Kind ja oder nein: Vier Frauen – Vier Positionen

 

Sophie Roscher, Unternehmerin bei SoKi, Kassel, 27 Jahre, schwanger

Ist euer Nachwuchs bewusst geplant oder glückliche Fügung?

Unser Nachwuchs war zwar nicht geplant, das Thema „gemeinsames Kind“ generell aber nicht fremd für uns. Wir haben uns beide sofort einfach nur riesig gefreut – es sollte eben einfach sein!

Was kam Dir als erstes in den Sinn, als Du von Deiner Schwangerschaft erfahren hast?

„Krass, wir bekommen ein Kind – juhu!“

Hast Du bereits Pläne gemacht, die Veränderung Deiner Arbeit betreffen?

Für meine Geschäftspartnerin Kira und mich ist es natürlich eine große Herausforderung, welche wir aber gern und mit viel Energie annehmen. Wir werden die Produktion unserer Winterkollektion erstmals in fremde Hände geben und außerdem jemanden einstellen, der besonders Kira in unserem Laden unterstützt.

Gibt es Sorgen und Ängste als schwangere Selbstständige?

Angst und Sorgen? Nö! Ich gehe absolut positiv an die Sache heran und könnte platzen vor Glück und Freude! Veränderungen begleiten einen doch das ganze Leben und es gibt immer einen guten Weg für alles! Das ist schon immer meine Einstellung. Außerdem weiß ich, dass ich mich auf Kira voll und ganz verlassen kann!

 

Eda Aleksic, Assistenz beim Fraunhofer IEE, Kassel und Inhaberin von „Lola’s Kitchen”, 30 Jahre, Mutter von Lana

Wolltest Du schon immer Mutter werden?

Ja, ich hatte immer den Wunsch Mutter zu werden. Als mein Mann und ich 2016 geheiratet haben, wurde der Wunsch größer. Und als ich dann schwanger wurde, war
das Glück perfekt.

Hat sich das Verhältnis zu Deinem Arbeitgeber verändert, seit Du Mutter bist?

Mein Arbeitgeber ist glücklicherweise sehr familienfreundlich. Da wir viele junge Mitarbeiter haben, gab es in den letzten Jahren einen regelrechten „Babyboom“. Das Verhältnis ist also nach wie vor sehr gut und ich fahre oft mit der Kleinen vorbei und besuche meine Kollegen.

Was hat sich an deinem Alltag verändert?

Einfach alles! Unsere Kleine ist vier Monate alt und seit ihrer Geburt gibt sie den Ton an. Eltern sein ist wunderschön, aber auch unheimlich fordernd. Die Nächte sind kurz und Müdigkeit wird dein ständiger Begleiter. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Organisation und Planung sind sehr wichtig, um mit Kind am „gewohnten Leben“ teilzunehmen, Freunde zu treffen, Essen zu gehen, Zweisamkeit mit dem Partner zu haben.

Wie hast Du dich mit deinem Partner bezüglich der Kinderbetreuung abgesprochen?

Da mein Ehemann beruflich stark eingebunden ist, war von vornherein klar, dass ich in Elternzeit gehen werde. Ich finde es sehr schön und genieße die Zeit in vollen Zügen.

Was ist so besonders am „Eltern sein“?

Eltern zu sein ändert alles! Die Art, wie man lebt, die Art, wie man denkt und vor allem die Art, wie man fühlt. Die Liebe zu seinem Kind ist nicht in Worte zu fassen. Viele Dinge, über die man sich früher Gedanken gemacht hat, verlieren an Bedeutung – Prioritäten verschieben sich.

 

Katharina*, Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte, 27 Jahre (*Name von der Redaktion geändert)

„Schon frühzeitig war ich mir ziemlich sicher, dass ich keine Kinder haben möchte. Ein Kind passt einfach nicht zu dem Leben, das ich führen will. Für mich steht meine Karriere an erster Stelle. Und da ich in einer sehr konservativen Branche tätig bin, in der die Mehrzahl der Männer der Meinung ist, Frauen gehören mit Kind zuhause an den Herd, würde eine berufliche Auszeit von einem Jahr und mehr meiner Karriere extrem schaden. Weiterhin wäre es so, dass ich in der Auszeit vom Job keine Altersvorsorge betreiben könnte. Ich will finanziell auch nicht von meinem Partner abhängig sein. Für mich persönlich ist die Bezahlung in Elternzeit in Deutschland immer noch ziemlich lausig geregelt.

Wenn Leute zu mir sagen ‘Du wirst deine Meinung schon noch ändern’ geht mir das zunehmend auf die Nerven. Mir würde es im Traum nicht einfallen, diesen Satz jemanden zu sagen, der Kinder haben will. Bei vielen Freunden, die bereits ein Kind haben, kann ich sehen, dass sie dieses zwar lieben, aber darüber sich selbst, als (Liebes-)Paar und auch ihre beruflichen Ziele aus dem Auge verlieren. Oft muss ich mir von meiner Familie und Freunden anhören, dass ich ‘herzlos’ sei und dass mir der ‘Mutterinstinkt’ fehle. Nur deshalb ein Kind zu bekommen, weil man dem Druck der Gesellschaft nicht mehr standhält, finde ich unglaublich egoistisch und ich finde, dass man es in dem Fall lieber sein lassen sollte.“

 

 

Lara*, Studentische Mitarbeiterin an der Uni, Kassel, 30 Jahre (*Name von der Redaktion geändert)

Wann fiel bei Dir bewusst die Entscheidung kein Kind zu wollen?

Ob es bewusst war, kann ich gar nicht sagen. Der Wunsch war nie so krass ausgeprägt, sodass ich keinen genauen Zeitpunkt festlegen kann.

Was sind die Gründe für diese Entscheidung?

Trotz der 30 habe ich gemerkt, dass ich in vielen Bereichen selber noch fast Kind bin. Nicht kindisch, sondern eher neugierig, neue Orte und Dinge zu erkunden. Mein Tagesablauf ist auch nicht unbedingt der Strukturierteste. Ein Kind würde all das umwerfen und dazu bin ich einfach nicht bereit. Ich genieße mein kleines gelebtes Chaos.

Gab es Zeiten, in denen Du dir ein Kind hättest vorstellen können?

Sicher, im Anfangsstadium einer Beziehung legt man sich ja schon Zukunftsvisionen zurecht und man denkt über Kinder nach. Wir, mein Partner und ich, ticken da aber zum Glück gleich und so ist es für uns einfach kein rele-vantes Thema. Wir sind da aber auch erwachsen genug zu sagen, wenns passiert, passiert es und wenn nicht, dann nicht.

Wie gehst du damit um, dass man sich als Frau erklären muss, wenn man keine Kinder hat?

Die Phase gab es eigentlich nur relativ kurz um die Hochzeit rum, als alle gefragt haben: „Müsst ihr?“. Im Alltag muss ich mich da eigentlich
nie rechtfertigen, in meinem Umfeld akzeptieren das alle.

 

Filmtipps

 

Juno
Der Film aus dem Jahr 2007 erzählt die Geschichte der 16-jährigen Juno MacGuff. Sie ist ein selbstbewusster und offenherziger Teenager, die eher auf Rock’n’Roll steht und Gitarre spielt, als sich die Zeit mit Shopping zu vertreiben. Ein typisch langweiliger Nachmittag endet sehr aufregend, als Juno beschließt, mit dem charmanten, unaufdringlichen Paulie Bleeker zu schlafen. Anstatt in Depressionen zu verfallen, beschließt sie, das Kind zur Adoption freizugeben und findet ein Paar, das per Zeitungsannonce ein Baby sucht.
Laufzeit: 92 Min.
FSK: 6
Studio: Twentieth Century Fox

 

Beim ersten Mal
Ben Stone ist ein verpeilter Faulenzer, der an einer Sex-Webseite arbeitet. Alison Scott macht als engagierter Medienprofi eine Karriere als TV-Reporterin, und wurde gerade befördert. Als sie ihre Beförderung gebührend feiert, hat sie einen One-Night-Stand mit Ben. Acht Wochen später stellt sie fest, dass sie schwanger ist. Mit viel gutem Willen versucht das ungleiche Paar, sich seinem noch ungeborenen Nachwuchs zuliebe zusammen zu raufen. Aber es scheint, als ob die Powerfrau und der Problembär einfach nicht zueinander passen…
Laufzeit: 124 Min.
FSK: 12
Studio: Universal Pictures Germany,

 

Vierzehn
Dieser einfühlsame Dokumentarfilm begleitet vier 14-jährige werdende Mütter durch ihre Schwangerschaft bis in den Kreißsaal. Fabienne, Steffi, Lisa und Laura sind ungewollt schwanger geworden und müssen die wichtigste Entscheidung ihres Lebens, eine Entscheidung über Leben oder Tod, mit vierzehn Jahren fällen. Die Eltern reagieren auf die Situation verschieden. Während Lisas Eltern sich auf das Baby freuen, machen Lauras Eltern klar, dass sie sich nicht noch einmal in Vollzeit um ein Baby kümmern möchten.
Laufzeit: 92 Min.
FSK: 12
Studio: farbfilm home entertainment

 

Wo dein Herz schlägt
Die 17-jährige hochschwangere Novalee Nation aus Tennessee hat keine Familie, keine Ausbildung, keinen Job. Während eines Kurzaufenthalts in einem WalMart in Sequoyah, Oklahoma macht sich ihr Freund und Vater des Babys aus dem Staub. Völlig auf sich allein gestellt und mit nur 5,55 Dollar in der Tasche lässt sie sich die nächsten Wochen jede Nacht unbemerkt in dem Supermarkt einschließen – bis die Wehen einsetzen. Der ungewöhnliche Geburtsort des Babys machen Mutter und Tochter Americus auf einen Schlag berühmt.
Laufzeit: 120 Min.
FSK: 6
Studio: Capelight Pictures

 

HIER GEHT ES ZUM TITELTHEMA „KIND ODER KEIN KIND“

 

HIER GEHT ES ZU DEN INTERVIEWS MIT EINER FRAUENÄRZTIN UND EINER DIPLOMPSYCHOLOGIN VON PRO FAMILIA