Sport: Cheerleading

Mädchen in knappen Outfits, Poms schwingend und Footballmannschaften anfeuernd – so kennt man Cheerleader vor allem aus amerikanischen Highschool-Filmen. Doch Cheerleading entspricht längst nicht mehr diesem Klischee. Der BRAUSER stellt den Leistungs- und Wettkampfsport vor, bei dem man Vertrauen haben muss, um Stunts und Nervenkitzel zu erleben.

Hessische-Meisterschaft-2017,---Antonia-Stolte-bei-dem-Jump-''Toe-Touch''

„Let’s go Blue Birds, Let’s go!“ ruft es durch die Sporthalle Ost in Gießen. Gerade nimmt das Senior Coed Team der OSC Blue Birds Vellmar seine Position auf der Turnmatte ein. Es geht um eine Platzierung bei der 24. Hessischen Cheerleading Meisterschaft, um die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft in Dresden zu erreichen. Die Musik setzt ein und die ersten Teammitglieder zeigen Flick-flacks. Unter Anfeuerungen bauen sich zwei Bases auf und heben jeweils ein Teammitglied hoch. Nur an den Fußgelenken festgehalten strecken sich zwei blonde Mädchen mit unglaublicher Körperspannung in die Höhe, und werfen die bunten Pompons in Richtung jubelnde Menge. Blitzschnell geht es mit akrobatischen Hebefiguren weiter. Nach drei Minuten ist der Auftritt vorbei.

VIELSEITIG

Mit dabei in der elfköpfigen Truppe die 21-jährige Studentin Antonia Stolte. Im Alter von 12 Jahren machte die immer gut gelaunte und hilfsbereite Vellmarerin mit ihrer besten Freundin ein Probetraining in Niederzwehren. „Da dass unseren Eltern allerdings eine zu weite Anfahrt war, konnten wir dort nicht anfangen. Ein paar Monate später gründete sich dann unser Verein“, erzählt Antonia, die seitdem aktives Mitglied bei den Seniors und auch Trainerin von zwei Junior Teams ist. „In keinem anderen Leistungssport gibt es so viel Vertrauen in einem Team und das ist es, was aus diesem Team dann eine große, zweite Familie macht“, schwärmt sie. Vertrauen ist wichtig, denn die Flyer legen bei den Stunts und Pyramiden ihr Leben in die Hände der Bases.

HERAUSFORDERUNG

Auf die Frage, ob sie mit Cheerleading als selbstständige Wettkampfsportart angefangen oder weil sie abseits vom Spielfeld andere Sportmannschaften anfeuern wollte, hat die quirlige Sportlerin sofort eine Antwort parat: „Für mich stand von Anfang an der Spaß am Sport im Mittelpunkt. Schnell hab ich aber gemerkt, dass ich Cheerleading viel mehr als Leistungs- und Wettkampfsport ansehe. Es ist eben nicht nur das Rumgepuschel, was jeder vor Augen hat.“ Generell kann jeder Cheerleading machen. Von Vorteil sind aber Taktgefühl, eine gewisse Kondition und ein gutes Körpergefühl. Und wie lange muss man trainieren, bis man diejenige ist, die als Flyer durch die Luft gewirbelt wird? „Das hängt von der Person ab. Lernt sie schnell, und hat eine gute Körper Spannung, Vertrauen in das Team dann kann es ganz schnell gehen. Allerdings wird nicht jeder Flyer, der den Sport schon lange macht. Es kommt auch auf die Statur der jeweiligen Person an.“

ERFOLG

Antonia, die neben dem Sport auch gerne mal viel Zeit mit Musik, Gitarre spielen und zeichnen verbringt und sehr gerne auf Konzerte geht, war seit der ersten Meisterschaft der Blue Birds 2010 jedes Jahr bei Wettkämpfen dabei. Sowohl als aktives Mitglied auf der Matte als auch als Coach, seit 2014, neben der Matte. „Als allergrößten Erfolg sehe ich aber immer noch den Teamspirit an, der gerade an Meisterschaftstagen stärker denn je ist“, verrät die Studentin. „Wir haben zweimal die Woche Training, jeweils 1½ Stunden. Vor den Meisterschaften kommen dann noch Wochenendtrainings dazu. Ich persönlich gehe noch ins Fitnessstudio, um mich selbst ein bisschen zu verbessern.“ So kann die Vellmarerin auch zwischen Lernstress am besten entspannen und alle Sorgen vergessen.

BUNTER HAUFEN

Wenn so viel Teamspirit vorhanden ist, dann macht man auch außerhalb der Turnhalle etwas gemeinsam oder genau deswegen eben nicht? „Eher weniger. Gerade in der Meisterschaftsvorbereitung hocken wir oft genug aufeinander. Da verbringen wir weniger Zeit außerhalb des Trainings miteinander. Allerdings gehen wir gerne gemeinsam Essen oder was trinken“, sagt die junge Trainerin, die gerne mal auf einer internationalen Meisterschaft antreten möchte. Die „Blue Birds“ sind ein bunter Haufen verrückter Leute, die für fast jede n Spaß zu haben sind. Und so ging bisher jedes Mitglied, das mit schlechter Laune kam, nach dem Training mit einem Lächeln aus der Halle.

Jacqueline Giebing und Antonia Stolte

Jacqueline Giebing und Antonia Stolte

 

Antonia Stolte (rechts im Bild)
geboren am 17.4.1996
Studium: 2. Semester Soziale Arbeit
Weitere Hobbys: Zeichnen, Musik, Konzerte
Erfolge:
• Hessenmeister 2012  Junior All Girl
• 3. Platz Hessische Meisterschaft 2014  Senior All Girl Groupstunt
• 3. Platz 2015 Hessische Meisterschaft  SeniorAll Girl Team
• Vize Hessenmeister 2015  Senior All Girl Groupstunt
• Vize Hessenmeister 2017  Senior Coed Team

OSC Vellmar e.V., Abt. Cheerleading
Heckershäuser Strasse 59, 34246 Vellmar
www.oscbluebirds.de

 

5 Begriffe im Cheerleading

• Base: Die Person, die in Pyramiden/Partnerstunts unten steht und das Gewicht hält.

• Baskettoss: Wurftechnik, bei der im Normalfall 4 Bases einen Flyer in die Luft werfen und anschließend wieder auffangen. Häufig führt der Flyer in der Luft noch ein zusätzliches Element aus, macht z.B. ein en Salto.

• Flyer: Flyer sind die Mädchen/Frauen, die z. B. bei einem Baskettoss durch die Luft fliegen oder oben auf den Pyramiden stehen.

• Elevator: Einer der am häufigsten ausgeführten Stunts, da er sich auch ideal als Unterbau für viele Pyramiden eignet. Zwei Bases stehen sich gegenüber und halten einen Flyer vor ihrem Körper auf Brusthöhe.

• Chant: Ein Anfeuerungsruf aus maximal 12 Worten, welche sich nach der individuellen Vorgabe mindestens dreimal mit den dazugehörigen Motions (ohne Musik) wiederholen.

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