Sneaker-Alarm: Fashion für die Füße

Der Modefokus sinkt Richtung Boden – aber nicht des Niveaus, sondern der Sneaker wegen. Schuhe werden bei Outfits immer wichtiger, wenn nicht sogar das größte Augenmerk überhaupt. Nicht umsonst stellen große Modeketten Jacken und Schuhe mit dem gleichen Muster her. Der BRAUSER geht dem Sportschuh-Trend auf den Grund.

Die Gazelle: Kultiges Retro-Design und schmaler Schnitt. Das Must-have 2017. In unserer Gewinnspiel-Rubrik könnt Ihr den Retro-Schuh sogar gewinnen.

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Der Sneaker – ein Phänomen. Gefühlt seit Jahren in der Mode und trotzdem das wohl aktuell wichtigste Bekleidungsstück unserer Zeit. Hergestellt schon seit über 150 Jahren, wurden sie viele Jahre jedoch nur zu sportlichen Aktivitäten, wie zum Tennis getragen. Auf die Straße führten dann erstmal nur Jugendliche den pflegeleichten Schuh aus, als Protest gegen die glänzende-Lederschuhe-tragende Welt der Erwachsenen. Ihren letzten großen Aufschwung hatten die gummibesohlten Schuhe wohl, als sie auf einmal einfarbig weiß oder rot waren und zu Outfits in komplett schwarz getragen wurden. Aus diesen meist einfachen Modellen entwickelte sich eine allgemeine Begeisterung, hin zu auffälligen Designs.

AUFFALLEND ANDERS

Schon lange geht es in der großen Sneaker-Welt nicht mehr um „schöne Schuhe“, sondern wie so oft, darum aufzufallen. Denn wer findet Schuhe, die die Ferse um ein vielfaches vergrößern oder eine dicke Korksohle haben wirklich noch schön? Wahrscheinlich keiner. Gekauft werden sie trotzdem – und nur, weil irgendwer mal damit angefangen hat. Hat jeder ein Paar des aktuellen Trendsneakers im Schuhregal, kursiert schon ein neuer Hype im Internet um für helles Aufsehen zu sorgen. Die sportliche Mode eröffnet nun auch Männern die Tür zu breit aufgestellten Schuh-Liebhabern zu werden.

IMMER UND ÜBERALL

ReebokfreiDer Sneaker-Gestaltung scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Bekannte Sportartikelhersteller bieten Designs zum Selbstgestalten an und legen ihre alten Modelle einfach  wieder neu auf: Retro ist eben doch modern. Das Gute an den Trendschuhen? Man kann sie immer und zu  allem tragen. Ob Sport- oder Anzughose – Sneaker geben jedem Outfit eine lockerlässige Note. Der Sportschuh im Büro? Das brach strikte Konventionen unserer Gesellschaft, in der sich jeder selbst ausprobieren kann. Das haben auch viele Stars und Nicht-Sneaker-Firmen erkannt und klinken sich ins lukrative Schuhgeschäft ein.

GEMEINSAME SACHE

Die bekannteste Kooperation ist wohl die von Nike und Ex-Basketballer Michael Jordan. 1985 bot der Sportartikelanbieter dem Amerikaner den eigenen Basketball-Schuh an. Bei einem ist es glücklicherweise nicht geblieben. Bis heute ist Michael Jordan Namensgeber für zahllose Sneaker, Snapbacks und sportliche Shirts. Sich Zusammentun um eine große Masse zu  erreichen. Das haben sich auch Streetwear-Label Supreme und Luxus-Label Louis Vuitton gedacht, die für die kommende Herbst-/Winterkollektion gemeinsame Sache planen. Kooperationen scheinen das Geheimrezept zu sein. Das erkannten auch Rapper Kayne West und Adidas Originals. Viele der gemeinsamen Modelle wurden zu Verkaufsschlagern und erreichten stolze Verkaufswerte. Um manche Modelle der Yeezy Boots zu erwerben, muss man über 1000 US- Dollar hinlegen.

 

Wir sprachen mit Joe (Inhaber Sapato Store) und Tim (Mitarbeiter Sidestep) über Sneaker-Trends und Sammlerstücke.

Joe von Dalwig (26) aus Kassel betreibt seit drei Jahren den Sapato-Store in der Wolfsschlucht.

Joe von Dalwig (26) aus Kassel betreibt seit drei Jahren den Sapato-Store in
der Wolfsschlucht.

Joe, was ist der aktuelle Sneakertrend?

Da gibt es zwei Richtungen: Retro oder Neu. Neue Schuhe in Vintage-Optik, wie die Reebok Classic-Modelle. Adidas und Nike setzten größtenteils auf Innovation. Wie zum Beispiel die Boost-Technologie bei Adidas. Die Sohle wird als aktuell bequemste der Marke gehandelt. Die Brands haben gemerkt, dass die Leute Bock auf Tragekomfort haben. Seit den 90ern tragen die sogenannten Sneaker-Heads, also die krassen Sammler, Running-Schuhe im Alltag. Dabei kommen New Balance und Asics groß raus. Die zwei Großen, Adidas und Nike, werden eher zu Brands für die breite Masse.

Auf welche Farben sollte man setzen?

Ton in Ton Weiß, sowie Schwarz bleiben ewiges Thema. Bei Frauen ist es weiterhin Pastell und Creme. Bei den Männern Bordeaux und Oliv.

Welche Modelle sind im Anflug?

Bei Saucony, einem amerikanischen Laufschuh-Label, wird’s spannend. Die bauen nicht auf Masse, sondern Qualität. Bei Filling-Pieces, das sind hoch wertige Lederschuhe, handgemacht aus Portugal, dort wird die Sohle nicht geklebt, sondern gebacken. Die Schuhe halten ewig. Adidas und Nike werden Sohlen mit technischen Spieler eien rausbringen. Rihanna hat mit ihren „Fenty“-Schuhen die Plateau-Sohle zum Trend gemacht. International sind die vor allem bei Frauen sehr beliebt. Auch Kangaroos, die übrigens die einzige deutsche Schuhmanufaktur sind, werden schnell ausverkauft sein.

 

Tim Schöder (53) aus Kassel, seit 15 Jahren Sidestep-Mitarbeiter und Sneaker-Fan.

Tim Schröder (53) aus Kassel, seit 15 Jahren Sidestep-Mitarbeiter und Sneaker-Fan.

 

Tim, seit wann sammelst Du Sneaker und was findet sich so in Deiner Sammlung?

Ich sammele jetzt bestimmt schon fünfzehn Jahre. Im Job bin ich jeden Tag von schönen Schuhen umgeben – ein paar Prozente sind dann natürlich auch drin. Ich bin eher so der Mainstream-Sammler, weil ich es nicht einsehe, die hohen Preise für Schuhe auszugeben. Bei drei meiner Paare habe ich vielleicht auch eine Schmerzgrenze überschritten. Das sind drei ältere Nike-Schuhe. Zwei Retro-Running-Schuhe, die ich mal in Hamburg in einem Laden gekauft habe. Da hab ich auch mal 300 Euro bezahlt. Aber im Vergleich ist das ja noch im unteren Bereich. Dann noch einen Jordan.

Hast Du ein Lieblingsstück? Und werden deine Schuhe auch getragen?

Ich habe keinen Schuh, den ich noch nie getragen habe. Es passiert zwar, dass ich einen Schuh kaufe, erstmal aber nicht trage, weil ich noch nicht das passende Outfit gefunden habe, aber nicht weil sie zu wertvoll sind. Wenn du um die 200 Schuhe hast, passiert es, dass man mal einen findet, wo man denkt: Oh den hab ich aber lange nicht mehr angehabt. Der wird dann auch mal wieder zum Lieblingsschuh. Prinzipiell habe ich glaube ich eine Affinität zu Nike. Ich finde die Geschichte sehr interessant und die Aussagekraft des „Swoosh“ finde ich enorm! Er ist ganz schlicht und trotzdem verbindet jeder die Marke mit dem Zeichen.

Hat Dein Hobby Dir schon mal Probleme bereitet? Zum Beispiel beim Umzug?

Es gibt natürlich immer wieder Momente, wo die Leute sagen: Hey du bist echt bescheuert, schon wieder einen Schuh? Meine Freundin merkt schon gar nicht mehr, wenn ich einen neuen Sneaker kaufe (lacht). Umzugstechnisch gab’s nie Probleme. Ich brauche auch keinen Schuhschrank, sondern habe alle fein säuberlich in Kartons verpackt und kann sie stapeln.  So ließ sich immer ein Plätzchen für die guten Stücke finden.