereinen zu der Thematik  engagieren, die selbst Nahrung im Garten anbauen oder die Selbsterntefelder nutzen. HIER geht es zu den Interviews. 

 

HIER geht es zu Selbstversorgungstipps auf dem Balkon.