BRAUSER trifft Hubertus Wawra

Ihm möchte man bei der Arbeit lieber nicht zu nahe treten – denn Hubertus Wawra spielt mit dem Feuer. Auch dieses Jahr steht der 43-jährige Thüringer wieder mit dem Zirkus FlicFlac in der Manege auf dem Kasseler Friedrichsplatz. Als Master of Hellfire ist man ständig on tour – doch wir wollten trotzdem mehr über den Feuerkünstler und Komödiant erfahren und verabredeten uns mit ihm am Telefon.

Fotos: Nadege Vindervogel

Kaffee oder Tee?

Kaffee!

 

Bier, Wein oder Schnaps?

Schnaps!

 

Steak oder Salat?

Beides.

 

Angenommen Du hast die nächsten drei Tage spontan frei, was würdest Du als erstes machen?

Ich würde genau das machen, was ich jetzt auch mache. Ich hab’ quasi ständig frei!

 

Südsee oder Sylt?

Sylt!

 

Strand oder Berge?

Berge.

 

Was sollte das Internet über Dich vergessen?

Meine Ex – die taucht immer mal wieder auf (lacht).

 

Welches Lied soll bei Deiner Beerdigung gespielt werden?

Mir eigentlich egal. Entweder kommt gar keiner oder ganz viele und dann können sie auch selber spielen. Was ich cool finde: Ich habe die Beerdigung von Monty Pythons Graham Chapman gesehen und alle haben zusammen „Always look on the bright side of life“ gesungen und da wird ordentlich geflucht. Das war die erste Beerdigung, wo „Fuck“ gesagt wurde – war eine richtig geile Beerdigung (lacht). Cool finde ich auch, wenn Māori-Rituale bei Beerdigungen durchgeführt werden. Darüber würde ich mich auch freuen, wenn zweihundert Māori-Krieger – bis unter den Zehnagel tätowiert – vor meinem Grab stehen würden (lacht).

 

Was ist wichtiger Fleiß oder Talent?

Fleiß! Weil Talent gibt es eigentlich gar nicht. Mir wird immer gesagt, ich sei tierisch talentiert – aber ich weiß einfach sonst nichts mit mir anzufangen. Deswegen mach’ ich verschiedene Dinge und baue die dann aus. Talent klingt so nach „in die Wiege gelegt“ – aber mir wurde nichts in die Wiege gelegt, höchstens mein Charakter! So wie ich eben bin! Wenn man einem Gitarristen sagt, er habe Talent, dann wird der dir erst mal erzählen, wie viel er dafür üben musste.

 

Wenn man Dein Leben verfilmen würde, welcher Schauspieler sollte Dich spielen?

Ich glaube das könnte ich selbst am besten.

 

Deine drei Lieblingsfilme?

Four Rooms von Tarantino. Danach mach ich keine Unterschiede mehr – die sind dann alle geil.

Foto: Privat

Hund oder Katze?

Hund.

 

Kuscheln oder knutschen?

Knutschen.

 

Was verbindet Dich mit Kassel?

Ich hatte in Kassel meinen ersten Job als Komiker. Ich hab mir 2002 die Show im FlicFlac angeschaut und danach den Chef kennengelernt. Wir haben uns gut verstanden und dann war ich dabei!

 

Wie ist Deine Erinnerung an Zirkus in der DDR?

Gut, natürlich! Ich bin als kleiner Junge selbst mitgereist, weil meine Eltern Bekannte beim „Zirkus Olympia“ hatten. Da hab ich dann zum Beispiel im Stall geholfen.

 

Du hältst mehrere Guinnessbuch-Weltrekorde. Ist das eher Hobby oder schon Sucht?

Das hat mit keinem von beidem einen Zusammenhang – eher Geldnot. Es wurde mir irgendwann mal angeboten, da mitzumachen und für den Fall, dass ich gewinne, winkte eine große Summe Geld. Und jedes Mal, wenn mich jemand herausfordert, dann bekomme ich wieder Geld! Aktuell halte ich also mehrere Rekorde, aber das Wichtigste für mich ist, dass ich durch diese Jobs viel rumkomme und andere Leute treffe, die mindestens genauso blöd sind wie ich.

 

Und welcher Weltrekord fiel Dir am Leichtesten?

Ich habe einen Mini-Bagger, mit dem ich mich auf der Vorderachse drehen und Pirouetten machen kann. Damit war ich auch in der FlicFlac-Show. Mittlerweile halte ich diesen Weltrekord nicht mehr, denn die Chinesen haben ihn mir geklaut (lacht). Aber am Anfang war’s ganz einfach, weil ich nur mehr als zwanzig Umdrehungen in der Minute schaffen musste – ich hab’ dreiundzwanzig geschafft.

 

Was liegt Dir mehr: Fernsehen, Film oder die Manege?

Manege auf jeden Fall, weil ich da am meisten bin. Aber ich mach’s auch am liebsten, weil Manegen rund sind und ich das Publikum um mich herum hab. Und ich steh’ auf Publikum. Auf der Bühne finde ich die Kollegen auch schnell nervig.

 

Was kam zuerst – die Begeisterung für Feuer oder für die Komik?

Für das Feuer! Ich kann mich nicht daran erinnern, aber meine Eltern oder meine Lehrer erzählen immer gerne Geschichten über mich und das Feuer (lacht).

 

Du hättest einmal fast das familiäre Haus angezündet?

Ja, das stimmt (lacht). Ich war etwa sechs Jahre alt – und ich wollte nur nett sein und für meinen Vater Feuer machen. Wir hatten im Keller mehrere Öfen, aber anscheinend nur einen den wir benutzten, denn die anderen waren nicht angeschlossen. Ich dachte aber, dass es bei Zweien schneller warm werden wird.

 

Wie bist Du auf die Kombination zwischen Comedy und Feuerkunst gekommen?

Ich habe mit Feuer angefangen und fand’s immer ein bisschen langweilig. Da hab’ ich mich gefragt, was eigentlich passiert, wenn man die Naturgewalt „Feuer“ ins Lächerliche zieht. Durch FlicFlac kam dann die Chance für so etwas Neues! Ich war gespannt, weil vorher sollten die Leute Angst haben und jetzt auf einmal lachen. Das war ein ganz neuer Reiz!

Was würdest Du Deinem 20-Jährigen „Ich“ raten?

Ich würde mir raten, vorsichtiger mit Frauen zu sein (lacht).

 

Wo kannst Du entspannen, wenn dich mal alles nervt?

Überall, aber am liebsten vorm Feuer. Dann mache ich ein Feuer, setze mich davor und schau rein. Dann kann ich gut entspannen.

 

Für was hättest Du gerne mehr Zeit?

Eigentlich hab’ ich jede Menge Zeit. Ich würde aber gerne mehr Zeit mit meinen Freunden verbringen. Weil ich hab Freunde auf der ganzen Welt und sehe die leider nur immer arbeitsbedingt. Ich würde sie gerne auch mal nur für Unternehmungen sehen und nicht, weil man ein Arrangement zusammen hat.

 

Wann hast du das letzte Mal geweint und warum?

Gestern Nacht, weil ich mich mit meinem Bruder gestritten habe.

 

Wem würdest Du gerne eine Frage stellen und wie würde sie lauten, wenn Du wüsstest, derjenige antwortet mit „Ja“?

Jetzt und heute? Meinem großen Bruder und ich würde fragen, ob er merkt, dass er sich scheiße verhalten hat! Und er würde sagen: ja (lacht).

 

Wenn Du jetzt spontan etwas verändern könntest, was wäre das?

Wie ein Zauberer? Für mich persönlich nichts. Aber ich hätte gerne, dass alle Menschen glücklicher wären. Das wäre schön!

 

Welche Eigenschaft hattest Du als Kind, die Du heute noch hast?

Ich denke gerne nach und träume. Tagträume!

 

Wann bist Du zu streng mit dir?

Wahrscheinlich nie. Ich mag mich eigentlich ganz gerne und verzeihe mir recht schnell.

 

 

Ein geheimes Talent, dass keiner von Dir erwarten würde?

Ich glaube, ich bin letztendlich netter, als die Leute es von mir erwarten. Die Zuschauer, die mich nur auf der Bühne erleben, sehen ja nur die Show und sind dann überrascht, dass ich auch normal sein kann.

 

Was willst Du im Leben unbedingt noch machen?

Eine ganze Menge! Ich will unbedingt eine eigene Show machen – das steht für nächstes Jahr auf dem Plan! Und ich würde gerne einmal Urlaub in Norwegen machen.

 

Eine eigene Show?

Ja, genau, das steht für das kommende Jahr an! Ich werde zusammen mit Zirkus FlicFlac ein neues Konzept ausarbeiten, wo ich die Regie führen und mich um die Schauspieler und Darsteller kümmern werde! Ich bin jetzt aktuell dabei und dann geht’s im kommenden Jahr los mit den Auftritten.

 

Auf was dürfen wir uns freuen?

Freaks – Erschreckend schlechte Unterhaltung. So wird es heißen und es muss auf jeden Fall jede Menge Provokation rein, um die Leute aufzuwecken und zu rütteln. Und ganz viel Menschlichkeit, auch Schlechte und Außergewöhnliche. Nicht nett – ich will zeigen, wie der Mensch eben ist. Der Mensch von A bis Z.

 

Wird die Show auch in Kassel zu sehen sein?

Nein, wir werden in Berlin bleiben. Das wird auch nur für Erwachsene ab 18 Jahren sein. Wenn in Kassel schon ein Pferd und ein paar Hunde für so viel Aufregung sorgen, bleiben wir damit lieber in Berlin.

 

Dein Lebensmotto?

Oh yeah

 

Ein Satz, der Dein Leben bis zum heutigen Tag beschreibt?

It’s a ride.

 

Wenn du mit jemandem tauschen könntest – wer wäre das?

Der Kickboxer Conor McGregor. Der ist ein krasser Angreifer. Da würde ich gerne mal im Kopf sein und wissen, was er denkt, wenn er so loslegt.

 

Was hast Du immer im Kühlschrank?

Schnaps (lacht).

 

Was hast Du zu Hause immer vorrätig, was Du nie isst oder trinkst?

Tee! Den trinkt nur der Besuch.

 

Hast Du Rituale oder Ticks?

Viel. Ich rede mit Elstern. Morgens nach dem Aufstehen brauch ich einen Kaffee. Dann viele Aberglauben, die mich begeistern oder aufregen. Mein Tag ist ein großes Ritual.

 

Welche App benutzt Du am häufigsten?

Die Blitzer-App. Weil ich ständig geblitzt werde (lacht). Dann muss ich immer erklären, dass ich ohne meinen Führerschein nicht arbeiten kann.

 

Welchen Emoji benutzt Du am häufigsten?

Den Kuss-Smiley.

 

Was machst Du jetzt als Nächstes nach unserem Treffen?

Ich fahre zum Berliner Flughafen und hole dort einen Kollegen hab. Wir planen die Zukunft des deutschen Show-Business. Also, meine kommende Show (lacht).