Klickmillionäre: Die Welt des Influencer-Marketings

Wer gemocht wird, bei dem klingelt die Kasse. Sein Geld mit gebloggten Bildern und Videos zu verdienen – immer mehr eine greifbare Berufsperspektive? Der BRAUSER hat sich in die große Welt der Influencer gestürzt und den kreativen Köpfen, Klick- sowie Kontozahlen auf den Zahn gefühlt.

Blogger sind 24/7 online: Bilder posten, Live-Videos schalten. Doch ins Business wollen sie sich nicht schauen lassen. Sind Blogger doch nur scheinbar nahbar? Unsere Anfragen an Caro Daur, Toni Mahfud, Deborah Flügge, Alexibexi und Gronkh blieben unbeantwortet. Einzig Paola Marias
Management ließ uns Bilder der Beauty-Youtuberin zukommen.

Arbeiten von Zuhause – seit dem modernen Home-Office ein beliebtes Berufswahl-Kriterium. Dazu kommt jetzt: Geld verdienen, mit dem, was irgendwie doch jeder nebenbei macht. Nämlich auf Social-Media-Plattformen unterwegs sein. Doch wie ist es möglich, mit Posen, Posten und Plaudern das Portemonnaie zu füllen?
Reicht es, ab dem Teenager-Alter die offizielle Seite des getragenen Sneakers zu verlinken? Prinzipiell funktioniert Influencer-Marketing nach einem einfachen System: Statt sich selbst – wie in sozialen Netzwerken üblich – zu präsentieren, werden die Beiträge zur Produktwerbung genutzt. Derjenige, der die Beiträge teilt, bekommt dafür Geld.

Bei YouTube ist Werbung nichts Neues: Beauty-Queens packen vollgepackte Schminktäschchen aus, bei beliebten Videos wird Werbung vorgeschaltet. So ähnlich läuft es bei Let’s-Play-Spieler Gronkh, dessen Videos hunderttausende Aufrufe haben – dementsprechend groß die Werbe-Wirkung. Beauty-You-Tuberin Paola Maria präsentiert sich in ihren Videos gekonnt privat: filmt sich Zuhause, gewährt Einblicke in die Beziehung mit ebenfalls-YouTuber Sascha Koslowski. Mit ihrem strahle-weiß Lächeln setzt die Deutsch-Italienerin Produkte gekonnt in Szene und wertet sie mit persönlichen Tipps auf. Ein weiterer Aspekt, warum Unternehmen auf Blogger setzen.

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PRIVATE POSTS

Denn Follower bauen ein geradezu privates Verhältnis zu Bloggern auf. Stellen sie ein Produkt vor, hat das den Empfehlungscharakter eines guten Freundes – besonders Instagram verspricht private Nähe. Beiträge werden mit kurzen persönlichen Nachrichten geschmückt, meist bedient man die Website über das Smartphone. Das schafft zusätzlich Nähe, schließlich ist das Handy immer dabei. Heißt: Wer als Influencer erfolgreich sein will, muss Zeit und Privatleben investieren. Denn Klicks kommen nicht von alleine, gepostete Fotos sind oft nicht so schnappschüssig wie sie aussehen. Neben einem Quäntchen Glück steckt hinter dem Erfolg von Influencern harte Arbeit und System: Diverse Internetseiten bieten – ähnlich Modelagenturen – an, den Kontakt zwischen Unternehmen und Social-Media-Stars herzustellen.

Dass man aber durchaus den großen Durchbruch schaffen kann, zeigen Accounts wie der von Caro Daur. Ihre Kooperationen werden im fünfstelligen Bereich vermutet. Influencer sind die neuen Super-Stars, laufen auf roten Teppichen, designen eigene Kollektionen und schmücken Cover von Magazinen. Auch Hotelzimmer, Sonnenbrille und Badeanzüge des Beach-Girls Deborah Flügge – auf Instagram als debiflue zu finden – werden nicht zufällig ausgesucht sein.

 

FÜR DIE COMMUNITY

Die Motivation der Unternehmen ist simpel: Ihre Produkte werden nicht nur kreativ angepriesen, sondern erreichen eine große Community. Deshalb gilt in der Regel, dass eine größere Follower-Zahl auch höhere Bezahlungen einbringt. Allerdings muss man keine 100.000 Follower haben, um Angebote von Unternehmen zu bekommen – oft sind Accounts im zehntausender Follower-Bereich attraktiver, denn bei ihnen schreit nicht alles nach Werbung! Welche Reichweite YouTube und Co. haben, sieht man auch, wenn man einmal Alexander Böhms Channel besucht. Der Allrounder Alexibexi interviewte vor wenigen Wochen Angela Merkel – Blogger sind also durchaus ernst zu nehmen! Generell gilt, wie in jedem Business: Auffallen! Experte ist auf diesem Gebiet: Künstler, Model und Instagrammer Toni Mahfud. Dem spielt nicht nur sein künstlerisches Talent, sondern auch sein Aussehen in die Karten. Besucht man den Account des jungen Bloggers mit arabischen Wurzeln, weiß man, warum er mittlerweile für Dolce und Gabbana läuft und Unternehmen sich um Kooperationen reißen.

 

DIE GROSSEN UNTER UNS

Doch der Weg zum Social-Media-Star ist nicht mit ein paar Bildchen erreicht, sondern erfordert Arbeit und Disziplin. Wir haben unsere lokalen Bloggrößen und Kassels upcoming Influencer zum Thema Kooperationen und Co. befragt, geben euch Tipps was ihr im Internet auf jeden Fall lassen solltet und wer die Top-Verdiener-Liste im sozialen Netz anführt.

Stylish-chic und trotzdem lässig begeistert Sarah auf ihrem Instagram-Account pueppicestmoi
knapp viertausend Fans.

BRAUSER: Sarah, welche Kooperationen hast Du aktuell und inwiefern profitierst Du davon?

Sarah: Gerade arbeite ich an vier Kooperationen aus der Fashionbranche. Die Kooperationen sind meist ganz unterschiedlich und gehen von bezahlten Beiträgen über kostenfreie Produkte bis zu Eventeinladungen. Was jetzt am meisten vorkommt, kann ich dabei gar nicht so genau sagen.

BRAUSER: Hast Du durch’s Bloggen neue Bekanntschaften gemacht, die zu guten Freunden wurden?

Sarah: Ich habe durch das Bloggen schon viele Mädels, beispielsweise auf Events kennengelernt – aber auch durch Instagram, besonders in Kassel, neue Freundschaften geschlossen. Zudem ist man durch Instagram mit ganz vielen tollen Mädels in Kontakt, die man leider nicht immer alle persönlich kennenlernen kann, aber zu denen man trotzdem eine besondere Bindung hat.

 

Als Modebloggerin ist die 24-jährige Kim (kiamisu.de) mittlerweile auf Fashionweeks und Mode-Events, nicht nur in Deutschland, zu Hause.

BRAUSER: Wie schnell und wodurch kamst Du zu so vielen Followern?

Kim: Ich blogge schon seit über fünf Jahren und konnte mir dadurch nach und nach eine etablierte Leserschaft aufbauen. Zudem bin ich regelmäßig auf allen Netzwerken und meinem Blog aktiv. Einen Stillstand gibt es nicht und wäre für den Blog auch fatal. Also denke ich, dass vor allem durch die stetige Aktivität und Hartnäckigkeit auch die Followerzahl wächst.

BRAUSER: Bekommst Du Kooperationen eher bezahlt oder Produkte zugeschickt?

Kim: Ich habe zeitgleich meist einige unterschiedliche Kooperation in Vorbereitung oder veröffentlicht. Aktuell ist eine größere Modestrecke in Portugal geplant, wo ich auch derzeit Urlaub mache. Außerdem ist es langsam auch wieder Zeit, die Beiträge für die Feiertage vorzubereiten. Weihnachten und Silvester sind die stärksten Zeiten für das Bloggeschäft. Ich profitiere natürlich von PR-Samples in dem Sinne, dass ich frühzeitig von Neuerscheinungen erfahre und diese schon im Vorfeld meinen Lesern vorstellen kann. Die Vergütung für eine Kooperation variiert je nach Umfang der Kampagne.

 

Atemberaubende Landschaftsfotografien sammelt Pelle Faust auf seinem Instagram-Account. Der ehemalige Kasseler nimmt fast 6000 Follower mit um die ganze Welt.

BRAUSER: Bekommst du Kooperationen eher bezahlt oder Produkte, Hotels oder Ähnliches gestellt?

Pelle: Bisher eher Zweiteres. Mit Hotelketten habe ich noch nicht zusammengearbeitet, aber auch das ist grundsätzlich für beide Seiten eine praktische Situation. Gleiches gilt für Autofirmen: Wenn der Fotograf ein Auto gestellt bekommt und damit in der ganzen Welt unterwegs ist, ist er mobil. Die Autofirmen bekommen dafür im Gegenzug professionelle Fotos von ihren Fahrzeugen. Die zu machen, wäre für die Hersteller sonst mit viel Aufwand verbunden. In Schottland haben wir einen Volvo XC60 gemietet. Ich habe davon Fotos gemacht und sie Volvo angeboten.

Einblicke in die Model- und Modewelt bekommen die über viertausend Follower auf Malenas Instagram- Account (malena.si).

BRAUSER: Wie viel Zeit investierst Du in Blog-Arbeit?

Malena: Das kommt immer ganz darauf an, was im Monat noch alles ansteht. Aber ich würde sagen, ich beschäftige mich täglich damit. Das ist auch wichtig, da die Community tägliche Updates von dir erwartet und es mir auch einfach Spaß macht. Jeder checkt täglich seine Timeline auf Instagram oder Facebook, so mache
ich das auch, nur dass ich mich vielleicht etwas intensiver damit beschäftige. Wenn Zeit ist, bereite ich auch schon Beiträge vor bzw. arbeite schon mal ein wenig vor. Dennoch ist es auch wichtig für mich, meine Auszeiten einzuhalten und diese zu genießen.

Über neunzigtausend Follower versammelt die fashion- und fitness-begeisterte Tina (tinabambiiina) auf ihrem Instagram-Account.

BRAUSER: Ist Bloggen für Dich ein Vollzeit-Job?

Tina: Ich betreibe Instagram nur nebenbei. Hauptberuflich bin ich Bürokauffrau. Meinen Hauptjob würde ich dafür auch nicht aufgeben, da sich die Social-Media-Welt ständig weiterentwickelt und Instagram so schnell out werden kann wie es in geworden ist.

BRAUSER: Tina, wie laufen Kooperationen bei Dir ab?

Tina: Meine Hauptsponsoren sind Fit/One und Scitec Nutrition. Bei diesen beiden Firmen bin ich fest unter Vertrag. Das andere sind kleine Kooperationen, die man meist einmalig nebenbei macht, wenn coole Anfragen rein kommen. Auch hierbei ist es mir aber wichtig authentisch zu bleiben. Man bekommt täglich so viele Anfragen und ich nehme nur Kooperationen an, die auch zu meinem Account passen und von denen ich selbst überzeugt bin.

 

Auf ihrem Blog lu-coaching vereint Luisa eine große fitnessbegeisterte Community.

BRAUSER: Hast Du neue Bekanntschaften durch’s Bloggen gemacht? Vielleicht Freundschaften geschlossen?

Luisa: Durch’s Bloggen kann man definitiv neue Bekanntschaften machen und das nicht nur im Umkreis seines Wohnortes, sondern weltweit. Ich habe viele aus der Schweiz, Österreich, aber auch Amerika, die mir folgen und mit denen ich Kontakt habe. Aber es entstehen auch Freundschaften. Das soziale Netzwerk verbindet definitiv und das ist ein tolles Gefühl, denn man teilt auf gewisser Weise die selbe Leidenschaft.

BRAUSER: Wie viele Stunden bloggst Du täglich, Luisa?

Luisa: Eigentlich gibt es keine Minute, in der man nicht „bloggt“. Ich bekomme täglich über 40-50 Nachrichten über Instagram, zusätzlich noch Kommentare und zahlreiche Mails. Es ist sozusagen ein selbstständiger Beruf – selbst und ständig. Dementsprechend investiere ich auch extrem viel Zeit ins Bloggen. Am Tag sind es mindestens 12-14 Stunden. Aber wie gesagt, freie Tage oder wirklichen Urlaub gibt es nicht.

 

BESTVERDIENER BEI YOUTUBE (IM MONAT) 

Quelle: www.vermoegenmagazin.de/youtuber-verdienst-deutschland/

 

Wir haben euch eine Liste unserer Lieblings-Instagrammer zusammengestellt. Klickt HIER!