Sieg aus dem Inneren: Kendo

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Kendo heißt grob übersetzt „Weg des Schwertes“. Wer jetzt an Kriegskämpfer denkt, liegt richtig. Der Kendo-Sport ist eine abgewandelte, moderne Art eines japanischen Schwertkampfes, wie ihn die Samurai lernten, lehrten und lebten. Der BRAUSER war neugierig und wollte mehr über den ungewöhnlichen Sport erfahren.

Zwei barfüßige Sportler in langen Gewändern stehen sich gegenüber. Ihre Gesichter sind mit Masken verdeckt in ihren Händen halten sie Schwerter aus Bambus, die Shinais. Nach einem kräftigen Schrei schlägt einer der beiden zu – Treffer. Doch was sich nach aggressivem Kampfsport anhört, zählt in Wahrheit unter die Sportarten mit dem geringsten Verletzungsrisiko. Strikte Vorschriften regeln beim Kendo die Fairness, alle erlaubten Trefferflächen sind geschützt. „In den westlichen Sportarten wird der Sieg von außen bestimmt, beim Kendo kommt der Sieg aus dem Inneren des Kämpfers“, erklärt Kendo-Kämpferin Nataliia Tanchynets. „Alleine den Gegner zu treffen ist nicht ausreichend. Durch Schreien und körperlichen Ausdruck wird gezeigt, dass der Schlag aus Überzeugung kommt, nur zufällig erfolgte Treffer gelten nicht.“

SCHICKSAL

DSC_0806-neuSeit zwei Jahren trainiert Nataliia zweimal die Woche im Kendoka Kassel den japanischen Kampfsport. Auf die Frage, wie sie zur Schwertkämpferin wurde, antwortet die 25-Jährige lachend: „Ich nenne es Schicksal oder Zufall. Da alle Plätze für die populären Angebote beim Uni-Sport ausgebucht waren, habe ich mich nach langer Suche für Kendo entschieden. Mein Trainer, der damals an der Uni unterrichtet hatte, schlug mir vor, im Verein vorbeizukommen. Im Verein trainiert man natürlich viel intensiver.“ Dass Kendo für die junge Studentin mittlerweile mehr als nur ein Sport ist, merkt man sofort: Nataliias größter Wunsch ist es einmal nach Japan zu reisen, um dort an einem Kendo Training teilzunehmen. Ihr Lieblingsessen ist Sushi und der Verein für sie wie eine zweite Familie, mit denen sie auch gerne Zeit außerhalb der Sporthalle verbringt.

ENTSPANNUNG

DSCF1388-1-heller„Wie komisch das auch klingt, aber auch zum Entspannen gehe ich zum Kendo, da kann ich den ganzen Stress rausschreien und nette Leute treffen“, erklärt die rücksichtsvolle, stets gut gelaunte Sportlerin. Da sie gerne ihre Ziele verwirklicht und bei einer Sache am Ball bleibt, reizen sie zurzeit keine anderen Sportarten. Ihr Ziel ist es, im Kendo immer besser zu werden. „Bis jetzt habe ich an vier Turnieren teilgenommen.“ Im Letzten schaffte Sie es auf den dritten Platz. Ein großer Erfolg für die kurze Zeit, die Nataliia erst im Kendo-Sport zu Hause ist. „Beim Kendo kann man den kulturellen japanischen Einfluss sehen“, erklärt Nataliia. „Kendo verbindet traditionelle Etikette mit kämpferischer Entschlossenheit, Wertschätzung der Übungspartner, Disziplin und Rücksicht.“

 

EINFACH TRAUEN

Der Sport ist kein reines körperliches Training, sondern schult durch seine besonderen Regeln auch den Charakter. Spontane Entscheidungen müssen gefällt werden und man muss an sich selber glauben. Traditionellerweise wird vor und nach jedem Training meditiert. Das macht Kendo zu einem Sport, der einem neben Fitness auch für den Alltag wichtige Eigenschaften vermittelt. Bei Turnieren wird nicht nach Geschlecht differenziert, der Respekt gegenüber dem Gegner ist das höchste Gebot: Zur Begrüßung wird sich verbeugt, die Ausrüstung des Anderen darf weder berührt noch überstiegen werden. „Auch ich kann gegen große Männer kämpfen, denn Kraft ist im Wettkampf kaum von Bedeutung, sondern Technik und Geschwindigkeit“, berichtet die zierliche Kendoka, die bei Wettkämpfen auf die Unterstützung von ihrer Familie und den Vereinsmitgliedern zählt. „In jedem Training überwinde ich meine eigenen Grenzen, werde entschlossener, willensstärker und konzentrierter.“ Allen die, die eine etwas andere Sportart mal ausprobieren möchten, kann Nataliia nur eins ans Herz legen:
„Einfach trauen und nicht zögern, weil Kendo macht echt Spaß.“

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STECKBRIEF
Nataliia Tanchynets

• geboren am 7.10.1991 in der Ukraine
• wohnt seit drei Jahren in Deutschland
• erreichte 2017 den Dritten Platz bei der Hessenmeisterschaft
• studiert an der Universität Kassel Wirtschaftsingenieurwesen Richtung
Maschinenbau
• wechselte nach einem Monat Uni-Sport zum Verein Kendoka
Kendoka Kassel e.V.
Moselweg 53, 34131 Kassel
www.kendoka-kassel.de