BRAUSER trifft Dustin Schenk

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Als er Graffiti sah, wusste er: Das ist es! Heute malt er seit 23 Jahren und leitet als freischaffender Künstler Projekte wie KolorCubes und gestaltet das Schillerviertel neu. Wir trafen den Künstler vor einer von ihm initiierten Arbeit in der Rothenditmolder Straße im Schillerviertel und sprachen über Arbeit, Privates und Gartenpartys.

Kaffee oder Tee?

Kaffee!

Bier oder Wein?

Bier!

Steak oder Salat?

Gehört zusammen.

In welcher Location trifft man Dich am häufigsten?

Entweder gehe ich weg, um keinen zu treffen, was meistens nicht klappt, weil ich einfach Kasseler bin. Oder ich will jemanden treffen, dann meistens für Projekte. Dann geht alles: von Mutter bis Neu-Kafé, ins Fes zum Biertrinken oder ins Arm.

Club oder Couch?

Fifty-fifty.

Was macht Kassel für Dich so liebenswert?

Familie. Ich komme aus Kassel, ich kenne Kassel und die Leute. Zwar bin ich viel unterwegs – mein Bruder und ich haben lange in Madrid gewohnt. Doch hier ist die Heimat.

Hast Du einen Lieblingsort in Kassel?

Den Wald über Harleshausen.

Was nervt Dich in Kassel am meisten?

Dass es hier alles nur einmal gibt. Hier gibt’s nur ein DEZ, ein Fridericianum, eine documenta. Das ist so monopolistisch. Weils hier keine verschiedenen Kieze gibt, gucken die Leute so genau auf einen und man wird immer verglichen.

Was würdest Du machen, wenn Du spontan drei Tage frei hättest?

Schlafen! Oder mit dem Hund von meinen Eltern im Wald eine Runde laufen. Und natürlich Zeit mit meiner Freundin verbringen.

Strand oder Berge?

Die Berge zeigen mir, dass ich klein bin, die See, dass ich groß bin. Ich bin viel öfter an der See, weil’s irgendwie die Leute eher zur See zieht. Ich würde aber auch gerne mal wieder vor den Bergen stehen, um auf mich zurückgeworfen zu werden.

Welches Lied sollte bei Deiner Beerdigung gespielt werden?

Das sollten sich die Leute lieber selber ausdenken, was sie mit mir verbinden wollen. Ich selbst verbinde mit mir lebendige Lieder.

Wenn man Dein Leben verfilmen würde, welcher Schauspieler würde Deine Rolle übernehmen?

Jack Nicholson.

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Und was sind Deine drei Lieblingsfilme?

Keine Ahnung. Entweder Fantasy, wie Hobbit oder Der Herr der Ringe. Oder echte Sachen, wie Schindlers Liste oder Natur-Dokus.

Serie oder Sport?

Serien, aber dann Comicsachen, wie One Piece oder Die Simpsons.

Hund oder Katze?

Beides! Aber ich bin leider gegen Katzen allergisch, obwohl wir früher immer welche hatten. Deswegen Hund, die sind therapeutisch toll!

Kuscheln oder Knutschen?

Kuscheln. Danach Knutschen.

Wie entspannst Du, wenn Dich alles nervt?

Bei meiner Freundin. Weil sie die Einzige ist, die nicht zulässt, dass ich über was anderes nachdenke. Sie vereinnahmt mich vollkommen, dann komme ich wirklich mal raus aus meiner Mission.

Wenn Du spontan etwas ändern könntest?

Ich würde gerne die Zeit mal anhalten, dass alles mal stehen bleibt und man sich mal umschaut, was eigentlich so passiert. Was passiert mit dem Krieg, den Tieren, der Umwelt. Einfach mal eine Meinung bilden und dann können wir weitermachen.

Wann hast Du das letzte Mal geweint?

Als ich mal Zeit für mich hatte. In Bezug auf Familie hat man ja die größten Ängste, da hilft es, sich mal auszuschütten.

Welche Eigenschaft hattest Du als Kind, die Du heute noch hast?

So eine Zeitlosigkeit. Wenn man nichts von mir hört, geht’s mir gut.

Wann bist Du zu streng mir Dir?

Ich habe eine selbstzerstörerische Ader und arbeite auch mal übernächtigt. Ich sollte gesünder leben.

Wie kamst Du zum Sprayen?

Irgendwann hab ich in Baunatal, wo ich aufgewachsen bin, mal Graffiti gesehen und wusste: Das ist es! Jetzt male ich seit 23 Jahren.

Vorher „The Motel“, heute „Iro Universe“. Was hat es mit den Künstlernamen auf sich?

„The Motel“ war eine super Buchstabenkombination, die sich gut im „New-York“-Style umsetzen ließ. Ich hab meinen Stil geändert und mache auch viel installative oder skulpturelle Sachen, die man in Kassel kaum kennt, weil ich in Basel, New York, Berlin oder Zürich ausstelle. Hier will ich Graffiti nach vorne bringen. Stelle mich als Künstler erst mal hinten an und will ein Netzwerk schaffen. Wenn’s eine passende Galerie gibt, sieht man meine Sachen vielleicht auch hier.

Hast Du ein künstlerisches Vorbild?

Ich bin ein großer Fan von Sigmar Polke oder Phillip Taaffe. Graffitimäßig orientiert man sich eigentlich an allem, ich bin an allem interessiert. Ich verändere mich total gerne. Von Straßentags, bis Großleinwand, von 7000 Eichen bis Jeff Koons – alles hat seine Berechtigung. Mir geht’s darum ideologiefreie Sachen zu schaffen.

Graffiti hat oft so ein Schmiererei-Image. Wo fängt Kunst für Dich an?

Wenn etwas von Ideologien befreit wird, egal ob Tanz oder Malerei. Ich denke, jeder muss das für sich selbst entscheiden. Denn wenn man sagt, etwas ist Kunst, ist etwas anderes dann keine Kunst?

Was hast Du für einen Anspruch an Dich selbst?

Ich glaube, ich habe ein Mission. Vielleicht Graffiti auf eine neue Ebene zu bringen. Deswegen arbeite ich auch an verschiedensten Sachen, nicht ich erfülle einen Sinn, sondern ein Sinn erfüllt mich.

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Was willst Du im Leben unbedingt noch machen?

Eine Party in meinem Garten, wo ich alle Menschen, mit denen ich auf meinen Reisen gelebt und gearbeitet habe, einlade. Alle kennen mich, aber keiner kennt den anderen. Dann ziehen wir alle die Schuhe aus und haben ein entspanntes Happening.

Familie und Freunde sind Dir wichtig oder?

Ja klar! Ich sehe uns auch alle als große Familie. Ich hab keine Vorurteile. Nicht gegen Ausländer, Künstler oder Rechte. Ich finde, man sollte alle Rechten zu seinen Freunden machen und ihnen sagen, dass sie keine Angst vor Veränderungen haben müssen. Lieber sollten sie auch auf meine Gartenparty kommen, dann können sie ein paar nette Ausländer kennenlernen.

In welchem Verhältnis stehen KolorCubes und das Schillerviertel? (KolorCubes ist ein Graffitiprojekt aus Kassel)

Das Schillerviertel ist einfach ein offenes, gutes Viertel. Von hier ist der Impuls gestartet. Weil wir hier Kunstateliers und viele freie Flächen haben. Es ist rebellisch, auch in der Architektur. Die Eigentümer, Initiativen und Firmen, wollen, dass sich etwas verändert, und sind auch Kunst gegenüber offen. Hier steht alles in einem Zusammenhang. KolorCubes ist für mich das Pendant zum WhiteCube – dem Ausstellungsraum. Also, der bemalte Würfel im Außenbereich.

Jetzt ist das KolorCubes-Projekt ja dafür da, um die Attraktivität unserer Stadt zu verbessern. Welche Aussagen sollen die Werke haben?

Ich glaube, dass es wichtig ist, eine kreative Landschaft in Kassel aufzuziehen. Damit sich aktiv kreative und alle Menschen wohlfühlen. Ich möchte, dass internationale Menschen nach Kassel kommen und begeistert sind. Deswegen lade ich auch dazu ein. Kassel kann sich auch mit anderen großen Städten messen!

 Kannst Du schon verraten, was in Zukunft geplant ist?

Wir arbeiten zusammen mit dem Berufsbildungswerk, der Hephata und Flüchtlingen. Es werden einige Wände dazu kommen auch mit Wohnungsbaugesellschaften. Eine Galerie und eine Künstler-Residenz werden entstehen. Ja, ansonsten überraschen lassen!

Was hast Du immer im Kühlschrank?

Senf.

 Du arbeitest aktuell als freischaffender Künstler, was macht Dich daran so glücklich?

Selbst wenn ich morgen bei der Müllabfuhr anfangen würde, dann würde ich früher oder später wahrscheinlich den Wagen bemalen. Ich denke, das kann ich einfach am besten verkörpern – das bin ich einfach! Im Moment mach ich ja kreatives Projektmanagement und da pocht mein Herz für!

Verdienst Du mit Deinen Projekten Deinen Lebensunterhalt?

Ja, ich versuch’s.

Dein Vater ist Tischler, Deine Mutter Rektorin. Die Kunst verbindet Handwerk mit dem Weitergeben von Inhalten. Inwiefern haben Dich Deine Eltern beeinflusst?

Total! Ich komme sehr nach meinen Eltern. Dieses unpolitisch Politische, das hab ich von meiner Mutter. Dieses gediegen Machermäßige hab ich von meinem Papa, der ist auch Therapeut. Meine Eltern haben früher soziale Einrichtungen und Asylheime aufgebaut. Sie geben mir Feedback und Puffer! Ich habe mit meinem Papa auch ein altes Fachwerkhaus ausgebaut – für mich verschwimmt Persönliches und Arbeit!

Womit sollte der perfekte Tag beginnen und enden?

Ich muss abends das Gefühl haben, dass ich meine Hausaufgaben gemacht habe. Am Besten sollte ich auch morgens schon wissen, was ich zu erledigen habe. Sonst kann es passieren, dass ich zu lange am Küchentisch sitzen bleibe.

Welche App benutzt Du am häufigsten?

Whats-App.

Unbenannt-1Was ist Dein letzter Whats-App Chat?

Ich hab ein Foto geschickt, an meine Dame.

 

 

 

 

 

Dustin macht seine Taschen leer: Was hat es mit der Kette auf sich?

Das ist der Energiestein meiner Freundin. Und sie trägt meinen. So laden wir uns gegenseitig mit Energie auf.

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Was machst Du jetzt als Nächstes?

KolorCubes-Flyer verteilen.

 

www.dustinschenk.de/home
www.startnext.com/kolorcubes