Auf dem Asphalt Surfen: Longboarden

Longboards, die zu langgeratenen Skateboards, sieht man im Sommer überall über den Asphalt rollen. Die Ziele, die sie anpeilen sind meist so individuell, wie ihre Fahrer. Die Boards mit den weichen Rollen sind nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern ein beliebtes Sportgerät. Der BRAUSER sprach mit Christian, für den sein Board mehr als nur ein Hobby ist.

 

Fotos: Christian Kreuter

 

„Anfangs war es nur die Idee das Longboard als Fahrradersatz zu benutzen. Dann kam eins zum anderen und ich stand plötzlich mitten in Slowenien und wollte die Straße runter fahren“, erzählt Christian, der 2013 das erste Mal auf einem Brett stand. Auf die Frage, was den Reiz beim Longboarden ausmacht, gerät der 24-Jährige, der auch Workshops im Skater-Laden Titus gibt, ins Schwärmen: „Beim Freeriden und Downhill ist es, die Geschwindigkeit und das Gefühl von Freiheit. Man kann sich nirgends festhalten und hat keine eingebaute Bremse. Da sind nur du und ein Holzbrett. Wenn du die Straße runter fährst ist dein Können gefragt, volle Konzentration und deine bisher gesammelte Erfahrung.“ Beim Downhill liegt der Fokus darauf, auf schnellstem Weg eine Strecke herunterzufahren. „Geschwindigkeit und sicheres Fahren sind hier am Wichtigsten. Bei Rennen liegen die Höchstgeschwindigkeiten zwischen 100 und 120 km/h, bei Events zwischen sechzig und hundert“, erklärt Christian. „Okay, vielleicht gehört auch etwas Wahnsinn dazu.“, ergänzt er lachend.

 

„NO HELM, NO RESPECT“

„Beim Longboardfahren gilt, egal welches Alter: No Helm, no respect.“, betont der Maschinenbau-Student, den eher das Schnell-Fahren statt Tricks-Machen interessiert. „Egal ob man nur mal eben die Straße entlang fährt oder wirklich bergab unterwegs ist. Es ist und bleibt ein Brett mit vier Rollen, auf dem man schnell das Gleichgewicht verlieren kann und unkontrolliert auf den Kopf fällt. Die Folgen sind auch bei geringem Tempo fatal!“ Auch Knie- und Ellenbogenschützer, die viele ja schon vom Inline-Skaten haben, können nicht schaden. Für die Hände gibt es spezielle Handschuhe, die auch zum Abstützen beim „Sliden“ – wenn das Board, meist in der Kurve, die Haftung der Bahn verliert und die Rollen schräg über den Asphalt rutschen – Stabilität geben.

MOMENTAUFNAHME

Doch der Maschinenbau-Student fährt nicht nur Longboard und seit er drei Jahre alt ist Ski, sondern hat sich als Sportfotograf einen Namen in der Skater-Szene gemacht. Seine Werke als „CK Photography“ kennen viele. Dass er auch selbst fährt, hingegen eher Wenige. „Immer wieder kommt der Satz: Ah, you’re CK?“, berichtet er.

 

Was ihn dabei begeistert? „Wohl das Gleiche wie alle anderen Sportfotografen: Diesen einen Moment einzufangen und ihn einzufrieren.“ Was für andere Fotografen das konzentrierte Gesicht eines Tennisspielers ist, ist für den Ahnataler der Moment des „Slides“ in der Kurve ein Trick beim sogenannten „Dancen“. Christians Herz schlägt jedoch hauptsächlich für die Downhill- und Freeride-Fotografie: „Die Reaktionen beim Betrachten der Bilder zu erleben ist toll. Abends sammelt sich immer eine Traube um den Laptop und jeder Fahrer kann den Moment sehen, sowie teilen, von dem er heute Vormittag nur erzählen konnte.“

STARTKLAR

Viel zu erzählen? Das hat der junge Sportler, der am liebsten noch mehr Zeit in  seine Hobbies investieren würde, natürlich auch. Viele seiner Freunde hat er durch’s Longboarden und durch Events kennengelernt, die er regelmäßig in mehreren Ländern besucht. „Wenn wir im Sommer eine Reiseroute suchen, richtet diese sich natürlich ausschließlich nach Strecken zum Boarden und Events“, beichtet Christian lachend. Events, also Zusammentreffen von Sportlern mit den gleichen Interessen in entspannter Atmosphäre, besucht er lieber als verbissene Wettkämpfe. Dort hat er auch nur einmal teilgenommen, wie er uns verriet. „Unerfahren und etwas überfordert habe ich Platz 64 von ungefähr 180 Teilnehmern erreicht. Kein Pokal, aber Spaß hat es gemacht und die Erfahrung war es wert.“ Events hingegen besucht der Globetrotter regelmäßig. Die sind für ihn wie Familientreffen. Dieses Jahr geht’s für ihn das vierte Mal nach Slowenien, um beim „KNK Longboard Camp“ – eines der bekanntesten Camps für Longboarder – dabei zu sein. „Mittlerweile fühlt es sich an als würde man seine Hausstrecke fahren.“ Einen Wunsch möchte er sich dennoch erfüllen: „Mit meiner Freundin in einem Landrover, durch Oregon in den USA touren.

Christian Kreuter
Geboren am 16. Juni 1993 in Kassel
Staatlich geprüfter Techniker, Fachrichtung Maschinenbau
Arbeitet als Zerspannungsmechaniker bei Daimler

Bis dahin gehe ich arbeiten um Geld für’s  Reisen zu verdienen.“ Anfängern empfiehlt er bei Board nicht auf’s Geld, sondern auf die Qualität zu achten und erstmal fernab vom Verkehr, zum Beispiel sonntags auf Parklätzen, zu trainieren. „Ich bin der Meinung, dass jeder Longboard fahren lernen kann, wenn er will.“ Er weiß, dass es Anfängern schwer  fallen kann, sich auf den in der Regel 90-150 Zentimeter langen Boards einfach den Berg runterrollen zu lassen. Doch auch der Profi ist bei ersten Eventtagen noch aufgeregt. Das Fahren auf dem  Vorgänger des Skateboards bleibt eben adrenalinreich!

Wer freies Fahren und Downhill lernen möchte, kann sich auf Facebook bei: Longboarding Crew Kassel, in der Gruppe: Longboarding Kassel oder bei: Christian.Kreuter@icloud.com melden.