Zeig mal Respekt, Alter: Tugenden, Werte und Normen

Tugenden, Werte und Normen sind alle veraltet und langweilig? Stimmt nicht. Auch heute noch gibt es universale Werte, die für alle Menschen von großer Bedeutung sind und die man sich zu Herzen nehmen sollte. Der BRAUSER hat sich fünf Werte genauer angeschaut und sprach mit einem Präventionstrainer, der Vorsitzenden vom Respekt e.V., einem Tanzlehrer und einer Kniggetrainerin.

„Über den Umgang mit Menschen“ ist das bekannteste Werk des deutschen Schriftstellers Adolph Freiherr Knigge (1752–1796). Foto: Archiv

Respekt

Respekt heißt, sich der Autorität einer anderen Person zu unterwerfen? Von wegen. Es bedeutet Achtung, die Anerkennung eines Menschen als Menschen mit eigenen Rechten, Sichtweisen, Wertvorstellungen. Ohne Respekt würde ein friedliches Zusammenleben in der Gesellschaft gar nicht möglich sein. Respekt fängt schon bei ganz kleinen Dingen an. In der Bahn aufstehen und einer älteren Person den Platz anbieten zum Beispiel. Einer Person im Streit zuzuhören und ihre Sichtweise zu verstehen anstelle von lautstarken Anschuldigungen oder gar Beleidigungen. Problematisch erscheint Respekt bei Meinungen, die so ganz mit der eigenen Ansicht auseinandergehen. Aber auch da gilt, dass man die Meinung des anderen nicht teilen muss, um sie zu respektieren. Anstatt also den Türsteher anzupöbeln, sollte man sich mal zurücknehmen und sich fragen: Wie würde ich mich fühlen, wenn jemand mir mit so wenig Respekt begegnet?

Höflichkeit

Immer schön „Danke“ und „Bitte“ sagen und der netten Tante „Guten Tag“ sagen – Höflichkeit wird schon seit Kindesbeinen von den Eltern gepredigt. Und dennoch, viele Menschen haben das Gefühl, dass Höflichkeit immer mehr an Bedeutung verliert. Dass es nicht nötig ist, die Kassiererin anzulächeln und ihr einen schönen Tag zu wünschen. Fremden Menschen auf der Straße „Guten Tag“ zu wünschen, erscheint den meisten Menschen als komplett verrückt. Und vom Gegrüßten kommt meistens nur Misstrauen oder ein schiefer Blick zurück. Der möchte doch was von mir, mir etwas verkaufen oder andrehen oder mich an der Nase herumführen. Es ist schade, denn Höflichkeit trägt viel zur eigenen Stimmung bei. Wer den Nachbarn anlächelt und ein Lächeln zurückbekommt, der fühlt sich gleich viel besser. Und natürlich fördert Höflichkeit auch das Miteinander, lässt Sympathien entstehen und vertreibt Frust.

Pünktlichkeit

Wieso ist Pünktlichkeit so wichtig? Pünktlichkeit hat viel mit Höflichkeit und Respekt zu tun. Der Wartende wird als unwichtig abgestempelt, als wäre er es nicht wert, pünktlich da zu sein. Auch wenn das vielleicht gar nicht der Grund des Verspäteten ist, für den Wartenden erscheint es wie eine Art Zurückweisung. Natürlich gibt es auch gute Gründe für Verspätungen, aber selbst bei solchen Ereignissen ist es meistens möglich, der wartenden Person kurz Bescheid zu geben. Gewissermaßen impliziert Unpünktlichkeit nämlich immer nicht nur Unzuverlässigkeit sondern auch eine gewisse Art von Respektlosigkeit oder gar eine Forderung von besonderer Aufmerksamkeit.

Sauberkeit

Nicht nur rein aus gesundheitlichen Gründen ist Sauberkeit eine wichtige Tugend. Auch aus Respekt anderen gegenüber lohnt es sich, keinen Schmutz zu hinterlassen. Man muss sich nur mal vorstellen, wie die Stadt aussehen würde, wenn jeder seinen Müll an Ort und Stelle auf den Boden werfen würde. Oder wie es riechen würde. Aber auch wenn man Besuch empfängt, ist eine saubere Wohnung ein Zeichen dafür, dass man die Bedürfnisse des Besuchers respektiert. Ganz zu schweigen, dass Sauberkeit zu einer besseren Organisation und damit zu einer besseren Lebensqualität führt. Nur zu streng sollte man es nicht nehmen, ein bisschen kreatives Chaos muss auch mal sein.

Gerechtigkeit

Einen Sinn für Gerechtigkeit hat bereits jeder sein Leben lang. Bei manchen Menschen ist er stärker ausgeprägt, bei anderen weniger, aber es ist eine Tatsache, dass faires gerechtes Verhalten für beide Seiten Vorteile bietet. Auch langfristig werden Bindungen geschaffen, die auf gegenseitiger Unterstützung beruhen. Wieso Gerechtigkeit so wichtig ist, ist unbestritten. Immerhin hat jeder Mensch das gleiche Recht auf ein würdiges Leben. Auch wenn man als Einzelner nicht alle Ungerechtigkeit aus der Welt verbannen kann, mit den kleinen Dingen fängt es an. Seine Stimme erheben, wenn jemand angepöbelt wird. Sein Mittagessen mit dem Kollegen teilen, der seines vergessen hat. Als Richtlinie kann man immer die Faustregel nehmen, andere so fair zu behandeln, wie man selbst auch behandelt werden will.

Werte

Werte sind moralisch gute Eigenschaften von Objekten, Ideen, Idealen, Handlungen, Sachverhalten aber auch Charaktereigenschaften. Anders als Tugenden bieten sie etwas mehr Handlungsspielraum in der Umsetzung. Werte können zum Beispiel Familie, Nachhaltigkeit oder Demokratie sein. Normen wandeln Werte in Handlungsanweisungen um. Beispiel: Das Eigentum anderer zu respektieren ist ein Wert. Die Handlungsanweisung, also Norm, daraus abgeleitet lautet: Du sollst nicht stehlen.

Tugend

Als Tugend bezeichnet man eine Reihe von als erstrebenswert geltenden Charaktereigenschaften. Das Wort leitet sich von den Wörtern „Tauglichkeit“ und „Tüchtigkeit“ ab und enthält somit eine Wertung über die Eignung eines Menschen. Tugenden können Eigenschaften wie Höflichkeit, Pünktlichkeit aber auch Bescheidenheit sein.

 

Hier geht es zu Interviews mit einer Business Knigge Trainerin, mit einem Inhaber einer Tanzschule, mit der Vorsitzenden des Kasseler Vereins Respekt e.V. und mit einem Geschäftsführer einer Sicherheitsfirma.

 

Büchertipps:

Ermutigung zum unzeitgemäßen Leben: Ein kleines Brevier der Tugenden und Werte 
Wie ein Kompass für ein gutes Leben ausgerichtet beleuchtet der Autor die noch heutzutage wichtigen Tugenden zur Orientierung und erforscht deren Bedeutung. Von Höflichkeit bis Liebe – dieses elegant geschriebene Buch des berühmten französischen Philosophen gibt Auskunft.
André Comte-Sponville • Rowohlt Verlag
416 Seiten • 9,99 Euro

 

Tugenden: Kraftquellen für einen starken Charakter 
Was soll ich tun, was sollte ich lieber lassen? In einer Welt, die immer komplexer wird und sich immer schneller verändert, werden diese Fragen immer schwieriger zu beantworten. Wir brauchen ethische Schlüsselkompetenzen, die Tugenden erleben einen Aufschwung. Locker und humorvoll, aber mit Tiefgang stellt Steffen Tiemann sie vor.
Steffen Tiemann • Brunnen Verlag
160 Seiten • 9,99 Euro

 

Tugenden: Was sie wert sind – warum wir sie brauchen
Er ist heute gegenwärtig: der Ruf nach mehr Disziplin, nach Werten und nach mehr Moral. Das Gefühl, keinen Halt zu haben und überfordert zu sein von einer komplexen Welt, die unendliche Optionen bietet, ist zu einer Zeitkrankheit geworden. William J. Hoye stellt die antiken Tugenden als Weg vor.
William J. Hoye • Matthias Grünewald Verlag
136 Seiten • 14,90 Euro