BAUSER trifft Carolin Simon

Fotos: Privat, Achim Keller (alle n.h.)

Nationalspielerin Caro erzählt Witze sowie Geschichten aus der Kabine und vom Platz. Die gebürtige Kasselerin begann ihre Karriere beim GSV Eintracht Baunatal, dieses Jahr stand ihr Name im Kader der A-Nationalmannschaft. Zurzeit ist die 24-Jährige, die nebenbei ein Fernstudium zur Ernährungsberaterin macht, voll im Liga-Betrieb mit ihrem Verein SC Freiburg eingespannt. Wir wollten trotzdem mehr über die charmante Verteidigerin erfahren und verabredeten uns kurzerhand mit ihr zum Telefon-Interview.

 

Kaffee oder Tee?

Kaffee!

 

Bier, Wein oder Schnaps?

Grundsätzlich nicht so viel – leider. Wenn ich mal kann, dann bin ich eigentlich flexibel.

 

Steak oder Salat?

Eher Salat.

 

Wenn Du in Kassel bist, wo bist Du dann am liebsten?

Ich nutze die Zeit um Familie und Freunde zu sehen. Aber ich laufe auch gerne mal durch die Innenstadt, ich sehe sie ja wirklich nicht oft. Am Herkules – da find ich’s auch immer schön!

 

Disco, Club oder Couch?

Eher Couch – obwohl ich wirklich gerne feiern gehe. Das ist nur nicht so gut kombinierbar mit dem Sport.

 

Was macht Kassel für Dich liebenswert?

Für mich ist es einfach Heimat – auch weil ich so früh von Zuhause weg bin. Selbst wenn ich nur mit dem Zug durchfahre kommt am Bahnhof Wilhelmshöhe immer ein Heimatgefühl auf.

 

Was hat Kassel, was andere Städte nicht bieten können?

Schwierig… Man hört oft, Kassel sei nicht so eine schöne Stadt, aber da wiederspreche ich immer, weil ich weiß, dass Kassel auch echt schöne Ecken hat! Mein größter Bezug bleiben aber Familie und Freunde.

 

Was ist das Erste, was Du machst, wenn Du nach Kassel kommst?

Wahrscheinlich einen Kaffee trinken und die Zeit nutzen, zum Neuigkeiten austauschen.

 

Was nervt Dich hier besonders?

Ehrlich gesagt erstmal nichts. Kassel hat eine schöne Größe, die Übersichtlichkeit hat mir in anderen Städten gefehlt. Was nervt, dass Kassel so wenige Clubs hat, gerade wenn man jetzt um die Weihnachtszeit weggehen will.

 

Wenn Du die nächsten drei Tage spontan frei hättest, was würdest Du machen?

Ich denke, ich würde die Zeit nutzen und feiern gehen.

 

Südsee oder Sylt?

Südsee!

 

Strand oder Berge?

Strand.

 

Mit wie viel Jahren hast Du angefangen Fußball zu spielen?

Mit sieben Jahren hab ich angefangen. Relativ zufällig. Mein kleiner Bruder spielt auch Fußball und bei einem Freundschaftsspiel hatten sie Männerbeziehungsweise Frauen zu wenig. Dann bin ich eingesprungen und dann hat’s mir super viel Spaß gemacht!

 

War es denn relativ früh schon Dein Wunsch, mal da zu stehen, wo Du heute stehst?

Die ersten Jahre gar nicht – da habe ich auch nebenbei noch Leichtathletik gemacht. Dann hab ich gemerkt, dass ich gar nicht so schlecht bin und Fußball wurde mir auch immer wichtiger. Erst als es das erste Mal eine Kreisauswahl gab, da habe ich gemerkt, dass man auch als Frau was im Fußball erreichen kann. Ich habe vorher nur mit den Jungs gekickt, da kam das nie zur Sprache.

 

Dieses Jahr stand die erste Europameisterschaft mit der DFB-Elf an. Was hast Du aus der Zeit mitgenommen?

Grundsätzlich ist sie ja leider nicht so gut gelaufen. Aber trotzdem war es eine riesen Erfahrung, mit Medien und allem. Das kannte ich nicht und hat einem auch ganz andere Möglichkeiten eröffnet.

 

Kannst Du denn gut damit umgehen im Mittelpunkt zu stehen?

Es war schon schwer, gerade wenn’s nicht super gut läuft. Die ersten Tage hab ich auch alles noch verfolgt. Das hat mich dann schon echt runtergezogen und beeinflusst. Den weiteren Verlauf des Turniers hab ich’s dann gelassen.

 

Ist die öffentliche Aufmerksamkeit auch ein Thema im Team?

Es wird schon drüber gesprochen, aber ich glaube der Großteil der Mädels macht’s ähnlich wie ich und liest Artikel erst nach dem Ende des Turniers oder gar nicht. Auch dem Trainer-Team ist wichtig, dass wir das nicht so an uns ranlassen.

 

War es ein schwerer Entschluss für Dich, für den Sport von Zuhause wegzugehen?

Ja, total! Es war schrecklich – ich wollte definitiv noch nicht mit siebzehn ausziehen! Aber es hieß: Wenn Du mehr erreichen willst, musst Du in einen anderen Verein gehen und in Nordhessen gab’s nichts. Ich musste mich entscheiden: Amateur oder mit Fußball mein Geld verdienen. Doch ich bereue meine Entscheidung auf keinen Fall!

 

Deine Meinung zur Ungleichverteilung von Bezahlung bei Männern und Frauen?

Beim Fußball ist es verständlich, da Frauenfußball noch nicht so populär ist, wie Sport bei den Männern. Auch wenn ich finde, dass die Gehälter dort alle Rahmen sprengen. Aber ich kann mich nicht beschweren. Ich verdiene mit dem was ich liebe mein Geld! Nur kann man keine großen Rücklagen für die Zukunft machen und nach der Fußballkarriere muss ich weiter arbeiten gehen. Generell finde ich, dass nach Leistung bezahlt werden sollte und nicht, ob jemand ein Mann oder eine Frau ist!

 

Jetzt ging’s in Deiner Karriere wahrscheinlich nicht nur steil bergauf – reden wir über Tiefpunkte?

Klar. Der Erste war eigentlich, als die HSV-Frauenmannschaft aufgelöst wurde und ich mich schnell entscheiden musste, wo will ich hin. Ich habe dann ein gutes Angebot vom VfL Wolfsburg bekommen, das war aber noch zu früh! Ich war neunzehn und der VfL war und ist die Topmannschaft im Frauenfußball – nur Stars. Da hatte ich keine Chance. Nach einem halben Jahr auf der Bank bin ich zu Bayer Leverkusen. Das war eine schwere Zeit, wo ich nicht wusste, ob ich mit dem Druck und so weit weg von Zuhause klarkomme.

 

In Leverkusen bist Du ja dann drei Jahre geblieben – wieso jetzt Freiburg?

Bei Leverkusen hatte ich eine tolle Zeit – auch um mein Leben zu organisieren. Ich hatte einen relativ geregelten Tagesablauf. Ich habe direkt bei der Bayer Fußball AG eine Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau gemacht. So war ich für sämtliche Lehrgänge und Trainingseinheiten freigeblockt, weil wir ja auch vormittags trainieren. Das war super! Wir waren in der Anfangszeit auch erfolgreich – dann nicht mehr und ich wollte aus dem letzten Drittel der Bundesliga raus und vorne angreifen! Der Plan ist ja dann super mit Freiburg, einer guten Saison und der Einladung zum DFB aufgegangen!

 

Gibt es etwas, was Du durch Deine Karriere gelernt hast, was nichts mit dem Sport an sich zu tun hat?

Ich glaube, dass mich viele Dinge stark beeinflusst haben. Ich bin früh alleine in eine Großstadt gezogen und musste für mich selbst sorgen. Auch bin ich – wie wahrscheinlich viele Sportler – sehr diszipliniert. Vielleicht auch zu viel…

 

Welches Lied sollte man bei Deiner Beerdigung spielen?

Oh… Mein Lied ist irgendwie immer „Levels“ von Avicii. Wenn meine Freunde den Song im Club hören, bekomme ich noch regelmäßig Sprachnotizen mit: „Hey, dein Lied läuft!“ Ich weiß nur nicht, ob es so geeignet für eine Beerdigung ist (lacht).

 

Nenne uns drei Deiner Lieblingsfilme?

Ich mag sehr gerne Fantasy, wie Star Wars oder Herr der Ringe. Harry Potter ist auch ganz vorne mit dabei. Und ich steh auf Liebeskomödien wie Love Vegas oder Urlaubsreif!

 

Im Fernsehen eher Sport oder Serien?

Serien! Natürlich schaue ich auch die Sportschau oder irgendwelche Turniere. Aber ich bin schon ein richtiger Seriengucker! Und ich gucke viel Querbeet: Geliebt habe ich One Tree Hill, und Prison Break habe ich auch schon mehrmals geguckt.

 

Dein liebstes Hobby, wenn es nicht Fußball ist?

Lesen! Dann auch Fantasy oder Krimis. Simon Beckett ist wahrscheinlich mein Lieblingsautor.

 

Als Sportler muss man ja schnell reagieren können und spontan Entscheidungen treffen können. Bist Du generell entscheidungsfreudig?

Auf dem Platz ja, das ist glaube schon eine Stärke von mir! Neben dem Platz gar nicht! Das fällt mir echt schwer!

 

Hast Du ein geheimes Talent, was keiner von Dir erwarten würde?

Gute Frage (lacht). Ich überlege. Aber eigentlich wissen die Leute, mit denen ich mich abgebe, was ich kann und was nicht. Vielleicht kochen? Weil für meine Ansprüche koch’ ich echt gut und ich denke, viele würden das nicht erwarten.

 

Hund oder Katze?

Hund.

 

Kuscheln oder Knutschen?

Kuscheln!

 

Wo kannst Du entspannen wenn Dich mal alles nervt?

Auf Kroatien! Unsere Eltern sind immer mit uns hingefahren und wenn ich im Sommer mal frei hab, dann nutze ich die Zeit schon um hinzufahren! Und wenn ich hier bin, dann spiel ich Xbox. Gerne Fifa!

 

Für was hättest Du gerne mehr Zeit?

Zum Reisen. Ich meine, ich bin durch den Fußball viel rumgekommen und das ist auch echt cool, aber ich hätte gerne Zeit auch was von den Ecken der Welt zu sehen. Ich gehe auch einfach echt gerne spazieren und dafür würde ich gerne nochmal nach Neuseeland oder Island – das ist einfach vollkommen was Anderes!

„Würdest Du uns das letzte Bild auf Deinem Handy zeigen?“

Bist Du ein Natur-Typ?

Ja, schon. Auch wenn ich joggen gehe, dann lieber im Wald als in der Stadt.

 

Wenn Du jetzt spontan etwas verändern könntest, was wäre das?

Ich würde gerne näher bei meiner Familie wohnen.

 

Wann hast Du das letzte Mal geweint und warum?

Ich denke das war beim EM-Aus. Das war glaube das letzte Mal.

 

Was geht einem in so einem Moment durch den Kopf?

Das ist schon bitter. Besonders wenn man weiß, dass die Leistung da war, man sie nur nicht abrufen konnte. Ich finde, wenn Mannschaften auf dem Platz besser waren oder Du auf bessere Mannschaften triffst – klar, dann tut verlieren auch weh, aber ich verliere generell nicht gerne. Aber wenn man nur an dem Tag nicht gut war, dann ist das echt hart!

 

Welche Eigenschaft hattest Du schon als Kind, die Du heute noch hast?

Ich erzähle gerne Geschichten und Witze (lacht).

 

Erzählst Du uns Deinen Lieblingswitz?

Da kommt jetzt bestimmt nur ein Anstandslacher, den bin ich schon gewohnt. Weil der Witz ist echt nicht gut, aber ich erzähl ihn total gerne und wer ihn weitererzählt soll auch immer sagen, dass er von mir ist (lacht). Das ist mir schon wichtig.

Der Rosinenwitz: Unterhalten sich zwei Rosinen. Sagt die eine zur anderen Rosine: „Ey, wieso hast Du denn einen Helm auf?“ Sagt die andere: „Ich muss gleich noch in’ Stollen.“

 

Merkt man mannschaftstechnisch einen Unterschied, ob man bei einem kleinen oder einen großen Verein spielt? Gibt’s da einen Unterschied, wenn Hobby zum Job wird?

Eigentlich nicht, um ehrlich zu sein. Ich hatte immer Glück, dass in den Mannschaften in denen ich gespielt hab unglaublich viel Teamgeist vorhanden war. Wir haben auch abseits vom Platz viel zusammen gemacht. Ich weiß aber auch, dass es auch anders sein kann: sich Leute abkapseln oder sich Grüppchen bilden.

 

Wann bist Du zu streng mit Dir?

Definitiv beim Feiern gehen und bei der Ernährung. Da müsste ich lockerer sein. Ich würde meine Ernährung wahrscheinlich auch Keinem empfehlen… Ich liebe Schokolade und Süßigkeiten und sag mir: Einmal in der Woche darf ich und sonst nicht. Da bin ich knallhart!

 

Was hast Du für einen Anspruch an Dich selbst?

Ich bin sehr, sehr selbstkritisch, was meine fußballerische Leitung angeht. Ich bin selten zufrieden mit mir selbst. Der Einzige, der dem Ganzen noch nahe kommt, ist eigentlich mein Papa. Wenn Papa sagt, ich war gut, dann kann ich mich auch drauf verlassen!

 

Gibt es etwas, was Du im Leben unbedingt noch machen möchtest?

Ich glaube, ich würde gerne mal den Jakobsweg laufen. Ein paar Freunde haben das mal gemacht und mit der Kamera begleitet. Ich hab die Bilder gesehen und dachte nur: Wow! Die Zeit würde ich mir gerne mal nehmen. Dann auch ohne Druck und ganz in Ruhe.

 

Ein Wort, das Dein Leben beschreibt?

Aufregend! Natürlich hab ich auch einen normalen Tagesablauf, nur dass der daraus besteht morgens und abends ins Training zu gehen und sonst meinen Sachen nachzugehen. Ist schon cool. Einfach weil der Fußball so eine große Rolle spielt. Das mache ich eben am Liebsten!

 

Wenn Du mit jemandem tauschen könntest, wer wäre das?

Christiano Ronaldo! Den mag ich echt als Typ. Viele wettern gegen ihn, aber ich find ihn einfach cool. Sonst Schauspielerin oder gerne auch Sängerin.

 

Was hast Du immer im Kühlschrank?

Joghurt und Käse.

 

Was hast Du Zuhause immer vorrätig?

Wein, den ich irgendwann mal geschenkt bekommen habe – meist weiß ich auch gar nicht mehr wann. Wenn ich dann mal einen Wein trinke, kauf ich aber irgendwie auch neuen (lacht).

 

Hast Du Rituale oder Ticks?

Ja, ein paar kleine. Ich betrete zum Beispiel immer mit dem linken Fuß zuerst den Platz – das ist mir auch echt wichtig. Sonst leide ich.

 

Womit endet und beginnt für Dich der perfekte Tag?

Mit einem richtig guten Frühstück. Und abends dann ein schöner Kinobesuch und was essen gehen. Ich liebe die asiatische Küche.

 

Welche App benutzt Du am häufigsten?

Instagram.

View this post on Instagram

💚 #love #soccer #focus #dfb #puma

A post shared by Carolin Simon (@caro_simon30) on

 

Was machst Du als Nächstes nach unserem Telefonat?

Ich fahre in die Stadt – ohne genaue Pläne. Einfach durch die Stadt schlendern.