Slackline: Der vielseitige Sport auf dem Seil

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Jetzt in den warmen Sommermonaten ziehen sie in Parks wieder vermehrt begeisterte Blicke auf sich: Jung und Alt, die versuchen auf einem Schlauch- oder Gurtband – genannt Slackline – das zwischen Bäumen gespannt ist, von einer zur anderen Seite zu balancieren. Doch steckt mehr hinter dem Sport als ein Zeitvertreib im Park? Der BRAUSER hat nachgeforscht.

Slacklinen – ein aufkommender Trendsport, der grob an Seiltanzen erinnert – ist ein auf den ersten Blick simpler Sport, der sich als Freizeitbeschäftigung in Parks, im Garten oder im Wald ausüben lässt. Denn alles was man dazu braucht ist eine  Slackline.

Das bedeutet übersetzt so viel wie „schlaffe Leine“. Dazu braucht man noch etwas, wo man diese Leine dann dazwischen spannen kann – zum Beispiel zwei Bäume. Es gilt, diesen Gurt zu überqueren – oder zumindest ohne Festhalten auf ihr zu stehen. Wer es einmal ausprobiert hat weiß, es ist alles andere als einfach.

Slacklines geben unter dem Gewicht des Sportlers nach und erfordern daher aktives Ausbalancieren. Doch beschäftigt man sich intensiv mit dem Sport, steckt viel mehr dahinter, als bloß Laufen auf einem Spanngurt, den man ein paar Zentimeter über dem Boden gespannt hat.

Ob in luftiger Höhe, Tricks, wie Sprünge und Saltos oder schlapp-aufgehangene und daher sehr wackelige Lines – der Kreativität sind bei dem jungen Sport keine Grenzen gesetzt. Diese Möglichkeiten leben auch die vier Jungs der Kasseler-Slackline Kultur aus. Die leidenschaftlichen Sportler sehen sich als offene Tür für alle, die sich mit dem Sport vertraut machen möchten.

Vielseitig

„Slacklinen bedarf keine körperlichen Voraussetzungen. Jeder kann es lernen“, erzählt Jens Decke, der unter seinen Freunden als Highline-Spezialist gilt, also dem Slacklinen in extremer Höhe. Er betont, dass man nur nicht aufgeben darf, sondern erst die nötige Muskulatur und Motorik aufbauen muss. „Der Sport kann sowohl im Park beim Picknicken, als auch als aufwändiges Projekt in den Bergen betrieben werden. Dazwischen ist alles vorstellbar.

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Diese Kombination aus Bewegung, Natur und dem Zusammensein mit Freunden macht den Sport lebendig und vielseitig“, schwärmt der Maschinenbau-Student. „Der wahre Charakter zeigt sich erst Draußen“, ergänzt Christoph Glöckler, der gerne auf dem Gurt meditiert. „Man kann Slacklines auch in Kletter- und Turnhallen aufbauen, was eine Trainingsalternative darstellt. Doch erst Projekte wie über Wasser, 200 Meter lange Lines oder Highlines
machen den Sport lebendig.“

Das soll nicht heißen, dass man beim Slacken unbedingt hoch hinaus muss, auch auf niedrig gespannten Slacklines mach der Sport eine Menge Spaß. Für den Anfang raten die Jungs, die Slackline niedrig zu spannen und versuchen darauf zustehen. „Dabei nicht nach unten schauen, sondern geradeaus“, empfiehlt Christoph. „Dass man dabei zittert ist normal.“

Grenzenlos

Auf die Frage, was denn ihre höchstgespannten Slacklines waren, erzählen die Sportler, die im Slacklinen seit circa fünf Jahren aktiv sind, dass sie ihre Lines in Brasilien 500 Meter und in Frankreich 300 Meter über dem Boden gespannt haben. „In Frankreich hatten wir einen Kilometer Sichtweite runter ins Tal“, erinnert sich Florian Mazurek, der beruflich als Ingenieur arbeitet. „Wir verbinden mit dem Slacklinen auch Reisen in andere Ländern“, führt der 30-Jährige weiter aus. Der Absolvent im Fach Regenerative Energien gerät ins Schwärmen: „Es macht uns glücklich, zu sehen, dass der Sport keine Grenzen kennt und niemanden ausschließt.“

Die Jungs betonen, dass die Sicherheit von Mensch und Umwelt an erster Stelle stehen. „Der Bekanntheitsgrad des Sports ist in den letzten Jahren immens gestiegen. Oft stellen Unerfahrene ihre Projekte auf eigene Faust auf die Beine. Meistens sind sie sich den Gefahren nicht bewusst!“, kritisiert Yannick Schlamm, der aktuell seinen Master in Maschinenbau macht. „Wichtig ist auch ein Schutz für die Bäume.“

Kampfgeist

Slacklinen wurde häufig von Alpinsportlern betrieben, die damit ´ ihren Gleichgewichtssinn trainierten. Seit einigen Jahren gibt es bei dem ursprünglichen Nischensport aber auch offizielle Wettkämpfe, zum Beispiel auf in Kniehöhe gespannten Tricklines.

„Doch in erster Linie geht es darum gemeinsame Projekte zu verwirklichen. Die größte Herausforderung ist der Kampf gegen seinen eigenen Geist und die Ängste.“, erklärt Christoph. „Ein 2,5 Zentimeter breites Band ist alles, was man als Referenz hat, wenn man hunderte Meter über den Boden läuft. Da macht der Kopf alles Mögliche, nur nicht das was man von ihm möchte“, führt der Mitarbeiter des Fraunhofer Instituts weiter aus.

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„Wir wollen Slacklinen der Öffentlichkeit präsentieren“, erzählt er. „Bei dem vorletzten European Outdoor Film Festival im Kongress Palais haben wir eine Highline zwischen zwei Säulen gespannt. Für uns war es dabei wichtig, den Leuten zu zeigen, dass es kein lebensmüder Extremsport ist, der von Verrückten in den Bergen ausgeübt wird.“

Die Sportbegeisterten Kasseler trainieren ein- bis zweimal die Woche. Auch Klettern, Yoga und anderer Draußen-Sport, wie Trailrunning und Mountainbiken gehören zu ihremProgramm. Für sie ist es wichtig aktiv zu bleiben und sie freuen sich auf neue spannende Projekte.

Brauser Tipp:
Natürlich kann man den Sport auf einer niedrigen Slackline auch alleine austesten. Zum Beispiel auf dem Spielplatz des ehemaligen Festplatzes in Rothenditmold: Dort hängt eine öffentliche,  straff  gespannte  Slackline  für  die ersten Schritte.

chrisChristoph Glöckler, 29:
spielt Schlagzeug und geht gerne Laufen

 

 

floFlorian Mazurek, 30:
geht Segeln und interessiert sich für Musik

 

 

jensJens Decke, 25:
macht gerne Yoga und geht Klettern

 

 

yannickYannick Schlamm, 24:
leidenschaftlicher Mountainbiker und Kletterer
Wer  Lust  hat  den  Trendsport  mal  auszuprobieren, kann mit den Jungs über ihre Facebook-Seite Kontakt aufnehmen und erfahren, wann sie wo am Slacken sind. facebook.com/slacklinekultur