Ehrenamt: Helden des Alltags

Ehrenamt – eine von vielen unterschätzte Tätigkeit. Sie erfordert Herzblut und eine gewisse Leidenschaft für das, was man tut. Auch wenn es nur kleine Dinge sind, ohne unsere freiwilligen Helfer könnte das alltägliche Leben nicht funktionieren. Der BRAUSER hat mit fünf Helden des Alltags gesprochen und ihnen mal auf den Zahn gefühlt.

Menschen und Tieren helfen, mit jeder kleinen Tat unsere Gesellschaft verbessern. Genau das machen auch unzählige junge Menschen und opfern einen großen Teil ihrer Freizeit. Das Ehrenamt ist eine häufig übergangene Tätigkeit, nur wenige setzen sich wirklich intensiv mit dem Thema auseinander. Immerhin ist so ein Ehrenamt oft zeitaufwendig – aber auch mindestens genau so wichtig. Es begegnet einem in vielen Bereichen. Ob in der Feuerwehr, in einer der unzähligen Hilfsorganisationen, in der Flüchtlingshilfe, im Tierschutz, als Jugendtrainer oder in der Kirche. Gerade aufgrund dieser Vielseitigkeit kann sich jeder ehrenamtlich betätigen, denn es gibt immer einen Bereich, den du mit deinen Stärken und Fähigkeiten unterstützen kannst. Wir trafen fünf junge Menschen aus Kassel und der Region, die sich ehrenamtlich betätigen, und haben mehr über ihre Tätigkeit herausgefunden – wieso sie sich für ihr Ehrenamt entschieden haben und aus welcher Überzeugung sie das tun. Außerdem findet ihr abschließend noch ein paar hilfreiche Links zur Orientierung, wenn euch auch die Lust aufs Ehrenamt packt.

Cedric Toth, 21 Jahre aus Kassel

SPASS AN DER SACHE

Der Student Cedric Toth ist ehrenamtlicher Basketballtrainer für Kinder und Jugendliche und spielt selbst schon seit seinem sechsten Lebensjahr Basketball. Durch ein FSJ beim ACT ergab sich dann seine ehrenamtliche Tätigkeit. „Am wichtigsten ist der Spaß an der Sache, Spaß mit den Kindern, egal, ob Junge oder Mädchen.” Der 21-Jährige legt großen Wert darauf, mit den Kindern und Jugendlichen auf einer freundschaftlichen Basis zu kommunizieren. Es geht schließlich nicht nur um den Sieg. „Es sind gewisse Freundschaften, die mit den Jugendlichen auf einer anderen Ebene entstehen”, erklärt Cedric. Doch die Arbeit mit den Kindern ist auch nicht immer leicht. „Negative Erlebnisse können sowohl positive Reaktionen forcieren, aber auch schlechte nach sich ziehen. Das ingerspitzengefühl dafür ist wichtig”, schildert der Kasseler.

WIE SIEHT DIE TÄTIGKEIT KONKRET AUS?

Auch wenn der Spaß an der Sache im Vordergrund steht, gehören genauso Pflichten und Aufgaben zur Tätigkeit des Basketballtrainers. Erst nach einer basketballspezifischen Trainerausbildung konnte Cedric die schon vorher trainierte Mannschaft auf Oberliga-Niveau coachen. Auch den Trainingsablauf schüttelt sich der 21-Jährige nicht einfach aus dem Ärmel. „Da muss man das Training vorbereiten und auch nachbereiten bzw. in Hinblick aufs Wochenende sich auf die Gegner ein bisschen einstellen”, erläutert Cedric, der ungefähr 14 bis 16 Stunden pro Woche für seine Mannschaften nutzt.

EHRENAMT, STUDIUM UND FREIZEIT?

Cedrics ehrenamtliches Engagement fordert allerdings auch Opfer. „Es gibt regelmäßig Konflikte zwischen Uni und Training”, erzählt er. Auch am Wochenende ist der engagierte Ehrenamtler viel unterwegs und auch schon mal eingeschränkt, was die Freizeit angeht. Zusätzlich bekommt der Student die Unterbesetzung der Ehrenämter zu spüren. „Ich denke, in jedem Verein muss es Ehrenamtliche geben, sonst funktioniert das Ganze nicht”, findet er. Trotz der geringen Trainerpauschale gibt es kaum Freiwillige, die ein Ehrenamt übernehmen wollen. „Der Nachschub von jüngeren Leuten ist leider nicht so wirklich gegeben”, bedauert er. Doch Cedric bleibt optimistisch und rät denjenigen, die sich ehrenamtlich engagieren wollen, dem Amt mit Spaß und Hingabe zu begegnen.

Sandra Schumann, 30 Jahre aus Kassel

AKTIV AUF VIELEN EBENEN

Die 30-jährige Sandra Schumann fand vor drei Jahren durch den Glauben und die Kirche zu ihrem Ehrenamt bei den Maltesern. Als Leiterin der Malteser Flüchtlingshilfe in Kassel und als Einsatzsanitäterin sind schon alle Hände voll zu tun. Doch das ist noch nicht alles. Die Kasselerin ist zusätzlich an vielen Projekten des Malteser-Hilfsdienstes und der katholischen Sozialkirche beteiligt.  Dass ihr Amt viel Zeit in Anspruch nimmt, ist keine Frage, aktuell etwa 15-20 Stunden in der Woche. „Es gehört ein gutes Zeitmanagement dazu“, erklärt Sandra. Während der Prüfungsphasen in der Uni muss das Ehrenamt allerdings
zurückstecken. Dann kommt es auch mal vor, dass die Studentin nur am Wochenende ehrenamtlich tätig ist.

SIE MACHT IHREM AMT ALLE EHRE

„In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.“ Sandra stellt ihren Lieblingsspruch (nach Augustinus) vor und man merkt direkt, dass sie nach dieser Devise lebt. „Es ist ein gutes Gefühl, mich zu engagieren, weil ich mitgestalten kann. Ich kann meinen Beitrag dazu leisten, ich kann was bewegen“ bemerkt sie. Aus dem Grund treibt es sie in den Auslandsdienst. Ihr ist es wichtig, vor Ort zu schauen, wie es den Menschen geht und was sie benötigen, damit die Hilfsaktionen auf die Menschen angepasst werden können. Allerdings bekommt Sandra häufig von anderen Menschen zu hören, dass sie mit ihrer Tätigkeit nicht die Welt retten könne. Doch das hält die engagierte Flüchtlingshelferin nicht von ihrer Arbeit ab. Denn sie ist fest davon überzeugt: Man kann nur etwas verändern, wenn man etwas tut, und das kann ihrer Meinung nach jeder.

DIE MÜHE IST ES WERT

Die Tätigkeiten im Ehrenamt machen sich für Sandra auch bezahlt. Und zwar nicht mit Geld. Die Momente, anderen Menschen Freude zu bereiten und ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, sind für sie das Größte. „Da lohnt sich die Mühe und die Vorbereitung“, strahlt sie. Auch die Zusammenarbeit der Menschen trotz kultureller und religiöser Unterschiede ist für die Ehrenamtlerin ein unglaubliches Gefühl. „Man sieht, dass Muslime, Christen und Atheisten an einem Strang ziehen, um eine friedvolle Zukunft zu gestalten. Viele unbezahlbare und eindrucksvolle Momente darf ich in meiner Arbeit mit den Menschen erfahren und wir lernen voneinander.“, erzählt sie begeistert. Sandra rät jedem, der sich ehrenamtlich engagieren möchte, offen und interessiert auf die jeweilige Organisation zuzugehen und einfach einmal in die Welt der Hilfsorganisationen rein zu schnuppern.

SPENDEN SAMMELN

„Auf einer Party waren Supporter von Viva con Agua, mit denen ich ins Gespräch gekommen bin. Irgendwie fand ich das interessant und bin dann mal zu einem Teamtreffen gegangen“, erzählt uns die 27-Jährige über ihre erste Begegnung mit dem gemeinnützigen Verein aus Hamburg, der in jeder größeren Stadt kleinere Crews hat. „Der Einstieg war total locker und ich habe coole Leute getroffen.“ Daraus erwuchs dann ihre Tätigkeit als Supporter bei den verschiedensten Aktionen auf Konzerten, Festivals und Partys, wo hauptsächlich Spenden in Form von Pfandbechern und -flaschen gesammelt werden. „Wir setzen uns dafür ein, dass alle Menschen auf der Welt Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu sanitären Einrichtungen haben.“

Ina Michael, 27 Jahre aus Kassel

ZUSAMMEN VIEL ERREICHEN

Die Kasselerin selbst ist Ansprechpartnerin für das Netzwerk und kümmert sich darum, dass alle Mitglieder der Kassel-Crew die nötigen Infos bekommen. „Wir sind eine relativ große Gruppe. Deswegen ist es ab und zu schwer, feste Zusagen zu bekommen. Aber am Ende klappt es immer“, erklärt sie lachend. Zusammen haben sie schon viel erreicht. „Neulich haben wir bei einem Spendenlauf 12.000 Euro gesammelt. Das fühlt sich total gut an. Aber auch wenn man mal nicht so viele Spenden sammelt: man hatte Spaß zusammen und hat dabei auch nebenbei etwas Tolles erreicht.“ Genau das gefällt Ina auch am meisten an ihrem Ehrenamt. „Es macht einfach Spaß und füllt einen Teil meiner Freizeit auf total abwechslungsreiche Art und Weise aus. Man lernt gut im Team zu arbeiten und trifft auch immer wieder neue Leute.“

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EINFACH VORBEIKOMMEN

Pro Woche investiert sie zwischen ein und vier Stunden in ihr Ehrenamt, bei Aktionen oder Festivals sind es natürlich mehr. „Für mich ist es ein guter Ausgleich zum Arbeitsalltag.“ Neulingen rät die Supporterin, einfach mal zu einem Treffen zu kommen. „Man braucht keine Vorkenntnisse, alle bekommen alles Wichtige mit.“ Allgemein findet Ina, mehr Menschen könnten sich ehrenamtlich engagieren und sich für eine Sache stark machen. „Es sollte ganz natürlich sein, sich für andere einzusetzen“, meint sie. Sie selbst würde auch gerne mal vor Ort sehen, wie ihre Projekte in Schulen oder kleinen Dörfern umgesetzt werden – 2016 wurden in Nepal, Indien, Uganda, Äthiopien und Kenia über 500.000 Menschen mit Wasser-Projekten geholfen.

GROSSE LEIDENSCHAFT

„Mein Vater und mein Großvater waren schon in der freiwilligen Feuerwehr“, erzählt uns der 22-jährige Niestetaler. „Ich bin quasi damit aufgewachsen.“ Er selbst leitet jetzt die Gruppe und das Fahrzeug als Gruppenführer im Einsatz, indem er koordiniert, wer was zu tun hat, und das mit größter Leidenschaft. Für Christoph ist es ein gutes Gefühl, etwas zum Wohl der Menschen beizutragen und sich für sie einzusetzen. Er ist stolz, ein Teil der freiwilligen Feuerwehr zu sein. „Die ehrenamtlichen Tätigkeiten sind sehr wichtig“, betont der Wassermeister. „Unsere Gemeinschaft kann nicht mehr weiter so funktionieren, wenn es keine Ehrenamtlichen mehr gibt.“

Christoph Brückmann, 22 Jahre aus Niestetal

TEAMARBEIT

Bei seiner Arbeit ist er mit Herzblut dabei. Meistens gehen da in einer Woche 5-8 Stunden für Übungsdienste drauf. „Und natürlich kommen noch die Einsätze hinzu. Es können deshalb gut und gerne auch mal 8-15 Stunden sein, teilweise mehr.“ Gibt es da keine Konflikte mit seinem Alltag? Der Feuerwehrmann verneint das. „Natürlich ist es schwierig, wenn man durch einen Notfall aus seinem Alltag gerufen wird. Man fragt sich, was jetzt wohl auf einen zukommt.“ Aber im Team ist alles zu schaffen. Angst habe er deswegen auch nicht. „Wir sind eine starke und gut ausgebildete Truppe“, erklärt er uns stolz. Feuerwehrmann oder –frau kann jeder werden. „Bei den Übungsdiensten merkt man schnell, ob man dafür geeignet ist“, informiert uns der 22-Jährige. „Im dreiwöchigen Grundlehrgang lernt man dann die Grundlagen kennen.“ In weiteren Lehrgängen kann man sich dann weiterbilden. Schade findet Christoph allerdings, dass es immer weniger Nachwuchs in den Jugendfeuerwehren gibt, die dann später in die Einsatzabteilung überwechseln. „Das ist ein großes Problem. Wir brauchen das Engagement der jungen Leute oder von Quereinsteigern.“ Was der Niestetaler so an seiner Tätigkeit liebt? „Der Teamzusammenhalt. Darum geht es ja auch. Feuerwehr ist was für Teamplayer.“

 

TIERLIEBE

„Am schönsten ist es, wenn wir für streunende Katzen ein schönes neues Zuhause finden“, berichtet uns Kathrin Eckhardt von „Hand und Pfote“ in Lohfelden. Sie selbst engagiert sich im Verein, seitdem eine ihrer Katzen verschwand und mithilfe der Tierschutzorganisation wieder gefunden wurde. „Mein Freund und ich wollten unbedingt helfen.“ Es sei ein gutes Gefühl, wenn Besitzer ihre Tiere wieder haben und die Tiere froh darüber sind, wieder Zuhause zu sein. Aber ihre Arbeit hat auch traurige Seiten. „Es gibt Dinge wie Totfundmeldungen, die übernehme ich nicht gerne. Das sind nicht so schöne Erfahrungen, aber es gehört leider dazu.“ Größtenteils kümmert sich der Verein um Fangaktionen von Streunern mithilfe von Lebendfallen. Die Kitten werden aufgenommen, tierärztlich versorgt und gezähmt, um dann an neue Besitzer vermittelt zu werden. Auch die Mutterkatzen werden vom Tierarzt untersucht und kastriert. „Wir helfen auch bei der Vermittlung, wenn jemand sein Tier aus unterschiedlichsten Gründen nicht mehr behalten kann.“

Kathrin Eckhardt, 25 Jahre aus Kassel

EHRENAMTLICHE HELFER

Der Verein lebt von seinen ehrenamtlichen Helfern und Spenden. „Manchmal ist es schon stressig, immerhin sind wir alle vollzeitbeschäftigt und machen es nur nebenbei. Wir versuchen aber, die Tätigkeit unter uns aufzuteilen“, erklärt die Kasselerin. Der Zeitaufwand hängt auch hauptsächlich von der Anzahl der Aufträge ab. Im Herbst und Frühjahr sei es immer ein wenig mehr. „Vorkenntnisse braucht man im Tierschutz eigentlich nicht. Unsere Vorsitzende sagt immer, man wächst mit seinen Aufgaben“, meint die Buchhalterin schmunzelnd. „Mit der Zeit bekommt man Erfahrung, die man dann umsetzt und es gibt ja auch noch andere mit mehr Erfahrung, die dich unterstützen. Man sollte einfach nur voll dahinter stehen, dann klappt alles.“

SCHWERE TRENNUNG

Ihre Liebe zu Tieren ist wie bei allen anderen Ehrenamtlichen so groß, dass es manchmal nicht leicht fällt, sich von den tierischen Schützlingen zu trennen. „Aber wenn wir sie nicht vermitteln, dann können wir keinen anderen Katzen mehr helfen. Deswegen ist es besser, sie finden ein schönes neues Zuhause.” Dass sie dafür kein Geld bekommt, findet sie nicht schlimm. „Es gibt genug Leid auf der Welt. Das gute Gefühl, wenn man hilft, und die glücklichen Menschen und Tiere sind Belohnung genug.“

Lust darauf, selsbt zu helfen? Folgende Links können dir dabei helfen:

www.freiwillig-in-kassel.de
Mit der Engagementsuchmaschine kannst du nach Projekten und Stellen in der Region suchen oder dich vor Ort in der Stadtbibliothek beraten lassen.

Gemeinnützige Organisationen in Kassel, die sich über deine Unterstützung freuen werden:

1. Die Diakonischen Werke
www.dw-kassel.de/unterstuetzen-mitarbeiten

2. Caritas
www.caritas-kassel.de

3. Das Deutsche Rote Kreuz
www.drk-kassel.de/ehrenamt

4. Die Johanniter
www.johanniter.de/ehrenamt

5. Die Malteser
www.malteser-nordhessen.de

6.Der Arbeiter Samariter Bund
www.asb-nordhessen.de

7.Das Technische Hilfswerk
www.ov-kassel.thw.de

8. Die freiwillige Feuerwehr in Kassel
www.feuerwehr-kassel.eu

9.Die freiwillige Feuerwehr im Landkreis Kassel
www.kfv-kassel-land.de