Kind oder kein Kind?

Will ich oder will ich nicht? Die Entscheidung, ein Kind zu bekommen oder sich eben bewusst dagegen zu entscheiden, fällt heutzutage in sehr unterschiedlichen Lebensphasen. Der BRAUSER sprach mit vier jungen Frauen über deren individuelle Entscheidungen. Dazu gibt es noch ein Interview mit einer Frauenärztin und mit „pro familia“.

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Respekt

„Und, wann willst du denn eigentlich Kinder bekommen?“ Wieso haben Freunde, Familie oder auch weitläufige Bekannte das Bedürfnis, spätestens bei Frauen ab dem 30. Lebensjahr diese absolut indiskrete Frage zu stellen? Die (Beweg-)Gründe können so vielfältig sein. Der fehlende Partner, Angst vor der Verantwortung für ein kleines Lebewesen, Angst vor Benachteiligung im Job, Verlust der Autonomie in einer Partnerschaft oder in manchen Fällen auch medizinische Gründe. Gerade bei Letzterem ist das Fettnäpfchen für den Fragesteller und die seelische Belastung für die Betroffenen riesig. Mit diesen Beispielen im Kopf verkneift sich der ein oder andere beim nächsten Mal hoffentlich die Frage.

 

Der richtige Zeitpunkt

Leben ist das, was passiert, während du dabei bist, andere Pläne zu schmieden. Oder um es kurz zu sagen: den richtigen Zeitpunkt für ein Kind gibt es wohl nie! Erst Ausbildung oder Studium, Karriere und nicht zuletzt der richtige Partner spielen dabei eine Rolle. Unsere Gesellschaft und die Umstände machen es gerade Frauen zwischen Anfang Zwanzig und Mitte Dreißig wahnsinnig schwer, eine Entscheidung zu fällen, ob ein Kind gerade ins Leben passt. Einer Studie der „Stiftung für Zukunftsfragen“ zufolge liegt Deutschland bei der Geburtenrate im EU-Vergleich auf Platz 17 und damit deutlich hinter Ländern wie Frankreich, Schweden oder Großbritannien. Noch weniger Kinder bekommen Frauen in den eher katholischen Ländern Italien, Spanien oder auch Polen. Bei den Gründen gegen Nachwuchs führen die Bundesbürger vor allem die hohe finanzielle Belastung, die Aufgabe der eigenen Freiheit und die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie an.

 

Ich will ein Kind!

Doch sind das wirklich so starke Motive, um den Babywunsch immer weiter nach hinten zu schieben und frau – wenn es biologisch zu spät ist – sich fragt, wie es hätte werden können? Sollten wir nicht unserem Herzen folgen und darauf vertrauen, dass sich alles fügt? Spontane Kurztrips durch Europa und Party-Hopping am Wochenende sind nicht alles und erfüllen das Leben nicht auf Dauer. Mit einem Mal merkst du, Babys sind keine „nervtötenden Schreihälse, die nur Windeln vollpupen“ sondern „doch eigentlich ganz süß“. Die Sehnsucht nach einem Baby wächst. Die Gedanken kreisen mehr und mehr darum, wie es wäre, ein Kind zu haben, was man mit ihm erleben könnte, wie man es nennen würde. Warum dem also nicht nachgeben? Ein Kind zu zeugen ist etwas Schönes, um die Beziehung auf ein neues Level zu heben und zu festigen oder dem eigenen Leben Sinn und Inhalt zu geben. Der Wunsch, ein Familienleben zu haben, entsteht aber auch aus anderen Motiven. Entweder, weil man es aus seinem Elternhaus kennt oder weil man eben keine glückliche Kindheit hatte und es bei den eigenen Kindern besser machen möchte.

 

Ich will kein Kind!

In der Liebe stimmt alles. Fehlt nur noch ein Kind zum Glück. Oder doch nicht? Frauen, die keine Kinder haben wollen, gelten schnell als egoistisch und unnormal. Ist Mutterglück das Ziel jeder Frau? Kinderlosigkeit als bewusste Entscheidung führt dazu, dass Frauen immer wieder stigmatisiert werden und mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Warum werden Männer, die keine Kinder haben wollen, nicht ebenso von der Gesellschaft verurteilt? Es gibt ganz verschiedene Gründe, warum Paare ihr Leben ohne Kinder verbringen – und keiner hat das Recht diese zu erfahren oder zu hinterfragen. Fakt ist aber: Ab einem bestimmten Alter muss sich im Besonderen die Frau rechtfertigen, wenn man zwar einen Partner aber kein Kind hat. Aber warum ist das so? Womöglich, weil das Modell Familie mit exakt zwei Kindern als Ideal angesehen wird. Entscheidet sich ein Paar gegen Kinder, hat das etwas Rebellisches. „Erst Kinder geben dem Leben einen Sinn!“ oder „Dir geht es nur um Selbstverwirklichung!“ sind Sätze, die gegenüber Kinderlosen oft fallen. Dass Paare, die ein Kind nicht als Krönung der Liebe ansehen, stärker auf Unabhängigkeit und Freiheit bedacht sind, mag stimmen. In einer Partnerschaft braucht es etwas, das beiden wichtig ist. Kinder sind da nur eine Option.

 

Wenn Kinder Kinder kriegen

Dank gut aufgeklärten jungen Menschen, die ein ausgesprochen umsichtiges Verhütungsverhalten an den Tag legen, sinkt die Zahl von Teenagerschwangerschaften kontinuierlich. Laut Statistischem Bundesamt brachten im Jahr 2014 rund 12.100 Frauen vor ihrem 20. Geburtstag ein Kind zur Welt. Im Jahr 2006 lag die Zahl der Mütter im Teenager-Alter noch bei 18.400. Der Anteil der sehr jungen Mütter an allen Geburten ging von 2,7 auf 1,7 Prozent zurück. Auch Diplom-Sozialpädagogin Cornelia Krey von pro familia Kassel bestätigt diese Entwicklung. Die pädagogische Begleitung mit einem Babysimulator werden durch den Sozialdienst kath. Frauen e.V. oder den Arbeitskreis Gemeindenahe Gesundheitsversorgung (AKGG GmbH) an verschiedenen Schuleinrichtungen angeboten.

 

Das Recht auf Schwangerschaftsabbruch

Ob eine Frau eine ungewollte Schwangerschaft fortsetzen oder abbrechen lassen möchte, ist eine Entscheidung, die sie selbst trifft. Weder Partner, Familie, Ärzte und Ärztinnen oder staatliche Behörden dürfen die Entscheidung durch Druck, Einschüchterung, Bevormundung oder gar Strafdrohungen beeinflussen. Ein klares Statement dazu gab uns Pro Familia-Sozialpädagogin Cornelia Krey – zu lesen auf der nächsten Doppelseite unten rechts.

 

Fazit

Es gibt Frauen, die wollen einfach keine Kinder bekommen. Und das ist genauso legitim, wie eins, zwei, drei oder mehr Kinder in die Welt zu setzen. Kinder sind nicht der Schlüssel zum Glück – sondern, dass man mit seinem Leben und der Entscheidung im Reinen ist.

 

Extra Info

§ 219a Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft

Wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) seines Vermögensvorteils wegen oder in grob anstößiger Weise

1. eigene oder fremde Dienste zur Vornahme oder Förderung eines Schwangerschaftsabbruchs oder
2. Mittel, Gegenstände oder Verfahren, die zum Abbruch der Schwangerschaft geeignet sind,

unter Hinweis auf diese Eignung anbietet, ankündigt, anpreist oder Erklärungen solchen Inhalts bekanntgibt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

 

EXPERTINNEN IM INTERVIEW: DIE KASSELER FRAUENÄRZTIN NATASCHA NICKLAUS UND CORNELIA KREY VON PRO FAMILIA

 

WIR SPRACHEN MIT VIER FRAUEN AUS KASSEL ZUM THEMA „KIND ODER KEIN KIND“ – IHRE POSITIONEN FINDET IHR HIER!