BRAUSER trifft Sascha Kleczka

Wer sucht der findet – und zwar die Bar drei/ in der Theaterstraße. Mittendrin der 26-jährige Tischlermeister Sascha Kleczka, der hinter der selbst entworfenen und gefertigten Bar Drinks mixt. Der BRAUSER ist sich sicher: Bei dem Produktdesign-Studenten gibt es keinen langweiligen Bar-Smalltalk, denn ihn umtreibt eine Menge mehr als Gemixtes und Gezimmertes.

Foto: Jens Thumser

 

Kaffee oder Tee?

Definitiv Kaffee!

 

Bier, Wein oder Schnaps?

Wein.

 

Steak oder Salat?

Salat.

 

In welcher Location trifft man Dich regelmäßig an?

In der Caricatura-Bar, wenn ihr etwas abends meint – sonst eigentlich an echt vielen Orten.

 

Disco, Club oder Couch?

Ich bin kein Couch-Typ, weil ich gerne und viel unterwegs bin. Ob es Bouldern, Radfahren oder mit Freunden Kochen ist. Disco ist für mich eher out, sonst – wenn ich nicht eh arbeite ­– eher mal gemütlich in einer Bar.

 

Was wird denn bei Dir gekocht?

Seit ich vor zwei Jahren in Indien und Nepal war, esse ich vorwiegend vegetarisch, auch wenn ich mich nicht als Vegetarier bezeichnen würde. Gewürze rücken bei mir eher in den Hintergrund, ich will auch das schmecken, was ich zubereitet habe. Oft dünste ich dann Gemüse oder bereite Suppen zu. Aber ich mag’s eigentlich lieber, wenn ich etwas Bissfestes habe. Ich esse wahnsinnig gerne Quesadillas!

 

Was hast Du in Indien und Nepal gemacht?

Ich bin mit meinem längsten Freund durch Indien nach Nepal gereist, eher durch die ärmeren Gebiete, viel mit dem Zug und abseits von Großstädten. In Nepal waren wir im Himalaya wandern und ich war zehn Tage in einem Schweigekloster, wo ich mich ganz mir hingeben konnte.

 

Wie fühlt man sich nach diesen zehn Tagen?

Ist schon ’ne Wahnsinns-Erfahrung! Klar sind da auch andere Leute, aber dem Kontakt geht man komplett aus dem Weg – sprich, du hast nicht mal Augenkontakt und redest mit niemandem. Die einzige Kommunikation, die du hast, ist mit deinem Mentor, der dich in der Meditation weiterbringt. Mit dem redest du abends. Bei der Meditation nach Buddha gibst du dich ganz der Natur und dir hin – eben dem, was es gibt und das machst du den ganzen Tag. Dabei versetzt man sich immer tiefer in sich selbst hinein. Wenn zum Beispiel eine Mücke auf deinem Arm landet, würde man für gewöhnlich nach ihr schlagen. Aber dort denkst du eher, dass die Mücke aus deinem Blut jetzt ganz viel Energie gewinnt und es dir ja eigentlich nicht schadet. Man wird einfach besonnener in dem, was man tut, und schärft seine Gedanken.

 

Fängt man an mit sich selbst zu reden?

Nur in Gedanken. Man redet eigentlich die ganze Zeit mit sich selbst und erinnert sich an Themen, die lange zurückliegen, die aber für einen selbst noch nicht geklärt sind. Bei mir zum Beispiel ein Streit mit meinem Bruder mit sieben Jahren.

 

Was war das Schönste, was Du je bereist hast?

Das Schönste war auf jeden Fall das Himalaya-Gebirge, neben Bergen in Neuseeland, die auch wunderschön sind! In Neuseeland bin ich einmal auf der südlichsten Insel gewandert und habe zehn Tage niemanden gesehen. Dort hab’ ich tolle und auch emotionale Erfahrungen gemacht. Wenn du an einen Strand mit gestrandeten Walen kommst und weißt, dass um dich herum keiner ist und nur du das sehen kannst. Das ist echt krass!

 

Du kommst aus Hannover – Was brachte Dich nach Kassel?

Das Studium, ich bin jetzt im zehnten Semester Produktdesign und möchte zum Ende des Jahres mein Diplom anmelden, dann wäre ich im kommenden Jahr fertig.

 

Weißt Du schon, was Du danach machen willst?

Ich habe viele, viele Ideen, weiß aber, dass ich es nicht planen kann. Das ging bis jetzt nie (lacht).

 

Was macht für Dich Kassel so liebenswert?

Kassel hat eine unglaublich schöne Community. Die Netzwerke, in die ich in den letzten Jahren reingerutscht bin, die sind einfach so schön und machen mir tagtäglich Freude. Egal ob Projekte oder Freunde, es ist einfach alles rund. Man kann sich spontan treffen und das ist einfach schön! Unglaublich viel Energie gibt es mir, dass meine Freundin und ich im Spätsommer ein Kind erwarten.

Sascha mit seiner Freundin Sophie Roscher.

 

Und was nervt Dich hier?

Ich würde es nicht an die große Glocke hängen, aber Kassel ist und bleibt eine Kleinstadt und damit berechenbar. In Kassel wird es noch ein, zwei Jahre Gin-Trinker geben, in anderen Städten schwappt der Gin bereits zur Seite und macht Platz für Whisky. Wenn jetzt jemand in Kassel Poke Bowls, das sind hawaiianische Gemüseschalen, verkaufen würde, wäre es der Ultra-Hype. In ein paar Jahren wird’s die also geben.

 

Du warst Mitbetreiber des Fenster 9 – Wie kam es zu der Idee?

Die Galeria Kaufhof hat die Kunsthochschule angesprochen, ob die Studenten Lust haben, das Schaufenster während der documenta zu bespielen. Und dann wurden intern verschiedene Studenten befragt – ich war der Ansprechpartner im Produktdesign und Jero van Nieuwkoop aus der Kunstwissenschaft. Wir sind schon seit dem ersten Semester befreundet. Uns war wichtig, nicht hundert Tage eine feste Ausstellung zu haben, sondern in erster Linie einen Ort zu schaffen, wo man Leute hinzieht. Wir haben schnell gemerkt, zu zweit ist das nicht zu schaffen und haben noch Leute – besonders für Ausbau, Grafik, Internetpräsenz und Logo gebraucht. Und zack waren wir mit Filip Dippel, Julius Abromeit und Erik Schäfer fünf! Eine ganz entspannte Teamgröße! Unser Glück war, dass es keiner von uns wirtschaftlich gesehen hat und wir hochqualitative Dinge zu kleinem Geld anbieten konnten. Es war echt ein cooler Spot.

Sascha (links) bei der Vorbereitung der Bar „Fenster 9“ zur documenta 14. Foto: Schaumlöffel

 

Was ist es für ein Gefühl einen Platz auf der documenta zu haben?

Schwierig… Wir sahen uns eher als Teilnehmer und mussten genehmigt werden (lacht). Ich muss gestehen, ich wurde durch geknüpfte Vorerwartungen enttäuscht – es war meine erste documenta und in Hannover laufen täglich so viele Leute rum, wie zur documenta hier. Schön war, dass es internationaler war. Trotzdem war es eine interessante Erfahrung – generell mein 2017 kommt mir vor, als hätte ich drei Jahre durchlebt (lacht).

 

Inwiefern?

Ich habe neben dem Fenster 9 noch in zwei Bars – im Kleinen Onkel und in der King Schulz Bar – gearbeitet und hatte mein Reihenhaus komplett vermietet. Dort haben bis zu sechs Personen gleichzeitig gewohnt, man konnte dort noch viel Austausch haben.

 

Das heißt, Du besitzt ein Reihenhaus und das hast du dann vermietet?

Nein, ich habe das selber gemietet (lacht). Ein Jahr vor der documenta hab’ ich mir die Genehmigung eingeholt an Untermieter zu vermieten. So konnte ich eine billige Schlafmöglichkeit in der Unterneustadt schaffen, ein bisschen Geld verdienen und nette Leute kennenlernen. Aber ich selbst wohne dort jetzt auch nicht mehr. Wenn meine Freundin und ich eine Wohnung finden, dann ziehe ich zum fünften Mal in meinen fünf Jahren hier um (lacht).

 

Dann hast Du ja auch in verschiedenen Stadtteilen gewohnt? Welcher hat das beste Ausgeh- oder Wohnflair?

Ganz unterschiedlich. Angefangen hab’ ich in der Südstadt, die wurde mir dann irgendwann zu klein. Ich hänge eh an der Kunsthochschule, hab’ in der Frankfurter Straße gewohnt, das Edeka direkt vor der Tür. Das ist ein kleines Zentrum, um das man sich herum bewegt. Zum Weggehen gibt’s zwar den Weinbergkrug, aber da war ich eher in der Stadt unterwegs. Danach bin ich in die Nordstadt, in die Henkelstraße gezogen, mit meinem damaligen besten Freund und es war einfach wunderschön! In der Nordstadt kann man Abends super mal ein Bier trinken gehen, in der Mutter oder so. Aber der Vordere Westen ist abends schon am Schönsten!

 

Angenommen, Du hast die nächsten drei Tage spontan frei – was machst Du?

Ich schnapp’ mir meine Freundin und unseren Hund und gehe wandern – wahrscheinlich rund um Hann. Münden, das ist nicht so weit weg. Felix – nicht nur mein Hund, sondern auch mein bester Freund – muss immer schön viel raus.

Saschas bester Freund: Sein Hund Felix.

 

Südsee oder Sylt?

Südsee.

 

Strand oder Berge?

Berge.

 

Vor wenigen Wochen eröffnetet ihr die Bar drei/ in der Theaterstraße – Worauf freust Du Dich in der kommenden Zeit am meisten?

Ich freue mich darauf noch mehr Leuten in Kassel ein leckeres Getränk, eine ruhige Atmosphäre, einen warmen Ort bieten zu können – entgegen dem Massenkonsum. Wir wollen darauf hinarbeiten, bewusst mit Speisen und Getränken umzugehen. Einfach einen schönen neuen Spot in die Stadt integrieren. Magnus Boucsein und ich sind für die Getränke zuständig und sind uns sicher, dass man immer so gut ist, wie man Leidenschaft investiert. Magnus hat vorher nie in einer Bar gearbeitet, aber ich würde nie sagen, dass ich weiter bin, nur weil ich schon anderthalb, zwei Jahre Erfahrung habe. Wir ergänzen uns perfekt und heizen uns gegenseitig an.

 

Gibt’s eine wechselnde Karte?

Ja, die nächste wird auch schon wieder ganz anders aussehen!

 

Bei euch steht „Regionales“ auf der Karte, was genau?

Wir haben an Bier das „Läuft“, das „craftBee“, das „documenta“-Bier und auch von den Gin-Sorten sind drei regional: Der „[sic] Gin“, „535 Upstairs Chassalla Dry Gin“ – weil es nämlich 535 Stufen bis zum Herkules sind – und der „Fieldfare Diemel Dry Gin“. Der „Niemand Gin“ kommt aus Hannover und von Freunden von mir. Dann haben wir noch den „315 Upstairs Dry Gin“ aus Heidelberg, von den gleichen Machern, wie der 535er – natürlich kommen stets neue hinzu.

 

Bar, Store und Galerie – Was ist das /drei für Dich am ehesten oder macht es die Mischung?

Aktuell ist es für mich am ehesten eine Bar mit einer angenehmen Galeriefläche – was unsere Pläne angeht, wird es in der kommenden Zeit noch ein wenig mehr Store werden.

 

Was ist mit Store gemeint?

Store geht in Galerie über. Wir möchten ein Werbeträger für regionale Stores sein. Neben der Tür hängen im Moment ein paar Dinge von soki, in den Fenstern können bald Arbeiten aus der Kunsthochschule hängen – sodass, auch zu „Nicht-Öffnungszeiten“ der Ort hier bespielt wird.

Foto: Thumser

 

Gibt es etwas, was das Internet über Dich vergessen sollte?

Vergessen? Nee (lacht). Ich gehe da ganz offen mit um.

 

Welches Lied sollte man bei Deiner Beerdigung spielen?

Wilderness von Christian Löffler & Mohna: Das Selbe, was man jetzt auch spielt. Es sollte etwas sein, was mich im Alltag wiedergibt – was Euphorisches.

 

Was ist wichtiger, Fleiß oder Talent?

Fleiß. Man hat Talente, aber muss mit Fleiß Energie aus ihnen erzeugen. Jeder hat irgendwo Talente. Man kann ja auch ein Talent darin haben, dass man gerne viel arbeitet, ist aber eigentlich nicht fleißig.

 

Wie erkennt man denn ein Talent?

Das merkt man wahrscheinlich erst durch Leidenschaft.

 

Wenn man Dein Leben verfilmen würde, welcher Schauspieler sollte Dich spielen?

Ich selbst. Das würde ich keinem anderen in die Hände geben – die schauspielerischen Fähigkeiten müsste ich mir aber noch aneignen (lacht).

 

Drei Deiner Lieblingsfilme?

Into The Wild, Wolfsblut, Human.

 

Auf welche Ausstellungen dürfen wir ins im /drei freuen?

Als nächstes auf Angelika Werner, die Ausstellung läuft seit 9. März und heißt „Farbenspiel“.

 

Im Fernsehen, lieber Serien oder Filme?

Serien. Aber lieber Dokumentationen – für mich ist Fernsehen eher Bildung.

 

Du bist ein großer Hundefreund – was ist das Tolle an Hunden und wie kamst Du zu Deinem Hund?

Ich bin mit Hunden – meist Border Collies – aufgewachsen. Meine Eltern haben zwei, eigentlich drei, aber den einen haben meine Großeltern. Für mich waren Hunde wie Geschwister. So wollte ich auch in Kassel einen Hund an meiner Seite haben. Da ich mir aber nicht sicher war, wie es mit der Wohnsituation sein wird, hab’ ich mich in meinem zweiten Jahr in Kassel als Pate bei einer Tierschutzorganisation angemeldet, die Straßenhunde auf Kreta aufpäppelt und nach Deutschland bringt. Hier kommen sie dann zu einem Paten, bis eine Familie für sie gefunden wurde. Das war für mich die beste Lösung zu schauen, wie es ist, mit einem Hund hier zu leben. Felix war eine Woche bei mir, hat ein paar Kabel zerknabbert und es war klar, Felix braucht keine Familie mehr, er bleibt bei mir!

 

Darf Felix im Bett schlafen?

Wenn er Bock drauf hat, ja – nur kommt er nicht rein, weil ich ein Hochbett habe (lacht).

 

Magst Du auch Katzen?

Ja, aber habe keinen großen Umgang mit denen.

 

Wo kannst Du entspannen, wenn Dich mal alles nervt?

Am besten Zuhause. Mein Zimmer hat zwei Ebenen, die eine ist genau auf Fensterhöhe, da hab’ ich einen Sessel drauf stehen und kann quasi direkt im Fenster sitzen. Aber oft vermischt sich das auch mit Arbeitsplätzen, deswegen entspanne ich noch besser in der Natur.

 

Kuscheln oder Knutschen?

Kuscheln.

 

Deine Freundin ist Sophie Roscher von den soki-Mädels – Kannst Du auch gut mit Nähmaschinen und Stoff umgehen oder bleibst Du bei Holz und Nägeln?

Prinzipiell natürlich Holz und Nägel, aber ich kann auch mit Stoff umgehen. Ich habe über zwei Semester einen Textilworkshop an der Uni gemacht. Ich bin eh ein starker Autodidakt – wenn ich auf was Bock habe, bringe ich mir das bei.

 

Wann hast Du das letzte Mal etwas aus Zwang getan?

Ist gar nicht so lange her. Ich stelle immer wieder fest, dass ich in meinem Arbeitsumfeld gewisse Zwänge entwickele. Für mich ist es zum Beispiel ein Zwang Dokumentationen über meine Arbeiten zu machen – ich bin eher der praktische Typ. Aber um mein Diplom anzumelden, fehlen mir noch drei Dokus.

 

Wenn Du spontan etwas verändern könntest, was wäre das?

Ich finde die Idee gut, auch wenn es erstmal zu Stress führen würde, wenn die Technik wieder bei null wäre. Ich glaube, dass das was wäre, womit ich Spaß haben könnte. Es kann gerne ein paar Handmühlen zum Mehlmalen geben, aber kein Dosentelefon (lacht).

 

Wann hast Du das letzte Mal geweint und warum?

Ich habe lange nicht mehr aus Unzufriedenheit geweint. Ich weine oft, weil es mir richtig gut geht. Wenn ich mit dem Fahrrad irgendwohin fahre und etwas Schönes passiert ist, dann kommen mir manchmal Tränen in die Augen.

 

Gibt es eine Eigenschaft, die Du schon als Kind hattest, die Du heute noch hast?

Eine Eigenschaft, die mich – oder eher andere – stark belastet hat, ist, dass ich ein großer Dickkopf war. Früher war ich einer, der sich an der Kasse auf den Boden geschmissen hat. Ich war, glaube ich, schon schwierig in meiner Erziehung. Heute schmeiße ich nur noch gerne meine Ideen in den Raum. Außerdem interessieren mich viele Sachen, aber dadurch hab’ ich auch immer viele Baustellen (lacht).

 

Hast Du Geschwister?

Einen zwei Jahre älteren Bruder und eine vier Jahre jüngere Schwester. Mein Bruder hat in Frankreich und Dänemark studiert, ist jetzt in Köln. Er ist Wirtschaftler und heiratet dieses Jahr seine Freundin. Die ist Architektin. Meine Schwester macht gerade ihren Abschluss zur Ergotherapeutin und ist in Hannover, wie meine Eltern auch.

 

Gibt es Situationen, in denen Du zu streng mit Dir bist?

Ich lasse mich hin und wieder von kleinen Dingen runterziehen. Große Dinge, wo ich eh keine Hand anlegen kann, belasten mich nicht so. Zum Beispiel ist bei meinem geliebten Caddy der Zylinder gerissen. Dann belastet es mich, dass ich in der Kälte im Harz stehe und mein Auto kaputt ist. Jetzt kann ich keinen Motor wechseln und habe das Auto einem befreundeten Schrauber überlassen, um keine Belastung mehr zu haben. Oder ich kaufe eine teure Jacke – ich kaufe nicht viel, bin kein großer Konsument – und denke dann, die hält jetzt ein paar Jahre. Wenn sie dann kaputt geht, ärgert mich das. Bei großen Menschheitsproblemen lasse ich mich auch nicht nerven.

 

Hast Du ein geheimes Talent, was keiner von Dir erwarten würde?

Ich glaube, ich hätte auch Sänger werden können (lacht). Unabhängig davon, dass ich unter der Dusche, in der Küche, überall gerne singe oder pfeife, hab’ ich das Talent nie ausgelebt.

 

Spielst Du ein Instrument?

Ich habe vieles gemacht. Viele Instrumente angefangen und viele Sportarten ausprobiert. Klavier habe ich lange gespielt, aber so mit vierzehn wurde es leider uncool.

 

Was hast Du für einen Anspruch an Dich selbst?

Einen hohen. Und dann kommt leider auch oft Unzufriedenheit. Ich bin generell dankbar dafür, dass ich immer etwas zu erledigen habe, aber Zeit für mich kommt dann häufig zu kurz.

 

Gibt es etwas, was Du im Leben unbedingt noch machen willst?

Ich möchte den Höhenweg der Inka entlangwandern. Der geht von Peru nach Ecuador, ist zweieinhalbtausend Kilometer lang und geht über die Bergpässe nach Quito. Durch Erdrutsche fehlen dort immer wieder Stücke. Den Weg sind keine zehn Leute gegangen. Ein halbes Jahr in über 1500 Metern Höhe sein und durch Dörfer kommen, in denen man sich nur mit Händen und Füßen verständigen kann.

 

Hast Du ein Lebensmotto?

Ich hab’s mir mit siebzehn Jahren auf den Rücken tätowieren lassen: One life, live it. Das Motto ist noch aktuell, der Schrifttyp schon weniger – eher altbacken. Eine klassische Tätowiererschrift. Vielleicht wäre auch kein Herz in der Mitte (lacht).

 

Gibt es ein Wort, das Dein Leben bis zum heutigen Tag beschreibt?

Frechdachs.

 

Wenn Du mit jemanden tauschen könntest, wer wäre das?

Ich wäre gerne ein Vogel. Ich würde gerne alles mal von oben sehen, um die Welt besser zu verstehen. Ich würde auch gerne die Erde aus dem Weltall betrachten, um zu sehen, wie klein und nichtig hier doch alles ist. Wie viele Probleme gemacht werden, dabei ist alles so wunderschön.

 

Was hast Du immer im Kühlschrank?

Immer drei, vier verschiedene Käsesorten, Bio-Milch mit hohem Fettanteil – die mag ich im Kaffee am liebsten – immer einen Frischkäse und verschiedene Gemüsesorten.

 

Was hast Du Zuhause immer vorrätig, was nicht gegessen oder getrunken wird?

Gute Whiskys, die müssen auch nicht ständig angefasst werden (lacht). Spirituosen sind lange haltbar und auch schon ein paar Mal mit umgezogen.

 

Welche Rituale oder Ticks hast Du?

Ich brauche vor der Arbeit eine Stunde für mich. Meine Freundin Sophie findet das, glaube ich, echt blöd, sie arbeitet bis 18 Uhr und wenn ich um 19 Uhr arbeite, ist das genau die Stunde, die ich mich gerne abkapsel. Ich mache mir erstmal einen klaren Kopf, um dann für viele Leute da zu sein. Auch wenn ich einen Kundentermin als Tischler morgens hab, dann brauche ich erstmal in Ruhe einen Kaffee.

 

Der perfekte Tag endet und beginnt für Dich mit Ruhe?

Ja, ich kann auch nicht Nachhause kommen und sofort schlafen gehen. Dann lasse ich mich lieber noch eine Stunde vom Fernseher beschallen und schlafe dabei ein.

 

Welche App benutzt Du am häufigsten?

Leider fließt viel Zeit in Whats-App.

 

Was machst Du als nächstes nach unserem Treffen?

Ich bleibe hier und habe ein Skype-Meeting für ein Projekt für „Pets und Partner“. Da geht es um Hundeleinen und solche Sachen. Das mache ich mit drei Freunden von früher. Wir wollen viel über Social Media gehen und auch in erster Linie den nordamerikanischen Markt ansprechen, weil man da mehr Leute erreichen kann. Meine Aufgaben sind Bilder und das Designen der Produkte und die Aufgaben finde ich top.

 

Tattoo: Einiges handgepoked mit selbstgebauten Werkzeugen. Saschas Werke zieren auch viele Freunde und Familie. Kleiner Finger: Ötzi-Tattoo war Saschas Vorbild. Tattoos sollen Gelenke bestärken – geometrische Formen sollen positive Strahlungen haben. Links: Das ist nepalesisch und steht für „Hier und jetzt“. Rechter Mittelfinger: Das in Indien unter einem Bodhi-Tree entstandene Tattoo bestärkt Sascha in sämtlichem Tun.