BRAUSER trifft Mia Morgan

Lisa Marie, besser bekannt als Mia Morgan, führt einen mehr als interessanten Instagram-Account: Großaufnahmen ihres Gesichts, Männer mit freien Oberkörpern, viel rosa und auf eine Art faszinierend, die kaum in Worte zu fassen ist. Der BRAUSER wollte wissen, wie die Frau hinter den Bildern tickt und traf die 23-Jährige im Außenbereich der Kunst Uni, wo sie ihr Studium zum Wintersemester beginnen wird.

Kaffee oder Tee?

Eigentlich lieber Weißwein (lacht).

 

Steak oder Salat?

Salat. Ich bin Veganerin, aber keine Gesunde. Also vielleicht lieber Pommes?

 

Disco, Club oder Couch?

Wenn: das Unten; sonst Couch!

 

Was macht Kassel so liebenswert?

Viele meinen ja, man könne in Kassel nichts machen. Deswegen glaube ich, dass meine Generation total Bock hat gegen diesen Verdruss anzukämpfen. Ich kenne viele coole Leute, die Kassel in ein Zentrum für Kunst und coole Veranstaltungen verwandeln.

 

Was ist Dein Lieblingsplatz in Kassel?

Hier, an der Kunst-Uni. Sonst der Tierpark Rammelsberg – Ziegen streicheln (lacht).

 

Was nervt Dich hier?

Dass die öffentlichen Verkehrsmittel nachts nicht mehr fahren und ich nicht nach Vellmar komme.

 

Was treibt Dich an die Kunst-Uni?

Ich hatte eigentlich mit der Option zu studieren früh abgeschlossen, weil ich die Schule abgebrochen und erstmal gearbeitet habe. Dann hab ich Leute von der Kunst Uni und auch meinen Freund kennengelernt und fand echt interessant was die hier machen. Dann hab ich gemerkt, dass ich eigentlich alles, was ich eh schon mache unter dem Überbegriff Kunst zusammenfassen kann. Ich hab dann beschlossen mich zu bewerben und jetzt hat’s endlich geklappt.

 

Wenn Du spontan drei Tage frei hättest, was würdest Du machen?

Hab ich Geld? Am liebsten würde ich nach Wien, denn für Italien sind drei Tage zu kurz, zum Zuhause bleiben zu lang. Wien ist die schönste Stadt der Welt! Und weil ich bis jetzt nur im Sommer da war, hab ich das Gefühl: Wien hat immer dreißig Grad!

 

Hast Du Vorbilder?

Ich hab Leute, die ich gut finde und bewundere, aber niemanden, wo ich sage, so wäre ich auch gerne. Ich finde zum Beispiel Jan Böhmermann ziemlich geil, weil er einfach alles und immer gut macht. Manchmal ist er ein bisschen fies, damit kann ich mich nicht identifizieren. Aber wenn mich jemand fragen würde, was ich mal als Beruf machen will, dann sowas wie Jan Böhmermann!

Ansonsten Brandon Boyd den Frontmann von Incubus. Der hat viel gemacht in seinem Leben ist ziemlich cool und sympathisch!

 

Wie würdest Du Dich selbst beschreiben?

Ich bin Künstlerin, mache viel, bin aufmerksamkeitsgeil und manchmal nervig. Ich bin ein Klischee meiner psychischen Krankheit und trotzdem behandele ich sie ganz anders. Ich mache das, worauf ich Bock hab!

 

Du sprichst von Borderline?

Ja genau. Der beste Weg, um mit sowas umzugehen, ist es in die Öffentlichkeit zu gehen. Mir hilft Humor. Es gibt Leute, die auf sowas empfindlich reagieren – doch das sind meist keine Betroffenen. Natürlich gibt es, wie bei jeder Krankheit unterschiedliche Typen. Ich würde mich niemals körperlich verletzen, hab aber diese krasse Intensität und emotionale Instabilität. Mir hilft es, damit zu spielen und ich glaube, dass das dann auch anderen helfen kann.

 

Bist Du auch Feministin?

Das ist für mich selbstverständlich!

 

Bei ein paar Deiner Arbeiten ist auch Dein Umfeld involviert, zum Beispiel Dein Freund – Wie reagiert er darauf?

Mein Freund findet das gut. Er findet mich cool und ich finde ihn cool. Er ist definitiv auch eins meiner Vorbilder. Er studiert Visuelle Kommunikation/Fotografie und wir unterstützen uns gegenseitig!

 

Du willst auch Visuelle Kommunikation studieren?

Ich weiß es noch nicht… Ich wollte eigentlich Film mache. Ich habe auch angefangen zu fotografieren und find’s ziemlich geil! Hingegen einer Vielzahl von Fotografen, die eher experimentelle Fotos von Landschaften und Gebäuden schießen, mache ich aber Porträts.

 

Spielte Kunst in Deiner Familie schon eine Rolle?

Null. Es ist aber auch keine Rebellion, meine Eltern können sich nur nicht damit identifizieren.

 

Was hast Du denn zwischen Schule und Deinem jetzt beginnenden Studium gemacht?

Gearbeitet. Ein Jahr war ich auch Zuhause, weil ich krass mit meiner Essstörung zu kämpfen hatte und mich erstmal auf mich konzentrieren wollte. Nach dem Jahr hab ich dann gleich einen Job bei H&M bekommen und jetzt bin ich aktuell als Pressezuständige bei der documenta.

 

In wieweit weicht denn die private Mia von der inszenierten Insta-Mia ab?

Gar nicht. Ich glaube, weil ich mir erlaube absichtlich vielfältig – zurückhaltend und extrovertiert und laut und leise zugleich – zu sein. Ich will mich in keine Schublade stecken lassen. Der einzige Unterschied ist, dass ich denke, dass Leute, die mich nicht persönlich kennen, mich für aufbrausender halten als ich tatsächlich bin.

 

Die offene Art, die dem ganzen zu Grunde liegt – was meinst Du wo die herkommt?

Keine Ahnung. Ich war schon immer so. Ich hab als ich klein war meine Eltern auch gezwungen sich zweistündige Shows von mir anzugucken (lacht).

 

Wie kamst Du zum Bloggen?

Ich war schon früh viel am Computer. Und als das Internet für jeden so super zugänglich wurde, hatte ich auch so einen Klischee-Tumblr-Teenie-Blog. Dann hab ich auch viel über mich geschrieben, weil schreiben tu ich immer und über mich nunmal am besten – macht ja auch jeder gute Autor so und fixiert seine Charaktere an sich oder Personen aus seinem Umfeld.

 

Du willst auf all Deinen Kanälen ja immer authentisch bleiben? Wo gelingt Dir das am besten?

Das kann ich so nicht sagen, weil ich spiele ja keine Rolle und müsste immer einfach „wie ich“ wirken. Ich will auch keine Pionierin sein. Wenn ich ein Unterwäsche-Foto poste, dann möchte ich natürlich Body-Positivity transportieren, aber in erster Line mach ich das, weil ich darauf Bock hab.

 

Gibt’s schon Pläne für nach dem Studium?

Erstmal mach ich das Studium nicht wegen dem Abschluss, sondern weil ich mich weiterbilden will. Und sonst hoffe ich, dass ich mein Leben mal mit kreativem Schreiben finanzieren kann.

Male uns Dein Lieblingstier!

 

Würdest Du Dir wünschen, dass andere Frauen/Mädchen Dich als Vorbild nehmen?

Ja voll! Da schäme ich mich gar nicht, das zu sagen. Keine Ahnung ob es gut wäre, wenn man komplett wie ich wäre (lacht). Aber wenn ich Frauen oder auch Männern Mut geben kann zu Schreiben oder sich in ihrer eigenen Haut wohler zu fühlen, dann find ich das wirklich toll!

 

Südsee oder Sylt?

Sylt! Aber nur weil ich da quasi groß geworden bin. Ich war da mit meiner Familie jeden Sommer. Dieses Jahr ist das erste Jahr, dass ich nicht nach Sylt fahre.

 

Strand oder Berge?

Definitiv Strand.

 

Gibt es etwas, das das Internet über Dich vergessen sollte?

Ja, aber das sag ich nicht. Sonst guckt ja jeder (lacht).

 

Welches Lied sollte bei Deiner Beerdigung gespielt werden?

Das komplett Album von Drangsal. Und alle Gäste müssen bleiben bis das Album fertig ist.

 

Wenn man Dein Leben verfilmen würde, welcher Schauspieler würde Deine Rolle übernehmen?

Russell Brand. Auch wenn er mir nun gar nicht ähnlich sieht (lacht).

 

Deine drei Lieblingsfilme?

Dreizehn, Spring Breakers und Der Flug der Maube.

 

Lieber Serien oder Sport im Fernsehen?

Serien.

 

Wie können wir uns einen typischen Tagesablauf von Dir vorstellen?

Cornflakes und dann meistens an die Arbeit. Nach der Arbeit mache ich fast jeden Tag was mit meinem Freund.

 

Welchen Ort würdest Du gerne bereisen?

Süditalien und mal klischeemäßig nach Amerika.

 

Hund oder Katze?

Hund!

 

Kuscheln oder Knutschen?

Kuscheln, Knutschen und Sex!

 

Jetzt machst Du auch Musik – Was wolltest Du mit Deinen Youtube-Uploads zum Ausdruck bringen?

Mit dem ersten wollte ich glaube nur zeigen, dass ich einen ganz guten Rap in zehn Minuten schreiben kann (lacht). Meine Raps sind allerdings auch meist Satire. Mit „Wiedergänger“ wollte ich mich selbst ausdrücken. Das ist auch wirklich ernst zu nehmen.

 

Machst Du auch noch mehr Musik, als das was auf YouTube zu sehen ist?

Auf SoundCloud findet man ne Menge Demos von mir.

 

Ist das was Du machst, auch das was Du privat hörst?

Ich höre fast nur 80er Jahre Musik. Aber auch Rock und Rap – querbeet. Ich mag sonst auch die Smiths total gerne. Lana Del Rey find ich auch toll – weniger wegen der Musik, als mehr wegen ihrer Art. Sie hat sich eine eigene Schublade gebaut, um sich in keine stecken lassen zu müssen. Ich mag auch schon von klein auf „Die Ärzte“ und war auf jedem nahen Konzert!

 

Verarbeitest Du in Deinen Posts nur Dinge, die Dich persönlich betreffen oder auch gesellschaftliche Probleme?

Ich kann eigentlich nur von mir selber sprechen. Wenn jemand sagt dass trifft auch auf ihn zu, dann ist das gut. Bei gesellschaftlichen Dingen, ist es immer was, was mich auch selbst beschäftigen und nicht weil ich denke, dass ich das verarbeiten muss. Ich bin da ein bisschen egoistisch – wenn das jemand nicht versteht, dann soll er es lassen.

 

Gibt es auch etwas, worin Dich Deine psychische Krankheit beeinträchtigt?

Manchmal in gesellschaftlichem Umgang. Manchmal glaub ich, dass andere wegen der Art wie ich mich präsentiere und gebe, von mir ein viel größeres Selbstbewusstsein erwarten, als ich tatsächlich habe. Aber dann erinnere ich mich an meine Werte und Ziele und alles ist wieder gut. Meine Meinung ist, dass wenn ich als Teenager nicht so krasse Probleme gehabt hätte, könnte ich heute nicht so gut schreiben!

 

Was würdest Du anderen mit auf den Weg geben, die in einer ähnlich Situation stecken?

Wenn man psychische Probleme hat, sollte man sich davon losmachen, dass es einem nur wieder gut geht, wenn man das besiegt hat. Lieber sollte man versuchen damit zu leben und langsam dagegen anzusteuern, bevor man in einen verbitterten Kampf mit sich selbst gerät an dem man denkt zerbrechen zu müssen.

 

Wo kannst Du entspannen, wenn Dich mal alles nervt?

Bei meinem Freund, Max Sand.

 

Für wen oder was hättest Du gerne mehr Zeit?

Ich hab eigentlich genug Zeit.

 

Wenn Du spontan etwas verändert könntest, was wäre das?

Ich bin eigentlich mit allem zufrieden. Würde sich jetzt etwas Grundlegendes ändern, wäre ich ja gar nicht mehr ich. Nur mehr Geld hätte ich gerne!

Zeige uns den Inhalt Deiner Tasche!

 

Wo kaufst Du die meisten Klamotten?

Leider Monki, da geht nämlich viel Geld für drauf.

 

Wann hast Du das letzte Mal geweint und warum?

Vorgestern. War aber einfach eine Überreaktion, weil das Problem war doch keins. Ich weine schnell, auch aus Wut.

 

Welche Eigenschaft hattest Du schon als Kind, die Du heute noch hast?

Aufmersamkeitsgeilheit! So eine theatralische Art mit Nerven und Quengeln.

 

Gibt es einen Song, der Dein Leben aktuell beschreiben würde?

Ich hab mir Freedom von George Michael auf ne Playlist letzte Woche gepackt. Das fängt den Sommer ein. Vom Text her, naja. Ich hab heute morgen erfahren, dass es darum geht, dass sich George Michael von den Schubladen der Popkultur losreißen will. Das würde zu mir auch grob passen, aber eigentlich ging’s mir um die Musik.

 

Wann bist Du zu streng mit Dir?

Bei meinem Aussehen – viel zu sehr.

 

Was hast Du für einen Anspruch an Dich selbst?

Verdammt gut sein, in allem was ich mache!

 

Gibt es etwas, was Du in Deinem Leben unbedingt noch machen willst?

Klar, total viel. Ich würde sagen, ich hab noch ziemlich viel vor.

 

Wo siehst Du Dich selbst in dreißig Jahren?

Weißweintrinkend auf dem Balkon meiner wunderschönen Dachwohnung in einer schönen Stadt. In den Regalen stehen meine selbstgeschriebenen Bücher – in der Erstauflage, weil es gab natürlich noch mehr Auflagen. Mit einem kleinen Hund und meinem Freund.

 

Zeige uns Deine drei Lieblingstattoos.

Online-Babe, wie ich halt immer im Internet unterwegs bin. Und ich hatte auch als Teenager mal einen Blog, wo ich auch Unterwäschebilder gepostet hab. Da war Babe im Namen.

 

Wiedergänger ist der Name der Demo, die ich aufgenommen habe und damit auch meine erste Öffentliche. Das ist ein alter Begriff für Zombie. Ich habe das Gefühl, dass schon oft Teile von mir „gestorben“ sind. Ich also mit einer Lebensphase abgeschlossen habe und der Rest hat dann weitergemacht!

 

Und sonst finde ich eigentlich alle geil! Ich vergesse manchmal auch welche (lacht). Das ist so schön zweideutig!

 

Hast Du Dir auch welche selbst gestochen?

Nein, das macht eine Freundin. Aber die Vorlagen sind von mir.

 

Wenn Du für einen Tag mit jemanden tauschen könntest, wer wäre das?

Donald Trump und ich würde mir in den Kopf schießen!

 

Was hast Du Zuhause immer im Kühlschrank?

Die überteuerte Alpro Kokosmilch.

 

Was hast Du Zuhause vorrätig, was nie gegessen oder getrunken wird?

Tausende Dosen Baked Beans. Ich hatte mal ne dreimonatige Phase, wo ich jeden Tag Baked Beans gegessen habe. Jetzt komme ich nicht mehr dran, aber die sind ja ewig haltbar.

 

Hast Du Rituale oder Ticks?

Wenn ich krank bin, hab ich immer sofort Angst, dass ich sterben muss. Ich bin so ein kleiner Hypochonder!

 

Der perfekte Tag beginnt und endet für Dich mit?

Cornflakes und meinem Freund! Da reicht mir schon.

 

Welche App benutzt Du am häufigsten?

Instagram.

 

Würdest Du uns das allererste Bild auf Deinem Handy zeigen?

Ich hab mein Handy noch nicht so lange, mal sehen, was das ist. Ja, das ist geil!

 

Welchen Emoji benutzt Du am häufigsten?

Den Clown, den find ich cool!

 

Was machst Du als nächstes nach unserem Treffen?

Noch kurz mit einer Freundin in der Mensa essen gehen und danach zur Arbeit!

 

Mia schreibt gerne und gut –  im Fullepavillon las sie aus einem ihrer Werke. In „Jungs/Männer, mit denen ich Sex/Nichts hatte“ erzählt sie von ihren „Abenteuern“ mit Männern.