Capoeira: Dialog der Körper

Sie gilt als Tanz der Sklaven Brasiliens. Doch hinter dieser außergewöhnlichen Kampfkunst steckt viel mehr: Akrobatik, Rhythmus und Körperbeherrschung sind bei Capoeira gefragt. Der BRAUSER traf zwei Schüler der Capoeira-Conquista-Gruppe aus Vellmar und fragte sie über ihre Leidenschaft zum Capoeira aus.

© Zsolnai_Gergely_Fotolia„Capoeira ist eine sportliche Kampfkunst, die den ganzen Körper trainiert“, erklärt uns der Capoeira-Schüler Kai. Der 19-Jährige übt seit ungefähr vier Jahren die brasilianische Kampfkunst aus. Der ebenfalls 19-jährige Kelechi ist seit fünf Jahren dabei. Für die beiden Abiturienten macht die Vielseitigkeit der Sportart den besonderen Reiz aus.

„Durch die vielen verschiedenen Bewegungen, die man im Alltäglichen nicht macht, lernt man seinen Körper neu kennen“, schwärmt Kelechi. „Die Einzigartigkeit dieser Sportart macht es jedes Mal zu einem einzigartigen Erlebnis, zum Training zu gehen und etwas Neues zu lernen“, ergänzt Kai.

Tanz, Kampf und Akrobatik

Taktgefühl, Kraft und Körperbeherrschung werden in den drei Bereichen  gefordert, die Capoeira vereint: Tanz, Kampf und Akrobatik. Die Vielseitigkeit der Bewegungen zeichnet sich durch Bodenakrobatik, Luftakrobatik und Bewegungssequenzen mit dem Partner aus. „Man kann immer Neues dazulernen und immer besser werden, sodass es nicht langweilig werden kann“, erzählt Kelechi.

Capoeira ist allerdings nicht mit Tanzen an sich oder einer Kampfsportart allein zu verwechseln. „Es ist kein reiner Tanz und kein Kampfsport“, bekräftigt Kai. „Es ist ein Spiel zwischen zwei Personen, wobei Capoeira als Tanz getarnte Kampfkunst durchaus zur Selbstverteidigung dienen kann.“

Neben den vielen verschiedenen Bewegungen ist auch die Musik ein wichtiger Teil der Kampfkunst. Mit Instrumenten, die jeder Teilnehmer lernen kann, wird das Spiel mit brasilianischer Capoeira-Musik auf portugiesisch begleitet.

Doch nicht jeder bringt von vorneherein Fähigkeiten mit, die für Capoeira benötigt werden. Das ist allerdings auch nicht wichtig. Alle Fähigkeiten können mit der Zeit erlernt werden. „Ich persönlich bin relativ gut in Akrobatik, habe aber in Musik null Taktgefühl und habe trotzdem unglaublich viel Spaß dabei“, verrät der sportvernarrte Kai. „Andere Gruppenmitglieder sind hingegen in anderen Teilbereichen besser, sodass jeder seinen Schwerpunkt setzen und seine Schwächen kompensieren kann.“

Das miteinander steht an erster Stelle

Dass Capoeira eine Kampfkunst und keine Kampfsportart ist, macht einen bedeutenden Unterschied. Es gibt keine Wettkämpfe und grundsätzlich gilt das Miteinander, anstatt das Gegeneinander.

Bei dem sogenannten „Spiel“ wird eine große Roda (Kreis) gebildet und die Instrumente werden an der Seite in einer vorgegebenen  Aufstellung gespielt. Zwei Spieler zeigen dann im Inneren des Kreises ihre trainierten Bewegungen. „Es kommt auch vor, dass ein Spieler durch gute Reaktion den anderen Spieler zu Boden bringt, ohne ihn schwer zu verletzen“, schildert Kelechi. Ernsthafte Verletzungen gibt es in der Regel aber nicht.

 

Bei der brasilianischen Kampfkunst geht es nicht ums Bessersein, sondern viel eher darum, gemeinsam voranzukommen. „Wie in einer großen Familie hilft man sich gegenseitig bei schwierigen Bewegungen oder trinkt mal nach dem Training was zusammen“, fügt Kai hinzu.

Das Herz schlägt für Capoeira

Wie auch bei anderen Sportarten gibt es verschiedene Grade in Form von Kordeln, die den Rang symbolisieren. Kai besitzt die blaue Kordel, den dritten Rang, und Kelechi die grün-gelbe, den vierten Rang.

Name: Kelechi Heil Capoeira-Spitzname: Macaquinho Geburtstag: 18. Dezember 1998 Hobbys: Zeit mit Freunden verbringen Foto: Privat

 

Hat man die erste Kordel geschafft, bekommt man seinen eigenen Capoeira-Namen. „Dieser ist portugiesisch und meist ein Gegenstand oder Tier, welches den Schüler gut beschreibt“, erklärt Kelechi. Sein Spitzname lautet „Macaquinho“ und bedeutet „Äffchen“. „Ganz offenbar wegen meines Aussehens, aber auch weil ich wie ein Äffchen durch die Lüfte fliege“, klärt Kelechi lachend auf. Kai wurde nach dem Roadrunner von Speedy Gonzales benannt, Papa-legua.

Name: Kai Mentel Capoeira-Spitzname: Papa-legua Geburtstag: 16. Dezember 1998 Hobbys: Wakeboard und Downhill Foto: Privat

 

 

Wenn die beiden Abiturienten nicht gerade zweimal die Woche trainieren, hilft Kelechi nebenbei noch im Kinderunterricht für Capoeira mit. Kai fährt in seiner Freizeit gerne Downhill und Wakeboard „für einen extra Actionkick nebenher, doch zieht mich Capoeira immer wieder zurück in seinen Bann.“

Auch in ihre Zukunftspläne ist Capoeria miteinbezogen. Kais Traum ist es, nach Brasilien zu reisen und die Anfänge des Capoeiras bei den dortigen Meistern zu ergründen. Kelechi würde eines Tages gerne selbst eine Capoeira Gruppe machen, wenn es die Zeit zulässt. „Ich will mein Leben lang Capoeira machen, soviel steht fest.“

Geschichtliches:
Capoeira wurde von den verschifften Sklaven aus Afrika in Brasilien entwickelt. Mit dieser Kampfkunst getarnt als Tanz verteidigten sich die Sklaven gegen die portugiesischen Unterdrücker.

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